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Heute duellieren sich im Hallenstadion Dinamo Riga und SKA St.Petersburg. bild: khl

Die Russen kommen – warum die KHL heute in der Schweiz gastiert

Die Russen kommen! Nicht mehr als Feinde mit Mann und Ross und Wagen über den Brünig wie einst in unseren Armee-Manövern während des Kalten Krieges, sondern als Freunde ins Zürcher Hallenstadion. Um uns mit ihrer Hockeykunst zu erfreuen.



Der Drang nach Westen liegt in der russischen DNA. Deshalb gründete Zar Peter der Grosse einst St.Petersburg als Tor zum Westen. Die grossrussische Kontinental Hockey League (KHL) hat aus naheliegenden Gründen ein Interesse an einer Expansion nach Westeuropa: Im europäischen Markt könnte «richtiges» Geld verdient werden. Nicht nur Rubel.

Riga`s Danny Kristo after losing the game between Dinamo Riga and Mountfield HK at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Friday, December 29, 2017. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Dinamo Riga war im letzten Jahr Gast beim Spengler Cup. Bild: SPENGLER CUP

Nach wilden Jahren hat sich das russische Eishockey 2008 in der KHL organisiert. Sie ist nach der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) die zweitwichtigste Liga der Welt, in vielen Bereichen ähnlich strukturiert und mit 27 Teams fast so gross wie die NHL (31 Teams).

Die «Schweizer» KHL-Spiele

Heute Montag trifft Dinamo Riga im Zürcher Hallenstadion im Rahmen der KHL World Games auf SKA St.Petersburg, zwei Tage später spielt der letztjährige Spengler-Cup-Teilnehmer aus Lettland gegen ZSKA Moskau. Spielbeginn ist jeweils 19.30 Uhr.

Die Partien werden live auf dem Gratiskanal von MySports übertragen. Mit den beiden Spitzenteams aus St.Petersburg und Moskau werden auch einige Stars im Hallenstadion zu bewundern sein. Zum Beispiel Pavel Datsjuk (40), der 2016 nach einer illustren NHL-Karriere (u.a. zweifacher Stanley-Cup-Sieger mit Detroit, 1031 Skorerpunkte in 1110 NHL-Spielen) in seine Heimat zurückkehrte.

Auch das grosse Vorbild NHL zieht es ja nach Europa und in die Schweiz. Die NHL hatte in den 1990er-Jahren mit Guido Tognoni sogar vorübergehend einen Europa-Direktor. Mit Büro in Zürich. Die NHL trägt inzwischen zu Beginn der Saison offizielle Punktspiele in Europa aus und New Jersey hat soeben in Bern eine Saisonvorbereitungspartie gegen den SCB bestritten. Diesem Muster folgt die KHL mit zwei Meisterschafts-Partien in Zürich.

Keine Schweizer KHL-Pläne mehr

Das russische Hockey pflegt gute Beziehungen zur Schweiz. Die Trainerlegende Wladimir Jursinow hat ihren Wohnsitz ebenso in der Schweiz wie die einstigen Weltstars Slawa Bykow und Andrej Chomutow. Und wenn Zar Wladimir Putin Rat in Hockeydingen braucht, wendet er sich gerne vertrauensvoll an unseren René Fasel, den Präsidenten des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF). KHL-Teams sind ein Teil der Spengler-Cup-Kultur geworden und zwei KHL-Teams haben bereits einmal vor dem Turnier in Davos ein offizielles KHL-Punktespiel ausgetragen.

epa05298309 International Ice Hockey Federation (IIHF) President Rene Fasel (L) and Russian President Vladimir Putin (R) speak during a gala match of the Night Hockey League at the Bolshoi Ice Arena in the Black Sea resort of Sochi, Russia, 10 May 2016.  EPA/MICHAEL KLIMENTYEV / SPUTNIK / KREMLIN POOL MANDATORY CREDIT

Putin und Fasel kennen sich gut. Bild: EPA/SPUTNIK POOL

Und doch ist Russland weit weg. Kein KHL-Team hat sich der Alliance of European Hockey Clubs (E.H.C.) angeschlossen. Rund 80 Klubs aus mehr als zehn Ländern haben sich zu dieser Interessengemeinschaft zusammengefunden. Sie hat nichts mit der Champions Hockey League zu tun und zum Ziel, die Interessen der Profiligen beim internationalen Verband (IIHF) einzubringen. Präsidiert wird sie von SCB-Manager Marc Lüthi. Er sagt: «Die KHL-Teams wären durchaus willkommen und wir pflegen Kontakte zur KHL.» Aber mehr halt nicht.

Die KHL-Teams beteiligen sich auch nicht mehr an der Champions League. Und doch zieht es die KHL in den Westen. Das westlichste KHL-Team ist Jokerit Helsinki, der SCB Finnlands. Aber Finnland war bis 1918 ein Teil des russischen Reiches. Seit ewigen Zeiten gibt es intensive Beziehungen zwischen den Russen und Finnen. Helsinki tickt anders als die übrigen europäischen Metropolen.

