DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Hat zu viel gespart» – warum die Swisscom mehr grosse Pannen als Sunrise und Co. hat



Am vergangenen Dienstag versagte das Swisscom-Netz grossflächig: Neben dem Mobile- und dem Festnetz war auch Swisscom-TV vom Ausfall betroffen. Zudem konnten weder Sanität noch Feuerwehr und Polizei telefonisch erreicht werden.

störung swisscom februar dennis

Am vergangenen Dienstag kam es bei der Swisscom zu einem Schweizweiten Total-Ausfall: Weder Festnetz noch Internet und TV funktionierten. Bild: allestörungen.ch

Es war jedoch nicht die erste grosse Panne des Telekom-Riesen im 2020. Bereits im Januar kam es zu einem ähnlichen Problem, das einen grossen Teil der Schweiz betraf. Und im vergangenen Oktober zählte die Swisscom gleich zwei gröbere Störungen. Ralf Beyeler, Telecomspezialist beim Vergleichs-Portal Moneyland, bestätigt gegenüber der «SonntagsZeitung» eine Häufung der Zwischenfälle beim Telecom-Anbieter. Seine Erklärung: «Die Swisscom hat zu viel gespart.» Und das anscheinend ausgerechnet bei ihren Back-up-Systemen.

Der Telecomspezialist ist sich sicher, dass nicht das gut ausgebildete Technik-Personal das Problem sei, sondern die Technologie selbst: «Die Swisscom hat ihre Technologie nicht im Griff.» Zurückzuführen sei dies auf ein «kulturelles Problem»: «Das Management bremst bei den Investitionen in die Infrastruktur. Sie wird aus Kostengründen zu wenig gut gewartet.» Und wie sieht es bei der Konkurrenz aus? UPC, Sunrise und Salt sollen eben genau diese Kosten nicht gescheut haben – ihre Back-up-Systeme sollten funktionieren.

Überwacht werden die Telecom-Anbieter vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Das Amt verpflichtet die Anbieter, Netzstörungen zu melden, wenn «potenziell mehr als 30'000» Kunden betroffen sind – sofern der Ausfall mehr als eine Stunde dauert oder «die Dienste an mehr als 25 Antennenstandorten einer Mobilfunkgeneration erheblich» eingeschränkt sind.

Eine Anfrage der «SonntagsZeitung», wie viele solcher grossen Störungen vorgekommen sind, wollte das Bakom zunächst nicht beantworten. Doch die Berufung auf das Öffentlichkeitsgesetz bewog die Bakom doch noch zur Auskunft: Im 2020 haben sich bereits zwei solcher Pannen ereignet – gleich viele im gesamten 2019.

Die Swisscom selbst wollte keine Informationen über die Anzahl ihrer Störungen rausrücken. Die beiden Swisscom-Ausfälle fallen in die Kategorie für die Bakom-Meldepflicht. Sunrise meldete laut eigenen Aussagen das letzte Mal vor fünf Jahren eine solche Störung. Salt und UPC gaben sogar an, noch nie eine meldepflichtige Panne gehabt zu haben

Und wie sieht es mit kleineren Störungen aus? Diese sollen zahlreich sein, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Einzusehen sind diese im Internet auf «Allestörungen.ch». Auf dem Portal können Kunden jegliche Ausfälle melden. Die Swisscom schneidet mit 27 Ausfällen innerhalb der letzten 12 Monate schlechter ab als Salt und Sunrise zusammen – Salt meldet 16 und Sunrise sogar nur acht. UPC landet mit 41 Störungen auf dem letzten Platz.

Bei der Kundschaft der Swisscom kommt Unmut auf, wie auch Kommentare wie dieser auf «Allestörungen.ch» zeigen: «Immer nur Ärger und für den Mist bezahlt man so viel Geld!» Auch die Zunahme an Störungs-Fällen wird angesprochen: «Kann mir mal jemand erklären, was mit Swisscom los ist? Störung an Störung bei mir im TV und Internet und das seit Tagen immer wieder!»

Eines ist für Ralf Beyeler klar: Die Swisscom muss Massnahmen gegen die Häufung der Störungen treffen. Ohne einen Notfallplan steht der Telecom-Riese bei einer weiteren Panne schlecht da – im Speziellen auch, weil die Notrufdienste nicht mehr funktionierten. Deshalb fordert der Spezialist: «Die wichtigsten Notrufzentralen müssten zusätzlich an die anderen Anbieter angebunden werden.»

(mim)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die turbulente Geschichte des Schweizer Mobilfunks

1 / 32
Die turbulente Geschichte des Schweizer Mobilfunks
quelle: keystone / martin ruetschi
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wohnst du neben einer 5G-Antenne? Hier findest du es auf einen Blick heraus

Sunrise und Swisscom haben das 5G-Netz gestartet. Der Bund zeigt auf seinem Online-Kartendienst, wo die neuen (und die bisherigen) Antennen stehen.

In der Schweiz sind bereits über 300 5G-Antennen installiert. Sie sind jedoch noch nicht alle in Betrieb. Auf der Website des Bundesamtes für Kommunikation sind alle Telefonantennen auf einer interaktiven Karte markiert, jene, die 5G übertragen, aber auch 3G- und 4G-Antennen.

Die 5G-Antennen von Swisscom, die seit Mittwoch in Betrieb sind, senden aber vorerst noch auf 4G+-Frequenzen. An 102 Standorten in 54 Ortschaften wie Zürich, Bern, Basel, Genf und Lausanne, soll 5G in Betrieb genommen …

Artikel lesen
Link zum Artikel