Schweiz
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Schweizer Detailhandel ist 2019 umgepflügt worden wie noch nie zuvor



Der Schweizer Detailhandel ist im laufenden Jahr so stark umgepflügt worden wie noch nie. Zahlreiche traditionellen Anbieter wechselten den Besitzer.

Für die grössten Schlagzeilen sorgte im zu Ende gehenden Jahr der Verkauf von Möbel Pfister. Im Oktober erklärte der österreichische Gigant XXXLutz, dass er das Schweizer Traditionshaus kauft. Möbel Pfister war der grösste Fachhändler der Schweiz und hinter Ikea die Nummer zwei des Markts.

Dabei hatte Pfister-Präsident Rudolf Obrecht nur zwei Jahre zuvor in einem Interview mit der «Luzerner Zeitung» erklärt, dass sein Unternehmen nicht zum Verkauf stehe. «In unserer Stiftungsurkunde heisst es klipp und klar, dass wir nicht verkäuflich sind», hiess es damals.

Die österreichische XXXLutz-Gruppe will als neue Besitzerin der Möbel Pfister zumindest in den kommenden ein bis zwei Jahren keine Änderungen beim Schweizer Möbelhaus vornehmen. (Archivbild)

Bild: KEYSTONE

Tempi passati. Der Stiftungszweck wurde zwei Jahre später kurzerhand geändert und der Deal abgewickelt. Als Grund für den Verkauf nannte die F.G. Pfister Holding, dass es für Einrichtungshändler immer anspruchsvoller werde, sich im «zunehmend globalisierten und kompetitiven Marktumfeld weiter zu entwickeln».

Migros wird Töchter los

Bemerkenswert war auch der Befreiungsschlag, zu dem die Migros im Sommer angesetzt hatte. Angesichts der schlecht laufenden Geschäfte wurde eine Reihe von Tochterunternehmen zum Verkauf gestellt. Danach ging es Schlag auf Schlag: Nur drei Monate später ging die im Vertrieb von Elektrofahrrädern tätige M-Way an die Schweizer E-Mobility-Gruppe.

Sechs der elf Interio-Läden gingen Ende November ebenfalls an XXXLutz und das Dekorations- und Einrichtungsgeschäft Gries Deco und Depot nur wenige Tage später an den früheren Besitzer Christian Gries aus Deutschland. Ebenfalls im Schaufenster steht die verlustreiche Warenhausgruppe Globus, hierzu hat sich aber nicht nichts konkretisiert. Diese soll noch in der ersten Jahreshälfte 2020 veräussert werden.

Qualität – nicht Premium

«Wir befinden uns in einer Phase der Umgestaltung», fasst Nicolas Inglard, CEO des auf Handel spezialisierten Unternehmens Imadeo, im Gespräch mit AWP zusammen. Gerade der Umbruch bei den Möbelhäusern sind für Inglard keine Überraschung. «Wenn wir uns den Möbelmarkt in der Schweiz ansehen, wird er von Rabatten dominiert. Und es ist ein Discounter, der Interio und Pfister kauft, die zur Mittelpreisklasse gehören.»

Auch in der Schweiz wächst der Branchenprimus Ikea weiter und wird mit der geplanten Eröffnung eines zehnten Marktes in der Schweiz expandieren. «Es gibt dieses Klischee vom Schweizer Konsumenten. Er will Qualität. Aber das bedeutet nicht, dass er Premium will. Sonst hätten Lidl und andere es nicht in die Schweiz geschafft.»

Auch der Textilbranche geht es schlecht. Die Episode rund um Episode Charles Vögele und OVS von 2018, die am Ende viele Arbeitsplätze kostete, ist noch gut in Erinnerung.

Im Textilsektor machen oft der Onlinekanal und zusätzliche Dienstleistungen den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg aus. Wie die deutsche Zalando, die kostenlose Lieferung und Rückgabe verspricht. Der Versand erfolgt ab Lahr, etwa 100 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt.

Kombination von physischem und Online-Handel

Laut Deloitte-Expertin Karine Szegedi hat für den stationären Handel das letzte Stündchen aber noch nicht geschlagen. Aber er müsse sich wandeln. «Kaufhäuser müssen sich neu erfinden, indem sie sich auf das Kundenerlebnis konzentrieren. Mit einem Theater, einem Kino oder Restaurants, in denen man Möbel kaufen kann. Wir gehen dorthin, um etwas anderes zu erleben», erklärte sie.

Die Deloitte-Expertin erwähnte etwa ein sehr angesagtes Piercing-Atelier im exklusiven Warenhaus Harrods in London. Ihr zufolge funktioniert auch die Kombination von physischem und Online-Handel gut. Szegedi verweist auf das Westfield Shopping Centre in London. Dieses experimentiert und testet immer wieder neue Konzepte.

