Schweiz
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Die Zahl der News-Abstinenzler wächst und wächst



Die Schweizer Informationsmedien haben wegen Google, Facebook und Co. weiter an Boden verloren und befinden sich in einer Negativspirale. Zudem führt die voranschreitende Medienkonzentration zu einem markanten Vielfaltverlust in der Berichterstattung.

Dies geht aus dem am Montag veröffentlichten Jahrbuch 2018 «Qualität der Medien» des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich hervor. Der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit im Untersuchungsjahr habe sich akzentuiert, heisst es.

Mark Eisenegger, Stiftungsratspraesident, praesentiert im Namen des Forschungsinstituts Oeffentlichkeit und Gesellschaft (FOEG) die Ergebnisse zum Jahrbuch Qualitaet der Medien 2015 (JQM), Schweiz, am Montag, 26. Oktober 2015, in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Mark Eisenegger, Stiftungsratspräsident des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft (FOEG) Bild: KEYSTONE

Als Folge der «Plattformisierung» – das heisst des weiter zunehmenden Einflusses der globalen Tech-Intermediäre wie Google und Facebook – hätten die Schweizer Informationsmedien weiter an Boden verloren und befänden sich in einer Negativspirale. Der Anteil journalistisch Beschäftigter sinke seit 2011 kontinuierlich, während der Anteil der Berufstätigen im PR-Sektor ebenso kontinuierlich wachse.

Zudem zeige sich eine «besorgniserregende Medienkonzentration». Das «Ausrollen» von Zentralredaktionen und Mantelsystemen habe einen markanten Vielfaltsverlust in den Bereichen der nationalen und internationalen Politik-, Wirtschafts- und Kulturberichterstattung zur Folge.

Damit seien exakt jene Themenbereiche betroffen, die für das demokratische schweizerische Gemeinwesen von zentraler Bedeutung seien. Zudem gehe der digitale Strukturwandel mit einer fundamentalen Umwälzung der Mediennutzung zulasten professioneller Informationsmedien einher.

News via Facebook

Im Jahr 2018 erreicht die Gruppe der sogenannten News-Deprivierten einen Rekordwert von 36 Prozent und ist damit heute die mit Abstand grösste Mediennutzungsgruppe in der Schweiz. Es handelt sich um Personen, die News nur noch sporadisch und von zumeist minderer Qualität konsumieren – und dies sehr substanziell über die Plattformen der Tech-Intermediäre.

Da die Zahlungsbereitschaft unmittelbar mit dem Newsinteresse verknüpft ist, legt mit den News-Deprivierten genau jene Gruppe am meisten zu, die am wenigsten gewillt ist, für News zu bezahlen.

Bild

News? Nein, danke.  Bild: shutterstock.com/bearbeitung:watson

Das Jahrbuch zeigt weiter, dass die Plattformisierung mit einem Trend der Audiovisualisierung verbunden ist. Audiovisuelle Inhalte, namentlich Videos, werden von den Nutzern mit besonders viel Reaktionen belohnt und von den Algorithmen der Tech-Intermediäre bevorzugt angezeigt.

Medienqualität sinkt

Im Kontext der genannten Entwicklungen und Herausforderungen bezeichnen die Autoren es als bemerkenswert, dass die Medienqualität in der Schweiz nach wie vor hoch sei. Aber sie sinke. Dies sei die Folge des Abflusses personeller und finanzieller Ressourcen. Rund ein Drittel der 66 untersuchten Medientitel könne die Medienqualität im Vorjahresvergleich nicht halten.

Das nationale schweizerische Mediensystem komme unter wachsenden Druck der globalen medialen Umwälzungen. Im Werbemarkt fliesse den Tech-Intermediären der Löwenanteil der Werbegelder zu. Und im publizistischen Markt kanalisierten sich die Publikumsflüsse in wachsendem Ausmass auf die sozialen Plattformen. Hier sei die Bindung an traditionelle Medienmarken tief, und die Zahlungsbereitschaft sei besonders gering.

Aber auch einzelne Schweizer Verlagshäuser setzten dem System der Informationsmedien zu. Sie richteten ihre Strategien partiell auf den nicht publizistischen Bereich aus und stellten - teilweise ohne Not, das heisst trotz erheblicher Unternehmensgewinne – nicht lukrative publizistische Einheiten ein, stiessen sie ab oder fassten sie in Verbundsystemen zusammen.

