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Der langjaehrige Fussballmanager Erich Vogel verlaesst das Zuercher Bezirksgericht, am Donnerstag, 20. November 2014, in Zuerich. Vogel und Peter Bozzetti, ein befreundeter Spielervermittler, sollen versucht haben, YB Sportchef Fredy Bickel zu erpressen. Dem Spielervermittler wird vorgeworfen, er habe versucht, den YB-Sportchef um 131'000 Franken zu erpressen. Erich Vogel soll dabei als Gehilfe mitgewirkt haben. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Um Erich Vogel dreht sich das GC-Universum – obwohl er offiziell keine Funktion beim Klub hat. Bild: KEYSTONE

Analyse

Anliker, Vogel, Yakin – das sind die Beteiligten und ihre Rollen im GC-Chaos

Die Beziehung zwischen Murat Yakin und Rekordmeister GC beginnt im Rausch und endet mit einem grossen Kater. Dabei ist der Trainer nur ein Teil des Problems bei den Zürchern, die seit Jahren nicht vom Fleck kommen.



Die Historie

Es war einmal ein stolzer Klub mit einer grossen Geschichte. Der immer noch grössten im Schweizer Klubfussball. Aber die Gegenwart ist mehr als trist. Der Grasshopper Club Zürich ist nur noch ein Verein wie viele andere auch. Das schmerzt der GC-Seele, denn das hört sie gar nicht gerne.

Aber es ist so. Der Klub hat ja nicht einmal mehr ein Stadion und in der Stadt ist er auch schon lange nicht mehr zuhause. Niederhasli ist zwar bloss 20 Autominuten weg vom Hardturm, aber dennoch einfach irgendwo weit draussen auf dem Land.

Die Grasshopper-Spieler Viorel Moldovan, rechts, Kubilay Tuerkyilmaz, links, und Mats Gren, im Hintergrund, bejubeln einen Treffer gegen AJ Auxerre im Gruppenspiel der UEFA Champions League vom 30. Oktober 1996 im Zuercher Hardturmstadion. GC gewann das Spiel mit 3:1. (KEYSTONE/Str)

1996 fegt GC in der Champions League Auxerre weg: Kubilay Türkyilmaz (links) und Viorel Moldovan jubeln. Bild: KEYSTONE

Die Besitzer

Trainer kommen und gehen, Präsidenten versuchen sich, Geldgeber lassen sich überreden und sind dann doch wieder weg. Die Konstante heisst: Familie Spross. Heinz Spross ist der 70-jährige Neffe des langjährigen GC-Mäzens Werner H. Spross. Mit Gartenbau und Immobilien ist die Familie zu Millionen gekommen, mit denen sie seit Jahrzehnten die Grasshoppers mitfinanziert. 

Urs Linsi, rechts, neuer CEO und VR - Delegierter der Grasshopper Fussball AG und Vizepraesident Heinz Spross, links, strahlen an einer Medienkonferenz auf dem Campus in Dielsdorf, am Freitag, 18. September 2009. Der ehemalige Fifa - Generalsekretaer soll das Schiff des sportlich und wirtschaftlich kriselnden Rekordmeisters GC wieder auf Kurs bringen. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Heinz Spross. Bild: KEYSTONE

Seit 2014 ist Stephan Anliker der Präsident von GC, er übt dieses Amt auch beim Eishockeyklub SC Langenthal aus. Er ist Mehrheitsaktionär des Architekturbüros Duksch&Anliker.

Aarau, 09.05.2015, Fussball Super League - MK Grasshopper Club Zuerich, Verwaltungsratspraesident Stephan Anliker (GCZ) bei der Pressekonferenz. (Marc Schumacher/EQ Images)

Stephan Anliker. Bild: Marc Schumacher

Dritter im Bunde der GC-Besitzer neben Spross und Anliker ist seit Anfang Jahr Peter Stüber. Dem 78-Jährigen gehören mit der Merbag Gruppe dutzende Mercedes-Garagen in der Schweiz, sie setzt im Jahr rund eine Milliarde Franken um. Stüber unterstützt GC seit vielen Jahren, im Stadion sass der Kunstfreund aber zuletzt vor 30 Jahren.

