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WIlf Gasser

Wilf Gasser, Präsident der Schweizerischen Evangelischen Allianz versuchte vergeblich erzbiblische Ansichten mit dem Kindeswohl zu rechtfertigen. 

«Arena» zu Homo-Eltern: Ratlose Lesbe und FDP-Portmann chancenlos gegen Gott und SVP-Frehner

Ein Evangelikaler, ein SVPler, eine Grünliberale und ein FDPler diskutieren auf Basis von theologischer Fortpflanzungsbiologie über rechtsstaatliche Fragen zu Familienmodellen. Kann das gut gehen? Nein. Ganz im Gegenteil. 



Die Frage, die in der gestrigen «Arena» hätte debattiert werden sollen, war eine simple: Sollen Schwule und Lesben das Recht erhalten, Kinder zu adoptieren, und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen. 

Es sei bereits an dieser Stelle verraten: Es hat nicht so gut geklappt mit dem Debattieren. 

Auf Pro-Seite standen der schwule Zürcher FDP-Nationalrat Hanspeter Portmann und die Grünliberale Nationalrätin Kathrin Bertschy aus Bern. Ihnen standen Nationalrat Sebastian Frehner, SVP Basel-Stadt und Wilf Gasser, Präsident der Schweizerischen Evangelischen Allianz, gegenüber. Als Experte amtete mit Peter Schneider der Generalsatiriker- und -analytiker des SRF. 

Argumente vs. Glauben

Folgende problematische Ausgangslage zog sich durch die gesamte Sendung: Portmann und Bertschy pochten argumentativ auf Rechtsgleichheit, die homosexuellen Paaren in Sachen Adoption zugestanden werden müsse und zugleich die Kinder in Regenbogen-Familien rechtlich absichere. Frehner und Gasser hingegen argumentierten mit göttlich-moralischer Ordnung und der Familie mit Vater, Mutter und Kindern als Fundament des Staates und der Gesellschaft. Alles andere müsse zwar als Zugeständnis an den gesellschaftlichen Zeitgeist im Sinne eines notwendigen Übels hingenommen, aber sicher nicht rechtlich abgesichert werden. 

Oder mit anderen Worten: Die einen argumentierten, die anderen glaubten und meinten. Frehner formulierte diesen Widerspruch slapstickartig aus, als er den Fortpflanzungsplan «vom liebe Gott» einleitete mit «wenn man es jetzt einfach mal nüchtern betrachtet»: 

Schöpfungsplan, «nüchtern betrachtet»

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Vom eigentlichen Gegenstand der Debatte, nämlich der Frage, ob Schwule und Lesben die Kinder ihrer Partner, also ihre Stiefkinder, adoptieren dürfen sollen, wich man bald in corpore ab. Frehner, ganz Jurist, befürwortete die Stiefkind-Adoption, da diese aus sozialversicherungs- und rentenrechtlicher Sicht für das Kindeswohl sinnvoll sei. Das war aber schon sein einziges Zugeständnis.

Vorwurf der Salamitaktik

Gleich danach schwenkte er, der auf nationaler Ebene gegen Sexualkundeunterricht an Schulen kämpft, auf seine Hauptargumentationslinie ein, mit der er verschiedentlich hätte punkten können, wäre er nicht insgesamt zu salopp aufgetreten. Die Stiefkind-Adoption sei nur ein weiteres Scheibchen in der Salamitaktik der Linken, sämtliche homosexuellen Lebensformen und Ansprüche auf Elternschaft rechtlich abzusichern. Frehners Horroszenario: «Dann kann man sich dann in ein paar Jahren von einer Leihmutter ein Kind per Internet bestellen und das kommt dann vorm Geburtstag zu einem nach Hause geschickt.»

«Kind bei Leihmutter per Internet bestellen»

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Portmann musste sich nicht nur gegen diesen «Blödsinn» wehren sondern auch gegen Adrian Müller. Der Publikumsgast sprach all das aus, was der Evangelikale Gasser aus Imagegründen nicht klar auszusprechen wagte. Nämlich das Homosexualität a) ein gewählter Lebensstil sei, der b) das Fundament der Gesellschaft untergrabe, c) nicht legalisiert werden dürfe und d) die christliche Staatsordnung vorsehe, dass nur ein Mann und eine Frau zusammen eine Familie gründen und Kinder haben dürfen. 

«Natürliches Recht auf Vater und Mutter»

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Müllers Formulierung, dass der Staat Homo-Ehe und -adoption «nicht legalisieren» dürfe, brachte den ansonsten schon fast mit pastoraler Ruhe ausgestatteten Portmann («Sie halten Homosexualität also für kriminell!») fast so sehr auf die Palme, wie Müllers Äusserung, nichts dagegen zu haben, «wenn jemand sich entscheidet, schwul zu sein oder zu werden».

Von seiner Pultnachbarin Bertschy, die ihre Verständnislosigkeit für die Position der Gegenseite schlecht verhehlen konnte, erhielt Portmann wenig Schützenhilfe. Wie die lesbische Zuschauerdebattantin Franziska Lanz konzentrierte sie sich darauf, Müller, Gasser und Frehner zu fragen, wovor sie eigentlich Angst hätten. 

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Studiogast Franziska Lanz: «Ich habe als Frau den Wunsch, ein Kind zu haben, nicht als Lesbe.»
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Darauf erhielt Lanz trotz engagierter und gescheiter Voten während 80 Minuten keine Antwort. Diese lieferte der Experte Peter Schneider in seiner einzigen messerscharfen Analyse. «Ich denke, wir haben es da mit Dammbruch-Fantasien zu tun», sagte Schneider und der Evangelikale Gasser pflichtete ihm bei: «Ja, ich habe tatsächlich Dammbruch-Ängste, in Skandinavien können Frauen bereits per Krankenkasse die ganze Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen.» 

Leider war dies der einzige gute Moment des Experten Schneiders, der sich darauf konzentrierte, die Gesprächsdynamik zu analysieren und dabei bloss feststellte, was augenscheinlich war: Die Parteien redeten komplett aneinander vorbei.

Seine eigentliche Aufgabe nahm er nicht wahr, nämlich aus psychoanalytischer Sicht die diffuse und unausgesprochene Angst der Evangelikalen und Frehners auszuräumen, dass Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit gestörte Satanisten werden. 

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