Schweiz
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So sieht es im Biwak im Hölloch aus (Archivbild). Bild: trekking.ch

Interview

Höhlenretter: «Wir haben damals Tee getrunken und einen Jass geklopft»

Seit dem frühen Sonntagmorgen sind acht Männer wegen eines Wassereinbruchs im Hölloch im Muotathal eingeschlossen. Die Männer sind unverletzt, werden aber voraussichtlich erst in einigen Tagen wieder an die Oberfläche kommen. Franz auf der Maur von der Schweizer Höhlenrettung sagt, wie es den Eingeschlossenen geht.



Herr Auf der Maur, Sie sind gerade auf dem Weg ins Muotathal.
Ja, ich fahre zum Hölloch und tausche mich dort mit unseren Leuten aus, die vor Ort sind.

Ihre Leute von der Schweizer Höhlenrettung sind in Kontakt mit den Eingeschlossenen. Wie geht es ihnen?
Es geht ihnen gut, sie haben gestern Besuch bekommen von unseren vier Rettern. Die sieben Touristen und ihr Guide sind jetzt im Biwak, und verlassen es vorerst auch nicht. Es regnet noch immer im Muotathal, am Nachmittag nehmen wir eine Lagebeurteilung vor, dann können wir mehr sagen.

Wie muss man sich das Biwak vorstellen?
Es gehört dem Trekking-Team, das auch diese Tour durchführt, die brauchen das Woche für Woche. Das heisst, es ist gut ausgerüstet.

Ist die Kälte ein Problem?
Nein, die Temperatur beträgt ungefähr sechs Grad, die Leute haben Schlafsäcke dabei und sonst hat es auch im Biwak weitere Schlafsäcke. Ausserdem gibt es eine gute Kücheneinrichtung. Wenn der Küchenchef in Laune ist, dann werden die Leute also warm verpflegt werden. Es ist sicher das am besten eingerichtete Biwak im ganzen Höhlensystem.

Wie lange reichen Essen und Trinken? Können die Leute versorgt werden?
Ja, es mangelt ihnen an nichts, und falls sie wirklich lange ausharren müssten, hat es auch noch weitere Biwaks mit Nahrungsmitteln im Hölloch. Man plant solche Ereignisse ja auch mit ein. Und im schlimmsten Fall können unsere Leute die Eingeschlossenen mit Lebensmittel versorgen. Auch ein Höhlenarzt stünde bei einem medizinischen Notfall zur Verfügung.

Die erste Prognose war, dass es bis Mittwoch dauern könnte, bis die Leute wieder raus können. Bekommt man da nicht irgendwann den Koller?
Nein, es ist ja nicht eng, das Biwak liegt im Domgang. Der Name sagt schon, dass die Platzverhältnisse da eher grosszügig sind. Ausserdem gibt es genug Luft und Höhlenwind. Und dann sind die ja in der Gruppe zusammen, nicht alleine. Alles in allem ist die Gefahr sehr klein, vorausgesetzt, man leidet nicht gerade an Klaustrophobie. Aber dann würde man ja auch keine Höhlentour mitmachen.

Und wie vertreibt man sich während drei Tagen eingeschlossen in einer Höhle die Zeit?
Ich kann Ihnen sagen, was wir gemacht haben, als wir einmal eingeschlossen waren: Wir haben Tee getrunken und wieder Tee getrunken und zwischendurch einen Jass geklopft. Man kann es sich ein bisschen vorstellen wie in einer Berghütte, einfach mit einem Felsen über dem Kopf, anstatt einem Holzdach.

ARCHIVBILD ZUM EINSCHLUSS VON ACHT PERSONEN IM HOELLOCH IM MUOTATHAL, AM SONNTAG, 21. JANUAR 2018 - Blick in die Tropfsteinhoehle im Gebiet der Sportbahnen von Hoch-Ybrig, am 27. Dezember 2000. Das 'Hoelloch' im Muotathal erhaelt Konkurrenz: Auch im Schwyzer Skigebiet Hoch-Ybrig liegt ein grosses Hoehlensystem. Forscher haben in den letzten zwei Jahren zwei Kilometer davon vermessen. Die Existenz der Hoehlen, die zum Teil ueber zahlreiche Tropfsteine verfuegen, wurde am Mittwoch, 27. Dezember wegen eines Unfalls an die Oeffentlichkeit gedrungen. (KEYSTONE/HO/Alois Kaelin)

Blick in die Tropfsteinhöhle im Hölloch. Bild: KEYSTONE

Die Gruppe wurde überrascht, als sich der Schneefall abrupt in eine Regenschauer verwandelte. Hat der Gruppenführer einen Fehler gemacht?
Nein, Wetterumschläge können passieren. Sagen wir's so, die Wetterlage war sicher nicht optimal, aber ich habe die Situation auch als ungefährlich eingeschätzt. Klar kann man immer sagen, ‹bleibt besser zuhause›, aber dann könnte man die Höhlentouren gleich ganz seinlassen. Es war sicher nicht fahrlässig, die Trekkingleiter schauen ja auch im eigenen Interesse. Und eben: Es ist niemand in Lebensgefahr oder so.

Es gibt mehrere alternative Ausgänge. Allerdings sind diese nur für Profis zugänglich. Wieso?
Diese Zugänge sind technisch einfach viel anspruchsvoller. Man muss zuerst mit Schneeschuhen auf die Oberfläche steigen und dann 250 bis 300 Meter Höhendifferenz überwinden. Es gibt da keine fixen Eisenleitern, das heisst, man muss sich mit der Einseiltechnik in den Schächten abseilen. Das ist nichts für Amateure.

Um 14 Uhr werden Sie erneut informieren. Können Sie jetzt schon eine Prognose wagen?
Nein, ich kann zu diesem Zeitpunkt wirklich nichts sagen. Wir müssen schauen, was das Wetter macht.

(wst)

Das ist die längste Unterwasserhöhle der Welt

Video: srf/SDA SRF

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