Der neue Chefdirigent des Tonhalle Orchester, Lionel Bringuier, Peter Stueber, Praesident Tonhalle-Gesellschaft Zuerich, die neue Intendantin der Gesellschaft, Ilona Schmiel, von links, informieren die Medien, am Freitag, 2. November 2012, in Zuerich. Ilona Schmiel und Lionel Bringuier werden ihre Aemter ab der Saison 2014/15 antreten. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Peter Stüber. Bild: KEYSTONE

Der Schattenminister

Erich Vogel ist ein Vertrauter der Familie Spross, ein Mann mit Fachwissen und grosser Energie. Er war lange Jahre Manager von GC, damals als der Klub in den 80er- und 90er-Jahren die unbestrittene Nummer 1 im Land war und als erster Schweizer Verein in die Champions League stürmte.

Zuvor war Vogel erst (mässig erfolgreicher) Spieler, dann Trainer und später Vizepräsident. «Ich bin einer, der über Leichen geht», sagt Vogel über sich selber, «ich bin unsensibel, stur, weiss alles besser, bin rücksichtslos, kann Leuten weh tun und habe keine Angst, mich von ihnen zu trennen.»

Vogel wird im Winter 80 Jahre alt und er hat keine offizielle Funktion mehr bei den Grasshoppers. Trotzdem gilt es als erwiesen, dass Vogel über verschiedene Stellen versucht, weiterhin Einfluss zu nehmen und seinen Willen durchzusetzen. Wer sich gegen ihn stellt, bekommt ein Problem. Denn Vogels Hausmacht ist nach wie vor gross.

Mit Stüber besuchte er einst die Handelsschule, ohne Vogel wäre er wohl kaum so gross bei GC eingestiegen. «Er ist ein cleverer Typ», sagt Stüber über Vogel. «Ich bin immer noch der Meinung, es gibt in der Schweiz niemanden, der so viel von Fussball versteht.» Die NZZ fand als Grund für Vogels grosses Engagement, dass es sein letztes Bestreben sei, GC wieder gross zu machen. Es treibe Vogel an, allen zeigen zu wollen, dass ihm das gelingt, woran so viele andere gescheitert sind.

Es schien nicht ohne Vogel zu gehen, aber auch nicht mit ihm. Mal erteilte Präsident Anliker Erich Vogel ein Hausverbot für den GC-Campus. Dann versuchte er, Vogel wieder an Bord zu holen, lobte ihn für seine Expertisen. Doch nun ist das Tischtuch zwischen Anliker und Vogel endgültig zerschnitten.

Anliker kündigte unlängst an, Vogel ein für allemal von GC zu verbannen, offiziell und auch via Strohmänner. «Es ist in den letzten Monaten eine Art Schattenorganisation entstanden, die versucht hat, von aussen Einfluss auf GC zu nehmen», sagte Anliker vor drei Wochen. Roland Klein wurde erst vor wenigen Monaten in den GC-Verwaltungsrat gewählt und unlängst wieder aus diesem entfernt. Er galt als verlängerter Arm von Vogel und Spross. Auf der Website des Klubs ist er nach wie vor als Verwaltungsrat aufgeführt.

Die Trainer-Entlassung

Sieben Monate lang war Murat Yakin Trainer bei GC. Nachdem er zuvor mit dem FC Schaffhausen für Furore in der Challenge League gesorgt hatte, gelang auch der Start bei GC: Fünf Siege und drei Unentschieden. Zuletzt war die Mannschaft aber in der Krise: Aus den letzten sechs Partien gab's nur zwei Unentschieden und vier Niederlagen. GC ist mittendrin im Abstiegskampf.

Der Grasshopper Trainer Murat Yakin beim Fussballspiel der Super League Grasshopper Club Zuerich gegen den FC Thun im Stadion Letzigrund in Zuerich am Samstag, 31. Maerz 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Murat Yakin. Bild: KEYSTONE

Aber nicht nur die Resultate sprachen gegen Yakin, der den FC Basel einst zum Meistertitel geführt hatte. Er überwarf sich mit Spielern (Runar Mar Sigurjonsson, Milan Vilotic) und verspottete seine Fussballer öffentlich als Analphabeten. Und wesentlich: Yakin galt als mit Vogel verbunden, oft ist die Rede davon, dass er dessen «Ziehsohn» sei.

Der Aussteiger

Heinz Spross soll angeblich die Nase voll haben. Der langjährige Geldgeber galt als Vertreter der Pro-Yakin-Fraktion. Vergangene Woche hiess es nach einer Sitzung mit den Mitbesitzern Anliker und Stüber, er überlege sich seinen Rückzug. Spross hält 30 Prozent der GC-Aktien und will diese nun dem Vernehmen nach abstossen.

