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Bahnbetreiber auf Kollisionskurs: Berner BLS rüttelt an SBB-Monopol

Die Berner BLS rüttelt am Fernverkehrs-Monopol der SBB. Die Bundesbahnen schalten nun auf Angriff um.

Stefan Ehrbar / schweiz am Sonntag



ARCHIVBILD ZUR JAHRESBILANZ 2016 DER BLS CARGO, AM DONNERSTAG, 16. FEBRUAR 2017 - An einer Stuetzmauer auf der Suedrampe zum Loetschberg zwischen Goppenstein und Brig prangt am 13. November 2003 der Schriftzug der Bern-Loetschberg-Simplon-Bahn. Aus dem Hintergrund naehert sich ein Zug.  (KEYSTONE/Gaetan Bally)  : DIA]

Die BLS liegt mit den SBB im Clinch. Bild: KEYSTONE

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Am 16. September 2014 lächeln SBB-Chef Andreas Meyer und der CEO der Berner Bahn BLS, Bernard Guillelmon, noch harmonisch in die Kamera. Zweieinhalb Jahre später ist ihnen das Lachen vergangen. Denn Guillelmon will den SBB Fernverkehrs-Linien abluchsen. Am Mittwoch scheiterten letzte Verhandlungen für eine gütliche Lösung. Nun drohen die SBB mit Revanche.

Jede Fernverkehrs-Linie ist an eine Konzession gebunden, die das Bundesamt für Verkehr (BAV) vergibt. Heute halten die SBB alle Konzessionen, doch Ende Jahr laufen die meisten aus. Die Ostschweizer SOB und die BLS wollen nun auch mittun. In den letzten Monaten führten die drei Bahnen Gespräche, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die SBB und die SOB stehen weiterhin in Verhandlungen. Die BLS wird hingegen ein eigenes Konzessionsgesuch einreichen. Welche Linien die BLS betreiben will, ist unklar. Mit dem Scheitern der Verhandlungen sei das bisher diskutierte Konzept irrelevant geworden, sagt Sprecher Hugo Wyler. Für welche Strecken sich die BLS bewerbe, werde nun neu evaluiert. Die SBB warnen vor einem Fernverkehrskonzept durch mehrere Anbieter. Jenes der BLS verursache für die öffentliche Hand Mehrkosten von 20 bis 30 Millionen Franken jährlich, sagt Toni Häne, Leiter Verkehr der SBB. Das liege an Doppelspurigkeiten, die unweigerlich aufträten. So müsste die BLS eigene Reservezüge oder Personalräume bereitstellen.

Angriff auf Filetstück der BLS

Reine Behauptungen seien das, sagt BLS-Sprecher Wyler. Im Konzessionsgesuch werde man die genauen Berechnungen aufzeigen. Das Ziel sei eine bessere Auslastung und ein effizienteres System. «Das war immer auch der Wunsch der Politik.» Die SBB wollten ihre Monopolstellung verteidigen. Das sei nicht nachvollziehbar: Die SBB könnten die profitabelsten Fernverkehrsstrecken ebenso behalten wie die hoch rentablen Bahnhöfe und Immobilien. Zu den hoch rentablen Strecken gehört etwa die Ost-West-Verbindung Genf–St. Gallen.

ZUR HEUTIGEN BILANZMEDIENKONFERENZ DER EISENBAHNGESELLSCHAFT BLS STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG 26. APRIL 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Ein BLS S-Bahn-Zug der S2 steht am Perron im Bahnhof Laupen, aufgenommen am Dienstag, 30. April 2013. Die S2 der BLS faehrt auf der Strecke Laupen-Bern-Langnau. (KEYSTONE/Peter Schneider) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Grosse Pläne: Die BLS. Bild: KEYSTONE

Der Fernverkehr bilde das Rückgrat des öV-System, heisst es hingegen bei den SBB. Dieses müsse zuverlässig und sicher sein – und weiterhin in den Händen eines Anbieters. Nur so sei garantiert, dass sich die Partner im öV-System zuverlässig auf einen Fernverkehrsanbieter abstimmen könnten. Die SBB sind entschlossen, die Konzessionen zu verteidigen. Zwischen ihnen und der BLS besteht seit 2001 eine Vereinbarung zur Effizienz und zur Abwicklung des Verkehrs. Im Wesentlichen traten die SBB damals die Regionalverkehrslinien im Raum Bern der BLS ab, während diese auf ihre Fernverkehrs-Linien verzichtete und die Verkehrssteuerung seit dann mit einer eigenen Betriebszentrale abwickelt. «Wenn sich die BLS nicht an diese rechtsgültige Vereinbarung hält, würden die SBB sämtliche darin enthaltenen Geschäftsfelder überprüfen», sagt SBB-Verkehrschef Häne. Es sei klar, dass dann die Bewerbung auf den gesamten S-Bahn-Verkehr in Bern oder die Übernahme der Verkehrssteuerung im Raum stehe.

