Das sind Schlüssel zum Erfolg für die Hockey-Nati gegen Norwegen
Der Halbfinalgegner für die Schweizer Eishockey-Nati an der Heim-WM ist nicht Finnland, Tschechien oder Kanada, sondern Norwegen. «Norwegen?», dürfte sich selbst mancher geneigte Eishockey-Fan gefragt haben. Ja, Norwegen.
Die Skandinavier sind bislang das grosse Überraschungsteam der WM. In der Gruppenphase haben sie Schweden und Tschechien bezwungen und gar Rekordweltmeister Kanada an den Rand einer Niederlage gebracht. Die Ahornblätter gewannen in einem umkämpften Spiel erst nach Verlängerung.
Norwegens Mannschaft ist jung und unbekümmert. Das Durchschnittsalter der Stürmer liegt nur knapp über 25 Jahren. Und es ist nicht so, dass die jungen Spieler bei den Skandinaviern einfach nur Mitläufer sind. Team-Topskorer Tinus Luc Koblar ist 18-jährig, die zweit- und drittbesten Skorer Noah Steen und Michael Brandsegg-Nygard sind 20 respektive 21. Auch in der Verteidigung ist mit Stian Stolberg einer der wichtigsten Akteure (mehr als 20 Minuten Eiszeit pro Spiel) erst 20-jährig. Und das schlägt sich im norwegischen Spiel nieder. Die Mannschaft agiert frech, lässt sich von zwischenzeitlichen Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen.
Die Siege gegen Schweden und Tschechien wie auch die knappe Niederlage gegen Kanada zeigen: Wer Norwegen unterschätzt, läuft ins Messer. Doch was muss man gegen das Team von Petter Thoresen beachten, um zu siegen? Wir stellen zwei grundsimple Fragen.
Wie schiesst Norwegen Tore?
Die Norweger haben in der Offensive zwei grosse Stärken. Die erste ist das Tempo. Gerade die jungen Stürmer bringen viel Tempo mit. Sie spekulieren auf Fehler der Gegner im Spielaufbau und fahren dann schnelle Konter. Erhalten die Norweger solche Chancen – alleine gegen den Goalie oder auch zu zweit gegen einen Verteidiger – schlägt es sehr oft ein.

Da muss die Schweizer Nati aufpassen. Das Spiel von Jan Cadieux sieht es vor, dass die Schweizer Verteidiger sich immer in die Offensive einschalten und dafür jeweils ein Stürmer an der blauen Linie absichert. Das muss gegen Norwegen konsequent funktionieren, ansonsten droht die Gefahr, in Konter zu laufen. Auch im Spielaufbau müssen die Schweizer unnötige Risiken vermeiden, damit sie Puckverluste minimieren können.
Die zweite Waffe der Norweger ist das Forechecking. Kaum ein anderes Team an der WM kreierte derart viele Torchancen, indem es die Gegner in deren defensiver Zone unter Druck setzte und die Scheibe eroberte. Ebenfalls auffällig: Nach diesen Situationen hat Norwegen sehr oft einen, meistens sogar zwei Spieler direkt vor dem gegnerischen Tor postiert. Diese nehmen dem Goalie die Sicht oder verwerten Abpraller.

Für die Nati ist es hier wichtig, den Slot freizuräumen. Einerseits, damit Leonardo Genoni freie Sicht auf die guten und gefährlichen Schüsse der Norweger hat. Und andererseits, damit die Schweizer allfällige Rebounds selbst kontrollieren können.
Und natürlich gilt es auch hier, den Norwegern keine Geschenke zu machen. Gerade gegen die Topteams entstanden viele Tore für den Aussenseiter, weil die Favoriten in der eigenen Zone nachlässig und schludrig spielten und sich dort unerklärliche Scheibenverluste leisteten. Solche Geschenke mag es im WM-Halbfinal nicht leiden.
Wie schiesst man gegen Norwegen Tore?
Auf der anderen Seite muss die Schweiz natürlich auch selbst Tore schiessen. Eigentlich sollte das doch kein Problem sein, stellt die Nati doch die beste Offensive des Turniers. Doch bei Norwegen steht mit Henrik Haukeland eben auch der zweitbeste Goalie der WM (hinter Leonardo Genoni) zwischen den Pfosten. Der Goalie, der im Ligaalltag in Deutschland bei den Straubing Tigers spielt, hat an der WM in der Schweiz bereits drei Shutouts gefeiert.
Die Frage lautet also: Wie können unsere Nati-Stars um Roman Josi, Nico Hischier, Denis Malgin und Co. den 31-jährigen Goalie bezwingen? Natürlich müssen sie – sorry, ein Stutz ins Phrasenschwein – die kleinen Dinge richtig machen. Das heisst: Selbst für Verkehr vor dem Tor sorgen, Haukeland die Sicht nehmen und Abpraller verwerten. Das heisst aber auch, den norwegischen Goalie bewegen. Wenn sich Torhüter seitlich verschieben müssen, ist es für sie viel schwieriger, einen kontrollierten Save zu machen.
Und Haukeland hat eine explizite Schwäche: Die Mehrheit seiner sechs Gegentore hat er hoch auf der Stockhandseite kassiert. Mit 188 cm ist er nicht sonderlich kleingewachsen. Trotzdem hat er auf der Stockhandseite Mühe, die oberen Lücken zu schliessen. Wenn die Schweizer am Samstagnachmittag genau dorthin zielen, könnte das erfolgversprechend sein.

Fazit
Der wichtigste Schlüssel für einen Halbfinal-Erfolg gegen Norwegen? Den Gegner nicht unterschätzen. Trainer Jan Cadieux betonte vor und nach dem Spiel im Viertelfinal gegen Schweden: «Egal wer der Gegner ist, wir passen unser Spiel nicht an.» Das ist die perfekte Einstellung, um auch gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner zu überzeugen.
Die Nati hat an der WM vor einem Jahr gezeigt, dass sie mit der Favoritenrolle in K.o.-Spielen umgehen kann. Damals knallte sie im Viertelfinal Österreich mit 6:0 und im Halbfinal Dänemark gar mit 7:0 weg. Wenn die Schweizer von Beginn weg bereit sind und ihr Spiel konsequent durchziehen, sollte dem dritten Finaleinzug in Folge nichts im Weg stehen.
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