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Dieter Vranckx,  CEO der SWISS an einer Medienkonferenz zum Flughafenbericht und den Auswirkungen der Pandemie, am Freitag, 3. Dezember 2021.
Dieter Vranckx, CEO der SWISS an einer Medienkonferenz zum Flughafenbericht und den Auswirkungen der Pandemie, am Freitag, 3. Dezember 2021.Bild: keystone
Interview

«Es ist eine Katastrophe!»: Swiss-Chef Vranckx über Omikron und aggressive Passagiere

Der Chef der Lufthansa-Tochter nimmt Stellung zu den grossen Unsicherheiten in der Aviatikindustrie, den neuen Reiseregeln und drohende Personalengpässe nach der Impfpflicht.
04.12.2021, 06:48
benjamin weinmann / Aargauer Zeitung

Omikron hält die Welt in Atem. Wie beunruhigt sind Sie?
Dieter Vranckx: In Bezug auf Omikron bin ich nur teilweise alarmiert. Was mich viel stärker beunruhigt ist der Umgang damit, und damit meine ich die Quarantäneliste des Bundes. Wir haben in der Vergangenheit gelernt, dass Quarantänen nichts helfen, das Virus lässt sich an der Grenze nicht aufhalten. Die Pandemie lässt sich so nicht eindämmen.

Enttäuscht vom Bundesrat?
Ich hatte gehofft, dass wir etwas mehr aus den vergangenen Monaten gelernt hätten und die Quarantäneliste nicht mehr zum Zug kommt. Denn kurzfristig hat sie einen grossen negativen Einfluss auf unser Geschäft. Dennoch schaue ich positiv in die Zukunft. Ich glaube stark daran, dass ab März mit dem Frühlingswetter sich die Lage wieder beruhigt und die Buchungen wieder zunehmen.

Der Bundesrat hat nun entschieden, die Quarantäneliste wieder abzuschaffen. Stattdessen sind nun für alle Einreisenden zwei PCR-Tests zwingend...
Wir begrüssen diesen Entscheid des Bundesrates. Denn innerhalb nur eineinhalb Wochen wurde mit der Quarantäneliste enorm viel Schaden angerichtet. Wir bringen traditionell sehr viele Skitouristen von Grossbritannien nach Genf und Zürich, gerade auch über Weihnachten und Neujahr. Innerhalb von 48 Stunden nach der Quarantäne-Bekanntgabe wurden diese Reisen abgesagt

Wie gross ist der Schaden in Franken?
Um einen Betrag zu nennen ist es noch zu früh. Aber es ist eine Katastrophe – für uns aber auch insgesamt für den Schweizer Tourismus.

Kann sich das nicht noch ändern?
Nein, diese Annahme ist naiv. Wer seine Skiferien in Zermatt oder St. Moritz absagt, der sucht sich ein anderes Angebot. Diese Touristen kommen diesen Winter nicht mehr zurück, auch wenn die Quarantäneliste wegfällt.

Die USA sind seit drei Wochen für geimpfte Nicht-Amerikanerinnen und -Amerikaner wieder offen. Doch nun hat Präsident Biden die Covid-Testgültigkeit verkürzt, und beim nötigen Esta-Formular kommt es regelmässig zu kurzfristigen Stornierungen. Wie gross ist Ihr Frust?
Klar verspüre ich einen gewissen Frust, aber wir wollen uns nicht von Frust leiten lassen. Wir müssen uns einfach den Gegebenheiten anpassen und entsprechende Massnahmen lancieren. Denn die nächste Virus-Variante kommt bestimmt. Ich hoffe, dass dann stärker abgestimmte Lösungen formuliert werden, Airlines, Flughäfen und Regierungen gemeinsam.

Im Ausland wird teils bereits wieder Airline-Personal gesucht. Auch in Swiss-Kreisen ist zu hören, dass auf manchen Flügen, wie mit der 777-Maschine, Crewmitglieder Mangelware sind. Folgen bald Neueinstellungen?
Die Aussage, dass wir zu viele Leute entlassen haben, ist komplett falsch. Aber es haben uns in den vergangenen Monaten , unter anderem beim Kabinenpersonal, mehr Leute als geplant verlassen. Kommt hinzu, dass die Anzahl nicht geimpfter Flight Attendants etwas höher ist als angenommen, damit haben wir nicht gerechnet. Das kann zu einer gewissen Knappheit beim Personal im Sommerflugplan führen.

Was heisst das für Ihre Planung?
Die Planung für das laufende vierte Quartal 2021 und für das erste Quartal 2022 ist gesichert. Nun schauen wir uns die Phase ab April und für den Sommer an. Dazu gehört auch die Frage, ob es Neueinstellungen braucht.

Die Unsicherheiten bei den Reiseregeln sorgen auch bei den Passagieren für Nervosität. Laut dem Kabinenpersonal nimmt die Zahl renitenter Bordgäste zu. Wie reagieren Sie darauf?
Machen wir uns nichts vor, die Pandemie dauert nun schon zwei Jahre, das setzt uns allen zu, und da reagieren manche Passagiere emotional. Und der Druck auf unseren Angestellten ist gross. Aber wir sind sehr strikt. Wenn ein Passagier keine Maske tragen möchte, wird er nicht befördert.

Nach Singapur gibt es so genannte VTL-Flüge, mit nur geimpften Passagieren an Bord. Wird es vermehrt solchen Angeboten zu gewissen Destinationen geben?
Die durchschnittliche Impfquote bei den Passagieren bei uns an Bord beträgt heute schon über 90 Prozent bei den Passagieren, Tendenz steigend. Generell erwarte ich, dass die Bedeutung, geimpft zu sein, im internationalen Flugverkehr weiter zunehmen wird.

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