Die Hoffnung von Präsident Anliker ist, dass damit auch die Seilschaft zu Erich Vogel gekappt wird. Spross weg, Klein weg, Yakin weg – der Einfluss des Schattenministers dürfte sinken. Aber ob er je ganz verschwindet? Und springt auch Stüber schon wieder ab? Wer würde stattdessen künftig Geld einschiessen?

Stüber erzählte der NZZ im Februar, was er zu Vogel gesagt habe: «Du, irgendwann müssen wir bei GC dann auch wieder aufhören. Schon rein altershalber.» Wenn GC nicht Leute finde, die 40 oder 50 Jahre alt sind, sehe er schwarz für den Klub.

Die Sieger

Eigentlich kann man bei der sportlich schwachen Bilanz von GC nicht von Siegern sprechen. Aber aus den internen Grabenkämpfen sind CEO Manuel Huber und Sportchef Mathias Walther als Sieger hervorgegangen. Sie müssen nun gemeinsam mit Präsident Anliker beweisen, dass sie ihren Job besser machen können, wenn die angeblichen Störenfriede nicht mehr da sind.

Mathias Walther,  links, neuer Sportchef des Grasshopper Club Zuerich und CEO Manuel Huber, rechts,  an einer Medienkonferenz in Zuerich am Donnerstag,18. Mai 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Mathias Walther (links), Manuel Huber. Bild: KEYSTONE

Der neue Trainer

Interimistisch übernimmt Sportchef Walther von Murat Yakin. Ihn unterstützen die bisherigen Co-Trainer Patrick Schnarwiler und Timo Jankowski. In den kommenden Tagen soll aber bereits Yakins endgültiger Nachfolger bekanntgegeben werden.

Der Neue dürfte es sich gut überlegen, ob er sich diesen Job antun will. Besonders wenn es sich um einen mit gutem Ruf handelt wie René Weiler, in dessen Trainerkarriere es bislang fast nur aufwärts ging. Denn die Garantie, dass mit dem Verschwinden alter Kräfte automatisch alles besser wird beim Rekordmeister, gibt es nicht. Vielleicht versuchen es die Hoppers mit einer internen Lösung: Boro Kuzmanovic, langjähriger Trainer des FC Winterthur in der Challenge League, führt GCs U21-Team. Und die Ex-Nationalspieler Johann Vogel (U18) und Sascha Müller (U16) arbeiten ebenfalls auf dem Campus.

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    Alle Leser-Kommentare
  • timeless 10.04.2018 18:27
    Highlight Highlight Seien wir ehrlich: die Erfolgssträhne letzten Sommer hat wie eine Fata Morgana gewirkt. Alles schien gelöst und die Oase kam immer näher.. Vergessen war, wie stillos Bernegger abserviert und die Yakins installiert wurden. Muri selber muss sich sehr sicher gefühlt haben (Kunststück, mit 2 von 3 Geldgebern im Rücken) und hat wohl schon die nächste Saison geplant. Da sollte alles ganz nach seinen Plänen laufen. Dafür nahm er alle Kollateralschäden in Kauf. Beinahe wäre der Plan aufgegangen.
    Man muss Stephan Anliker zugute halten, dass er sich ehrlich bemüht, Ordnung ins Chaos zu bringen.
    • FrancoL 10.04.2018 19:51
      Highlight Highlight Fussball ist ein mehr als hartes Geschäft mit viel Intrigen. Ohne Geld hat man keine gute Karten und da genügt nun mal "sich bemühen" nicht.
      Ich habe GC von Innen kennen gelernt vor vielen Jahren, Area Brunner. Und schon damals war man mit viel Intrigen unterwegs, heute 40 Jahre später ist das Pflaster noch viel viel heisser.
      Es fehlt an Profis in der Teppichetage und Leute die das Geld im Griff haben und wenn nötig auch die Intrigen des Trainers abstellen können.
      So geht nur das Gewurstel weiter.
  • Jol Bear 10.04.2018 17:20
    Highlight Highlight Die Geldgeber scheinen dem "Vogel-Lager" anzugehören. Sollten sie sich inkl. Vogel zurückziehen, was sie wahrscheinlich seit längerem auch wollen, was dann? GC ist doch schon jahrelang auf der Suche nach neuen Sponsoren, niemand scheint jedoch dazu bereit zu sein, zumindest keiner, der langfristig Risiken tragen will. Anliker mag sein Ziel erreichen, der Preis dafür wird wohl ein GC als Abstiegskandidat Nr. 1 in der nächsten Saison sein.
  • McStem 10.04.2018 16:32
    Highlight Highlight Wenn man die Geschichte rund um SG etwas verfolgt hat, sieht man riesige Parallelen zu GC. Seilschaften und (verdiente) ehemalige Mitglieder die alles vllt. gut meinen, aber schlecht umsetzen.

