Schweiz
Ukraine

Nationalrat: Kredit für Auslandshilfe zu Lasten der Ukraine gekürzt

Nationalrat kürzt Kredit für Auslandshilfe zu Lasten der Ukraine

12.12.2024, 09:0212.12.2024, 09:38
Mehr «Schweiz»

Der Nationalrat will dem Bund für die kommenden vier Jahre knapp 11 Milliarden Franken für die Auslandshilfe zur Verfügung stellen, weniger als der Bundesrat beantragt und der Ständerat bewilligt hat. Das hat er am Donnerstag in der Differenzbereinigung entschieden.

Damit steht für die Strategie zur Internationalen Zusammenarbeit (IZA) für die Jahre 2025 bis 2028 etwas weniger Geld zur Verfügung als bisher. Und für die Ukraine stehen lediglich 1,3 Milliarden Franken statt wie vom Bundesrat gewünscht 1,5 Milliarden Franken bereit. Die Vorlage geht zurück an den Ständerat.

Der Nationalrat hatte die vom Bundesrat beantragten 11,3 Milliarden Franken für die Auslandshilfe zwar wie der Ständerat zunächst bewilligt. Eine Kürzung auf 10,3 Milliarden Franken wurde knapp abgelehnt, aber dann die Ausgabenbremse nicht gelöst. Deshalb hatte sich der Nationalrat erneut mit der Vorlage zu befassen.

Äusserst knappe Mehrheit

In der zweiten Runde nahm der Nationalrat einen Antrag von SVP und FDP für eine Kürzung um 351 Millionen Franken äusserst knapp an, mit 96 zu 95 Stimmen und bei vier Enthaltungen. Neben FDP und SVP sagten auch vereinzelte Mitglieder der Mitte-Fraktion Ja zur Kürzung, und Ratspräsidentin Maja Riniker (FDP/AG) fällte den Stichentscheid.

Nationalraetin Maja Riniker, FDP-AG, spricht an der Fruehjahrssession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 11. Maerz 2024, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Maja Riniker fällte den Stichentscheid.Bild: keystone

200 Millionen Franken der Kürzung gehen zulasten der Ukraine, der Rest trifft die Entwicklungszusammenarbeit. Der Verpflichtungskredit für die humanitäre Hilfe ist nicht betroffen. Noch weiter gehende Kürzungsanträge von FDP und SVP lehnte der Nationalrat ab.

Hans-Peter Portmann (FDP/ZH) forderte «einen kleinen Teil der Opfersymmetrie auch in der Entwicklungszusammenarbeit». Viele Zusatzbelastungen im Inland in Milliardenhöhe seien absehbar, die Finanzierung aber nicht klar. Die Mehrheit wehrte sich vergeblich gegen den Kürzungsantrag.

Schon die Version des Bundesrates stelle bei der Entwicklungszusammenarbeit das «absolute Minimum» dar, sagte Fabian Molina (SP/ZH). Die Verpflichtungskredite seien eine Maximalgrösse, sagte Elisabeth Schneider-Schneiter (Mitte/BL). «Im Budget können wir je nach Lage tiefere Beiträge einsetzen.»

«Keine gute Entwicklung»

Bundesrat Ignazio Cassis spricht waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 12. Dezember 2024 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Ignazio Cassis beurteilt die Abstriche bei der Hilfe für die Ukraine kritisch.Bild: keystone

Auch Aussenminister Ignazio Cassis plädierte erfolglos dafür, den vom Bundesrat beantragten Betrag vorzusehen. Auf eine Frage aus dem Rat sagte er, mit 3 Prozent weniger Geld könnten Abstriche als Querschnittskürzung verteilt über alle Posten vorgenommen werden.

Kritisch beurteilte er aber die Abstriche bei der Hilfe für die Ukraine. «Es wäre keine gute Entwicklung für die Glaubwürdigkeit der Schweiz», sagte er vor der Abstimmung. Der Bundesrat wolle bis 2036 mindestens 5 Milliarden Franken für die Ukraine reservieren. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
    Geburtenrate auf Rekordtief – so hat sich die Schweizer Bevölkerung 2024 entwickelt
    Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz hat Ende 2024 mit 9'048'900 Menschen einen neuen Höchststand erreicht. Die Einwanderung ging gegenüber dem Rekordjahr 2023 zurück, die Auswanderung nahm dagegen zu. Und die Geburtenrate ist erneut auf ein Rekordtief gefallen.

    Am 31. Dezember 2024 umfasste die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz 9'048'900 Personen, gegenüber 8'962'300 Ende 2023. Das ist ein Plus von 86'600 Personen, wie das Bundesamt für Statistik (BfS) am Donnerstag mitteilte. Die Bevölkerung wuchs mit 1,0 Prozent damit weniger stark als im Jahr 2023, als mit 1,7 Prozent ein sehr hoher Wanderungssaldo registriert wurde. Dieser hing in erster Linie damit zusammen, dass Personen aus der Ukraine mit Schutzstatus S im Jahr 2023, also ein Jahr nach ihrer Ankunft in der Schweiz, zur ständigen Wohnbevölkerung gezählt wurden.

    Zur Story