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«142» statt «079»: Lo&Leduc und Funiciello setzen sich gegen Gewalt ein

SP-Nationalrätin Tamara Funiciello macht zusammen mit den Berner Rappern Lorenz Häberli und Luc Oggier, alias Lo&Leduc, auf die neue 24-Stunden-Hilfehotline des Bundes für Gewaltbetroffene aufmerk ...
Von links: Lorenz Häberli, Luc Oggier und Tamara Funiciello haben sich für Gewaltbetroffene zusammengetan.Bild: zvg
Häusliche Gewalt

Happyend nach «079»-Sexismus-Vorwurf: Lo & Leduc und Funiciello veröffentlichen Song «142»

Mit der Aussage, der Song «079» von Lo & Leduc sei sexistisch, erntete SP-Nationalrätin Tamara Funiciello 2018 viel Kritik. Jetzt haben sich die Berner Rapper und die Politikerin zusammengetan, um ein neues Hilfsangebot bekannt zu machen.
30.04.2026, 17:1530.04.2026, 17:26

Im Sommer 2018 passiert viel. Die Schweiz ächzt unter einer extremen Hitzewelle. Aus allen Radios und Boxen dröhnt der Sommerhit «079» von Lo & Leduc. Und in Genf passt eine Gruppe Männer fünf Frauen vor einem Nachtlokal ab und verprügelt sie auf brutalste Weise. Eine Frau verletzen sie dabei so schwer, dass diese zehn Tage im Koma liegt.

In den darauffolgenden Wochen gehen in der ganzen Schweiz Menschen auf die Strasse und demonstrieren gegen Gewalt an Frauen. Auch die damalige Juso-Präsidentin und heutige Berner SP-Nationalrätin Tamara Funiciello.

Tamara Funiciello, SP-BE, und ihre Kolleginnen und Kollegen der SP sitzen hinter "Gleichstellung jetzt!" Plakaten, die sie auf ihren Computern montiert haben, waehrend der ausserordentlichen ...
Tamara Funiciello sitzt seit 2019 für den Kanton Bern im Nationalrat und setzt sich vor allem für feministische Anliegen ein.Bild: KEYSTONE

An einer Demonstration in Bern spricht Funiciello über einen Lautsprecher über die Gewaltpyramide: Gewalt gegen Frauen beginne mit sexistischen Witzen und ende bei Vergewaltigungen und Femiziden. Am Anfang dieser Pyramide sieht Funiciello auch den «sexistischen» Sommerhit «079». Was Funiciello am Song stört: Der Mann im Lied versuche immer wieder, an die Handynummer der Frau zu gelangen – obwohl diese klar Nein gesagt habe.

Video: watson/nina bürge

Es ist nur ein kleiner Nebensatz, doch Funiciello löst damit einen Shitstorm aus. Viele, die «079» gerne hören, fühlen sich direkt angegriffen. Die «Schaffhauser Nachrichten» veröffentlichen in einer Karikatur Funiciellos private Handynummer, woraufhin die damalige Juso-Chefin mit beleidigenden Nachrichten und Drohungen bombardiert wird.

Was viele nicht wissen: «Nach der ganzen Diskussion sind Lo & Leduc und ich miteinander in Kontakt getreten und sind es über all die Jahre geblieben», sagt Funiciello heute zu watson. Und genau deshalb ist nun, acht Jahre nach dem Shitstorm, ein gemeinsames Projekt entstanden.

So reagierten Lo & Leduc 2018 auf die Kritik
«Wir finden es gut und wichtig, dass Themen wie Sexismus, Gleichberechtigung und Respekt diskutiert werden», teilten Lo & Leduc dem Newsportal nau.ch 2018 auf Anfrage mit. Sie freuten sich, wenn ihr Song zu einer «konstruktiven Debatte» beitrage. Beim Verfassen des Liedes sei aber die Frage im Vordergrund gestanden, wie sich zwei Menschen kennenlernen und wie das gegenseitige Interesse spielerisch bekundet werde. Lorenz Häberli und Luc Oggier betonen: «Der Refrain lautet ‹079 het sie gseit. Du weisch immer no nüt, het sie gseit.› Sie lässt ihn also nicht abblitzen, sondern gibt auf Augenhöhe die Spielregeln vor.» Der Mann setze danach alles daran, das Rätsel zu lösen – und zwar genau nach Regelwerk.
Für Lo & Leduc bietet sich der Song «aufgrund seiner Bekanntheit als Vehikel» an. Es sei wichtig, dass eine Diskussion über den «zweifellos vorhandenen Sexismus» in unserer Gesellschaft geführt werde. Es wäre ihrer Meinung nach aber schade, wenn man nun bei der Frage stehen bleibe, ob «079» sexistisch sei oder nicht. (cbe)

«142» statt «079»

2020 reichte Funiciello zusammen mit SP-Ständerätin Eva Herzog und FDP-Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher eine Motion ein, die den Bundesrat damit beauftragte, ein schweizweites professionelles 24-Stunden-Beratungsangebot für Opfer von Gewalt einzurichten. Sechs Jahre später liefert der Bundesrat dieses Angebot mit einer nationalen Hilfetelefonnummer für Gewaltbetroffene. Ab dem 1. Mai ist sie unter der Nummer 142 erreichbar.

