DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bundesrat Alain Berset im Hut-Interview zur Rentenreform.

Bundesrat Alain Berset zieht die Fragen der watson-Leser aus dem Hut. Bild: Watson

Interview

«Ist Ihre Frau einverstanden, dass sie länger arbeiten muss?»: Berset im Hut-Interview

Zahlreiche watson-Leser haben Fragen an Alain Berset zur Rentenreform eingereicht. Welche hat der Bundesrat aus dem Interview-Hut gezogen? Und wie hat er darauf geantwortet?



Die Rentenreform ist Alain Bersets Baby. Im Hut-Interview mit watson stellt sich der Sozialminister den Fragen unserer Leser: Sandra aus Zürich etwa will wissen: «Ist Ihre Frau einverstanden, dass sie länger arbeiten muss, der Bundesrat aber gleichzeitig nicht vorwärts macht mit der Lohnungleichheit?» Wie die Bersets am Familientisch darüber diskutiert haben, verrät der SP-Bundesrat im Video.

Video: watson/Emily Engkent

Bedenken bringen neben Frauen auch Vertreter der jungen Generation und heutige Rentner vor. Im Gespräch mit watson zeigt sich Bundesrat Berset dennoch überzeugt, dass die Stimmbürger der Reform zum Durchbruch verhelfen werden. «Die Leute spüren: 20 Jahre ohne Reform, das geht einfach nicht. Das ist ein absoluter Ausnahmezustand! Es braucht endlich Anpassungen an die heutige Lebensrealität der Leute.»

Die Altersvorsorge müsse finanziell stabilisiert und gesichert werden. Der AHV-Fonds, der heute noch voll sei, sei ohne Reform etwa 2030 leer, sagt Berset. Milliardendefizite drohten. «Der Status quo, nichts zu tun, das wäre wirklich das Schlimmste für die junge Generation.» Bei einem Nein könnten die Renten ohne Reform dereinst nicht mehr bezahlt werden.

Video: watson/Emily Engkent

Mit diesem Argument hatte sich Berset bereits einmal den Vorwurf eingehandelt, die junge Generation erpressen zu wollen. Dies weist er im Gespräch mit watson jedoch entschieden zurück: «Ich lege einfach die Fakten auf den Tisch. Wenn nichts passiert, vergrössern sich die jährlichen Defizite und wir knacken bald die Milliardengrenze. Dann hat die Schweiz ein ernsthaftes Problem, das wir jetzt lösen wollen. Je länger wir warten, umso teurer wird es.» Es sei unbestritten, dass eine Reform nötig sei.

Für Berset ist es illusorisch zu glauben, dass das Parlament innert kurzer Zeit eine bessere Reform zustande brächte. Alle, die die heutige Reform ablehnen, seien bei deren Erarbeitung in den letzten sechs Jahren eingebunden gewesen. «Und es ist einfach keine bessere Reform auf den Tisch gekommen! Einfach keine andere.»

Dass das nun plötzlich problemlos möglich sein soll, sei für ihn «schwer zu glauben». «Diese Vorlage ist bereits der Plan B», sagt er mit Blick auf die gescheiterten Reformen der letzten Jahre.

Video: watson/Emily Engkent

Widerstand gegen die Reform kommt einerseits von links: Westschweizer Gewerkschaften und die JUSO wollen die geplante Erhöhung des Frauenrentenalters und die Senkung des Umwandlungssatzes nicht hinnehmen. Andererseits machen FDP und SVP gegen die Reform mobil. Sie sprechen von einer «Ausbauvorlage» und stören sich insbesondere am 70-Franken-Zustupf für Neurentner. Auch User Daniel aus Zürich lässt Bundesrat Berset wissen, dass er von diesem «Giesskannen-Prinzip» wenig hält:

Video: watson/Emily Engkent

Bei einem Nein am 24. September stünde Berset vor einem Scherbenhaufen. Überliesse er die undankbare Aufgabe, eine neue Reform zu zimmern, in dem Fall jemand anderem, indem er das Departement wechselt? Etwa dem neuen FDP-Bundesrat, der Ignazio Cassis heissen könnte und im Parlament zu den erbittertsten Gegnern der Reform zählte? «Bon, diese Frage stellt sich jetzt nicht.» Er führe sein Amt mit viel Herzblut, versichert Berset.

Weitere Antworten von Bundesrat Alain Berset auf die Fragen der User im Video:

Video: watson/Emily Engkent

Die Rentenreform von Redaktions-Hund Elli einfach erklärt

Video: watson/Angelina Graf

Das könnte dich auch interessieren:

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

London hält Zahlen über Impfstoffexporte zurück

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Lohn für Hausarbeit? 7000 Franken für Eltern mit zwei Kindern gefordert

Das Bundesgericht drängt Mütter nach der Scheidung verstärkt in den Arbeitsmarkt zurück. Buchautorin und Gleichstellungsspezialistin Sibylle Stillhart hält das für realitätsfern. Sie fordert ein Entgelt für jene Arbeit, die heute mehrheitlich von Frauen gratis verrichtet wird.

Sibylle Stillhart (47) arbeitet als Mutter für ihre drei Söhne (zwölf-, zehn- und fünfjährig) und als Autorin. In ihrem letzten Buch («Schluss mit gratis. Frauen zwischen Lohn und Arbeit») sorgte sie mit der Forderung nach einem «Lohn für Hausarbeit» für Aufsehen.

Aktuell ist sie irritiert über diverse Urteile des Bundesgerichts, die Frauen nach der Scheidung finanziell deutlich stärker in die Pflicht nehmen als bisher. Vereinfacht gesagt: Die Richter in Lausanne schicken Frauen auf Jobsuche, …

Artikel lesen
Link zum Artikel