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Totes Kind im Keller – beschuldigte Eltern verlangen Freisprüche



ARCHIVBILD ZUM PROZESS AM KREISGERICHT RORSCHACH ZU TOTEM KLEINKIND --- Ein Polizeifahrzeug faehrt an einem Haus vorbei, in welchem am Dienstagnachmittag ein totes Maedchen aufgefunden worden war, aufgenommen am Donnerstag, 6. August 2015, in Staad. Wie die Kantonspolizei St. Gallen heute mitteilte, geht sie von einem Toetungsdelikt aus. Eine 32-jaehrige Deutsche und ein 52-jaehriger Schweizer wurden festgenommen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Bild: KEYSTONE

Im Prozess um den Tod eines Kleinkindes vor dem Kreisgericht Rorschach haben die beiden Beschuldigten am Mittwoch Freisprüche gefordert. Ihnen wird unter anderem vorsätzliche Tötung vorgeworfen.

Im August 2015 hatte die Polizei im Keller eines Hauses in Staad SG ein totes Mädchen entdeckt. In der auf mehrere Tage angesetzten Verhandlung des Kreisgerichts Rorschach werden die Eltern von der Staatsanwaltschaft für den Tod des knapp zweijährigen Kindes verantwortlich gemacht. Sie hätten die Betreuung wegen ihrer Drogensucht so sehr vernachlässigt, dass es starb.

Am Dienstag warf die Anklage der 35-jährigen Mutter unter anderem vorsätzliche Tötung, Verletzung der Fürsorge-und Sorgfaltspflichten sowie Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz vor und verlangte eine Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren. Der 55-jährige Vater sollte wegen der gleichen Straftatbestände eine Freiheitsstrafe von acht Jahren erhalten.

Als Alternativantrag verlangte die Staatsanwaltschat tiefere Freiheitsstrafen, falls eine Verurteilung wegen fahrlässiger und nicht wegen vorsätzlicher Tötung erfolgen sollte.

Freisprüche verlangt

Am Mittwoch wurde der Prozess mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt. Der Anwalt des Vaters des Mädchens forderte einen Freispruch. Er schilderte, wie sein Mandant nach der Festnahme «einen gewaltigen Schock» erlitten habe, als er vom Tod des Kindes erfuhr. «Er hatte danach Suizidgedanken.»

Der 55-Jährige habe zwar Kokain konsumiert, aber nicht in den Mengen, wie sie die Staatsanwaltschaft hochgerechnet habe. Sein Mandant sei in ein chaotisches und konfliktbeladenes Umfeld hineingezogen worden. Er habe psychische Probleme und sei unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden. Bei der Betreuung der Tochter habe er sich auf die Mutter verlassen, sagte der Verteidiger. «Sie hatte ja bereits drei Kinder

Keine Beweise für die Schuld

Der Rechtsvertreter kritisierte das «unheimlich umfangreiche Verfahren». Obwohl alle verfügbaren Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden seien, gebe es keine Beweise für die Schuld seines Mandanten. Es stelle sich eine grundsätzliche Frage: «Wie kann jemand für ein Tötungsdelikt verurteilt werden, wenn die Todesursache nicht feststeht?»

Die Verteidigerin der Mutter erinnerte in ihren Ausführung an die Bedeutung des Grundsatzes «In dubio pro reo»: Das Gericht müsse berechtigte Zweifel an den vorgeworfenen Tathandlungen zu Gunsten der Angeklagten auslegen. Sie verlangte Freisprüche in den wesentlichen Anklagepunkten. Ihr Plädoyer wird am Nachmittag fortgesetzt. (aeg/sda)

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • ostpol76 28.11.2018 19:31
    Highlight Highlight Kann eigentlich ein Verteidiger der bei diesem Fall einen Freispruch beantragt nachts noch gut schlafen?
  • Ziblizabli 28.11.2018 19:01
    Highlight Highlight Ich getraue mich kaum vor zu stellen, wie das Kleinkind gelitten haben muss. Nun die Eltern zu bestrafen ist eine Sache, aber man sollte sich besser darauf konzentrieren, dass so etwas nicht meht passiert. Wieviele Kinder leiden ab der Drogensucht der Eltern und werden nicht gehört? Das Ergebnis einer solchen Kindheit kennen wir alle.
    Darum: Legaliesiert endlich alle Drogen, gebt die in einem kontrollierten Rahmen gratis ab. Dadurch würde so manches Leid von Kindern und Ehepartnern aufgedeckt und vermieden werden können.
  • dracului 28.11.2018 19:00
    Highlight Highlight „Bei der Betreuung der Tochter habe er sich auf die Mutter verlassen, sagte der Verteidiger. Sie hatte ja bereits drei Kinder.“ WTF? Es sollte doch auch einem Vater (in einem alten Rollenmodell) auffallen, wenn ein Kind plötzlich fehlt? Und kann man heute mit Drogensucht vor Gericht alles entschuldigen?
  • Wald81 28.11.2018 17:50
    Highlight Highlight „Bei der Betreuung habe er sich auf die Mutter verlassen, sagte der Verteidiger. ‚Sie hatte ja bereits drei Kinder‘“ Ond das entbendet eim vo de Verantwortig als Vater? Was förnes Argumänt.
  • Miicha 28.11.2018 15:35
    Highlight Highlight Bei Mord gibt's wohl kaum einen Freispruch!
    • judge 28.11.2018 20:54
      Highlight Highlight Von Mord ist und kann im vorliegenden Fall keine Rede sein! Gehe maximal von fahrlässiger Tötung aus...
    • Aglaya 28.11.2018 20:55
      Highlight Highlight Nein, bei Mord gibt es sicher keinen Freispruch. Ein solcher steht aber gemäss Artikel auch nicht zur Diskussion, höchstens eine vorsätzliche Tötung. Ob es eine solche war, haben die Richter zu entscheiden.

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