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Trainer Bo Henriksen holt den FCZ aus der Krise – die Gründe

FC Zuerichs Bo Henriksen, Mitte, jubelt nach dem Tor zum 1:0 durch Jonathan Okita im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und den BSC Young Boys Bern, am Samstag, 25.  ...
Bo Henriksen hat dem FCZ das Gewinnen wieder beigebracht.Bild: keystone
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Die Hoffnung stirbt zuletzt – wie Bo Henriksen den FCZ wieder salonfähig machte

Vor seiner Ankunft war der FCZ Tabellenletzter, der Meister der Vorsaison hatte allen Glanz verloren und befand sich in akuter Abstiegsgefahr. Seit Bo Henriksen Trainer des FC Zürich ist, erlebt der Klub einen zweiten Frühling und plötzlich sind sogar die Europapokal-Plätze wieder in Reichweite.
31.03.2023, 13:4131.03.2023, 16:02
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Als Bo Henriksen den FCZ übernahm, stand der Klub auf dem letzten Tabellenplatz. Fünf Punkte hatte der Club damals auf dem Konto, es gab keinen einzigen Sieg. Heute steht man immerhin auf Platz acht in der Tabelle, doch was macht Bo Henriksen anders als sein Vorgänger Franco Foda und vor allem: Was macht er besser?

Foda durfte in seiner Amtszeit als Trainer des FCZ lediglich acht Super-League-Spiele von der Seitenlinie aus begleiten. Sechs der acht Spiele gingen verloren. Lediglich gegen Winterthur und Luzern gelang der Mannschaft ein Unentschieden. Foda und der FCZ, es war keine Erfolgsstory.

Die grossen Fussstapfen

Foda scheiterte auch daran, die Spielidee von Meister-Trainer André Breitenreiter weiterzuentwickeln. Foda liess den FCZ in acht Super League Spielen in fünf verschiedenen Formationen auflaufen. Dem Deutschen gelang es nicht, Schlüsselspieler wie Ousmane Doumbia und Topscorer Assan Ceesay zu ersetzen.

Zuerichs Cheftrainer Andre Breitenreiter freut sich mit dem Pokal und den Canepas im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem FC Luzern im Letzigrund, am Sonntag,  ...
André Breitenreiter (in der Mitte) führte den FCZ in der letzten Saison völlig überraschend zur Schweizer Meisterschaft.Bild: keystone

Anders als Breitenreiter schaffte Foda es nicht, das Potenzial seiner Spieler auszuschöpfen. Hinzu kam, dass sein Wunschspieler Donis Avdijaj keine Bereicherung für das Team war und den Klub mittlerweile schon wieder verlassen hat.

Der dänische Retter

Bo Henriksen war von Beginn an das komplette Gegenteil seines Vorgängers, ein charismatischer, aufgestellter Typ, im Gegensatz zum eher zurückhaltenden Franco Foda. Bereits bei seiner Vorstellung versprühte er trotz der schwierigen Ausgangslage positive Energie. Doch er war sich auch von Beginn an seiner Aufgabe bewusst. «Meine grösste Aufgabe ist es, das Vertrauen und den Glauben wiederherzustellen.»

Das Auftaktprogramm für Henriksen machte diese Aufgabe nicht einfacher. Seine ersten drei Ligaspiele hätten wohl schwerer nicht sein können. Zuerst wartete YB, dann der FC Basel und schliesslich kam es zum Derby gegen die Grasshoppers.

FCZ Trainer Bo Henriksen jubelt nach dem Sieg beim Fussballspiel der Super League Grasshopper Club Zuerich gegen den FC Zuerich im Stadion Letzigrund in Zuerich am Sonntag, 19. Februar 2023. (KEYSTONE ...
Bo Henriksen glaubte von Beginn an an das Projekt beim FCZ.Bild: keystone

Dennoch erarbeitete sich der Stadtklub in den ersten beiden Spielen der Ära Henriksen gegen YB und den FC Basel jeweils ein 0:0. Das darauffolgende Derby gegen den Stadtrivalen GC ging allerdings sang- und klanglos mit 1:4 verloren.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa sagte bereits bei der Präsentation, dass Henriksen ein Trainer sei, der vermehrt die positiven Aspekte sieht. Mit seiner Aussage sollte Canepa recht behalten. Henriksen holte aus den folgenden acht Spielen mit dem FCZ fünf Siege und legte damit den Grundstein dafür, dass die Zürcher wieder Hoffnung im Abstiegsrennen schöpfen konnten.

Rückkehr zu alter Stärke

Doch was hat sich unter dem charismatischen Dänen beim FCZ geändert? Zumal ihm nahezu die gleichen Spieler wie Foda zur Verfügung standen.

Henriksen brachte wieder mehr Kontinuität in die Mannschaft. Er kehrte wieder vollständig zu einem System mit einer Dreierkette zurück. Zudem setzte er auf Cheick Konde als Abräumer vor der Abwehr, welcher den Abgang von Doumbia zum FC Lugano mittlerweile vergessen macht.

Nikola Katic war bei seiner Ankunft in Zürich im vergangenen Sommer noch nicht hundertprozentig fit und verpasste daher einige Spiele. Henriksen setzte von Beginn an auf den Kroaten, welcher sich zum neuen Abwehrchef beim Schweizer Meister entwickelte. In 5 der bisherigen 15 Spiele unter der Leitung des Dänen blieb der FCZ in der Liga ohne Gegentor. Unter Franco Foda gelang dies in acht Partien lediglich einmal beim 0:0 gegen den FC Luzern und in der Meistersaison von Breitenreiter blieb der FCZ ganze zehnmal ohne Gegentreffer.

