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Der Zuercher Stadtrat Gerold Lauber beantwortet Fragen an einer Medienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 13. September 2017. Auf dem Areal Hardturm plant die Entwicklerin und Totalunternehmerin HRS zusammen mit Partnern den Bau eines Fussballstadions sowie 174 gemeinnuetziger und 600 privater Wohnungen. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Stadtrat Gerold Lauber: «Kriminelle, die sich Fan-Tenues anziehen.» Bild: KEYSTONE

Interview

«Die beiden Fussballklubs in der Stadt Zürich verfügen über 300 bis 400 militante Fans»

Der FC Zürich und GC hätten zwischen 300 und 400 militante Fans, sagt der Zürcher Stadtrat Gerold Lauber. Im Interview sagt er, er schliesse schwere Körperverletzungen oder gar Todesfälle nicht aus.

Othmar von Matt / Schweiz am Wochenende



Herr Lauber, Teleclub-Kommentator Marcel Reif sagte, Zürich solle doch statt Profifussball besser Segelregatten veranstalten. Was sagen Sie dazu?
Gerold Lauber: Man kann nicht sagen, dass Zürich nicht will. Noch spielen beide Klubs Fussball. Und solange es in der Schweiz Profifussball gibt, werden in Zürich eine oder zwei Mannschaften mitmischen. Fussball ist klar Sportart Nummer eins in Zürich. Die Nachfrage ist bei Kindern und im Breitensport mit Abstand höher als in allen anderen Sportarten. Grosse Zuwachsraten haben wir gerade bei den Mädchen und den Frauen.

«Es scheint mir nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis es zu gröberen Körperverletzungen oder gar zu mehr kommt.»

Tut die Politik zu wenig? Zürich hat noch kein Fussballstadion.
In Sachen Stadion kann man der Politik keinen Vorwurf machen. Sie ist seit zwanzig Jahren an der Arbeit und unternimmt jetzt mit einem Investorenwettbewerb den dritten und wohl für längere Zeit letzten Versuch für ein Fussballstadion.

Spielt die Fangewalt eine Rolle für die Schwierigkeiten beim Stadion?
Das mag sein. Fangewalt als Phänomen ist zu bedauern. Ich war eine Zeit lang sehr nahe an dieser Entwicklung und bin es teilweise noch immer. In meiner Einschätzung geht es hier um Kriminelle, die sich Fan-Tenues anziehen. Die letzten Ausschreitungen waren strafrechtlich mehr als relevant. Es sind relativ wenige Leute vorwiegend aus dem breiteren Anhang des FC Zürich, die Saubannerzüge und Krawalle suchen. Hätten sie nicht den Fussball, würden sie wohl einen anderen Deckmantel dafür finden. Es scheint mir nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis es zu gröberen Körperverletzungen oder gar zu mehr kommt. Die Klubs und die echten Fans – der grösste Teil der Südkurve des FCZ und der GC-Fans – trägt diese Entwicklung aber nicht mit.

Fans in der Suedkurve im Super League Fussballspiel zwischen dem FC Zuerich und dem FC Sion im Letzigrund am Donnerstag 10. August 2017 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Merz)

Zürcher Südkurve: Einzelne Mitglieder würden gezielt Jagd auf GC-Fans machen, schrieb der «Tages-Anzeiger» diese Woche. Bild: KEYSTONE

Sie befürchten, es könnte zu Toten kommen?
Ich weiss es nicht. Wenn man aber die letzten Bilder gesehen und die Berichte der Polizei gehört hat, muss man sagen: Es ist nicht auszuschliessen, dass es zu schweren Körperverletzungen oder sogar zu Todesfällen kommt. Das scheint nur noch eine Frage der Zeit.

Hooligan-Schlägerei auf dem Maagplatz in Zürich

Ist die Lage in Zürich relativ ernst?
Die Gewalt hat sich immerhin aus dem Stadion verschoben. Pyros gibt es zwar noch immer, aber keine Böller mehr. Die Verantwortung liegt nicht mehr bei der Stadt als Betreiberin des Stadions Letzigrund. Sie liegt bei den Klubs. Die Gewalt hat sich in die Stadt verlagert. Man weiss nicht, wann und wo diese Leute aufeinandertreffen und zuschlagen. Es ist sehr beunruhigend, wie stark die ernsthafte Gewalt in letzter Zeit zugenommen hat.

«Früher gab es ähnliche gewaltbereite Jugendszenen etwa am 1. Mai oder bei den Botellones, den Massenbesäufnissen.»

FCZ-Fans attackierten gemäss «Tages-Anzeiger» selbst jugendliche GC-Fans, die einfach Schals trugen.
Im Moment sieht es so aus, dass die FCZ-Fans die Überhand haben. Die GC-Fans geben sich aber zwischendurch als Opfer aus, obwohl sie das nicht sind. Die FCZ-Fans fielen in jene Turnhalle ein, in der die GC-Fans Kampfsport-Trainings absolvieren. Beide Seiten sind involviert.

Tun die Klubs selbst zu wenig gegen diese Fangewalt?
Es heisst oft, sie unternähmen nichts. Das stimmt aber nicht. Wir haben viele runde Tische zu Fangewalt, an denen Kantons- und Stadtpolizei, Staatsanwaltschaft und Klubvertreter teilnehmen. Das Problem der Fangewalt ist nicht so trivial. Früher gab es ähnliche gewaltbereite Jugendszenen etwa am 1. Mai oder bei den Botellones, den Massenbesäufnissen. Im Moment sind diese Kreise in der Fussballszene zu finden. Der FCZ wie GC tun aber vieles im Bereich Jugendsport und Fanarbeit.

Was tut die Stadt?
Die Stadtregierung versucht, die Kausalitäten dieser Entwicklung mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe unter der Führung des Sicherheitsdepartements von Stadtrat Richard Wolff zu ergründen. Wir erhoffen uns bis Mitte Jahr erste Massnahmen. Ich bin aber eher skeptisch. Könnte man die Probleme so einfach lösen, hätte man das längst getan. Man darf nicht vergessen, dass es in Zürich über Jahrzehnte hinweg eine gewaltbereite Jugendszene gab, zurzeit unter dem Titel Fussball.

Wie viele Leute sind da involviert?
Die Fachgruppe der Stadtpolizei Zürich, die sich täglich mit dieser Problematik befasst, ist zum Schluss gekommen: Die beiden Fussballklubs in der Stadt Zürich verfügen über 300 bis 400 militante Fans. Mitläufer sind in diesen Zahlen nicht enthalten. (aargauerzeitung.ch)

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