DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Artikel 25 im Mehrwertsteuergesetz bestimmt, welche Gegenstände eine Steuerreduktion erhalten. 
Artikel 25 im Mehrwertsteuergesetz bestimmt, welche Gegenstände eine Steuerreduktion erhalten. bild: watson/piktochart

Diese Dinge werden tatsächlich tiefer besteuert als Tampons – weil sie «alltäglich» sind

Die australische Regierung hat die Tampon-Steuer abgeschafft. In der Schweiz zahlen Frauen 7,7 Prozent Mehrwertsteuer für Hygieneartikel. Katzenstreu profitiert hingegen von einem reduzierten Steuersatz – «absurd», findet SP-Nationalrat Jacques-André Maire.
05.10.2018, 08:27

Blutsteuer wird sie genannt. Die Mehrwertsteuer, die auf Damenhygieneartikel wie Tampons und Binden erhoben wird. In Australien gab die Regierung kürzlich bekannt, die Zusatzsteuer auf Frauen-Hygieneprodukte auf Anfang nächstes Jahr aus dem Gesetz zu streichen. Australien ist nicht das erste Land, das auf einen erhöhten Steuersatz für Tampons verzichtet. Neben Grossbritannien und Kanada hat auch die Europäische Union Vorschriften für die Mitgliedstaaten gelockert, damit diese den Mehrwertsteuersatz senken oder gar ganz aufheben können. 

In der Schweiz hatten ähnliche Forderungen bisher keine Chance. Der Neuenburger SP-Nationalrat Jacques-André Maire verlangte in einem Vorstoss einen reduzierten Steuersatz für  grundlegende Artikel wie Tampons, Windeln, WC-Papier, Seife oder Zahnpasta. Der Bundesrat schmetterte seinen Vorstoss ab. Zu gross sei das Loch, das in die Bundeskasse gerissen würde. Auf 50 Millionen Franken müsste der Bund verzichten, so Finanzminister Ueli Maurer: «Ohne dass sich das bei den Betroffenen im Portemonnaie wirklich niederschlagen würde.» 

Das Paradoxe dabei: Viele andere Gegenstände profitieren von einem reduzierten Steuersatz von 2,5 Prozent – nämlich dann, wenn sie per Gesetz «Güter des täglichen Bedarfs» sind. Zum Beispiel diese hier: 

Surprise
Bild: KEYSTONE
Surprise
Surprise
Surprise

«Das ist absurd», findet Nationalrat Maire. Er lässt sich von der Niederlage im Parlament nicht abschrecken. «Länder wie Australien, Kanada oder Grossbritannien zeigen, dass es geht.» Maire überlegt sich nun, sein Anliegen mittels einer parlamentarischen Initiative durchzusetzen – mit einer Änderung. WC-Papier und Seife soll nicht mehr mit auf die Liste. «Ich würde mich nur auf Damenhygieneartikel beschränken.» So würden auch die Mindereinnahmen für den Bund geringer ausfallen. 

Neben der politischen Ebene regt sich auch Widerstand in der Gesellschaft. 2016 färbte das feministische Kollektiv Aktivistin.ch zahlreiche Brunnen in Zürich blutrot, um auf die Ungerechtigkeit der verschiedenen Steuersätze aufmerksam zu machen. Anna*, Mitglied bei Aktivistin.ch, geht noch einen Schritt weiter: «Solange Frauen finanziell noch immer schlechter gestellt sind, wäre es eigentlich nur fair, Tampons, Binden und Menstruationstassen gratis abzugeben.» Das Kollektiv will auch in Zukunft für eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für Damenhygieneartikel und die Enttabuisierung der Menstruation kämpfen.

Zwei Teenagerinnen kämpfen mit dem Spiel «Tampon Run» gegen ein gesellschaftliches Tabu

1 / 9
Zwei Teenagerinnen kämpfen mit dem Spiel «Tampon Run» gegen ein gesellschaftliches Tabu
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Menstruationsprodukte verursachen riesige Abfallberge

Video: srf

*will nur mit Vornamen genannt werden

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Polizistin auf Strichplatz angefahren: Lenker droht lange Strafe

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor: Der junge Mann, der im Februar 2020 auf dem Zürcher Strichplatz eine Polizistin angefahren und mitgeschleift hatte, soll für 16 Jahre hinter Gitter. Der Beschuldigte kann sich aber nicht mehr richtig erinnern.

Zur Story