Schweiz
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Ramona Signer mit ihrer drei Tage alten Tochter Jasmin im Spital und Pflegeheim in Appenzell, am Montag, 20. Januar 2012. Die Geburtenabteilung im Spital Appenzell wird noch in diesem Jahr geschlossen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Für die Jungfreisinnigen ist das achtwöchige Beschäftigungsverbot nach der Geburt nicht in jedem Fall angebracht. Bild: KEYSTONE

Schneller nach der Geburt zurück ins Büro? Frauen sollen Urlaub an Kindsvater abtreten

Die Jungfreisinnigen wollen nichts von bezahlter Papi-Zeit wissen: Statt einem vierwöchigen Vaterschaftsurlaub soll der heutige Mutterschaftsurlaub zwischen Müttern und Vätern aufgeteilt werden. Wenn sie das wünschen, sollen Mütter früher nach der Geburt zur Arbeit zurückkehren dürfen. Der Vorschlag sorgt für Kritik.



Vier Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub: Mit der gestern eingereichten Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» wollen Gewerkschaften, Frauenverbände sowie Männer- und Väterorganisationen der Papi-Zeit zum Durchbruch verhelfen. 

Die Jungfreisinnigen Schweiz (JFS) nutzen den Hype, um am Dienstag einen eigenen Gegenvorschlag zu lancieren: Die bestehenden 14 Wochen Mutterschaftsurlaub sollen künftig flexibel zwischen beiden Eltern aufgeteilt und nicht nur als Block, sondern auch Teilzeit bezogen werden können.

«Arbeitsverzicht nicht angemessen»

Dabei schreibt die Jungpartei der FDP explizit, dass auch das gesetzlich vorgeschriebene Arbeitsverbot für Mütter während der ersten acht Wochen nach der Geburt reduziert werden soll. Dabei gehe es nicht um eine Gefährdung des Mutterschutzes. «Das strikte Arbeitsverbot ist aber zu überdenken», sagt JFS-Präsident Andri Silberschmidt. Diese Forderung komme übrigens von den Frauen in der Partei.

In den ersten acht Wochen nach der Niederkunft schreibt das Gesetz für Mütter aus gesundheitlichen Gründen ein absolutes Beschäftigungsverbot vor. Nach Ablauf dieser Frist können sie auch vor Ende des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs freiwillig an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Andri Silberschmidt, Praesident der Jungfreisinnigen spricht waehrend eine Podiumsdiskussion

«Das strikte Arbeitsverbot ist zu überdenken», sagt Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen. Bild: KEYSTONE

«Unser Gegenvorschlag bietet einen guten Mittelweg zwischen der Volksinitiative, welche untragbare Kosten verursacht, und der geltenden Regelung, die einem veralteten Rollenmodell entspricht», sagt Silberschmidt. Es sei nicht angemessen, dass der Vater während dieser Zeit nicht für das Kind da sein könne, während die Mutter 8 Wochen auf die Arbeit verzichten müsse: «Wenn eine Frau wie bisher erst nach 14 Wochen wieder arbeiten will, kann sie das in unserem Modell aber weiterhin so tun.»

«Druck der Frauen ist riesig»

Für ihren Vorschlag ernten die Jungfreisinnigen scharfe Kritik: «Der Mutterschutz und das Arbeitsverbot nach der Geburt sind unantastbar», sagt CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer. Eine Lockerung sei politisch chancenlos.

Die Pläne der Jungfreisinnigen sind für Schmid-Federer eine Abbauvorlage. Denn würden Väter einen Teil des Mutterschaftsurlaubs beanspruchen, ohne dass ihnen dafür zusätzliche arbeitsfreie Tage zugestanden würde, komme das einer Reduktion des Mutterschaftsurlaubs gleich.

Barbara Schmid-Federer, Mitglied Vorstand alliance F und Nationalraetin CVP-ZH, Mitte, spricht an der Seite von Dorothea Forster, Praesidentin Evangelische Frauen Schweiz (EFS), links, und Maya Graf, Co-Praesidentin alliance F und Nationalraetin GPS-BL, links, waehrend einer Medienkonferenz der Frauendachverbaende fuer die Rentenreform, am Donnerstag, 29. Juni 2017, im Medienzentrum des Bundeshauses in Bern. (KEYSTONE/Thomas Delley)

«Die ersten Wochen nach der Geburt lassen sich nicht planen», sagt CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer. Bild: KEYSTONE

Dabei sei das geltende Modell in der Schweiz im internationalen Vergleich bereits eine absolute Minimallösung, sagt die Nationalrätin: «Der Druck der Frauen gegen diesen Angriff auf den hart erkämpften Mutterschaftsurlaub ist riesig.»

«Gesundheit der Mütter aufs Spiel gesetzt»

Nach den Vorstellungen der Jungfreisinnigen sollen sich Arbeitgeber und werdende Eltern vor der Geburt des Kindes darüber absprechen, in welcher Form die Elternzeit bezogen wird. Diese Idee findet Schmid-Federer «unrealistisch». Denn die ersten Wochen nach der Geburt liessen sich nicht planen – insbesondere nicht beim ersten Kind. Eine Mutter könne vor der Geburt nicht voraussehen, wann genau sie wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren könne.

Die derzeitige Lösung biete dank 14 Wochen garantierten Urlaubs immerhin Planungssicherheit. Eine Infragestellung des Arbeitsverbots während der ersten acht Wochen öffne hingegen Druckversuchen durch die Arbeitgeber Tür und Tor: «Dieser Vorschlag würde somit letzten Endes die Gesundheit der Mütter aufs Spiel setzen.»

Dagegen wehrt sich JFS-Präsident Andri Silberschmidt: «Es geht hier um eine unkomplizierte Absprache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Elternzeit.» Ein Arbeitgeber, der Druck auf eine frühere Rückkehr der Mutter an den Arbeitsplatz machte, würde rechtswidrig handeln.

SP will skandinavische Verhältnisse

Welcher Gegenvorschlag der Volksinitiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub allenfalls zur Seite gestellt wird, hat das Parlament noch nicht entschieden. Klar ist nur, dass der Vorschlag der Jungfreisinnigen nicht der einzige sein wird.

Als Gegenschvorschlag zur Volksinitiative beantragt Barbara Schmid-Federer bei der CVP-Fraktion, einen zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub in den Parlamentsbetrieb einzubringen. Ein gleichlautender Antrag ihres Parteikollegen Martin Candinas war vor zwei Jahren im Nationalrat noch knapp gescheitert.

Weiter gehen will die SP. Sie unterstützt zwar die eingereichte Initiative – doch ihre Vorstellungen gehen deutlich darüber hinaus: «Zeitgemäss wäre eine ausgedehnte Elternzeit wie in Nordeuropa, die die Eltern unter sich aufteilen können», schreibt die Partei in einem Communiqué. Im sozialdemokratisch geprägten Schweden etwa beträgt diese insgesamt 480 Tage

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Video: watson

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