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Die Schweizer Landwirtschaft hat den Frauen viel zu verdanken

Une année 2026: deux Années internationales des Nations Unies qui concernent l’agriculture!
Frauen spielen nicht nur in der Schweizer Landwirtschaft eine Schlüsselrolle, sondern weltweit.bild: sblv / Imago, montage watson
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Die Schweizer Landwirtschaft hat den Frauen viel zu verdanken

2026 ist in der internationalen und auch in der Schweizer Landwirtschaft ein besonderes Jahr: Die Vereinten Nationen haben gleich zwei Internationale Jahre mit Landwirtschaftsbezug ausgerufen.
15.02.2026, 16:3815.02.2026, 16:38
Anne challandes

Über Landwirtschaft kann man nicht sprechen, ohne den unverzichtbaren Beitrag der Frauen zu erwähnen. Und genau deshalb haben die Vereinten Nationen 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen erklärt. Auch dafür nennen die Vereinten Nationen ein klares Ziel: Das Internationale Jahr soll die zentralen Leistungen sichtbar machen, die Frauen entlang der gesamten Agrar- und Ernährungssysteme, von der Produktion bis zum Handel, erbringen. Dieser Beitrag werde oft nicht wahrgenommen.

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Jeden Sonntag lädt watson Persönlichkeiten aus der Romandie ein, um aktuelle Ereignisse zu kommentieren oder ein Thema ins Licht zu rücken, das sonst zu wenig Beachtung findet.

Mit dabei: Nicolas Feuz (Schriftsteller), Anne Challandes (Schweizer Bauernverband), Roger Nordmann (Berater, ehem. SP-Nationalrat), Damien Cottier (FDP), Céline Weber (GLP), Karin Perraudin (Groupe Mutuel, ehem. CVP), Samuel Bendahan (SP) und die QoQa-Otte.

Die UNO betont zudem, dass die Arbeit von Frauen in der Landwirtschaft entscheidend für Ernährungssicherheit, eine gute Ernährung und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit ist. Und dass es darum geht, die Geschlechterlücke zu schliessen und die Lebensgrundlagen von Frauen weltweit zu verbessern.

Der Frauenanteil steigt kontinuierlich

In der Schweiz stellen Frauen 37 Prozent der Arbeitskräfte auf knapp 48'000 Bauernhöfen. 7,7 Prozent dieser Betriebe werden von einer Frau allein geführt – ein Wert, der kontinuierlich steigt. Bei den Jüngsten liegt dieser Anteil bereits bei einem Viertel, ebenso in der landwirtschaftlichen Grundbildung. Das lässt erwarten, dass er in Zukunft weiter zunimmt.

https://www.landfrauen.ch/app/uploads/2026/01/IYWF2026_V_Col_DE.jpg

Internationales Jahr der Bäuerin und Landwirtin 2026
Bild: landfrauen.ch

Weitere 29 Prozent führen einen Betrieb gemeinsam mit einer oder mehreren anderen Personen – entweder als Lebensgemeinschaft oder in einer Betriebsgemeinschaft.

Frauen, die in der Landwirtschaft arbeiten, sind entweder ausserfamiliäre Angestellte oder gehören zur Familie – als Ehefrauen, Mütter, Töchter oder Schwestern. Unter ihnen ist der Anteil der bezahlten Arbeit in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen und liegt inzwischen bei über 50 Prozent.

Ein eigenes Einkommen ermöglicht es ihnen unter anderem, AHV-Beiträge zu zahlen, eine Mutterschaftsentschädigung zu beziehen oder in die zweite Säule einzuzahlen. Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) setzt sich aktiv dafür ein, dass sich die Situation der Frauen in der Landwirtschaft weiter verbessert – beim Status, bei der Entlöhnung und bei der sozialen Absicherung.

Eine Vielfalt wird endlich sichtbar

Es ist offensichtlich: Frauen spielen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft und auf Familienbetrieben. Sie übernehmen Verantwortung und erledigen Aufgaben in ganz unterschiedlichen Bereichen – von der landwirtschaftlichen Produktion über die Verarbeitung, die Direktvermarktung sowie Buchhaltung und Finanzen bis hin zu Agrotourismus, Haushaltsführung, Personalführung und -betreuung. Und nicht selten kümmern sie sich zusätzlich um die (Schwieger-)Eltern.

Viele von ihnen arbeiten zudem ausserhalb des Betriebs (53 Prozent) und engagieren sich ehrenamtlich. Und auch ihre Herkunft und Ausbildung könnten unterschiedlicher kaum sein – das ergibt eine grosse Bandbreite an Profilen, jedes für sich spannend.