Wird das Fernverkehrs-Abenteuer zum Bumerang für die BLS? «Die Vereinbarung hat keinen Zusammenhang mit den Konzessionen», sagt BLS-Sprecher Wyler. Die SBB schalteten auf allen Ebenen auf Angriff. «Dass sich die SBB so vehement gegen das bisschen Wettbewerb wehren, ist schade.»

Noch fehlt der BLS das Rollmaterial für die gewünschten Fernverkehrslinien. Auf die SBB können sie nicht zählen. «Wir könnten der BLS keine Züge abtreten. Die frei werdenden Züge würden dafür genutzt, älteres eigenes Rollmaterial auszumustern und durch modernere Züge zu ersetzen», sagt SBB-Verkehrschef Häne. Anders als im Regionalverkehr gibt es im Fernverkehr keine Verpflichtung, Züge an den Nachfolgebetrieb abzugeben.

24 Bilder aus der guten alten SBB-Zeit

Falls die SBB die Konzession erhalten, kündigt Häne Verbesserungen an. Insbesondere die Doppelstockzüge für den Regionalverkehr, welche auf Interregio-Linien eingesetzt werden, würden aufgerüstet. Dafür brauche es aber die Planungssicherheit der Konzessionsverlängerung. Bis das BAV entscheide, könne nichts umgesetzt werden.

Sicher ist, dass das BAV keine Konzession an ausländische Anbieter vergeben wird. Welche Rolle die dritte Bahn, die SOB spielen wird, ist aber noch unklar. Sie interessiert sich für Fernverkehrs-Linien zwischen Chur, St. Gallen und Zürich und die Gotthard-Bergstrecke ins Tessin. SBB-Verkehrschef Häne kann sich eine Zusammenarbeit mit der SOB unter Federführung der SBB vorstellen. Gespräche dazu laufen. Man sei durchaus bereit, operativ mit Partnern zusammenzuarbeiten und gewisse Verbindungen durch Züge der SOB fahren zu lassen, sagt Häne. Wichtig sei aber eine Planung und Steuerung aus einer Hand.

Dieses Angebot dürfte nicht reichen. Die SOB erhofft sich von den SBB ein Entgegenkommen beim Regionalverkehr. Insbesondere auf die Linie zwischen Wil, St. Gallen und Chur und einzelne Linien der S-Bahn St. Gallen hat sie ein Auge geworfen. Bis Ende Juni suche man eine gütliche Lösung, heisst es in St. Gallen. Komme die nicht zustande, trete man auch gegen die SBB an.

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BrunDa 20.02.2017 05:56
    Highlight Highlight Die BLS soll sich zuerst einmal auf das konzentrieren, was sie bereits macht. Zum Beispiel auf der Linie Bern-Emmental-Enntlebuch-Luzern und dem dazugehörenden Bus-Netz gibt es noch viel Verbesserungspotential. Angefangen vom Auftreten des Personal bis zur Pünktlichkeit.
    4 4 Melden
  • elivi 19.02.2017 23:12
    Highlight Highlight Finds witzig wie sich bahnen um verbindungen um st. Gallen streiten... Ich persönlich find die züge nach st.gallen einfach ... Naja verbesserungswürdig.
    4 3 Melden
  • Thinktank 19.02.2017 22:15
    Highlight Highlight Da hat ein gelangweilter Staatsbetriebs CEO der BLS Selbstverwirklichungsprobleme. Warum geht er nicht in die Privatwirtschaft und stellt sich dem Markt, statt bloss einen bestehenden Kuchen umzuverteilen?
    6 8 Melden
    • Fabio74 20.02.2017 07:01
      Highlight Highlight Wer bessere Konzepte hat soll die Konzession für diese Strecken kriegen. Gleiches am Gotthatd mit der SOB.
      Die SBB verletzen ihre Fernverkehrskonzession mit dem S-Bahn Betrieb über die Bergstrecke
      5 1 Melden
  • bintang 19.02.2017 16:12
    Highlight Highlight Unglaublich tragische Geschichte!
    2 7 Melden
  • whatthepuck 19.02.2017 14:25
    Highlight Highlight Ein bisschen mehr Fachkenntnis dazu, was es alles zu einem wirtschaftlichen Bahnbetrieb braucht, würde manchem Leser hier gut tun - bevor man wieder mal gegen die SBB loswettert. Aber, related zu anderen Beiträgen auf watson, gegen die SBB wettern und bei Migros und Coop einkaufen scheinen die Hobbies vieler Schweizer zu sein.

