Schweiz
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Susanne Ruoff, CEO, spricht an der Bilanzmedienkonferenz der Schweizerischen Post AG, am Donnerstag, 8. Maerz 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Susanne Ruoff tritt als Post-Chefin zurück.  Bild: KEYSTONE

Post-Chefin Susanne Ruoff tritt zurück



Post-Chefin Susanne Ruoff ist am Freitag wegen des Buchungsskandals bei Postauto per sofort zurückgetreten. Sie übernehme die Verantwortung für die Umtriebe in dem Unternehmenszweig, teilte die von ihr beauftragte Kommunikationsagentur am Sonntagabend mit. Der Rücktritt kommt kurz vor der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zur Postauto-Affäre.

Ruoff habe nach Einsicht in die Untersuchungsberichte festgestellt, dass es zwischen 2007 und 2015 Hinweise auf die widerrechtliche Buchungspraxis bei Postauto gegeben habe, schreibt die Kommunikationsagentur Christine Maier in einem Communiqué an die Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Es gebe keine Beweise, dass Ruoff von der Praxis Kenntnis gehabt habe. Ruoff hält gemäss der Mitteilung «deutlich» fest, dass sie nichts von den fiktiven Buchungen gewusst habe, die auch schon vor ihrer Zeit als Chefin getätigt worden waren. Sie habe sich auf interne und externe Kontrollen verlassen.

Übernimmt Verantwortung

Als Leiterin des drittgrössten Konzerns der Schweiz übernehme sie aber «selbstverständlich die Gesamtverantwortung». Den Informationen zufolge besprach sie sich auch mit dem Verwaltungsrat. «Für die Vorfälle und die Unruhe bei Postauto möchte ich mich persönlich entschuldigen», lässt sich Ruoff zitieren.

Der Post-Verwaltungsrat nahm die Kündigung der Konzernchefin vor dem Hintergrund des Untersuchungsberichts zur Kenntnis. Die Untersuchung sei abgeschlossen und die Berichte würden vorliegen, teilte die Post mit.

Der Verwaltungsrat habe seine Entscheide getroffen. Von Seiten des zuständigen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) war am Sonntagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA keine Reaktion zu erhalten.

Edith Graf-Litscher (SP/TG), die Präsidentin der nationalrätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, sagte am Abend, für sie sei nicht der Rücktritt Ruoffs ausschlaggebend. Die Affäre sei noch lange nicht abgeschlossen. Massgeblich seien der Bericht der von der Post eingeleiteten Untersuchung und später die Untersuchungsergebnisse des Bundesamts für Polizei (Fedpol).

Nach Auffliegen der Buchhaltungstricksereien bei Postauto hatte der Post-Verwaltungsrat unter Präsident Urs Schwaller Ruoff sein Vertrauen ausgesprochen – zumindest bis der Untersuchungsbericht vorliegt. Auch die oberste Postchefin, Bundesrätin Doris Leuthard, sah zunächst keinen Grund, Ruoffs Rücktritt zu fordern.

Ergebnisse am Montag

Die Ergebnisse der externen Untersuchung will die Post am Montag zusammen mit den Entscheiden des Verwaltungsrats vor den Medien präsentieren.

Anfang Februar war bekannt geworden, dass die Postauto AG jahrelang im subventionierten Geschäftsbereich Gewinne erzielt und zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen hatte. Letztere verlangen deshalb 78.3 Millionen Franken von der Post zurück.

Neben der posteigenen externen Untersuchung ist zur Postauto-Affäre ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet worden. Der Bundesrat hat auf Antrag des Uvek das Bundesamt für Polizei (Fedpol) damit betraut.

Seit 2012 bei der Post

Die 60-jährige Managerin Ruoff übernahm Ende 2012 die Leitung der Post mit ihren rund 60'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Unter ihrer Ägide kam es zu Poststellenschliessungen und zur Überführung von Postdienstleistungen in Agenturen. Der Prozess läuft weiter.

