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Sussanne Wille ist die neue Generaldirektorin der SRG

susanne wille srg 25.04.2024
Die erste Medienkonferenz der neuen SRG-Chefin.Bild: sc/srg

Susanne Wille ist die neue SRG-Generaldirektorin – das Wichtigste im Überblick

Die 50-jährige TV-Journalistin Susanne Wille ist zur neuen SRG-Generaldirektorin ernannt worden. Mit ihr steht erstmals eine Frau an der Spitze der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft.
25.05.2024, 12:5525.05.2024, 21:14
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Wille tritt auf 1. November 2024 die Nachfolge von Gilles Marchand an, der seinen Rücktritt im laufenden Jahr angekündigt hatte. Die gebürtige Aargauerin ist vielen Fernsehzuschauenden als Moderatorin der Nachrichtensendung «10 vor 10» in Erinnerung.

Man sei zum Schluss gelangt, dass Wille, die jahrelang das Nachrichtenformat «10 vor 10» moderiert hat, die am besten geeignete Person für den Posten sei. Susanne Wille ist zurzeit Abteilungsleiterin Kultur und stellvertretende Direktorin von SRF. Sie wird ihre Funktion am 1. November 2024 antreten.

Über 20 Jahre stand Wille in diversen SRF-Sendungen vor der Kamera und leitet seit vier Jahren die Kulturabteilung von Schweizer Radio und Fernsehen. Sie ist Mitglied der Geschäftsleitung.

Wie reagierte sie auf die Wahl?

Sie habe sich trotz langjähriger Tätigkeit fürs SRF einen frischen Blick bewahrt, erklärte Susanne Wille am Samstagnachmittag in einer ersten Stellungnahme als neue SRG-Chefin. Sie werde für eine SRG einstehen, die nah bei den Leuten sei, die zuhört, mit der man sich identifizieren können, die Bewährtes bewahrt, aber auch bereit sei, sich zu verändern.

«Ich werde zuhören und verstehen wollen», sagte Wille. Wichtig ist ihr die Unabhängigkeit der SRG. In Zeiten von Fakenews und Desinformation brauche es einen klaren Kompass, sagte die langjährige Politjournalistin. «Ohne sorgfältigen Journalismus gibt es keine starke Demokratie», so Wille.

Ebenso wichtig wie ein starker medialer Service Public seien die privaten Medienanbieter. Mit ihnen will Wille auf Dialog setzen. Wille bekannte sich auch zur «Idée Suisse». Als Deutschschweizerin werde sie den unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen im Land Sorge tragen,.

Susanne Wille, links, wartet neben ihrem Vorgaenger, dem aktuellen SRG Generaldirektor, Gilles Marchand, auf ihren Einsatz vor den Medien, um sich als neue Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- ...
Susanne Wille neben ihrem Vorgänger, dem aktuellen SRG-Generaldirektor, Gilles Marchand.Bild: keystone

Was sind ihre grössten Herausforderungen?

Auf Wille warten grosse Herausforderungen, etwa die Verteilung der Konzessionen, die sinkenden Einnahmen und die für 2026 bevorstehende Abstimmung zur Senkung der Radio- und TV-Gebühren.

Die SRG ist das grösste multimediale Medienhaus der Schweiz. Zu ihr gehören nicht weniger als 17 Radio- und 7 Fernsehprogramme, wie Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Der Publikumsrat der SRG Deutschschweiz lobt die Management-Fähigkeiten Willes. Im Umbau von SRF mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung habe sie diese unter Beweis gestellt und bringe alle Voraussetzungen mit, um die SRG erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Von ihr werde erwartet, dass sie die Bevölkerung in der ganzen Schweiz von der Notwendigkeit eines umfassenden Service Public überzeugt und die Kohäsion der vier Landesteile sicherstellt, sagte Peter Spring, Präsident des Publikumrates der SRG Deutschschweiz.

Welche Reaktionen gibt es seitens der Parteien in der Deutschschweiz?

SVP-Präsident Marcel Dettling (SZ) erwartet von Susanne Wille nach deren Wahl als neue SRG-Generaldirektorin Bescheidenheit. «Wir erwarten von ihr: Schuster bleib bei deinen Leisten», sagte Dettling gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Seiner Partei sei es ein Anliegen, dass die SRG ihren Grundauftrag wahrnehme, also die Versorgung aller Sprachregionen anstatt einer Ausweitung anderer Bereiche wie etwa online.

Für Mitte-Präsident und Nationalrat Gerhard Pfister (ZG) war die Wahl von Susanne Wille keine Überraschung. Er kenne Wille aus ihrer Zeit als Journalistin und habe sie als sehr gut und ausgewogen wahrgenommen. Die SRG habe eine Person gewählt, die im zukünftigen Abstimmungskampf zu SRG-Vorlagen erfolgreich sein könne, sagte Pfister weiter. Es sei eine politische Wahl. Man habe sich für eine öffentlich bekannte Persönlichkeit zu entscheiden.

Auch GLP-Nationalrätin Katja Christ (BS) sieht bedeutende Herausforderungen auf Wille und die SRG zukommen. Es gehe um die Bewahrung des Qualitätsjournalismus, der Förderung der Meinungsvielfalt, der digitalen Transformation und der begrenzten finanziellen Mittel. «Wir erwarten, dass Susanne Wille sich diesen Herausforderungen mit viel Elan annimmt und diese vorwärts bringt», sagte Christ . Persönlich freue sie sich darüber, dass neu eine starke Frau an der Spitze der SRG steht: «Wo eine Wille ist, ist auch ein Weg!».

