Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Pierin Vincenz, CEO Raiffeissen orientiert an einer Medienkonferenz in Zuerich am Freitag, 28. Februar 2014 ueber das vergangene Geschaeftshjahr. Raiffeisen hat den Gewinn 2013 um fast 13 Prozent auf 717 Mio. Fr. gesteigert. Das bessere Ergebnis der nach UBS und Credit Suisse drittgroessten Schweizer Bankengruppe kam einerseits durch den Wegfall von ausserordentlichen Pensionskassenzahlungen, anderseits aber auch durch Ertragssteigerungen zustande. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Seine Bankkarriere endete mit einem Knall: Pierin Vincenz Bild: KEYSTONE

Pierin Vincenz: Der Ikarus des Schweizer Bankings

Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz muss mit seinem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Helvetia Versicherung seine Karriere beenden. Doch es hätte ihn auch schon früher treffen können.

Beat Schmid / Schweiz am Wochenende



Diese Woche ging eine beispiellose Bankerkarriere zu Ende. Mit seinem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Helvetia Versicherung und der faktischen Verhängung eines Berufsverbots durch die Finanzmarktaufsicht (Finma) endete die berufliche Laufbahn von Pierin Vincenz (61) mit einem lauten Knall. Kein Mitglied des Schweizer Finanzplatzes schlug härter auf. Selbst gestrauchelte Aushängeschilder wie Marcel Ospel, Lukas Mühlemann oder Notenbanker Philipp Hildebrand sind nicht so tief gefallen.

Das unrühmliche Ende hätte schon viel früher kommen können. Erste konkrete Verdachtsmomente tauchten bereits vor zehn Jahren auf. Nur ging die Finma den Vorwürfen damals zu wenig hartnäckig nach. Sie beauftragte die Prüffirma PWC, gewisse Geschäfte vertieft anzuschauen.

Diese war aber gleichzeitig Auditor von Raiffeisen und deshalb in einem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis. Wenige Monate später hiess es dann, dass die Abklärungen nichts Zählbares vorgebracht hatten. Dass die jetzige Untersuchung tiefer ging, hat auch damit zu tun, dass die Finma nun einen unabhängigen «Prüfbeauftragten» einsetzte. Es handelte sich dabei um die Firma Deloitte, die keine namhaften wirtschaftlichen Verflechtungen mit Raiffeisen hat.

Keine Immunität mehr

Dass es die Finma heute ernster meint als vor zehn Jahren, unterstreicht eine tiefgreifende Veränderung in der schweizerischen Bankenaufsichtstätigkeit. Waren hohe Bankkader früher nahezu immun gegen aufsichtsrechtliche Verfahren, müssen sie heute mit der vollen Härte der Bankregulatoren rechnen. Dass die Finma mit Pierin Vincenz einen der prominentesten Banker der Schweiz «zur Strecke» gebracht hat, zeigt mit aller Deutlichkeit, dass selbst den ganz Grossen zu Leibe gerückt wird, wenn sie sich nicht an die Regeln halten.

Pierin Vincenz wurden letztlich eine Reihe privater Transaktionen zum Verhängnis, die er im Umfeld von Firmen tätigte, an denen Raiffeisen beteiligt war. Gemäss Recherchen gehen diese heiklen Geschäfte bis ins Jahr 2009 zurück. Damals kaufte die auf Bezahllösungen spezialisierte Firma Aduno das Unternehmen Commtrain Card Solutions.

Pierin Vincenz, Vorsitzender der Geschaeftsleitung, spricht an der Bilanzmedienkonferenz der Raiffeisen Gruppe, am Freitag, 27. Februar 2015, am Hauptsitz in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Vincenz tätigte heikle Geschäfte zu seiner Zeit als Raiffeisen-Chef. Bild: KEYSTONE

Schon vor bald zehn Jahren gab es Quellen, die glaubhaft darlegten, dass Pierin Vincenz, der damals auch Präsident von Aduno war, mutmasslich über einen Mittelsmann an Commtrain beteiligt war und sich möglicherweise in einem klassischen Interessenskonflikt befand. Wie die gleichen Quellen damals darlegten, flossen die Gelder aus dem Kauf der Commtrain über Umwege zu Vincenz’ privater Beteiligungsfirma Varaplan, die an seinem Privatdomizil ihren Sitz hatte.

Dass Vincenz trotz praller Agenda und Millionenlohn noch den Kitzel von privaten Deals brauchte, ist für Normalverdienende kaum nachvollziehbar. Noch schwerer nachzuvollziehen ist auch, dass die RaiffeisenZentrale ihren CEO während Jahren gewähren liess. Wie es zu diesem Dulden und Wegschauen kommen konnte, wird von der Finma im parallel geführten Enforcement-Verfahren gegen die Bank abgeklärt.

Interessant wird sein, ob und wie das Verfahren auf Patrick Gisel abfärben wird. Was wusste der langjährige Stellvertreter und heutige CEO über die privaten Aktivitäten seines Vorgesetzten? Inwiefern trug er sie mit, indem er diesen oder jenen Vertrag mitunterzeichnete oder etwas nicht unterzeichnete, obschon er das möglicherweise hätte tun müssen?

Hofstaat in St. Gallen

Eine Erklärung, warum Pierin Vincenz schalten und walten konnte, wie er wollte, liegt an seinem dominanten Führungsanspruch. Er kann sehr charmant, gewinnend und einnehmend sein, aber auch unnachgiebig, starrköpfig und berechnend. Widerspruch erstickt er im Keim. Er neigt zum Mittel der plumpen Drohung, wenn etwas nicht so läuft, wie er es gerne hätte.

