Rappi und Bern kämpfen ums letzte Playoff-Ticket – wir sagen dir, wer Favorit ist
Ab heute Abend geht der Kampf um den letzten Platz im Playoff-Viertelfinal los. Der SC Bern empfängt ab 20 Uhr die Rapperswil-Jona Lakers zum Hinspiel der zweiten Play-In-Runde (im watson-Liveticker). Das Rückspiel findet dann am Mittwoch in Rapperswil statt. Der Modus ist einfach: Wer nach beiden Spielen mehr Tore auf dem Konto hat, gewinnt. Steht es nach 120 Minuten unentschieden, kommt es zur Verlängerung.
Bevor es aber so weit ist, wollen wir die beiden Teams noch einmal auf Herz und Nieren prüfen, um festzustellen, wer denn als Favorit in diese Play-Ins geht.
Direktduelle
- Lakers – Bern 2:1
- Bern – Lakers 5:2
- Bern – Lakers 3:2nP
- Lakers – Bern 0:2
Torproduktion
Das Toreschiessen war schon die ganze Saison das grosse Problem des SCB. In der Regular Season waren die Berner nur eines von drei Teams (neben Ajoie und Kloten), das pro 60 Minuten 5-gegen-5-Eishockey weniger als zwei Tore schoss. Die SCRJ Lakers waren mit 2,5 Toren pro 60 Minuten deutlich erfolgreicher.
In den Play-Ins gegen Biel haben die Berner aber offenbar plötzlich wieder Freude am offensiven Erfolg gefunden. In den zwei Spielen gegen Biel traf der SCB siebenmal, fünfmal davon bei 5-gegen-5. Rapperswil hatte gegen Zug seinerseits Mühe zu Toren zu kommen. Weil zwei Play-In-Spiele gegen den gleichen Gegner allerdings statistisch wenig Aussagekraft haben, bleibt dieser Punkt am Obersee.
Verteidigung
Diese Kategorie ist eine ziemlich deutliche Angelegenheit. Der SC Bern stellt schon die ganze Saison eine der besten Verteidigungen der Liga. Pro 60 Minuten 5-gegen-5-Hockey lassen die Berner Chancen für etwas mehr als zwei Gegentore zu – drittbester Wert der Liga. Die Hintermannschaft der Lakers ist da deutlich löchriger. Die Rapperswiler lassen mit 2,76 Expected Goals Against pro 60 Minuten die zweitmeisten gegnerischen Chancen der Liga zu.
Spielkontrolle
Die schwache Verteidigung wird den Lakers auch in dieser Kategorie zum Verhängnis. Die Rosenstädter schaffen es nicht, die schwache Defensive mit offensiver Feuerkraft zu kompensieren. So haben die Rapperswiler in ihren Spielen ein durchschnittliches Chancendefizit von 46,1 Prozent.
Die Berner dagegen schwingen auch hier obenaus. Die schwache Torproduktion war in der ganzen Saison nie fehlenden Chancen, sondern immer nur mangelhafter Effizienz geschuldet. Auch in den Direktduellen hatten die Berner in allen vier Partien mehr Spielanteile.
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Spielstil-Duell
Wie wir mittlerweile wissen, ist die Lakers-Verteidigung löchrig und die SCB-Verteidigung sehr stabil. Das gibt den Bernern natürlich auch einen Vorteil, wenn es um die spezifischen Angriffsszenarien geht. Rapperswil sorgt am ehesten nach Rush-Situationen oder mit längerem Scheibenbesitz in der offensiven Zone für Torgefahr – beide Szenarien hat Berns Verteidigung meist mühelos im Griff. Die Lakers-Verteidigung hat nur Rush-Angriffe einigermassen im Griff, die allerdings nicht zu Berns Stärken gehören. Die Mutzen kreieren nach Forecheck-Situationen und Scheibenbesitz mehr Torgefahr und damit haben die Rapperswiler Mühe.
Goalies
Der geneigte Hockey-Fan wird sich nun fragen: Wenn die Berner doch so viel besser sind, warum lag dann Rappi zwei Ränge und 13 Punkte vor ihnen in der Tabelle? Die mangelnde Berner Effizienz haben wir schon angesprochen, nun kommen wir zu den guten Lakers-Goalies.
Melvin Nyffeler und Ivars Punnenovs zeigten in dieser Saison sehr gute Leistungen und konnten – gemessen an den zugelassenen Chancen – ihr Team gemeinsam vor rund 19 zusätzlichen Gegentoren bewahren. Auf derart gute Werte kommen Adam Reideborn und Sandro Zurkirchen beim SCB nicht.
Special Teams
Wird dieses Play-In-Duell durch Special Teams entschieden? Wenn man den Regular-Season-Statistiken glaubt, scheint das unrealistisch. Beide Teams stellen ein unterdurchschnittliches Powerplay und ein ebenfalls leicht unterdurchschnittliches Unterzahlspiel. Beim SCB setzte sich dieser Trend auch in den Play-Ins fort. Die Rapperswiler konnten gegen Zug immerhin alle sechs Unterzahlsituationen erfolgreich abwehren.
Trainer
Sowohl Lakers-Trainer Johan Lundskog als auch SCB-Coach Heinz Ehlers haben in der Schweiz noch keine offizielle Playoff-Serie gewonnen. Ehlers hat nun immerhin schon einmal einen Play-In-Sieg vorzuweisen. Trotzdem vergebe ich diesen Punkt an Rapperswil. Einerseits, weil Lundskog im Gegensatz zu Ehlers die Wunschlösung der jeweiligen sportlichen Führung war und darum seit Saisonstart die Mannschaft führt. Und andererseits, weil der Schwede nach seiner dortigen Entlassung im November 2022 noch eine Rechnung mit Bern offen hat und deshalb besonders motiviert sein dürfte.
Form
Die SCRJ Lakers waren nach der Olympiapause eines der besten Teams der Liga, haben fünf der letzten sechs Regular-Season-Spiele gewonnen. Bern dagegen ist mit fünf Niederlagen aus sechs Spielen fast noch unter den Play-In-Strich gestürzt. Nach den Play-Ins ist die Gefühlslage allerdings umgekehrt. Bern hat im Hinspiel in Biel ein spätes Comeback geschafft und zuhause überzeugend gewonnen. Rapperswil war auswärts chancenlos und fuhr zuhause nur noch einen nutzlosen 2:1-Erfolg ein. Punkt für beide.
Fazit
Von den Spielanlagen her ist der SC Bern in dieser Play-In-Serie eigentlich klarer Favorit. Die Mutzen verteidigen deutlich besser als die Lakers, kreieren mehr Chancen und haben auch den richtigen Spielstil, um diesen Gegner zu knacken. Der Knackpunkt für die Berner dürfte erneut die Effizienz sein. Wenn es ihnen wie gegen Biel gelingt, die Chancen auch in Tore umzumünzen, dann ist die Playoff-Qualifikation sehr gut möglich. Wenn sie wie in der fast ganzen Saison viele Chancen liegen lassen, dann profitiert Rapperswil.
Die Lakers hoffen einerseits darauf, dass Torhüter Nyffeler und/oder Punnenovs die Leistungen der Regular Season wieder abrufen können. Und andererseits, dass die sogenannten weichen Faktoren ihnen in die Karten spielen. Sie wissen um die Effizienzprobleme der Berner. Je länger sie den SCB torlos halten können, desto grösser dürfte dort die Verzweiflung und der Frust werden. Rapperswil seinerseits muss kaltblütig und ruhig agieren und darf dem SCB nie einen einfachen Weg ins Spiel anbieten.