Für den Grünen-Nationalrat Michael Töngi (LU) ist die Wahl von Susanne Wille als neue SRG-Generaldirektorin in der aktuellen politischen Situation ein Vorteil. Als Kennerin der SRG sei sie sofort startbereit, wie der Politiker auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Dies sei wichtig in der jetzigen Situation mit vielen Herausforderungen.

Die Grünen erwarten von der SRG im allgemeinen, dass sie ihren Auftrag für qualitativ hochstehenden Journalismus und für eine gute Abdeckung in allen Regionen der Schweiz umsetzt. Ausserdem soll sie die Herausforderungen der Digitalisierung annehmen, hiess es weiter. In Zeiten von Fake News sei die Arbeit der SRG wichtiger denn je für den Zusammenhalt der Schweiz und der Demokratie.

Und die Romandie?

Westschweizer Politikerinnen und Politiker hoffen, dass die Romandie trotz der Ernennung einer neuen deutschsprachigen Generaldirektorin ihren Einfluss innerhalb der SRG nicht verlieren wird. Andere Faktoren als die Herkunft seien von Bedeutung.

Es sei nicht so sehr die Herkunft des Generaldirektors, die ausschlaggebend sei für die Qualität der Inhalte, sondern vielmehr das Gesamtbudget der SRG, sagte Baptiste Hurni (SP/NE), Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates (KVF-N).

Die Romandie müsse deshalb eher befürchten, dass der SRG die Mittel gekürzt würden – insbesondere im Zusammenhang mit einer möglichen Gebührensenkung. In Zeiten knapper Kassen würden vor allem die sprachlichen Minderheiten leiden, sagte er.

Medienallianz nimmt Wille in die Pflicht

Die Allianz Pro Medienvielfalt, eine Vereinigung, die gegen die Halbierungsinitiative kämpft, freute sich über die Wahl Willes zur Generaldirektorin der SRG. Sie habe bisher in all ihren Funktionen als Journalistin, Moderatorin und Medienmanagerin überzeugt. Dies mache sie zu einer glaubwürdigen Persönlichkeit.

Dies helfe innerhalb des Unternehmens genauso wie gegenüber dem Publikum, teilte die Allianz Pro Medienvielfalt am Samstag mit. Wille müsse der Öffentlichkeit nun vermitteln, weshalb die SRG in einer von Desinformation geprägten Zeit eine zentrale Rolle spiele. Sie müsse betonen, wie wichtig ein vielfältiges Vollprogramm mit Kultur, Sport und Unterhaltung bleibe.

Und die Gewerkschaften?

Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) erhofft sich eine gestärkte Sozialpartnerschaft von der neuen SRG-Direktorin Susanne Wille. Dies sei in einem unsicheren Umfeld wichtig, sagte Silvia Dell'Aquila, Zentralsekretärin der Mediengewerkschaft gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Wie verlief ihre bisherige Karriere?

Die gebürtige Aargauerin startete ihre Karriere beim Regional-TV-Sender Tele M1. 2001 erfolgte der Wechsel zum Schweizer Fernsehen, wo sie zehn Jahre lang das Nachrichtenmagazin «10vor10» moderierte. Danach wechselte sie als Korrespondentin ins Bundeshaus und arbeitete ab 2013 für die Sendung «Rundschau». 2017 kehrte Wille zu «10vor10» zurück und wurde Teil des News-Projektteams.

Ende Mai 2020 trat Wille die Nachfolge des damaligen SRF-Kulturchefs Stefan Charles an und wurde Mitglied der Geschäftsleitung. In ihrer Funktion verantwortete sie unter anderem Radio SRF2 Kultur, die fiktionalen Eigenproduktionen sowie die Angebote von SRF Dok.

Für Ihre Arbeit wurde die 50-Jährige unter anderem von 2016 bis 2018 drei Mal in Folge als «Polit-Journalistin des Jahres» ausgezeichnet. Privat ist die Aargauerin mit dem Journalisten Franz Fischlin verheiratet, der von 2004 bis 2022 die «Tagesschau» auf SRF moderierte. Zusammen haben sie zwei Söhne und eine Tochter.

(dsc/cpf/sda)

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44 Kommentare
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chrimark
25.05.2024 13:22registriert November 2016
Sicher nicht die schlechteste Wahl. Jedenfalls viel Glück und Erfolg und ein ganz dickes Fell.
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ricardo
25.05.2024 13:13registriert Februar 2014
Bravo! Auch wenn die Modalitäten der Wahl für berechtigte Nebengeräusche gesorgt haben, erhält nun auch der Kampf gegen die unsägliche Halbierungsinitiative ein Gesicht. Mit der Wahl von Susanne Wille zur SRG-Generaldirektorin stehen die Chancen endlich wieder besser, dass die Initiative abgeschmettert werden kann und die Schweiz weiterhin auf einen starken Service public zählen darf.
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mia_zwellweger
25.05.2024 13:20registriert August 2015
Genial! Ich freue mich wahnsinnig für Susanne und gratuliere ihr ganz herzlich zu dieser Wahl!
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