Als feststand, dass der Bundesrat die Hilfetelefonnummer endlich umsetzen wird, kam Funiciello eine Idee: «Wieso nutzen wir den Song ‹079› nicht dazu, um auf die neue Helpline aufmerksam zu machen?», wie sie heute watson erzählt.

Sie habe daraufhin kurzerhand den Kugelschreiber in die Hand genommen und angefangen zu reimen. Sprich: den Refrain von «079» zu «142» umzuformulieren. Den Entwurf schickte sie Lo & Leduc mit der Frage: «Hättet ihr Lust, ‹142› aufzunehmen?» Die Antwort der beiden sei prompt gekommen: «Ja.»

Auf Anfrage von watson schreiben Lorenz Häberli und Luc Oggier, alias Lo & Leduc: «Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen die Telefonnummer 142 gegen geschlechterspezifische, sexualisierte und häusliche Gewalt kennen und brauchen.» Sie wollten ihren Beitrag dazu leisten, die Nummer bekannter zu machen. Und so entstand zusammen mit Tamara Funiciello in kurzer Zeit eine Neufassung des Refrains von «079» inklusive Video für Social Media. «In 15 Minuten hatten wir das Video fertig», sagt Funiciello begeistert.

Luc Oggier, left, and Lorenz Haeberli of the Swiss band 'Lo and Leduc' perform on the main stage during the 36th edition of the Gurten music open air festival in Bern, Switzerland, Saturday, ...
Lo & Leduc besteht aus Luc Oggier (links) und Lorenz Häberli (rechts).Bild: KEYSTONE

Die Diskussion von 2018 rund um «079» habe viel ausgelöst, schreiben Lo & Leduc auf Anfrage: «Es ist klar: Wir Männer müssen Verantwortung übernehmen. Das heisst konkret: unser eigenes Verhalten reflektieren, bei Dingen, die nicht in Ordnung sind, intervenieren. Auch wenn es unbequem ist. Und wenn man wie wir eine gewisse mediale Öffentlichkeit hat, muss man Position beziehen. Und genau das ist der Grund, wieso wir zusammen mit Tamara diese Aktion machen.»

Damit nimmt die Geschichte von «079» und Tamara Funiciello ein Happy End. Und Luc Oggier singt: «‹142›, het sie gseit. Die Nummere isch neu, het sie gseit. Würklich neu, het sie gseit.»

Hier findest du Hilfe
Unter häuslicher Gewalt versteht man körperliche, psychische, sexuelle oder ökonomische Gewalt innerhalb einer Familie oder in einer aktuellen oder aufgelösten Paarbeziehung. Betroffene können die 24h-Hilfehotline 142 anrufen und finden auf der Website ohne-gewalt.ch Informationen, Ratschläge und Unterstützungsangebote, die auf ihre Situation zugeschnitten sind. Kostenlose, vertrauliche und anonyme Beratung erhält man bei den kantonalen Opferhilfestellen.
Sollten sich Frauen zu Hause nicht mehr sicher fühlen, finden sie in Frauenhäusern eine sichere Unterkunft.
Für Kinder und Jugendliche bietet das Schlupfhuus Zürich Unterkünfte sowie Beratungs- und Hilfsangebote, die auch Betroffene aus anderen Kantonen in Anspruch nehmen können.
Betroffene Männer können sich an die Anlaufstelle Zwüschehalt oder an das Männerbüro Zürich wenden.
Bei Straftaten im Ausland können Schweizer Staatsangehörige die Helpline des EDA kontaktieren: +41 800 24 7 365.
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23 Kommentare
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Gallo Nero
30.04.2026 17:43registriert Oktober 2021
So geht vernünftiger Diskurs… coole Aktion von allen dreien!
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Tinuzeller
30.04.2026 17:21registriert Februar 2014
Bravo! Sehr cool!
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Frictoin the second
30.04.2026 17:25registriert Juni 2022
Gut so 💪🏻
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