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Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz will seine Villa verkaufen

Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz will seine Villa verkaufen – das wird nicht einfach

Der ehemalige Banker Pierin Vincenz braucht dringend Geld. Die über zwölf Millionen Franken, die die Luxusimmobilie im Appenzellerland einbringen soll, würden helfen. Doch es könnte dauern, bis ein Käufer gefunden ist. Ein Immobilienexperte schätzt ein.
18.07.2022, 13:34
Renato Schatz / ch media
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Über zwölf Millionen Franken kostet die Villa von Pierin Vincenz in Teufen.
Über zwölf Millionen Franken kostet die Villa von Pierin Vincenz in Teufen.Bild: PD

Wer sich durch die Seiten der hiesigen Luxusimmobilienmakler klickt, fühlt sich vielleicht ein wenig an die US-amerikanische Fernsehserie «MTV Cribs» erinnert. Prominente stellen dort jeweils ihr luxuriöses Zuhause zur Schau. Und manche auch ihr Ego. Im Garten des Rappers Snoop Dogg steht zum Beispiel ein Basketballcourt und im Wohnzimmer seines Berufskollegen Lil Wayne ein Whirlpool.

Der Lebensstil des ehemaligen Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz steht jenem von zweifelhaften Rappern in nichts nach. Der 66-Jährige ging auf Kosten seines Arbeitgebers in diversen Stripclubs ein und aus. Auch tauchten Familienurlaube auf seiner Spesenrechnung auf. Urkundenfälschung, mehrfache Veruntreuung sowie ungetreue Geschäftsbesorgung, in diesen Punkten wurde Vincenz Mitte April schliesslich schuldig gesprochen. Die Strafe: drei Jahre und neun Monate Gefängnis, unbedingt. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt.

Der ehemalige Raiffeisenchef Pierin Vincenz, links, verlaesst mit Anwalt Lorenz Erni die Urteilseroeffnung des Raiffeisen-Prozesses des Zuercher Bezirksgerichts, am Mittwoch, 13. April 2022 vor dem Vo ...
Pierin Vincenz, links, im Rahmen des Raiffeisen-Prozesses im April in Zürich.Bild: keystone

Hallenbad und Weinkeller

Auch mit der Villa in Teufen, die er zwar nicht mehr bewohnt, aber mit seiner Ex-Frau besitzt, muss sich Vincenz nicht verstecken. Der Immobilienexperte Werner Fleischmann sagt:

«Derzeit gibt es in der Ostschweiz kein vergleichbares Haus zu kaufen.»

Es beherbergt unter anderem achteinhalb Zimmer, ein Hallenbad, eine Degustationslounge und einen Weinkeller. Das geht aus einem Werbetext des Luxusimmobilienmaklers Ginesta hervor.

Dieser wurde von Vincenz beauftragt, einen Käufer für die Liegenschaft zu suchen, seit Mittwoch ist sie offiziell zum Verkauf ausgeschrieben. Denn Vincenz braucht Geld. Sein Schuldenberg beträgt nach eigenen Angaben über 23 Millionen Franken, wenngleich für eines seiner beiden Häuser im Tessin nun offenbar ein Käufer gefunden wurde. Gemäss der «Sonntags-Zeitung» soll Vincenz' Anwalt Lukas Erni ein Gesuch eingereicht haben, die sanierungsbedürftige Liegenschaft für 4.8 Millionen Franken verkaufen zu dürfen.

Den Preis für die Villa in Teufen gibt Ginesta nur «auf Anfrage» heraus, wie es auf der Website heisst. In der Immobilienbranche ein Synonym für: sehr teuer. Dem «Blick» sagte CEO Claude Ginesta, die Liegenschaft sei für «über zwölf Millionen Franken» zu haben. Ein Normalsterblicher kann sich ein solches Zuhause nicht leisten, denn: Gut 6500 Franken pro Monat beträgt der Medianlohn in der Schweiz. Demnach müsste der Durchschnittsschweizer ungefähr 150 Jahre arbeiten, um sich das Haus kaufen zu können. Wer kommt in Frage? Fleischmann sagt:

«Je teurer, je exklusiver und je spezieller eine Liegenschaft, desto kleiner ist die mögliche Käuferschaft.»

Gemäss Fleischmann sind vor allem zwei Dinge für Interessentinnen und Interessenten von Luxusimmobilien wichtig: «Die Privatsphäre und die Lage.» Ist es deshalb ein Problem, dass das Haus in der Öffentlichkeit stand, dass bekannt ist, wo es steht und wer drin wohnte? «Das ist irgendwann gegessen. Ausserdem weiss man nun wenigstens, wie die Liegenschaft genau aussieht.» Gewissermassen Werbung also.

