Schweiz
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ZUM THEMA JUGENDLICHE UND MOBILTELEFON STELLEN WIR IHNEN HEUTE, DONNERSTAG, 14.01.2016, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Adolescents kid around with their smart phone while commuting in the city train between Zurich and Zug, Switzerland, on June 16, 2015. (KEYSTONE/Christof Schuerpf)

Jugendliche albern mit dem Smartphone herum, aufgenommen am 16. Juni 2015 in der S-Bahn reisend zwischen Zuerich und Zug. (KEYSTONE/Christof Schuerpf)

Da kommt der lustigste Snapchat-Filter nicht weiter als bis zum Nachbarsitz: Kein Empfang im Zug.  
Bild: KEYSTONE

Kein Empfang im Zug ... Warum Leuthard über die Chefs von SBB und Swisscom herzieht

Es ist ein seltener Vorgang. Die Verkehrs- und Medienministerin Doris Leuthard zieht öffentlich über die Swisscom und die SBB her, weil der Handyempfang in den Zügen zu schlecht sei. Damit stellt sie die Verantwortlichen ihrer staatsnahen Betriebe bloss.  



Was fühlt ein Arbeitnehmer, wenn seine Chefin seine Arbeit im nationalen Radio mit Attributen wie «Peinlich», «Versagen» und «ein Ärgernis» abqualifizieren würde? 

Jeder normale Mensch würde sich schämen und vermutlich geht ein derartig öffentliches Einbahn-Qualifikationsgespräch auch an Swisscom-CEO Urs Schaeppi und SBB-CEO Andreas Meyer nicht spurlos vorbei. Denn diese beiden hat Leuthard letztlich gemeint, als sie sich gestern in einer Medienkonferenz und einem Interview mit Radio SRF 3 unmagistral und mit überdeutlichen Worten über den Handy-Empfang in den Zügen beschwerte. 

Wutausbruch oder Kommunikationstaktik?

Was bewegt eine ansonsten eher für konziliante Führungsmethoden bekannte Chefin dazu, eine stilistisch fragwürdige öffentliche Blossstellung zu tätigen, um die Chefs der staatsnahen Betriebe zu massregeln? 

Andreas Meyer, CEO der SBB spricht an der Bilanzmedienkonferenz, am Freitag, 18. Maerz 2016, in Bern. Der starke Franken und zusaetzliche Ausgaben beim Unterhalt der Schienen haben das Konzernergebnis der SBB im vergangenen Jahr belastet. Der Gueterverkehr schrieb nach zwei positiven Jahren 2015 wieder rote Zahlen. Der Zustand der Fahrbahn ist nur ausreichend. (KEYSTONE/Peter Schneider)

SBB-CEO Andreas Meyer.
Bild: KEYSTONE

Hat sie im Zug ein wichtiges Telefonat verpasst, weil im Tunnel der Gesprächspartner rausgeflogen ist? Hat sie mehrere Telefonate verpasst? Oder nervt sie der Selbstdarsteller Andreas Meyer, der SBB-CEO, der doppelt so viel verdient wie sie, aber es nicht mal hinkriegt, dass die Bundesrätin im Zug telefonieren kann?  

Oder ist es der Ärger über den technokratischen Swisscom-CEO Urs Schaeppi, dessen Betrieb sich weigert, den SBB auf eigene Kosten neben jeden Strommast noch eine Handyantenne hinzustellen? 

So etwas kann nur denken, wer Doris Leuthard nicht kennt. Im Auftreten menschlich und warmherzig, lässt sie Gefühlsausbrüche in der Sache garantiert nicht zu. Sie hat den öffentlichen Zusammenschiss von Swisscom und SBB gezielt platziert. 

Nicht mehr beelenden lassen

Die staatsnahen Betriebe Swisscom und SBB haben seit 2013 hauptsächlich über die hohen Kosten für das Anbringen von Signalverstärkern an den Zügen im Regionalverkehr und den Ausbau des Handynetzes gejammert und über die Aufteilung der Kosten gestritten.

Urs Schaeppi, CEO Swisscom, spricht an der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag, 04. Februar 2016 in Zuerich. (KEYSTONE/Valeriano Di Domenico)

Swisscom-CEO Urs Schaeppi.
Bild: KEYSTONE

Um die Streithähne unter Druck zu setzen, eine Lösung zu finden und das leidige Problem Handyempfang im Zug endlich zu beseitigen, ist das Departement Leuthard deshalb mit gutem Beispiel vorangegangen und hat eine Kostenbeteiligung von acht Millionen Franken pro Jahr am Netzausbau im Regionalverkehr gesprochen. Das ist nicht nur ein Tropfen auf den heissen Stein, das ist ein Grossteil der anfallenden Kosten.   

Bloss hat das weder bei SBB, Swisscom und ihren Chefs Schaeppi und Meyer noch bei den anderen Telekom-Anbietern viel genützt. Noch immer sind 1700 Regionalzüge nicht mit Signalverstärkern ausgestattet, vernünftiges Telefonieren und Surfen darin weiterhin ausgeschlossen.

Scham ist schlimmer als Druck

Man kann nur erahnen, in wie vielen Gesprächen Leuthard und ihre Beamten die Leute von Swisscom und SBB ermahnt haben, endlich vorwärts zu machen, damit die oberste Verantwortliche für Bahnverkehr und Telekommunikation in der Schweiz sich nicht bis in alle Ewigkeit von den Vorwürfen ihrer pendelnden Kollegen, Verwandten, Bekannten beelenden lassen muss. 

Weil das alles nichts genutzt hat, greift Leuthard nun zu Mitteln der psychologischen Kriegsführung. Sie verrätscht die Chefs von Bahn und Telekommunikation bei den Medien als Versager, damit sie sich schämen. 

Im Wissen darum, dass die Alpha-Tier-CEOs der beiden Quasi-Monopolisten Scham viel schlechter ertragen als Druck.

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