    Auch wenn man Hüppi erst noch etwas Zeit geben muss, stehen die Zeichen in SG auf Frühling.

    Ich wünsche GC einen eigenen Hüppi, denn bei aller asympathie - es ist immer schade wenn ein Traditionsclub und/oder Rivale vor die Hunde geht. Denn Sport und gerade der Fussball lebt von Tradition und vor allem Rivalität.
    • c_meier 10.04.2018 20:29
      Highlight Highlight Dosé wäre so einer gewesen in den letzten Jahren... aber der wurde dann ja vom VR abgesägt weil zu teuer...
  • Leckerbissen 10.04.2018 16:11
    Highlight Highlight Der alte Erich wird wohl erst Ruhe geben, wenn er unter uns liegt. Er mag ja den Verein lieben, in erster Linie liebt er aber vor allem die Macht. Bitte Erich, nimm den Hut, verreis und gnüss d'Rente!
  • Senji 10.04.2018 15:26
    Highlight Highlight Ich wäre mehr als überrascht, wenn Weiler sich das antun würde. Natürlich positiv. Aber langsam schwindet bei mir die Hoffnung für den GC. Kein Stadion und nur 80jährige die Verantwortung übernehmen wollen (also bereit sind Geld in die Finger zu nehmen). Und wenn der Name Johann Vogel als neuer Trainer herumgeistert wird mir schlecht.

    Dass die aktuellen Geldgeber selber einsehen, dass das keine Zukunft hat, ist mein Strohalm. Mit deren Netzwerk sollte es doch möglich sein jüngere zu rekrutieren, die auch mit Geld dahinter stehen UND Ruhe in den Laden bringen.
    • Helios 11.04.2018 00:34
      Highlight Highlight Weiler wirdund definitiv nicht bei GC anheuern, dafür braucht man sich nur seine Aussagen im Heimspiel Fussball Talk Runde 27 bezüglich GC zu Gemüte zu führen.

      Scheint ein interessanter und kluger Mensch zu sein, der Weiler!
      Play Icon
  • Beggride 10.04.2018 14:56
    Highlight Highlight Wenn Vogel wirklich etwas hätte verändern wollen, hätte er lieber offen und ehrlich gesagt, was er will und was sein Plan ist, statt hintenrum über zwei Ecken einfach Dinge geschehen zu lassen. Dann wäre Anliker sicher auch nicht allzu abgeneigt davon gewesen... Immerhin hat er sein "Hobby" für die Pension gefunden, gut für ihn, schlecht für den Verein.
    • Zanzibar 10.04.2018 19:13
      Highlight Highlight Vogel wäre so oder so nie mehr in ein offizielles Amt bei GC gerutscht. Einerseits aufgrund seines Alters und andererseits hat niemand vergessen wie er sich mit Hartz 4 Grossinvestor Volker Eckel lächerlich gemacht hat.

      Ich glaube nicht dass GC aufgrund der Entlassung von Yakin dem Untergang geweiht ist. Die Truppe ist ja grundsätzlich jung und talentiert. Wenn es irgendwie möglich ist einen Trainer zu verpflichten der die jungen entwickeln kann hat man in der SL sofort wieder Chancen auf das vordere Mittelfeld.

      Meiner Meinung nach ist die Führung immer noch sehr schwach aufgestellt.

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Anne Applebaum ist einer renommierte Geschichtsprofessorin. Sie ist amerikanisch-polnische Doppelbürgerin und galt lange als solide Konservative. Ihr Ehemann war Aussenminister in der liberalen Regierung Polens. Sie selbst hat sich mit Büchern über die Grausamkeiten in der UdSSR unter Stalin einen Namen geschaffen.

Applebaum hat einen ausgedehnten Freundeskreis im konservativen Lager. Mit Boris Johnson etwa hat sie im Magazin «The Spectator» zusammengearbeitet. Mit Maria Schmidt, der Direktorin …

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