Im Meisterjahr war der FCZ nach dem FC St. Gallen das Team, welches sich am schnellsten mit direkten Pässen vor das gegnerische Tor kombinierte.

Die Grafik zeigt die Geschwindigkeit und Art des Spielaufbaus der Super League Teams aus der Saison 2021/22.
Die Grafik zeigt die Geschwindigkeit und Art des Spielaufbaus der Super League Teams aus der Saison 2021/22.bild: screenshot opta

Mit der Übernahme von Franco Foda entwickelte sich die Mannschaft mehr zu einem Team, welches sich vermehrt über einen geduldigen Spielaufbau in die gegnerische Hälfte kombiniert.

Die Grafik zeigt die Geschwindigkeit und Art des Spielaufbaus der Super League Teams nach den ersten 16 Spielen der Saison 2022/23.
Die Grafik zeigt die Geschwindigkeit und Art des Spielaufbaus der Super League Teams nach den ersten 16 Spielen der Saison 2022/23. bild:opta

Dieser Spielstil lag den Zürchern gar nicht. Henriksen setzt daher wieder vermehrt auf ein schnelles Umschaltspiel. Seine Mannschaft soll nach Ballgewinn den schnellsten Weg in Richtung des gegnerischen Tores suchen. Wie gut dies funktionieren kann, zeigte sich beim 4:1-Heimsieg gegen den Tabellenzweiten Servette.

Dass diese Art und Weise, Fussball zu spielen, auch besser zum Kader des Stadtklubs passt, zeigt sich insbesondere an der Personalie von Aiyegun Tosin. Der Beniner blüht unter Henriksen komplett auf.

Tosin erzielte in den ersten zehn Ligaspielen lediglich einen Treffer. Zwar wurde er auch von Henriksen in den ersten beiden Spielen gegen YB und Basel nur eingewechselt. Doch der Stürmer ist mittlerweile zum absoluten Zielspieler im System des Dänen geworden. Seit seinem Hattrick im Spiel gegen Servette läuft er so richtig heiss und steht aktuell bei zehn Saisontoren. Der 24-Jährige übernimmt immer mehr die Torjägerrolle von Assan Ceesay aus der Vorsaison.

Die Offensive des FCZ scheint gerade dann besonders gut zu funktionieren, wenn Tosin gemeinsam mit Okita im Sturm agiert. Okita der von Franco Foda noch vermehrt auf dem Flügel eingesetzt wurde, glänzt gerade als Vorbereiter für Tosin. Die Schnelligkeit der beiden ist zudem ein Schlüsselfaktor für das rasche Umschaltspiel des FC Zürichs.

Ein gutes Beispiel für die Entwicklung des amtierenden Schweizer Meisters unter Bo Henriksen ist das Spiel gegen den FC Luzern. Der FCZ beherrscht die für sein Spiel wichtigen Zonen im Zentrum des Spielfelds. Die Zürcher kommen zumeist gefährlich über die Aussenbahnen vor das gegnerische Tor, was sich im späteren Siegtreffer von Tosin auszahlte.

Die Grafik zeigt die erweiterten Statistiken des Spiels FC Zürich gegen den FC Luzern.
Die Grafik zeigt die erweiterten Statistiken des Spiels FC Zürich gegen den FC Luzern.Bild: opta

Zudem erlaubt die Defensive um Katic und Co. dem Gegner wenige progressive Pässe in die Gefahrenzone. Kein Wunder also, dass der einzige Treffer des FC Luzern an diesem Tag ein Penalty von Max Meyer war.

Nur YB besser als der FCZ

Henriksen hat es geschafft, beim FCZ wieder ein «Wir-Gefühl» zu entfachen. Der Däne hat Spieler wie Okita, Katic und Torjäger-Tosin aufgebaut und ihnen neues Selbstvertrauen eingehaucht. Canepa sagte bereits beim Amtsantritt: «Bo glaubt daran, dass er Spieler weiterentwickeln kann.»

Auch sein ehemaliger Co-Trainer bei Midtjylland Henik Jensen bezeichnete den Dänen als einen Trainer, der sich mit seinem Charakter und seinem Willen zu gewinnen den Respekt der Mannschaft verdient. Dies scheint ihm offensichtlich beim Meister gelungen zu sein.

Denn seit der 47-Jährige das Ruder bei den Zürchern übernommen hat, holte lediglich Super League Leader YB (31) mehr Punkte als der FCZ (24). Wer weiss, was möglich gewesen wäre, wenn Canepa sich bereits im Sommer für Henriksen und gegen Foda entschieden hätte?

YBs Christian Fassnacht, links, spielt um den Ball mit Zuerichs Antonio Marchesano, rechts, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und den BSC Young Boys im Letzigrun ...
Gegen den Spitzenreiter YB musste der FCZ mit Bo Henriksen noch keine Niederlage hinnehmen.Bild: keystone

Eins ist allerdings sicher: Henriksen setzt auf das, was die Mannschaft im Meisterjahr stark machte, und versucht nicht wie Foda, ihr einen Spielstil aufzudrängen, der nicht passt.

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6 Kommentare
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Der_Infant
31.03.2023 13:57registriert Oktober 2018
Schöne Analyse und zeigt wie viel eben ein Trainer doch ausmachen kann.
"Foda und der FCZ, es war keine Erfolgsstory."
das ist jetzt seeeehr diplomatisch ausgedrückt.

Ähnliches Beispiel Wagner und YB
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Massalia
31.03.2023 13:54registriert Juni 2021
Guter Mann!
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tr3
31.03.2023 14:55registriert April 2019
Wäre kompliziert gewesen für Canepa, Henriksen vor Saisonstart am 16. Juli zu verpflichten, da er bei Midtjylland erst am 28. Juli entlassen wurde.
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