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Interview

13 Minuten mit Joko: «Leute, ihr verletzt mich, ich finde das scheisse!»

Am 20. Juni flimmerte «Circus Halligalli» zum letzten Mal über den TV. Und Jetzt? Joko Winterscheidt über seine Pläne nach der Erfolgssendung.
06.07.2017, 15:4807.07.2017, 10:44
bianca xenia mayer, berlin

In insgesamt neun Staffeln «Circus Halligalli» haben Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt auf ProSieben regelmässig die Grenzen des deutschen Humors überschritten. Anfang des Jahres haben die Moderatoren nach knapp vier Jahren verkündet, dass die Sendung im Sommer 2017 enden wird: Am 20. Juni 2017 wurde die allerletzte Episode von «Circus Halligalli» gesendet.

Wir haben Joko Winterscheidt in Berlin getroffen, um mit ihm über das heissumkämpfte Medienbusiness, die Authentizität von YouTube-Starlets und seine künftigen Karrierepläne zu sprechen.

Hallo Joko! Wann ist bei deiner bisherigen Karriere der Zeitpunkt gekommen, an dem du dir dachtest: Ich möchte auch mal etwas anderes machen, als mich mit Klaas im Auto einzurauchen?
Joko Winterscheidt: 
(lacht) Den Moment gab es eigentlich gar nicht. Also, wirklich nicht! Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit Klaas im Auto eine zu rauchen (wenn ich denn rauchen würde). Ich habe nicht das Bedürfnis, irgendetwas zu beenden, um Neues anzufangen.

Joko während seines Interview-Marathons in Berlin – wir hatten 13 Minuten. Immerhin!
Joko während seines Interview-Marathons in Berlin – wir hatten 13 Minuten. Immerhin!
bild: bxm

Du hast wirklich gar keine künstlerische Krise gehabt in den letzten Jahren? Irgendwann kommt das doch bei jedem Mal.
Ich verstehe mich gar nicht so als Künstler, vielleicht ist das schon mal ein guter Ansatz, weil man sich selbst nicht so wichtig nimmt, wie man das vielleicht von aussen eingetrichtert bekommt. Es ist eher so, dass ich unfassbar dankbar bin, dass ich so etwas machen kann. Ich würde im Leben nicht auf die Idee kommen, das infrage zu stellen.

Sicher hat man mal Tage, wo man denkt: «Ich hab echt keinen Bock» – das hat jeder. Das gehört, glaub ich, dazu. Wenn man das nicht hat, hat man auch kein Korrektiv, so dass man sich hinterfragt: Was muss ich anders machen, dass es wieder besser wird? Ich würde einen Teufel tun, um ernsthaft arbeiten zu gehen. Es gibt einen schönen Satz von Klaas, der sagt:

«Ich habe immer Angst, dass jemand an meine Tür klopft und sagt: Jetzt ist Schluss, jetzt wird gearbeitet.»

Wie kams, dass du den Bösewicht Balthazar Bratt im Animations-Abenteuer «Ich – einfach unverbesserlich 3» synchronisiert hast?
Ich wurde schon diverse Male für Synchronstimmen angefragt, habe aber immer Nein gesagt. Diese Filme liebe ich allerdings so sehr, dass ich einfach Ja sagen musste. Als ich dann noch erfahren habe, dass ich den Bösewicht Balthazar Bratt sprechen darf, war ich der glücklichste Mensch.

Balthazar Bratt – bald mit der Stimme von Joko Winterscheidt zu hören.

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«Ich – einfach unverbesserlich 3» startet am Donnerstag, 6. Juli, in den Schweizer Kinos.

Startest du jetzt als Synchronsprecher durch?
Ich bin nicht so der gute Synchronsprecher. Ich habe jahrelang mit Klaas Filme synchronisiert, nur weil er es wollte. Ich habe mich dann drei Tage in so eine Bude reingestellt, weil wir nur als Duo gebucht wurden.

Du bist in einer Zeit berühmt geworden, in der es weder Instagram noch Snapchat gab. Denkst du, dass du dir deinen derzeitigen Celebrity-Status heute als 18-jähriger YouTuber auch noch erarbeiten könntest?
Nein. Wenn ich heute als Solo-YouTuber starten würde, würde es keinen interessieren, was ich mache.

Warum nicht?
Weil mir das Talent dazu fehlt. Ich bin ein Puzzlestück und nur so gut wie die Summe aller Teile. Hier liegt auch das Problem, wenn man sich YouTube ansieht – und dabei will ich gar nicht bashen, das liegt mir fern. YouTuber haben meiner Meinung nach lediglich zu wenige Korrektive. Es gibt meist keine Redaktion, in der viele Stimmen darüber entscheiden, was gut ist, was man verändern könnte. Alle machen so ihr Ding und erreichen damit auch Leute. In einer Qualität allerdings, wie es dann vielleicht für ein Medium wie Fernsehen doch nicht mehr reicht. Das ist nichts Schlechtes, aber auch nichts Gutes.

