Schweiz
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Nach Mordaufruf: Umstrittene Moschee in Winterthur macht dicht

Die wohl umstrittenste Moschee der Schweiz ist am Ende. Nach dem Fastenmonat Ramadan im Juni wird der Verein An'Nur aufgelöst. Das Gebetshaus hat in den letzten Monaten immer wieder für Aufregung gesorgt. 



ARCHIV – ZU DEN VERHAFTUNGEN VON ZEHN PERSONEN AUS DEM UMFELD DER AN’NUR MOSCHEE IN WINTERTHUR DURCH DIE KANTONSPOLIZEI ZUERICH AM DIENSTAG, DEM 21. FEBRUAR 2017, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Polizei-Razzia in der An'Nur-Moschee in Winterthur, am Mittwoch, 2. November 2016. ..Am fruehen Mittwochmorgen hat die Kantonspolizei Zürich zusammen mit der Stadtpolizei Winterthur die An'Nur-Moschee in Winterthur durchsucht. Es handelt sich um den

Imam soll zur Tötung aufgerufen haben: Die Polizei verhaftete bei einer Razzia in der An'Nur Moschee Ende 2016 mehrere Personen.  Bild: KEYSTONE

Atef Sahnoun vom An'Nur-Verein bestätigte im «SonntagsBlick» den Schritt. Es habe keinen Sinn mehr, wird er zitiert. Die Moschee war in der Vergangenheit wiederholt in die Schlagzeilen geraten zuletzt im Februar nach der Festnahme von zehn Personen wegen eines Angriffs auf zwei Glaubensbrüder, die interne Informationen an einen Journalisten weitergegeben haben sollen.

Radikaler Imam verhaftet

Damit nicht genug: Am 2. November 2016 führte die Polizei eine Razzia durch und verhaftete insgesamt vier Personen - darunter den äthiopischen Hassprediger Shaik Abudrrahman. Dieser soll in seiner Predigt vom 21. Oktober zur Tötung jener Muslime aufgerufen haben, die sich nicht an die Gebetszeiten halten. Er und weitere Personen befinden sich noch immer in U-Haft. In einem Interview mit watson sprach der frühere Präsident der An'Nur-Moschee von einem «Interpretationsfehler».

«Das Problem ist nur oberflächlich gelöst. Jetzt tauchen die Islamisten ab»

Blerim Bunjaku, SP-Politiker sonntagsblick

Für den  Winterthurer SP-Politiker Blerim Bunjaku, der die Szene seit Jahren beobachtet, ist die Sache damit nicht vom Tisch: «Das Problem ist nur oberflächlich gelöst. Jetzt tauchen die Islamisten ab.» Für die Sicherheitsbehörden werde es nun schwieriger, die gefährlichen Kräfte unter Kontrolle zu halten, sagt Bunjaku im «Sonntagsblick» weiter. 

Von Winterthur in den Dschihad

Jugendliche in Hinterzimmern radikalisiert

Die Moschee sorgte auch im Zusammenhang mit Dschihad-Reisenden für Schlagzeilen. Mehrere Jugendliche waren nach Syrien gereist und hatten sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Ausländische Imame sollen sie zuvor in den Hinterzimmernder der An'Nur-Moschee (Arabisch für «das Licht») radikalisiert haben. Der Dachverband der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ), der fast alle Moscheen im Kanton vertritt, suspendierte den An'Nur-Verein in der Folge.

Die Schliessung der umstrittenen Moschee im Winterthurer Stadtteil Hegi war bereits per Ende 2016 in Aussicht gestellt worden, nachdem sich die Vermieterin, eine kleine Immobilienfirma, geweigert hatte, den langjährigen Mietvertrag zu erneuern. Sahnoun machte damals die Medien verantwortlich: «Die reisserische Berichterstattung ist schuld daran, dass unser Mietvertrag nicht verlängert wurde.»

Ende November tauchten auf Litfasssäulen in Winterthur Plakate mit dem Titel «Moscheerettung» auf. Mit Spenden sollte die Moschee für Gläubige gerettet werden. Anfang 2017 schliesslich einigten sich der Kulturverein An'Nur und die Vermieterin vor der Schlichtungsbehörde auf eine letzte Erstreckung des Mietverhältnisses. Laut Sahnoun haben die Leute Angst, dem Verein Quartier zu bieten. (amü/sda)

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