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Mobbing an der ETH: Gegen drei weitere Professoren wird ermittelt 



Die ETH Zürich sieht sich mit neuen Mobbingvorwürfen konfrontiert: Eine Umfrage unter Doktorierenden hat ergeben, dass jeder Vierte von ihnen von seinem Professor schlecht behandelt wird. Gegen drei Professoren wurde nun eine Untersuchung eingeleitet.

Fast ein Drittel der Doktorierenden, die an der Umfrage teilnahmen, kritisiert, dass ihr Professor seine Mentorenaufgabe nicht richtig wahrnehme. Die Rede ist von zu wenig zeitlicher Präsenz, oder dass sich der Professor inhaltlich kaum engagiert. Jeder zwölfte Befragte kreuzte in der Umfrage an, dass ihm gar niemand helfe.

Gegenüber watson sprachen zwei Doktoranden über ihre Erfahrungen an der ETH

Knapp ein Viertel der Umfrageteilnehmer gab sogar an, dass ihr Vorgesetzter das Machtgefälle ihnen gegenüber schon in missbräuchlicher Weise ausgenutzt habe. Die Befragten klagen über Demütigungen, fehlenden Respekt und emotionalen Druck. Häufig genannt wurden auch Lohn als Druckmittel, häufige Wochenendarbeit und eine nicht verlässliche Ferienplanung.

ETH Zuerich am Montag, 6. November 2017. Seit die

Die ETH in Zürich. Bild: KEYSTONE

Die Mittelbauvereinigung AVETH befragte alle der momentan 4100 Doktorierenden, 37 Prozent gaben Auskunft. Die ETH veröffentlichte die Ergebnisse dieser Umfrage, über die am Freitag auch der «Tages-Anzeiger», der «Blick» und «Neue Zürcher Zeitung» berichteten, auf ihrer Website.

Machtgefälle «nicht mehr zeitgemäss»

Die ETH nehme die geäusserten Defizite in der Betreuung sehr ernst, wird ETH-Rektorin Sarah Springman in einer Mitteilung zitiert. Ein konstruktiver und respektvoller Umgang miteinander und das bewusste Fördern der Doktorierenden sei zentral für herausragende Leistungen.

Sie betont aber auch, dass der Wissenschaftsbetrieb anspruchsvoll und zuweilen hart sei. «Junge Forscherinnen und Forscher müssen lernen, mit Druck umzugehen.» Untätig blieben will die ETH trotzdem nicht. Bereits im November 2017 wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um eine «motivierende Führungskultur» zu etablieren.

Leiter der Arbeitsgruppe ist Antonio Togni, Prorektor für das Doktorat und ETH-Chemieprofessor. Seiner Meinung nach sollte es das Ziel sein, das nicht mehr zeitgemässe Machtgefälle durch eine «Learning Alliance» abzulösen. Die Vorgesetzten hätten darin nicht mehr die Rolle derer, die alles wissen und bestimmen. «Sie sollten vielmehr eine Mentorenrolle einnehmen», wird Togni zitiert.

Sein Arbeitsgruppe schlägt vor, dass Professoren einen Kurs besuchen müssen, in dem sie lernen, wie Doktorierende richtig betreut werden. Denkbar sei auch, den Doktorierenden eine weitere Betreuungsperson zur Seite zu stellen oder regelmässige schriftliche Feedbacks für obligatorisch zu erklären. Die ETH will zudem bei drei Professoren genauer hinschauen: Sie leitete eine Untersuchung ein, um die Vorwürfe genauer abzuklären.

Schikane bei den Astronomen

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die ETH mit Mobbingvorwürfen konfrontiert sieht. Im Februar 2017 wurde die Schulleitung über Mobbing im Institut für Astronomie informiert. Eine Professorin, die zusammen mit ihrem Ehemann das Institut aufbaute, soll über zehn Jahre lang Doktoranden schikaniert haben.

Die Professorin wurde freigestellt, die ETH leitete eine Untersuchung ein. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das Institut wurde geschlossen. (mlu/sda)

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Video: srf/SDA SRF

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 12.05.2018 07:38
    Highlight Highlight Wer hätte das gedacht?
    Dort geht es ja zu und her wie im richtigen Leben 🙈
  • Spooky 12.05.2018 07:36
    Highlight Highlight "Die Professorin wurde freigestellt, die ETH leitete eine Untersuchung ein. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das Institut wurde geschlossen."

    Die Professorin hat also immer noch Anspruch auf den vollen Lohn?
  • Graviton 11.05.2018 13:29
    Highlight Highlight Auch ich kann aus eigener Erfahrung vieles vom bereits Erwähnten bestätigen. Der Wissenschaftsbetrieb ist aufgrund dieser Umstände bedauerlicherweise zu einem schauderhaften Unterfangen mutiert. Als Folge davon kehren viele fähige Nachswuchskräfte der Wissenschaft den Rücken - aus gutem Grund. Ich finde es ist jammerschade, dass ein solch wichtiger Pfeiler unserer Gesellschaft so degeneriert ist.
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 11.05.2018 13:04
    Highlight Highlight In der Zeit als wiss. Ass. habe ich auch bisweilen ein Autoritätsdenken nordkoreanischer Prägung wahrgenommen. Es war insgesamt trotzdem eine gute Zeit.

    Ein Problem liegt vielleicht auch darin, dass man meist von Leuten umgeben ist, die sich unter erheblichem Karrieredruck setzen. Andernfalls würden diese Machtmechanismen nicht so reibungslos funktionieren.
  • sikki_nix 11.05.2018 12:29
    Highlight Highlight Ich habe das Glück, in einer Gruppe zu sein, in der der Umgang respektvoll und kollegial ist egal ob Prof, PhD oder MSc. Man muss sich die Forschungsgruppen vorab gut anschauen und nicht nur nach Gebiet wählen. Die Sozialdynamik ist genau so wichtig. Ansonsten können es ein paar schlimme Jahre werden...
  • Robert K. 11.05.2018 11:41
    Highlight Highlight Diese Missstände bestehen, weil Professoren tun und lassen können was sie wollen (in der Regel bis zur Pensionierung). Es wäre Zeit, dass die Universitäten / ETH sich aufraffen würden auch ein unabhängiges Qualitätsmanagement einzuführen; mit klaren Leistungskriterien, in den Dimensionen, Forschung, Lehre, Dienstleistungen im Sinne des Wissenstransfers bzw. der Zusammenarbeit mit der Praxis.
  • lilie 11.05.2018 09:41
    Highlight Highlight Das ist leider ein grosses Problem, wie ich aus eigener Erfahrung weiss.

    Professoren sind im Wesentlichen Fachidioten, hochspezialisiert auf ein sehr begrenztes Teilgebiet ihres Faches, oft Nerds, wie sie im Buche stehen. Ihre Qualifikation haben sie sich über Jahre der Forschung - ein Einzelkämpferjob - erworben.

    Auf die Lehre jedoch wurden sie nicht vorbereitet, auf die Betreuung von Studierenden schon gar nicht. Einige bringen ein Flair dafür mit, für viele ist die Lehre und Studentenbetreuung aber nur ein notweniges Übel.

    Zumindest die grobsten Missstände sollten behoben werden!

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