Und die Lage, Teufen? Diese hat durchaus ihre Vorzüge. Denn Teufen ist die Gemeinde im Kanton Appenzell Ausserrhoden mit dem tiefsten Steuerfuss. Die «Tüüfner Poscht» berichtete vor zehn Jahren einmal, in Teufen würden 370 Millionäre leben. Und natürlich ist die Gegend schön, von der Terrasse der Vincenz-Villa sieht man den Alpstein in seiner ganzen Pracht. Trotzdem sagt Fleischmann:

«Wer so viel Geld hat, geht eher an den See. Und wer in die Berge will, zieht nach St.Moritz.»
Die Aussicht von der Terrasse der Villa.
Die Aussicht von der Terrasse der Villa.Bild: pd

«Die Reichen gehen an den Zürichsee»

Überhaupt ist die Ostschweiz nicht besonders attraktiv für reiche Menschen. Im Mai veröffentlichte die UBS eine Studie über die Preisentwicklung im Luxusimmobilienmarkt. Die Bank definierte 25 Gemeinden als «Luxusstandorte in der Schweiz». Keine einzige dieser Gemeinden liegt in der peripheren, vergleichsweise steuerintensiven Ostschweiz. Fleischmann sagt deshalb:

«Es wird sicher sehr anspruchsvoll werden, das Haus zu verkaufen.»

Als Vergleich: Die sogenannte «Villa Lüthi» im thurgauischen Ermatingen blieb mehr als zehn Jahre lang auf dem Markt. Dabei hatte die Liegenschaft Seesicht und verschiedensten Luxus. «Die Ostschweiz ist nicht die Destination Nummer eins für Reiche. Die gehen eher an den Zürichsee», sagt Fleischmann.

Wenn reiche Personen in der Ostschweiz Luxusimmobilien erwerben, dann gibt es dennoch ein paar Orte, die besonders beliebt und eine Art Ostschweizer Goldküste sind. Teufen im Kanton Appenzell Ausserrhoden etwa. Dort also, wo die Villa von Vincenz steht. Weitere Orte mit vielen Luxushäusern: Mörschwil in St.Gallen sowie Salenstein und Bottighofen, zwei Thurgauer Dörfer, die direkt am See liegen. Diesen vier Ortschaften ist gemein, dass sie allesamt steuergünstig sind.

Hier lässt es sich wohnen: die Villa von Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz.
Hier lässt es sich wohnen: die Villa von Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz.Bild: pd

Ein weiteres Problem bei der Vincenz-Villa ist die Grundbuchsperre. Diese untersagt es dem Ex-Banker eigentlich, das Haus überhaupt verkaufen zu dürfen. Denn es gehört zu seinem Vermögen, und dieses wurde eingefroren. Ginesta teilt auf Anfrage mit: «Es ist vorgesehen, bei Vorliegen konkreter Kaufinteressenten beim Gericht die Aufhebung der Grundstücksperre zu beantragen. Die Aufhebung kann beispielsweise mit einem beurkundeten Kaufvertrag beim Gericht beantragt werden.» Gut möglich, dass das klappen würde. Für Ginesta, das über eine internationale Klientel verfügt, ist der Auftrag jedenfalls lukrativ. Das Unternehmen erhält einen gewissen Prozentsatz beim Verkauf. Fleischmann sagt: «Ich gehe davon aus, dass dieser bei einem solchen Geschäft deutlich tiefer als drei Prozent ist.» Aber auch dafür müsste ein Normalsterblicher einige Zeit arbeiten.

«Der Peak ist erreicht»

Ja, es lässt sich viel Geld verdienen mit Immobilien. Denn überall sind die Preise gestiegen. Als Fleischmann vor dem Hauseigentümerverband Weinfelden kürzlich eine Rede hielt, sagte er: «Ihr seid alles Millionäre! Jeder, der ein Haus gekauft hat vor 20 Jahren, ist heute Millionär.» Weil sich der Wert der Häuser in der Zwischenzeit mindestens verdoppelt habe. Im Immobilienmarkt gab es - auch wegen des Bevölkerungszuwachses - lange Zeit nur eine Richtung, und zwar jene nach oben. Bei Spezialliegenschaften wie jener von Vincenz stiegen die Preise prozentual noch mehr. Doch Fleischmann sagt:

«Wir sind jetzt an der Spitze des Berges angelangt. Und dieser Berg wächst nicht mehr, es geht nicht weiter nach oben. Wir haben den Peak erreicht.»

Es gibt viele Gründe, weshalb es schwierig für Vincenz wird, seine Villa in Teufen erfolgreich zu verkaufen. Sollte die Käuferin oder der Käufer sie noch ausbauen wollen, wäre aber genügend Platz vorhanden. Auf dem 5651 Quadratmeter grossen Grundstück liesse sich wahrscheinlich problemlos ein Wohnzimmer mit einem Whirlpool errichten. Und mit etwas Kleingeld auch ein Basketballcourt im Hang unter dem Haus. (aargauerzeitung.ch)

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6 Kommentare
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Pidemitspinat
18.07.2022 21:50registriert März 2018
6500 CHF Medianlohn und 150 Jahre arbeiten um 12 Mio fuer eine Villa auf der Seite haben? Ja, wenn man 150 Jahre lang keinen einzigen Rappen ausgibt, die Teuerung nicht eingerechnet wird und die Villa dann auch noch denselben Preis hat.

So bireweich ist das.
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