«Circus HalliGalli» ist Geschichte. Musst du deine Rolle jetzt neu erfinden, um dich alleine im Showgeschäft zu behaupten?
Ich finde es ganz schön, dass man nicht genau weiss, was jetzt kommt. Ich glaube, es wird definitiv eine Herausforderung sein, den Solopfad zu gestalten. Aber auf der anderen Seite habe ich Klaas und damit auch meinen grössten Kritiker immer noch an meiner Seite – und umgekehrt genauso.

Wie sehen eure gemeinsamen Pläne aus?
Wir werden nach wie vor auch Duo-Shows machen, die ganzen Samstagabend-Geschichten bleiben ja. Vielleicht werden auch Phasen kommen, in denen ich mir denke: Wie konntest du nur in Betracht ziehen, dass alleine irgendetwas spannender sein könnte als zu zweit? Das wird sich alles noch zeigen.

Es ist schön, nochmal so richtig nervös zu werden und die Hosen voll zu haben, weil man beweisen muss, dass man es selbst draufhat.

Als Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, hast du mit vielen Meldungen über dich zu rechnen. Wie differenzierst du zwischen dem, was über dich geschrieben wird, und dem, was du selbst von dir hältst?
Das ist ganz schwierig. Ich bin durchaus kritikfähig, allerdings würden viele Menschen, die im Internet posten, sich niemals trauen, dir ihre Worte auch ins Gesicht zu sagen. Das sage ich jetzt nicht, weil ich der geilste Typ der Welt bin, sondern weil es halt leicht ist, da irgendetwas hinzuschreiben.

Wie man selbst auch im Zug sitzt und bei Twitter schreibt:

«Ganz ehrlich, Deutsche Bahn, go fuck yourself für euer Scheiss-Internet.»

Wenn ich vor dem Vorstand der Deutschen Bahn sitzen würde und der sagt: «Was gefällt Ihnen denn nicht?» – da würde ich sagen: «Naja, ihr Internet funktioniert jetzt nicht so gut, aber mein Gott, früher ging das ja auch ohne.»

Was nimmst du aus dieser Erkenntnis mit?
Es ist wichtig, dass man kritikfähig bleibt, aber die Kritik aus dem Internet kann ich leider oft nicht ernst nehmen. Dafür habe ich viel zu viele Menschen um mich rum, die ich ernst nehme und die mir ehrlich ins Gesicht sagen, wenn etwas nicht gut war oder nicht. Damit arbeite ich.

Was macht das ungefragte Feedback mit dir?
Ich sage sicher nicht, dass das spurlos an mir vorbeigeht. Es ist schon so, dass es nervt. Ich denke mir in dem Moment halt auch:

«Ganz ehrlich, scheisse, was fällt dir eigentlich ein?»

Manchmal ist es aber auch eine Genugtuung, wenn man auf die Person draufgeht und man feststellt: Der hat 3 Follower auf Twitter, aber 1400 Tweets rausgehauen. Für mich ist die Relevanz dieser Person dann nicht wirklich gegeben. Natürlich ist es seine Meinung, diese Meinung erreicht mich auch, berührt mich auch.

Aber es ist so: Wenn die Leute einen verletzen wollen, dann sollen sie ruhig wissen, dass sie das durchaus schaffen. Das sage ich hiermit offiziell! Also: Ihr verletzt mich damit, ich finde es scheisse, dass ihr das schreibt! Auf konstruktive Kritik habe ich Bock, ich habe Bock, mich mit Leuten zu unterhalten – aber einseitig schiessen ist zu leicht.

Thema Shitstorms: schlecht oder gut für die Karriere?
Kommt auf den Shitstorm an. Ich glaube, es gibt Shitstorms, die sind karrierefördernd. Ich glaube es gibt Themenbereiche, wenn du da einen Shitstorm auslöst, ist es auch gut, wenn du danach nicht mehr weitermachen darfst.

Was würdest du jungen Influencern raten, die sich im Internet präsentieren?
Bleibt real. Es bringt nichts, wenn du dich verstellst. Irgendwann musst du die Hüllen fallen lassen. Natürlich kann es manchen Menschen helfen, eine Rolle zu spielen – ich persönlich kann das nicht. Ich würde immer sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Wenn du irgendetwas aus dir machen willst, dann ist es auch wichtig, dass du verstehst, wer du bist. Nur wenn du das verstanden hast, kannst du auch daraus etwas machen.

Welcher Social-Media-Star dürfte «Circus HalliGalli» weitermachen, wenn du wählen könntest?
Niemand. Das ist unsere Show und das wird immer unsere Show bleiben.

Danke für das ehrliche Interview, Joko! Und jetzt: Das obligatorische Selfie zum Abschluss!

bild: bxm

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