Ruoff stiess von British Telecom Schweiz, wo sie Konzernchefin war, zur Post. Sie folgte auf Jürg Bucher. Zuvor hatte Ruoff in diversen multinationalen Unternehmen gearbeitet. Bei ihrer Berufung lobte die Post besonders ihre Kenntnisse der digitalen Welt, denn die Postkunden würden vermehrt nach elektronischen Dienstleistungen verlangen. (mik/sda)

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43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Alterssturheit 11.06.2018 09:24
    Highlight Highlight Mir gefällt das, wenn Manager jeweils "die Verantwortung übernehmen". Was übernehmen sie denn konkret ?? Sie geben einfach nur einen gut bezahlten Job auf, spielen Golf und warten bis genügend Gras über die Sache gewachsen ist und treten dann irgendwann wieder einen neuen guten bezahlten Managerjob an.
  • BeatBox 11.06.2018 07:10
    Highlight Highlight So, der schlechte Ruoff der Post ist weg, nun ist alles wieder Friede Freude Eierkuchen...
  • thierry_haas 11.06.2018 06:19
    Highlight Highlight ...und nächsten Freitag hat sie dann einen neuen Job in dem sie sich noch etwas mehr in die Taschen füllen kann.
    Das nennt man Köpfe rollen lassen, nur dass sie in den obersten Etagen nie sehr weit oder sehr lange rollen.
  • länzu 11.06.2018 05:39
    Highlight Highlight Und wann nehmen Herr Schwaller und dieser Tessiner VR den Hut?
  • ströfzgi 10.06.2018 22:47
    Highlight Highlight Glauben würde ich ihr die Übernahme der Verantwortung, wenn sie ihren Lohn, der ja einem GUTEM Job entspricht, zurückzahlen würde.

    Träumen wir weiter…
  • Zeit_Genosse 10.06.2018 21:54
    Highlight Highlight Die zuständige BR und der VR konnten sie nicht „retten“, obwohl man sie (zu)früh aus der „Schusslinie“ genommen hat. Sie tritt nicht mit Einsicht zurück, sondern auf Druck. Man lässt ihr die Möglichkeit, öffentlich zurückzutreten, passiert ist das bereits früher durch andere (zu deren Schutz).
  • w'ever 10.06.2018 21:28
    Highlight Highlight @watson
    bleibt doch bitte an ihr dran. bin interessiert wo sie als nächstes eingestellt wird.
  • Carlitos Fauxpas 10.06.2018 21:15
    Highlight Highlight Die "Grossen" übernehmen hochnäsig

    "die Verantwortung"

    Die Kleinen spickt man auf die Strasse

  • Rumbel the Sumbel 10.06.2018 21:13
    Highlight Highlight ‘Wenigstens’ sie geht.
  • abishot 10.06.2018 20:30
    Highlight Highlight Das alt bekannte Sprichwort "der Fisch stinkt vom Kopf her" trifft wohl auch hier zu. Ohne ihr etwas zu unterstellen, aber so etwas hat bis nach oben System..
  • nass 10.06.2018 20:19
    Highlight Highlight Wurde auch Zeit!
  • Jesses! 10.06.2018 20:05
    Highlight Highlight Warum klammern diese Leute bis zum bitteren Ende an ihr Amt? Ich will Leute, die Verantwortung tragen. Immer!
    • Astrogator 10.06.2018 21:19
      Highlight Highlight Leute die immer zu ihrer Verantwortung stehen schaffen es nie bis ganz nach oben. Nach oben schaffst du es nur mit einem "makellosen Leistungsausweis". Da aber niemand perfekt ist musst du immer einen finden dem du eigene Fehler anhängen kannst.

      Oder wie sagte mir mal einen Schulfreund der inzwischen in der GL eines internationalen Konzern sitzt: immer nach 3 Jahren wird entschieden ob du weiterkommst, dann muss alles glänzen. Hinter dir aufräumen kann der nächste.