Wie diesen Sommer einen Pop-Up-Store, der mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Dort konnten Kunden Kleidung anprobieren und erwerben, die gerade in Echtzeit online im Trend lag und von Influencern getragen wurde. (sda/awp)

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • re-spectre 22.12.2019 22:57
    Highlight Highlight ich bin ein outgesourcester micasa/do-it arbeiter, von 100 produkten sind 97 fragwürdig. was für unkompetente menschen kaufen den ramsch ein? abgesehen davon jetzt zu den lebensmitteln: aldi und lidl bieten klasseprodukte an, die coop und migros nicht in derselben preisklasse präsentieren können, nur denner kann da manchmal mithalten. trotzdem, wenn migros 50% anbietet, kann keiner mithalten. allgemein gilt: wenn man zeit und geduld hat, sind die angebote unterirdisch preiswert
    • Hoci 23.12.2019 20:40
      Highlight Highlight Hab da 1 2 Mal was gekauft, egal ob Katzenfutter, nichtessbares oder mein essen, das Meiste ging als ungeniessbar/brauchbar noch vor dem Laden oder wenig später in den Müll.
  • MaskedGaijin 22.12.2019 22:14
    Highlight Highlight OVS fand ich ganz krass. Gefühlt in jedem grösseren Kaff einen Laden eröffnen um sich ein paar Monate später wieder aus der Schweiz zurückzuziehen.
  • malu 64 22.12.2019 22:10
    Highlight Highlight Unsere Städte werden immer eintöniger und langweiliger, Fast Food Läden, Nagelstudios und Hairdresser, jeder mit günstigeren Preisen und alle graben sich ihr eigenes Grab!
    • Hoci 23.12.2019 20:37
      Highlight Highlight Nicht zu vergessen die chinesische Ramschware per Internet, die oft nur das Öffnen der Verpackung überlebt - vielleicht.
  • Frogface 22.12.2019 22:04
    Highlight Highlight Wer braucht schon den ganzen Plunder??? Mein privater Konsum ist mittlerweile so, dass ich eher etwas loswerden möchte. Dieser endlose Konsum ist doch zum Kotzen.
  • Xonic 22.12.2019 21:07
    Highlight Highlight "Es gibt dieses Klischee vom Schweizer Konsumenten. Er will Qualität. Aber das bedeutet nicht, dass er Premium will."

    Ja, ich will Qualität, aber zu einem angemessenen Preis! Nur weil Premium draufsteht ist es nicht automatisch besser. Dieser Zug dürfte langsam aber sicher abgefahren sein.
    • x4253 22.12.2019 21:33
      Highlight Highlight Es ist eher so, dass wenn Premium drauf steht, man zwar den entsprechenden Preis bezahlt, aber letztlich Ramsch bekommt.
    • redeye70 23.12.2019 06:33
      Highlight Highlight Ausserdem ist das Leben sehr teuer geworden in der Schweiz, besonders das hohe Mietzinsniveau. Die Kaufkraft der Mittelschicht bricht langsam weg mit deutlichem Effekt auf das Konsumverhalten.
    • Hoci 23.12.2019 20:35
      Highlight Highlight Nö den Preis für Qualität willst du nicht bezahlen. Versuch doch Malwas herzustellen, dannsiehst wie gross der Aufwand ist.
      Oder wie kann Hühnerfleisch aus frei herumlaufenden Hühnern teurer sein (bei den niedrigen m2 preisen.und geringen Lohnkosten) wie zb Deutschland? Schau dir den realen Aufwand für solche Eier und Hühnerfleisch an. Der waere doppelt so hoch wie für ein Schweizer Bioei und Poulet. Wieso wohl (Denkhilfe, auch Bio ist noch schlimm genug auf Kosten der Tiere die nach wenigen Monaten ausgelutscht/ schlachteif sind, widernatürlich.). Gleiches gilt für Möbel, Kleider usw.
  • Bandar_Log 22.12.2019 21:03
    Highlight Highlight Ein ziemlicher schwacher Artikel zu einem auch für die schweizerische Volkswirtschaft und damit für unseren Wohlstand wichtigen Thema: der private Konsum.
    • Dani S 23.12.2019 00:21
      Highlight Highlight Wer nicht mal Nominativ und Dativ richtig anwenden kann, sollte folgendes berücksichtigen: dem Schweizer Kunden (Dativ) wird oft ein Artikel (Nominativ) zum Premiumpreis verkauft, der bestenfalls Durchschnitt ist.
      Das kann auf Dauer nicht aufgehen.
  • jjjj 22.12.2019 20:36
    Highlight Highlight Jaja... Deloitte... dann muss es ja stimmen!
  • Pitsch Matter 22.12.2019 20:25
    Highlight Highlight Weiss jemand wo Ikea seinen zehnten Laden eröffnet?
    • Loeffel 22.12.2019 20:34
      Highlight Highlight In Riemenstalden.
    • kettcar #lina4weindoch 22.12.2019 21:14
      Highlight Highlight Hö? Kann doch nicht sein. Die 10. war in Corippo TI angekündigt. Meinst du vielleicht die 11.?
    • willi22 22.12.2019 21:45
      Highlight Highlight Falsch... uf em Stoos
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