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Winter im April
quelle: keystone / gian ehrenzeller
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Frühling? Diese Woche ist es kälter als im Dezember

Heute ist der Höhepunkt der kleinen Kältewelle. Doch der Frühling lässt uns noch länger im Stich.
27.04.2016, 06:3427.04.2016, 06:42
Andreas Frey / Nordwestschweiz

Wer den Schnee im Dezember vermisst hat, bekommt ihn jetzt Ende April. Die Schweiz erlebt gerade einen ungewöhnlich späten wie heftigen Kaltlufteinbruch. Mit Graupel, Blitz und Donner hat der Winter noch einmal richtig zugeschlagen. Auf dem Alpennordhang sind seit Sonntag mehr als 20 Zentimeter Schnee gefallen.

Der Frühling wurde jäh beendet – um 15 bis 20 Grad sind die Temperaturen seit vergangener Woche gefallen. Den Höhepunkt der kleinen Kältewelle erwarten die Meteorologen am heutigen Mittwoch.

«Für die Jahreszeit ist es ziemlich kalt», sagt die Meteorologin Melanie Ruosch von Meteo Schweiz. Zwar sei ein später Wintereinbruch Ende April nicht aussergewöhnlich, dass es aber tagelang bis ins höhere Flachland schneie, komme nicht jedes Jahr vor.

Und das hat einen Grund: Bereits am Wochenende ist sehr kalte Luft aus dem Nordpolarmeer gegen die Alpen geprallt; es ist dies die kälteste Luft, die überhaupt nach Mitteleuropa gelangen kann. Einmal eingesickert, erweist sich eine solche Wetterlage als ziemlich zäh. Die feuchte und kalte Arktisluft kommt einfach nicht vom Fleck. Wie ein nasser Sack bleibt sie liegen.

Frisch verschneite Landschaft am Montag in Teufen.<br data-editable="remove">
Frisch verschneite Landschaft am Montag in Teufen.
Bild: KEYSTONE

Meteorologen reden bei solchem Schmuddelwetter von einem Höhentrog. Das ist ein kräftiges Tiefdruckgebiet, das bis in höhere Stockwerke der Atmosphäre reicht. Wie auf einer Rutschbahn strömt damit in mehreren Schüben arktische Höhenkaltluft gegen die Alpen. Besonders eindrücklich ist der Temperatursturz in 5000 Meter Höhe: Dort herrschten vergangenen Freitag noch minus 19 Grad. Jetzt sind es fast minus 36 Grad.

Rückkehr des Frühlings nicht in Sicht

Die Folge: Aprilwetter wie aus dem meteorologischen Lehrbuch. Denn Ende April entspricht der Sonnenstand bereits dem von Mitte August. Ein paar Sonnenstrahlen genügen, um ordentlich Power in die Atmosphäre zu bekommen. Je grösser der Temperaturunterschied zwischen Erdboden und höheren Schichten ist, desto schneller schiesst die Luft nach oben. Als Konsequenz wachsen Schauerwolken wie dunkle Raumschiffe in den Himmel, die ordentlich Graupel, Schnee und anderes Gefrorenes gelagert haben.

20 Grad ...
... Temperaturunterschied seit vergangener Woche. Leider in die falsche Richtung.

Zieht ein solcher Schauer vorüber, wird die Höhenkaltluft bis zum Erdboden heruntergemischt. In Sekundenschnelle fällt das Thermometer in Gefrierpunktnähe. Zieht die Schauerwolke weiter, blinzelt schnell die Sonne wieder durch den Wolkenteppich. In diesem Jahr ist dieses typische Aprilwetter besonders ausgeprägt. So bringt es der warme Winter mit sich, dass es in dieser Woche kühler ist als im Dezember.

Kaltlufteinbrüche sind zwar nicht ungewöhnlich für April und Mai, in den vergangenen Jahren fielen sie allerdings überwiegend moderat aus. In den Jahren 2007, 2009, 2011 und 2014 fiel der April beinahe frühsommerlich aus. Der Klimawandel verschiebt den Jahresgang des Wetters. Wetterregeln werden seit 15 Jahren immer häufiger ausser Kraft gesetzt. Wie genau, ist nicht erforscht. Sicher ist: Die Eisheiligen halten sich schon seit Jahrzehnten nicht mehr an den kalendarisch vorgegebenen Zeitraum Mitte Mai. Zudem hat sich keine Jahreszeit so sehr erwärmt wie der Frühling.

Geissen blicken aus einem Stall auf der Schwägalp (Bild vom Montag).
Geissen blicken aus einem Stall auf der Schwägalp (Bild vom Montag).Bild: KEYSTONE
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Und wie lange hält das miese Wetter jetzt an? Bis zum Wochenende bleibt es eher kühl und nass. Heute Nacht wird es sogar verbreitet frostig. Obstbauern bangen um die Ernte: Die empfindlichen Blüten verwandeln sich bei derart tiefen Frosttemperaturen in braunen Matsch.

Am Maifeiertag gibt es dann einen weiteren Kälte-Rückschlag, allerdings fällt er nicht so drastisch aus wie in dieser Woche. Eine Rückkehr des Frühlings ist vorerst aber nicht in Sicht. 

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