Schweiz
Waadt

Sozialhilfe-Betrug: Mieter kassieren für Scheindomizil an Drogenhotspot

Une vue de l'immeuble de la rue de Geneve 85 le jeudi 4 decembre 2025 a Lausanne. La justice vaudoise a mis a jour une fraude a l'assurance sociale en enquetant sur le "tristement celeb ...
Urbanes Elend: Der Wohnblock an der Rue de Genève 85 in Lausanne.Bild: keystone

Sozialhilfe-Bschiss: Mieter kassieren Millionen für Scheindomizil an Drogenhotspot

Die Waadtländer Strafverfolgungsbehörden haben einen umfangreichen Fall von Sozialbetrug aufgedeckt. Im Zentrum der Affäre steht ein berüchtigtes Gebäude in der Stadt Lausanne.
06.12.2025, 18:5906.12.2025, 18:59
Kari Kälin / ch media

An der Rue de Genève 85 konzentriert sich das urbane Elend von Lausanne. Seit Jahren findet in und um den mehrstöckigen Wohnblock Drogenhandel statt – mit all seinen Begleiterscheinungen: offener Konsum auf der Strasse, Gewalt, Prostitution, Diebstähle, Einbrüche, Belästigungen.

Im letzten Sommer zeichnete der «Blick» ein tristes Sittenbild der Zustände in dieser Zone. Da sind die Grossmütter, die sich mit Wasserkochern bewaffnen und die Waschküche nur noch zusammen aufsuchen, weil diese von Drogensüchtigen okkupiert wird. Es gibt Seniorinnen, die nur noch mit Messer einkaufen gehen. Und Nachbarn, die Baseballschläger und Pfefferspray angeschafft haben.

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An der Rue de Genève 85 ist offener Konsum an der Tagesordnung.Bild: AP/The Canadian Press

Die Waadtländer Staatsanwaltschaft führt in Zusammenarbeit mit der Stadt- und Kantonspolizei seit einiger Zeit Ermittlungen zum Drogenhandel und zu illegalem Aufenthalt im Problemquartier. Quasi als Beifang haben die Strafverfolgungsbehörden jetzt einen umfassenden mutmasslichen Sozialhilfebetrug aufgedeckt. Das kantonale Sozialamt hat darum Strafanzeige eingereicht.

Provisionen für Hausverwalter und Abwart

Gemäss bisherigem Erkenntnisstand haben der Verwalter des Gebäudes und der Hausabwart 41 Personen Mietverträge ausgestellt, die Briefkästen mit deren Namen beschriftet und sie geleert. Die 41 Personen, davon 20 Ehepaare, wohnten aber gar nicht wirklich an der Rue de Genève 85, sondern an anderen Orten in der Stadt oder im Kanton. Die Paare gaukelten den Behörden vor, sie würden getrennt voneinander leben. Es handelt sich dabei um Menschen aus Eritrea, Afghanistan, Somalia und der Schweiz im Alter von 29 bis 56 Jahren. Dank der Scheinwohnungen sollen sie zwischen 2018 und 2025 1,9 Millionen Franken Sozialhilfe erschlichen haben, pro Person knapp 5800 Franken pro Jahr.

Une vue de l'immeuble de la rue de Geneve 85 le jeudi 4 decembre 2025 a Lausanne. La justice vaudoise a mis a jour une fraude a l'assurance sociale en enquetant sur le "tristement celeb ...
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hausverwalter und dem Abwart Betrug, Geldwäsche und Urkundenfälschung vor. Bild: keystone

Der Hausverwalter und der Abwart, die einige Zeit in Untersuchungshaft verbrachten, sollen für ihre Dienste etwa eine halbe Million Franken Provision garniert haben. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft Betrug, Geldwäsche und Urkundenfälschung vor.

In den Wohnungen an der Rue de Genève 85 waren gemäss Recherchen dieser Zeitung statt der Scheinmieter zum Teil Personen ohne Aufenthaltstitel untergebracht. Sie stehen im Verdacht, in den Drogenhandel verwickelt zu sein, der in Lausanne von Nigerianern dominiert wird.

Auch in diesem Bereich erzielten die Polizei und die Staatsanwaltschaft kürzlich einen Erfolg. Am 14. Mai 2024 drangen 60 Polizistinnen und Polizisten in mehrere Wohnungen im berüchtigten Gebäude an der Rue de Genève 85 ein. Dabei nahmen sie 39 Personen fest, fanden mehr als ein Kilogramm Kokain und beschlagnahmten 48'000 Franken.

Zwei der Verhafteten kassierten unmittelbar einen Strafbefehl, vier landeten in Untersuchungshaft, und drei wurden in andere Kantone transferiert, um dort Strafen zu verbüssen. Den festgenommenen Personen wird vorgeworfen, in den Kokainhandel in verschiedenen Städten des Kantons Waadt involviert zu sein. Es handelt sich um Staatsangehörige aus Nigeria und Ghana im Alter von 22 bis 40 Jahren. (aargauerzeitung.ch)

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115 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Karl33
06.12.2025 19:59registriert April 2015
Und wer ist der Eigentümer der Immobilie? Irritierend, dass über ihn nichts zu lesen ist.
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Aschenmadlen
06.12.2025 20:06registriert Juli 2017
Man könnte auch mal gegen solche Strukturen demonstrieren, anstatt gegen Polizisten die den Sch..... ausbaden müssen.
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nichtMc
06.12.2025 19:52registriert Juli 2019
„Sie stehen im Verdacht, in den Drogenhandel verwickelt zu sein, der in Lausanne von Nigerianern dominiert wird.“
„ Es handelt sich um Staatsangehörige aus Nigeria und Ghana im Alter von 22 bis 40 Jahren.“

Das kann gar nicht sein. Bei vergangenen Berichten um Lausanner Dealer, war die weitverbreitete in den hiesigen Kommentaren, dass die Polizei in Lausanne ungerechtfertigtes racial Profiling anwendet…
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