Indem Bäuerinnen und Landwirtinnen in diesem Internationalen Jahr sichtbar gemacht werden, rückt zugleich ihre Vielfalt – und auch das, was sie verbindet – in den Fokus.

Seit bald 100 Jahren vertritt der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) Bäuerinnen, Landfrauen und ganz allgemein Frauen vom Land. Als wichtigste Organisation, die den Frauen in der Landwirtschaft eine Stimme gibt, gehört er zu den fünf grössten Frauendachverbänden der Schweiz und zählt rund 50'000 Mitglieder, organisiert in 28 Mitgliedsorganisationen in der ganzen Schweiz.

Zudem schlägt er Brücken zwischen Stadt und Land, zwischen Produktion und Konsum, zwischen Tradition und Moderne und zwischen den Generationen. Und er bietet ein breites Netzwerk. Deshalb war auch klar, dass der SBLV dieses Internationale Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen feiert und die Vielfalt, die Vielseitigkeit und die Kompetenzen der Frauen hervorhebt, die sich in unserer Landwirtschaft engagieren. Unabhängig davon, wie viel Verantwortung sie tragen, woher sie kommen, welche Ausbildung sie haben und in welchen Bereichen sie tätig sind.

Mut machen, in den Beruf einzusteigen

Darum veröffentlicht der Verband in regelmässigen Abständen attraktive Porträts – als Bildstrecken oder Videos – auf seiner Website, in Newslettern und auf den Social-Media-Kanälen. So werden diese Frauen vorgestellt und ihr Engagement sichtbar gemacht.

Diese Porträts sollen auch als Vorbilder dienen und Frauen – besonders junge Frauen – dazu ermutigen, den Schritt zu wagen: eine Ausbildung im Berufsfeld Landwirtschaft zu beginnen, einen Hof zu übernehmen, in der Führung des Familienbetriebs ihren Platz einzunehmen oder eine landwirtschaftliche Tätigkeit aufzubauen.

Und wer für 2026 noch einen Ausflugstipp sucht, sollte die Ausstellung «Frauen in der Landwirtschaft: gestern – heute – morgen» im Schweizer Freilichtmuseum Ballenberg (BE) einplanen. Sie läuft während der ganzen Saison 2026. Entstanden ist sie in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) und ist im Haus Ostermundigen zu sehen. Ab dem 10. April zeigt sie Porträts, einen Film und Audiostationen – für einen lebendigen, authentischen Rundgang.

Barbara Landfrauen
Weitere Porträts wie dieses gibt es online zu entdecken.Bild: landfrauen.ch

Weideland ernährt uns!

Die Tierhaltung zählt zu den ältesten Formen der Landwirtschaft. Sie ist zugleich Nahrungsproduktion und Lebensweise – und rund um den Globus weit verbreitet. Entsprechend vielfältig sind Weidelandschaften und die verschiedenen Formen der Viehhaltung.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schreibt, dass rund ein Drittel der Landoberfläche der Erde aus Weideflächen bestehe, die von einigen Hundert Millionen Hirtinnen und Hirten bewirtschaftet würden. Diese lebten in den unwirtlichsten Gegenden und würden dort Lebensmittel produzieren, wo Regenfeldbau nicht möglich sei.​

Weiter wird erklärt, dass Hirtinnen und Hirten verschiedenes Vieh halten würden, darunter Rinder, Schafe, Kamele, Yaks, Lamas, Büffel, Pferde, Esel und Rentiere. Sie würden Fleisch produzieren, Milch und Eier, aber auch Produkte, die nicht als Lebensmittel dienen, etwa Häute, Fasern und Wolle.

Die FAO hält zudem fest, dass Hirtentum in gewissen Regionen der beste Weg ist, um Nahrung zu gewinnen – und Einkommen sowie Arbeitsplätze zu schaffen.

Die unterschätzte Bedeutung der Weidelandschaften

Tatsächlich wächst auf einem Drittel der Landfläche der Erde und auf rund zwei Dritteln der Schweiz nur Gras. Weiden übernehmen deshalb wichtige Funktionen, wenn es um die Pflege der Flächen und die Lebensmittelproduktion geht. Sie erbringen zudem vielfältige Ökosystemleistungen für den Klimaschutz und prägen unsere Identität direkt und indirekt.

