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Osterglocken und der Chasseral: Jetzt im April verwandelt sich die Region in ein gelbes Meer.
Osterglocken und der Chasseral: Jetzt im April verwandelt sich die Region in ein gelbes Meer.Bild: Stefan Boegli
Rauszeit

Falls du in nächster Zeit nur einen Ausflug machen kannst, dann sollte es dieser hier sein

Es ist wohl etwas vom Spektakulärsten, was die Schweizer Natur im April zu bieten hat: Das gelbe Meer im Berner Jura. Tausende von Narzissen blühen dann an den sonnigen Hügeln. Auch wenn du kein ausgesprochener Blumenfan bist: Diesen Anblick vergisst du nicht mehr.
05.04.2022, 08:1428.04.2022, 08:46
Reto Fehr
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Die Schweiz steckt voller Überraschungen. So auch jedes Jahr ungefähr Mitte April im Berner Jura. Dann blühen hier Hunderttausende von wilden Osterglocken und verwandeln die Landschaft in ein gelbes Meer von Blumen.

Ja, richtig gelesen: Osterglocken wachsen zwar bei uns normalerweise nur im Garten oder dort, wo sie gepflanzt werden. Nicht so im Berner Jura. Hier blüht einer der bekanntesten Frühlingsboten wild und lässt die Wiesen gelb leuchten.

Normalerweise dauert das Spektakel von Anfangs bis Mitte oder Ende April. Es hängt immer vom Wetter ab. Aktuell haben die Osterglocken zu spriessen begonnen, je nach Lage und Höhe kann die Blüte früher oder später da sein (und es kann auch noch oder wieder Schnee haben, so wie jetzt am Montag, 4. April). Darum solltest du, bevor du loswanderst, die Infobox unten lesen.

Neben den Osterglocken findest du normalerweise auch viele Krokusse, die hier ebenfalls blühen. Die nicht intensive Landwirtschaft, das sonnige Klima und die trockenen Böden sorgen dafür, dass die sonst wild nur selten anzutreffenden Blumen hier massenhaft vorhanden sind.

Um die Narzissen (die Osterglocke ist eine Unterart der Narzisse) zu entdecken, hast du verschiedene Möglichkeiten. Wir stellen dir hier einige vor.

Anreise und Infos
Bevor du eine dieser Wanderungen unternimmst, informiere dich beispielsweise hier, ob die Narzissen auch wirklich blühen und ob kein Schnee mehr liegt. Die Wanderung ist auch ohne Blütenpracht schön, aber das gelbe Meer sorgt schon für das gewisse Extra.

Reise mit dem öffentlichen Verkehr an. Es gibt nur sehr wenige Parkplätze rund um Les Prés-d'Orvin und bei viel Verkehr (beispielsweise an Ostern) kann die Strasse gesperrt sein.

Bleib auf den markierten Wanderwegen. Ein Blumenstrauss (geschnitten), der in eine Hand pro Person passt, darf mitgenommen werden. Aber grabe nicht die Zwiebeln/Wurzeln aus.

Les Prés-d'Orvin (kleine Runde)

Distanz: knapp 7 Kilometer
Dauer: ca. 2 Stunden
Kondition: Mittel
Hier geht es zum Routenvorschlag.

Der Klassiker für die Narzissen-Wanderung. Mit dem Bus von Biel bis Les Prés-d'Orvin (Haltestelle Bellevue), dann erst hoch durch das Dorf und weiter zum Métairie d'Evilard und dann zur Cabane du Jura, wo man den Gebirgskamm erreicht.

Osterglocken so weit das Auge reicht.
Osterglocken so weit das Auge reicht.Bild: Vivienne Schneider

Auf diesem wandern wir rund 1,5 Kilometer und biegen vor dem Parkplatz Place-Central links ab. Via Punkt 1214 und La Combatte geht es zurück zum Ausgangspunkt.

Alles gelb.
Alles gelb.Bild: Instagram/schimschia

Les Prés-d'Orvin (längere Runde)

Distanz: knapp 10 Kilometer
Dauer: ca. 3 Stunden
Kondition: Mittel
Hier geht es zum Routenvorschlag.

Der Start und die ersten rund 90 Minuten sind die gleichen wie bei Punkt 1. Aber jetzt wandern wir auf dem Kamm und dem Jura-Höhenweg 5 weiter entlang zum Parkplatz Place-Central (gute Picknickmöglichkeit) und dann zum Clédar de Pierrefeu.

Und irgendwo da hinten grüsst der Chasseral.
Und irgendwo da hinten grüsst der Chasseral.Bild: Stefan Boegli

Hier biegen wir links ab. Mit etwas Glück sind die Bisons der nahegelegenen Bison-Ranch in Sichtweite. Auf der Naturstrasse geht es bis zum Restaurant Métairie de Prêles, danach wandern wir auf Asphalt zurück zur Bushaltestelle Bellevue beim Parkplatz.

Keinen Ausflugstipp mehr verpassen:

Prés d'Orvin (inkl. Chasseral)

Distanz: knapp 21 Kilometer
Dauer: ca. 6 Stunden
Kondition: Schwer
Hier geht es zum Routenvorschlag.

Ja, die 2- oder 3-Stunden-Varianten lassen kaum Narzissen-Träume offen. Aber vielleicht hast du ja Lust auf mehr, wenn du schon mal in der Nähe des Chasserals bist.

Vom Clédar de Pierrefeu erreichst du den imposanten Sendeturm auf dem Gipfel in knapp zwei Stunden. Die Aussicht ist natürlich grandios von hier oben. Checke aber vorher noch die allfällige Schneesituation auf den rund 1600 Metern über Meer. Zurück schlage ich den gleichen Weg auf dem Kamm vor und dann bei Clédar de Pierrefeu rechts abbiegen und dem Endstück von Punkt 2 folgen.