    Die Interessen der BLS sind nachvollziehbar, der SBB, letztlich von gesamtschweizerischem Interesse, wird damit aber kein Gefallen getan.
    49 5 Melden
  • Amboss 19.02.2017 12:56
    Highlight Highlight Da hört man immer, wie angeblich rentabel der Fernverkehr sei - und dann solche Drohungen bezüglich Mehrkosten, die von der Allgemeinheit zu tragen wären. Wieso das?

    Wenn schon, gäbe dies doch Mehrkosten zu Lasten des SBB-Fernverkehr, rsp den BLS-Fernverkehr (weniger Rentabel), aber doch sicher nicht für die Allgemeinheit...


    Da nähme mich schon Wunder, welche Leistungen die Allgemeinheit bereits jetzt trägt, damit der Fernverkehr rentabel betrieben werden kann

    10 22 Melden
    • zettie94 19.02.2017 13:05
      Highlight Highlight Wenn die BLS den SBB rentable Fernverkehrslinien wegnimmt (z. B. Brig - Romanshorn oder Interlaken - Basel), dann fehlt der SBB das Geld um die unrentablen Fernverkehrslinien zu finanzieren (z. B. Bern - Palézieux/Bulle oder Biel - La Chaux-de-Fonds). Also werden die unrentablen Fernverkehrslinien entweder eingestellt oder in Regionalverkehrslinien umgewandelt, welche die Kantone subventionieren müssen.
      33 2 Melden
    • Knut Knallmann 19.02.2017 13:13
      Highlight Highlight Unter Kosten für die Allgemeinheit versteht man in diesem Kontext Kosten die nicht direkt mit dem Bahnbetrieb zusammenhängen, aber mit Billeteinahmen finanziert werden. Das sind in der Regel Backofficebereiche (Einteilung, Personalbewirtschaftung, Flotteneinsatzplanung) sowie betriebliche Reserve (Ersatzzüge, Ersatzpersonal.) Ohne diese Bereiche ist ein Bahnbetrieb nicht möglich. Gibt es neu zwei Player müssen beide diese Bereiche seperat bewirtschaften. Dadurch entstehen unnötige teure Doppelspurigkeiten und somit als ganzes höhere Kosten für den Bahnbenutzer.
      28 3 Melden
    • danmaster333 19.02.2017 13:24
      Highlight Highlight Die SBB führt die rentablen und die weniger rentablen Fernverkehrslinien. Die Kosten für die "schlechteren" Linien werden durch den Gewinn der "besseren" gedeckt. Darum macht es anscheinend Sinn, wenn alle Linien durch ein Unternehmen geführt werden (sonst hätten die Pendler der weniger ausgelasteten Strecken das Nachsehen).
      18 4 Melden
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  • inmi 19.02.2017 12:32
    Highlight Highlight Ein bisschen Konkurenz schadet der SBB nicht. Vielleicht konzentrieren sie sich dann wieder auf ihr Kerngeschäft.
    26 54 Melden
    • Tobi23 19.02.2017 12:39
      Highlight Highlight Das Kerngeschàft welches ihnen die BLS abluchsen will? Die Opfer eines "Verkehrskampfes" von halb-staatlichen Transportunternehmungen sind klar die Kunden..
      53 9 Melden
    • inmi 19.02.2017 13:38
      Highlight Highlight Ihr Kerngeschäft vernachlässigt die SBB eben schon lange! Die Verspätungen werden häufiger und der Lohn von Abzock-Meyer geht immer nur nach oben. Gleichzeitig verfehlt die SBB fast alle gesetzten Ziele: https://www.nzz.ch/nzzas/zu-viele-ausfaelle-und-stoerungen-1.18596830

      Zeit, dass die SBB mal ein bisschen unter Druck kommt. Konkurenz tut gut. Kunden werden profitieren, wenn sich die SBB nicht mehr nur auf unsere Kosten bereichern kann.
      7 48 Melden
    • Sapere Aude 19.02.2017 14:06
      Highlight Highlight Zu was Konkurrenzsituationen beim Service Public führen kann, kann man gut in Grossbritannien oder den USA sehen. Marode Infrastruktur, Serviceabbau und Qualitätsverlust.
      40 6 Melden
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