Ob anderswo auf der Welt oder in der Schweiz: Das Hirtentum macht abgelegene, schwer zugängliche Regionen nutzbar, in denen andere Formen der Bewirtschaftung kaum möglich sind. Es trägt zur Pflege der Flächen bei und hilft, die Landschaft offen zu halten.

Indem die Tiere Gestrüpp, Büsche und Dornen abfressen, bremsen sie die Verbuschung und den Vormarsch des Waldes. So bleiben zum Beispiel alpine Wiesen frei – und bieten, wenn der Schnee fällt, attraktive Pisten für Wintersportfans. Wenn die Tiere im Sommer die Bergweiden beweiden, halten sie das Gras zudem kurz. Das kann im Winter die Bildung von Schneebrettern bremsen und das Lawinenrisiko senken.

Mehr als Tradition

Auch im Mittelland ist die Tierhaltung geschätzt – und sinnvoll. Grasflächen passen gut in die Fruchtfolge und geben dem Boden Zeit, sich zu erholen. Mit ihren Ausscheidungen liefern die Tiere zudem einen natürlichen, erneuerbaren Dünger: Er versorgt den Boden mit Nährstoffen und fördert den Aufbau organischer Substanz. Ein doppelter Pluspunkt.

Und Weiden liefern nicht nur Futter für Nutztiere, sie sind auch Lebensraum für unzählige Pflanzen- und Tierarten.

Hast du im Winter schon einmal eine grosse Schafherde gesehen – begleitet von Hüte- und Herdenschutzhunden, Eseln und einem Hirten oder einer Hirtin? Diese Wanderung der Herde zu den Winterweiden ist mehr als ein poetischer Moment im Alltag, mehr als der Ausdruck einer blossen Tradition. Sie ist Teil eines nachhaltigen, kreislauforientierten Gesamtsystems. Und sie ist nur ein Beispiel dafür, dass viele landwirtschaftliche Praktiken Anerkennung verdienen – und Unterstützung, damit sie erhalten bleiben.

Menschen und Tätigkeiten

Wo Tiere sind, braucht es Menschen, die sich um sie kümmern. Deshalb gehören Weiden untrennbar zu Bäuerinnen und Bauern, Hirtinnen und Hirten – und in den Hochgebirgen zu Älplerinnen und Älplern. Das Internationale Jahr will deshalb auch aufzeigen, wie wichtig das Hirtentum für die rund 200 Millionen Menschen weltweit ist, die davon leben.

Auch in der Schweiz gibt es viele Menschen, die Nutztiere halten. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Ökosystemen – und den Traditionen, die damit verbunden sind.

Um die Menschen, die mit ihren Tieren Weiden bewirtschaften, besser bekannt zu machen, haben sich der Schweizer Bauernverband (SBV), der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV), die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) und die Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas zusammengeschlossen und gemeinsame Aktivitäten auf die Beine gestellt. Im Laufe dieses Jahres kann man deshalb verschiedene Betroffene aus unterschiedlichen Regionen der Schweiz begleiten – Frauen und Männer, Paare oder Familien.

Diese Menschen erzählen regelmässig aus ihrem Alltag, wie sie leben und arbeiten. Das geschieht in Videos, die auf den Social-Media-Kanälen der Kampagne Schweizer Bäuerinnen & Bauern veröffentlicht werden. Helvetas gibt zudem Einblick in das Leben von Hirtinnen und Hirten in Kirgistan und Äthiopien.

Im September findet in Naters VS eine Konferenz statt. Dort werden Zukunftsstrategien für die Alpwirtschaft und das Hirtentum diskutiert. Zudem soll eine gemeinsame Erklärung zuhanden des Bundesrates erarbeitet werden.

Wer die Publikationen und Aktivitäten verfolgt, die im Rahmen dieser beiden Internationalen Jahre geplant sind, kann viel über die Landwirtschaft und die Menschen lernen, die darin arbeiten. Und falls es noch nötig ist, sich überzeugen zu lassen: Landwirtschaft ist in der Schweiz wie auch weltweit zentral – ebenso wie die lebenswichtigen Wechselwirkungen zwischen Landschaft, Bevölkerung, Bauernfamilien und ihren Tieren.

Anne Challandes ist ...
... Bäuerin und ausgebildete Rechtsanwältin. Sie bewirtschaftet einen Familienbetrieb im Bio-Landbau mit Mutterkühen und verschiedenen Kulturen im Neuenburger Jura. Zudem ist sie Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV) und Vizepräsidentin des Schweizer Bauernverbands (SBV).
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bild: sblv
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