Medien mehr fördern

Dabei wiege schwer, dass selbst gewinnbringende Geschäftssparten wie die Onlinerubriken oder Onlinebörsen nicht dazu genutzt würden, den Informationsjournalismus mit Geldern zu versorgen. Vor dem Hintergrund dieser grossen Herausforderungen erschienen die kürzlich vorgestellten medienpolitischen Vorschläge im neuen Mediengesetz mutlos. In Anbetracht dessen, dass dem professionellen Informationsjournalismus ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell fehle, gingen die Vorschläge zum Ausbau der Medienförderung zu wenig weit.

Im Jahrbuch steht auch, dass das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in die hiesigen professionellen Informationsmedien nach wie vor hoch sei. Von 13 untersuchten Ländern erreiche die Schweiz zusammen mit Schweden und den Niederlanden diesbezüglich einen Spitzenrang. (sda)

«Traurig» – Die letzte Ausgabe einer Schweizer Zeitung

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Video: srf

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Avalon 23.10.2018 08:24
    Highlight Highlight Ich bezahle gerne für Medien. Allerdings muss dann auch die Qualität stimmen, zum einem der Informationen (Recherchen, differenzierte Artikel), zum anderen, wie mit den dort arbeitenden Menschen umgegangen wird.
    Beides stimmt seit vielen Jahren nicht beimTagi und der NZZ.
    • Fabio74 23.10.2018 21:44
      Highlight Highlight und wo stimmt es dann?
  • Klaus07 23.10.2018 01:02
    Highlight Highlight Und am gleichen Tag an dem dieser Artikel veröffentlicht wurde, berichtet Watson mit einem Liveticker über die neue Bachelor Sendung! Kein Wunder verlieren Medien immer mehr Leser!
  • Garp 22.10.2018 22:36
    Highlight Highlight Huch, der Artikel wäre mir fast entgangen, wurde er so tief unten eingereiht.

    Ich finde es tragisch, dass sie Menschen so wenig Bewusstsein haben, was guter Journalismus beinhaltet und was er kostet. Es wird die Gesellschaft verändern, wir sind ja mittendrin. Ein Medium das von starken Geldgebern abhängig ist, wird nie wirklich frei berichten können. Und den meisten scheint es zu gut zu gehen, um sie denken sie müssten sich noch informieren, es ist ihnen Wurst. Netflix reicht ja 🙄 .
  • trio 22.10.2018 18:25
    Highlight Highlight Ist mir auch schon aufgefallen, wie uninformiert heutzutage viele sind. Obwohl ich mich selber nicht als newsjunkie bezeichnen würde.
  • locin 22.10.2018 17:32
    Highlight Highlight Der Artikel zeigt, doch wie enorm wichtig es war, dass man bei der Abstimmung zum Erhalt der SRG richtig abgestimmt hat.

    Weiter sollte man sich, mich eingenommen, wieder bewusst werden, dass Informatinen nicht eifach gratis sind.
    • Richu 22.10.2018 18:31
      Highlight Highlight In diesem Artikel wird auch die sinkende Medienqualität beschrieben, jedoch fehlt leider in diesem Bericht die Bewertung der einzelnen Medien. Für mich jedoch nachvollziehbar, dass watson nicht bekanntgeben möchte, dass die Bewertung mit 4,73 bei einer von 1 bis 10 reichender Skala für watson schlecht ausgefallen ist!
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 22.10.2018 21:40
      Highlight Highlight Und nichts desto trotz verlagert das SRG das Radio nach Zürich 😒
      Genau dagegen habe ich gestimmt 😒
    • Fabio74 23.10.2018 21:45
      Highlight Highlight @gra man kann halt von der SRG nicht Sparprogramme verlangen und tut sie was, dann wieder motzen.
  • Ratzupaltuff 22.10.2018 15:53
    Highlight Highlight Kunststück, wenn man so Blödsinn wie:" SPD Politikerin trägt Rolex am Arm" lesen muss! Das sind keine Nachrichten das ist jammern. Und zum jammern habe ich bereits Anlass genug =P

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