Du bist auf dieser Tour 21 Kilometer unterwegs und brauchst wohl rund 6 Stunden. An den Wochenenden ab Ende April/Anfang Mai fährt ein Bus vom Hotel Chasseral bis runter nach La Neuveville oder Le Landeron am Bielersee. Die beiden Städtli sind ein Besuch wert. Aber wenn du das alles zeitlich mit der Narzissen-Blüte kombinieren willst, geht's wohl kaum auf. Komm halt im Sommer nochmals.

Mont Sujet

Distanz: 12 Kilometer
Dauer: ca. 3,5 Stunden
Kondition: Mittel
Hier geht es zum Routenvorschlag.

Während uns die oberen drei Routen alle an die Hänge des Chasserals führten, wählen wir jetzt einen unscheinbareren Berg: Den Mont Sujet (Spitzberg). Dieser «Hügel» zwischen Chasseral und Bielersee ist deutlich weniger bekannt. Los geht's ebenfalls an der Bushaltestelle Bellevue, wir starten aber in die andere Richtung. Auf einem Teil der Wanderland-Route 38 erreichen wir den Gipfel in rund 90 Minuten.

Sagenhaft: der Blick vom Mont Sujet über die Osterglockenfelder bis in die Alpen.
Sagenhaft: der Blick vom Mont Sujet über die Osterglockenfelder bis in die Alpen.Bild: Instagram/Olivia Brunner

Jetzt hast du verschiedene Möglichkeiten. Aber geniesse erst nicht nur die Osterglocken, sondern auch den Blick auf den Bieler-, Murten- und Neuenburgersee, sowie den Chasseral. Denn auch wenn du die Osterglocken-Blüte hier verpassen solltest, die Aussicht hast du dir verdient. Ich könnte auf jeden Fall verstehen, wenn du dir sagst: Hier bleib ich.

Da liegen sie: Bielersee (l.), Murtensee (Mitte) und Neuenburgersee (r.)
Da liegen sie: Bielersee (l.), Murtensee (Mitte) und Neuenburgersee (r.)Bild: Instagram/nevz.swiss

Dann kannst du entweder auf dem gleichen Weg zurück (ich würde dir dann den kleinen Rundweg beim Gipfel noch empfehlen) oder du gehst weiter zur Combe d'Enfer (Höllenschlund) und biegst dort rechts ab zur Métairie de Prêles und zurück zum Startpunkt. Das dauert zwar etwas länger als den gleichen Weg zurück, aber du machst dafür eine schöne Rundwanderung.

Osterglocken und der Chasseral im Hintergrund.
Osterglocken und der Chasseral im Hintergrund.Bild: Instagram/nevz.swiss

Vom Mont Soleil zum Mont-Crosin

Distanz: 11 Kilometer
Dauer: knapp 3 Stunden
Kondition: Mittel
Hier geht es zum Routenvorschlag.

Wir wechseln den Hügelzug nochmals. Jetzt aber nördlich vom Chasseral und zwar zur Montagne du Droit. Startpunkt ist St-Imier, von hier mit der Standseilbahn zum Mont-Soleil.

Der Mont-Crosin, auch hier wachsen die Osterglocken.
Der Mont-Crosin, auch hier wachsen die Osterglocken.Bild: instagram/Felix Gerber

Erst passieren wir das Solarkraftwerk und ziehen dann praktisch auf einer Höhe bis zum Mont-Crosin, wo wir auch die Möglichkeit zur Einkehr haben. Zusätzlich zu den Osterglocken gibt es hier neben dem Solarkraftwerk auch die imposanten Windräder zu bestaunen.

Den Mont-Crosin erreichen wir in rund 1:45 Stunden, zurück am Bahnhof oder der Talstation der Standseilbahn sind wir mit einem Rundweg in insgesamt rund drei Stunden.

Für die Faulen

Ja, man kann die wilden Osterglocken auch sehen, ohne dafür Wanderschuhe zu schnüren. Wer von Les Prés-d'Orvin zum Parkplatz Place-Centrale fährt, kann dort bisschen rechts und links spazieren und kommt ebenfalls in Osterglocken-Genuss. Aber wie schon erwähnt: Es hat wenig Parkplätze, die Strassen können gesperrt sein. Überlege dir gut, ob du diese Billigvariante wirklich wagen willst.

Und auch den Mont-Crosin erreichst du mit dem Auto, fünf Minuten nur von St-Imier entfernt. Auch hier gilt: Kann man machen, aber die Tipps 1 bis 5 sind sicherlich reizvoller.

Reto Fehr
Man muss die Schweiz verdammt gut kennen, wenn man sie besser kennen will als Reto Fehr. Mit seiner «Tour dur d’Schwiiz» radelte er 2015 alle damals 2324 Gemeinden ab. Entstanden ist daraus das preisgekrönte Buch «Tour dur d’Schwiiz». Als einer von Wenigen besuchte er somit schon jede Gemeinde der Schweiz. In der Folge absolvierte Reto die Ausbildung zum Wanderleiter des Schweizer Bergführerverbandes SBV und ist in seiner Freizeit meist in der Natur unterwegs, wozu er dich auf seinem Instagram-Account immer mal wieder mitnimmt. Als Mitglied des Rätsel-Kollektivs «geoblog.ch» lässt er die User zudem mehrmals wöchentlich die Schweiz in Bildern entdecken.
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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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stormcloud
04.04.2022 16:18registriert Juni 2021
Aber bitte nicht die Blumen niedertrampeln wegen Selfies!

Vielen Dank 😀
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