In Gesprächen sagte er gerne, dass er nach dem machiavellischen Prinzip des «Divide et impera» (teilen und herrschen) führe. Das kleinteilige Raiffeisen-Reich mit über 300 unabhängigen Genossenschaften bot ihm die perfekten Voraussetzungen. Jede dieser Einheiten ist für sich zu klein, um sich gegen die immer übermächtigere Zentrale zu wehren.

Der Hauptsitz der Raiffeisen in St. Gallen glich mit den Jahren einem Hofstaat. Er liess sich mit teuren Limousinen und persönlichem Chauffeur durchs Land kutschieren, um dann die letzten Meter bis zur Raiffeisen-Filiale zu Fuss zurückzulegen, damit es nicht auffällt. Er nutzte einen Helikopter, um seine Termine in der Schweiz wahrzunehmen, auch für Strecken zwischen St. Gallen und Bern.

Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz am traditionellen Umzug der Zuenfte am Zuercher Sechselaeuten am Montag, 28. April 2014 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Vincenz am traditionellen Umzug der Zünfte am Zürcher Sechseläuten im April 2014.  Bild: KEYSTONE

Nicht nur ein-, zweimal im Jahr, sondern regelmässig. Verrechnet wurden die Flüge nicht über das ordentliche Spesenkonto. Nach dem Tod seiner ersten Frau verliebte er sich in eine Raiffeisen-Mitarbeiterin, die zur Rechtschefin aufstieg. Für seine Familie liess er sich im steuergünstigen Niederteufen AR für 12 Millionen Franken eine Villa errichten.

Da nicht börsenkotiert, musste die Bank die Löhne des Topmanagements nie offenlegen. Erst als Recherchen ergaben, dass Vincenz bis zu vier Millionen Franken Lohn bezog, kamen kritische Stimmen auf. Auch innerhalb der Genossenschaft. Unter Druck führte die Bank später einen Lohndeckel ein. Künftig sollte ein CEO nicht mehr als zwei Millionen Franken verdienen.

Er besoldete sich wie einen Grossbanker, er lebte wie ein Grossbanker. Aber er gebärdete sich weiterhin wie der bodenständige Genossenschaftsbanker. Vincenz inszenierte sich als Gegenentwurf zum abgezockten Bonusbanker vom Paradeplatz. Die biedere Fassade der Bauernbank diente ihm als perfekte Tarnung, um im Hintergrund riskante Geschäfte zu betreiben. (aargauerzeitung.ch)

So war es damals mit dem Ersten Geldautomat der Schweiz

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • meliert 23.12.2017 19:29
    Highlight Highlight es trifft wirklich keinen Armen, habe null Mitleid mit ihm! Mitleid habe ich mit all denen älteren „normalen“ Arbeitnehmern die ihre Arbeit verloren haben (oft im Dezember vor den Festtagen)!
  • sowhatopinion 23.12.2017 15:25
    Highlight Highlight ...Frau Widmer Schlumpf mit Ihrem vorauseilenden Gehorsam und Pierin Vincenz mit seinen indiskreten Einzelaktionen und Störfeuern haben auch massgeblich dazu beigetragen, dass Bundesrat und Banken die ureigenen Interessen der Schweiz nicht mit Vehemenz, klaren Zielen und einer Stimme vertreten konnten. Vincenz torperdierte mit seinen Interviews und Seitenhieben an Konkurrenten in einer heiklen Phase eben dies. Dadurch wurden die CH-Banken in den Vergleichsverhandlungen unnötig geschwächt und regelrecht vorgeführt. Die Bussen in Milliardenhöhe standen in keinem Verhältnis zu den Verfehlungen.
  • N. Y. P. D. 23.12.2017 15:12
    Highlight Highlight Kein Mitglied des Schweizer Finanzplatzes schlug härter auf. (text)

    Falsch, er wurde belohnt. Ein Berufsverbot ist keine Strafe mit 61 Jahren.

    Was mich sprachlos macht ist sein Lohn. 4 Millionen jährlich. In einer Genossenschaftsbank. Ich hätte zwischen 300 - 500'000.- gerechnet. Da kriege ich Ausschlag.

    Er hat in seiner Raiffeisenkariere rund 35 Millionen eingesackt. Und er hat Insidergeschäfte gemacht.
    *Wahrlich ein Leuchtturm der Ethik, Moral und Demut. Wären alle mit dieser Einstellung in der Finanzwelt unterwegs..

    *Ironie Leute, Ironie.



  • Sheez Gagoo 23.12.2017 14:05
    Highlight Highlight Von wegen "volle Härte der Aufsichtsbehörden". Das Verfahren wurde eingestellt.
  • Raphael Stein 23.12.2017 13:54
    Highlight Highlight Ja, in etwa war das sein Profil. Geschickter Kerl.

Die neue 100er-Note ist da! 💸💸💸

Die Schweizerische Nationalbank hat die neue 100-Franken-Note enthüllt. Sie zeigt die humanitäre Seite der Schweiz, die gestalterisch durch das Wasser repräsentiert wird.

Es soll die sicherste Banknotenserie der Welt sein: die aktuellsten Banknoten der Schweizerischen Nationalbank SNB. Heute um 10 Uhr erscheint nun mit der neuen 100er-Note die die sechste und letzte Note der neuesten Serie. Das Design wird von der SNB in einer Präsentation veröffentlicht.

Als Hauptelement wurde das Wasser angegeben, dargestellt unter anderem durch eine Suone.

Die neue 100er-Note ist somit ebenfalls blau, wie auch die bisherige Note, die Bildhauer, Maler und Grafiker Alberto …

Artikel lesen
Link zum Artikel