      Ein dreckiges Spiel, Integrität ist da fehl am Platz.
    • Alterssturheit 11.06.2018 13:17
      Highlight Highlight Wie konkret sollen die Leute "Verantwortung tragen" ? Was heisst das jetzt ?? Sollen sie z.B. die Löhne von 500 MA weiter zahlen, die sie auf die Strasse stellen oder was meinst du KONKRET ?
    • Astrogator 11.06.2018 14:08
      Highlight Highlight @Alterssturheit: Verantwortung tragen im Fall der Postspitze hätte geheissen dem Bund klar aufzuzeigen, dass die Gewinnerwartungen nicht erfüllbar sind. Oder dem Verdacht auf Betrug nachzugehen der ja offensichtlich da wäre. Seltsam, dass der GL mit Zugriff auf alle Dokumente nicht möglich war, dem Blick aber schon.
      Und jetzt bedeutet Verantwortung zu übernehmen sämtliche "Gewinnbezogenen" Boni zurückzuzahlen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DartVaidder 10.06.2018 20:04
    Highlight Highlight "Ruoff hält «deutlich» fest, dass sie nichts von den fiktiven Buchungen gewusst habe, die auch schon vor ihrer Zeit als Chefin getätigt worden waren. Sie habe sich auf interne und externe Kontrollen verlassen"
    Unglaublich! Die Revision hat darauf hingewiesen, es liegen Protokolle vor welche dies aufzeigen und der PA-Chef selber hat darauf hingewiesen. Ich frage mich einfach, weshalb diese "Manager" keine Ehre und Charakter haben, hinstehen und die Verantwortung übernehmen. Ein weiteres Beispiel, wie wieder ein weiterer CEO überaus schwach agiert - Egomanie pur...
    • chara 10.06.2018 22:40
      Highlight Highlight das ist reines juristengeplänkel anslog winterkorn...wenns sie es nicht sagen dann wäre es automatisch ein schuldeingeständnis ohne dass sie gesagt haben dass sie es auch waren...
    • dan2016 11.06.2018 01:48
      Highlight Highlight 1. die Revision hatte keine Kenntnis der betrügerischen Buchungen, sondern hatte auf Verrechnungsprobleme hingewiesen, in dessen Folge strukturelle Änderungen vorgenommen wurden
      2. der PA Chef ist als Organisator der illegalen Buchungen wohl der falsche Zeuge.
      Ich habe keine Mühe mit Köpferollen, wenn die Medien das wollen. Aber es macht ab und zu Sinn, sich trotzdem an Fakten zu halten
    • ujay 11.06.2018 04:04
      Highlight Highlight @Dan. Es ist völlig unwichtig, ob ie von den illegalen Buchungen wusste oder nicht. Als CEO einer Firma, deren Betriebsklima solch fahrlässiges Controlling zulässt, muss man den Hut nehmen. Sofort, nicht nach monatelanger Denkpause. Bedenklich, dass Frau Ruoff nicht sofort freigestellt wurde, nachdem das Ganze aufgeflogen ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Füdlifingerfritz 10.06.2018 19:59
    Highlight Highlight Als Konzernleiterin des drittgrössten Konzerns der Schweiz übernehme sie aber «selbstverständlich die Gesamtverantwortung».
    Selbstverständlich. Also wenns nicht anders geht. Also weil ich halt muss. Viele Monate danach. Doch, doch, das nimmt man ihr echt ab, das mit der Verantwortung. :-D
  • stadtzuercher 10.06.2018 19:57
    Highlight Highlight "Es gebe zwar keine Beweise, dass Ruoff von der Praxis Kenntnis hatte. "

    Doch. Gibt es. Der Blick hat die Dokumente veröffentlicht.
    • dan2016 11.06.2018 01:51
      Highlight Highlight Nein,aber in der Stimmung macht es wohl keinen Sinn drauf hinzuweisen, dass problematische Verechnungen nicht betrügerischen Buchungen entsprechen. Ich hätte mit meiner Erfahrung kein Problem, in JEDEM grösseren Unternehmen kritische Verrechnungen zu finden
  • Mangi 10.06.2018 19:56
    Highlight Highlight Hat sich eine goldene Nase verdient
  • Tomac 10.06.2018 19:50
    Highlight Highlight Och die arme! Bekommt sicherlich nur eine ganz klitze kleine Abgangsentschädigung! Ich habe jetzt schon enorm Mitleid!
    • Don Sinner 10.06.2018 22:29
      Highlight Highlight Man vergisst immer, dass nicht nur der golden Fallschirm geregelt werden muss, sondern auch der nächste Job. Erst dann "übernehmen sie Verantwortung" = gehen - in meiner Sprache: zeigen beide Finger.
  • Scaros_2 10.06.2018 19:49
    Highlight Highlight NA ENDLICH - Hat sie noch einen Bonus abgewartet oder was?
  • bokl 10.06.2018 19:48
    Highlight Highlight Und wie sehen die Abgangsentschädigungen aus? Nur ohne Lohnfortzahlung, PK-Zustupf usw. bleibt sie glaubwürdig.

