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«Hat zu viel gespart» – warum die Swisscom mehr grosse Pannen als Sunrise und Co. hat

16.02.2020, 05:0916.02.2020, 14:27

Am vergangenen Dienstag versagte das Swisscom-Netz grossflächig: Neben dem Mobile- und dem Festnetz war auch Swisscom-TV vom Ausfall betroffen. Zudem konnten weder Sanität noch Feuerwehr und Polizei telefonisch erreicht werden.

Am vergangenen Dienstag kam es bei der Swisscom zu einem Schweizweiten Total-Ausfall: Weder Festnetz noch Internet und TV funktionierten.
Am vergangenen Dienstag kam es bei der Swisscom zu einem Schweizweiten Total-Ausfall: Weder Festnetz noch Internet und TV funktionierten.Bild: allestörungen.ch

Es war jedoch nicht die erste grosse Panne des Telekom-Riesen im 2020. Bereits im Januar kam es zu einem ähnlichen Problem, das einen grossen Teil der Schweiz betraf. Und im vergangenen Oktober zählte die Swisscom gleich zwei gröbere Störungen. Ralf Beyeler, Telecomspezialist beim Vergleichs-Portal Moneyland, bestätigt gegenüber der «SonntagsZeitung» eine Häufung der Zwischenfälle beim Telecom-Anbieter. Seine Erklärung: «Die Swisscom hat zu viel gespart.» Und das anscheinend ausgerechnet bei ihren Back-up-Systemen.

Der Telecomspezialist ist sich sicher, dass nicht das gut ausgebildete Technik-Personal das Problem sei, sondern die Technologie selbst: «Die Swisscom hat ihre Technologie nicht im Griff.» Zurückzuführen sei dies auf ein «kulturelles Problem»: «Das Management bremst bei den Investitionen in die Infrastruktur. Sie wird aus Kostengründen zu wenig gut gewartet.» Und wie sieht es bei der Konkurrenz aus? UPC, Sunrise und Salt sollen eben genau diese Kosten nicht gescheut haben – ihre Back-up-Systeme sollten funktionieren.

Überwacht werden die Telecom-Anbieter vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Das Amt verpflichtet die Anbieter, Netzstörungen zu melden, wenn «potenziell mehr als 30'000» Kunden betroffen sind – sofern der Ausfall mehr als eine Stunde dauert oder «die Dienste an mehr als 25 Antennenstandorten einer Mobilfunkgeneration erheblich» eingeschränkt sind.

Eine Anfrage der «SonntagsZeitung», wie viele solcher grossen Störungen vorgekommen sind, wollte das Bakom zunächst nicht beantworten. Doch die Berufung auf das Öffentlichkeitsgesetz bewog die Bakom doch noch zur Auskunft: Im 2020 haben sich bereits zwei solcher Pannen ereignet – gleich viele im gesamten 2019.

Die Swisscom selbst wollte keine Informationen über die Anzahl ihrer Störungen rausrücken. Die beiden Swisscom-Ausfälle fallen in die Kategorie für die Bakom-Meldepflicht. Sunrise meldete laut eigenen Aussagen das letzte Mal vor fünf Jahren eine solche Störung. Salt und UPC gaben sogar an, noch nie eine meldepflichtige Panne gehabt zu haben

Und wie sieht es mit kleineren Störungen aus? Diese sollen zahlreich sein, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Einzusehen sind diese im Internet auf «Allestörungen.ch». Auf dem Portal können Kunden jegliche Ausfälle melden. Die Swisscom schneidet mit 27 Ausfällen innerhalb der letzten 12 Monate schlechter ab als Salt und Sunrise zusammen – Salt meldet 16 und Sunrise sogar nur acht. UPC landet mit 41 Störungen auf dem letzten Platz.

Bei der Kundschaft der Swisscom kommt Unmut auf, wie auch Kommentare wie dieser auf «Allestörungen.ch» zeigen: «Immer nur Ärger und für den Mist bezahlt man so viel Geld!» Auch die Zunahme an Störungs-Fällen wird angesprochen: «Kann mir mal jemand erklären, was mit Swisscom los ist? Störung an Störung bei mir im TV und Internet und das seit Tagen immer wieder!»

Eines ist für Ralf Beyeler klar: Die Swisscom muss Massnahmen gegen die Häufung der Störungen treffen. Ohne einen Notfallplan steht der Telecom-Riese bei einer weiteren Panne schlecht da – im Speziellen auch, weil die Notrufdienste nicht mehr funktionierten. Deshalb fordert der Spezialist: «Die wichtigsten Notrufzentralen müssten zusätzlich an die anderen Anbieter angebunden werden.»

(mim)

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65 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rethinking
16.02.2020 07:48registriert Oktober 2018
Immer dasselbe...

Ein CEO kommt, spart den Betrieb kaputt und wird von den Aktionären gefeiert...

Dann folgt der Abgang, möglichst mit fetten Abgangsprämien und was zurück bleibt ist ein Scherbenhaufen...

Wann endlich kapieren wir, dass die meisten Manager nicht dem Erfolg des Unternehmens, sondern einzig dem eigenen Erfolg und dem eigenen Portemonnaie dienen?
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Alice36
16.02.2020 08:10registriert Juni 2017
Zu viele Häuptlinge und zuwenig Indianer - mal kurz zusammangefasst🤢
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Chaose
16.02.2020 10:48registriert Januar 2014
Zu seiner Forderung, dass die wichtigsten Notrufzentralen zusätzlich an die anderen Anbieter angebunden werden müssten: Warum die Notrufe nicht eh schon redundant angebunden sein müssen, ist mir ein Rätsel.
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