    Ansonsten ist es wohl ein PR-taktischer Abgang, nach der Ankündigung, dass den "staatsnahen" CEO die Löhne gekürzt werden.
  • Diavolino666 10.06.2018 19:45
    Highlight Highlight "Sie übernimmt Verantwortung" - dass ich nicht lache... Sie wurde erwischt und macht sich straflos aus dem Staub
  • PABT 10.06.2018 19:44
    Highlight Highlight Würde auch langsam Zeit... unglaublich wie lange in der Schweiz die dick bezahlten Manager ihre Fehler aussitzen können und dann auch noch vom ganzen Politfilz - sprich CVP - geschützt werden. Abgängentschädigung im Auge behalten hier! Die Doris hat ihr sicher nen dickes Pflästerli versprochen.
  • Freilos 10.06.2018 19:40
    Highlight Highlight Oha, kommt da noch etwas raus?
    Schade für die Post, deren Image damit weiter leidet...
  • Armend Shala 10.06.2018 19:37
    Highlight Highlight Endlich!
  • N. Y. P. D. 10.06.2018 19:36
    Highlight Highlight Mir kommt das eher so vor :

    Mir ist das alles zu blöd, macht doch was ihr wollt. Am besten trete ich sofort zurück, labere was von Verantwortung übernehmen, und der Nachfolger/in soll sich dann mit diesem Mist auseinandersetzen. Ich habe eh keinen Bock mehr auf diese blöden Fragen.

    Also, irgendwie machen sich die CEO's das langsam sehr einfach. Sie übernehmen Verantwortung, treten zurück und fangen einen Monat später bei einer anderen Firma an.
  • loquito 10.06.2018 19:36
    Highlight Highlight Ich übernehme die Verantwortung und trete zurück ohne auf goldene Fallschirme zu verzichten... Jea, dass ist die berühmte "Verantwortung", die Milliomemgehälter legotimiert... ich könnt k....
  • Ville_16 10.06.2018 19:34
    Highlight Highlight Wurde auch zeit.
  • DrLecter 10.06.2018 19:34
    Highlight Highlight Hoppla, was wohl in diesem Untersuchungsbericht steht? Es bleibt zu hoffen, dass dieser nun trotzdem veröffentlicht wird.
  • RatioRegat 10.06.2018 19:24
    Highlight Highlight Endlich. Nun wird sich noch zeigen müssen, ob sie auch strafrechtlich die Verantwortung zu übernehmen hat.
  • CASSIO 10.06.2018 19:21
    Highlight Highlight das wurde auch zeit! nur, wird's nachher besser?
  • welefant 10.06.2018 19:17
    Highlight Highlight lieber spät als nie!

    und nun: aufräumen, optimieren & wie in der privatwirtschaft beginnen zu arbeiten und dann könnt‘s gut kommen.
    • Astrogator 10.06.2018 21:26
      Highlight Highlight Ja genau, in der Privatwirtschaft läuft es besser. Sah man als Zuckerberg zurücktrat, oder Mario Corti der seine auf Jahre im Voraus bezogenes Gehalt nach dem Zusammenbruch der Swissair zurückzahlte, oder Ospel der freiwillig Boni zurückzahlte für seine Leistung eine Bank an die Wand zu fahren genau wie Ackermann....
      Ich hör jetzt auf.
    • c_meier 11.06.2018 06:12
      Highlight Highlight wenn es wie in der Privatwirtschaft laufen soll, müssten aber noch mehr Poststellen geschlossen werden und Postauto müsste etliche Linien einstellen...

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