L'entraineur genevois Chris McSorley , lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le Geneve-Servette HC et le HC Fribourg-Gotteron ce mardi, 20 novembre 2018 a la patinoire des Vernets a Geneve. (KEYSTONE/Cyril Zingaro)

McSorley verspricht, dass es in Genf kein KHL-Team geben wird. Bild: KEYSTONE

Immer wieder gibt es Gerüchte um ein KHL-Team ganz ausserhalb des russisch-slawischen Kulturkreises. In Stockholm, London, Paris, Berlin, München, Mailand oder Genf. Wirklichkeit sind diese Pläne nie geworden. Marc Lüthi weiss warum: «Für Teams mit Namen, die ein gewöhnlicher Sportkonsument nicht einmal aussprechen kann, gibt es einfach keinen Markt.» Servette-General Chris McSorley sagt, die Mutmassungen über ein KHL-Team in Genf hätten nie eine reale Grundlage gehabt. «Öl ist zwar der Treibstoff der KHL und Genf eine bevorzugte Stadt der russischen Ölmilliardäre. Aber bei allem, was mir heilig ist, schwöre ich: Wir haben in Genf nie Gespräche über ein KHL-Team geführt – und werden es auch künftig nicht tun.»

«Helvetics» nur noch auf dem Papier

Schweizer Klubs gehen ab und an strategische Allianzen mit ausländischen Teams ein. Die ZSC Lions beispielsweise mit Toronto. Aber es gibt keine Zusammenarbeit mit einem KHL-Unternehmen. ZSC-Manager Peter Zahner sagt: «Die Russen ticken einfach anders.» Mit den beiden KHL-Gastspielen haben die ZSC Lions also nichts zu tun. Offizieller Veranstalter der beiden Partien ist der lettische Klub Dinamo Riga im Rahmen einer Sieben-Jahre-West-Werbeoffensive der KHL.

In der Schweiz hat es bis heute nur ein konkretes KHL-Projekt gegeben: Der Unternehmer Markus Bösiger aus Roggwil bei Langenthal unterzeichnete am 17. Dezember 2011 in Zagreb eine Vereinbarung mit der KHL und am 21. Januar 2012 wurde die Idee am Rande des KHL-All-Star-Games in Riga offiziell bestätigt. Über die Stationierung eines KHL-Teams in Huttwil und sogar über Namen und Logo war man sich einig.

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So hätte das Logo der «Helvetics» ausgesehen.  bild: zvg

Doch die «Helvetics» sind eine Episode der internationalen Hockeygeschichte geblieben. Markus Bösiger sagt, die eigens dafür gegründete Aktiengesellschaft bestehe immer noch, ruhe aber. Und somit gibt es zumindest auf dem Papier nach wie vor ein eidgenössisches KHL-Team.

In erster Linie sei die Sache an der Stadionfrage und dem veränderten internationalen politischen Klima gescheitert. 62 Millionen wollten in- und ausländische Investoren in das nationale Sportzentrum in Huttwil (heute: Campus Perspektiven) in den Ausbau des Stadions investieren und dort die «Helvetics» auftreten lassen. «Die KHL hätte in den ersten fünf Jahren 75 Prozent des Budgets finanziert. Aber dieser Ausbau des Stadions war nicht zu machen.»

In Huttwil spielt heute statt der «Helvetics» ein Klub mit dem Namen Hockey Huttwil. Nicht in der KHL. Aber immerhin in der MySports League.

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    Alle Leser-Kommentare
  • maylander 26.11.2018 15:46
    Highlight Highlight Das waren noch Zeiten als sich NLA Teams einen russischen "Atomblock" leisten konnten. Heutzutage verirrt sich kein einziger russischer Nationalspieler mehr in die Schweiz.
    Wirtschaftlich wären nur schon die Reisekosten nicht zu stemmen. Charterflüge oder gleich ein Clubflugzeug wären unvermeidlich.
    • Amboss 26.11.2018 17:18
      Highlight Highlight Slovan Bratislava ist auch schon mehrere Jahre dabei , Zagreb hat es auch mehrere Jahre gestemmt. Würde also schon irgendwie gehen.
      Und wenn man schaut, wo die allermeisten KHL-Clubs liegen (nämlich in ca. 4-5 Stunden Flugentfernung), dann ist das Peanuts gegenüber der Reisekosten, welche Admiral Vladivostok oder Amur Chabarowsk zu tragen haben.

      Abe klar, es müsste wohl schon jemand da sein, der die finanziellen Defizite übernimmt.
      Aber das ist ja bei diversen NLA-Clubs heute auch so....
  • Amboss 26.11.2018 15:23
    Highlight Highlight Also ich würde sagen, Bratislava, wo Slovan spielt, ist noch ein Stück deutliches weiter westlich als Helsinki :)

    Ansonsten: Verständlich, dass ein KHL-Team in der Schweiz oder Westeuropa nichts wurde. Neftekhimik Nizhnekamsk oder Lokomitiv Jaroslawl sind jetzt wirklich nicht Namen, welche die Zuschauer in die Stadien ziehen.
    Sportlich ist es aber schade, wäre es doch eine tolle Möglichkeit für schweizer Spieler, sich zu verbessern und somit auch das Niveau in der NLA und Nati zu heben. Ist sowieso schade, dass ausser in der NHL keine CH-Spieler im Ausland spielen.
  • Couleur 26.11.2018 15:06
    Highlight Highlight Ich hoffe nur, dass es zuschauermässig in einem würdigen Rahmen abläuft. Wenn man gesehen hat, wie wenig Fans es bei den CHL Spielen des Z hatte, schwant mir da böses.
    • Lümmel 26.11.2018 17:05
      Highlight Highlight Darauf bin ich auch sehr gespannt. Ich muss gestehen dass ich keine Ahnung von der KHL habe und aus diesem Grund auch kaum Interesse an diesem Match habe. Ich weiss auch nicht wie die Preise sind und wieviel Werbung für dieses Spiel betrieben wurde. Ich habe das Gefühl dass das Stadion kaum halbvoll sein wird, aber vielleicht täusche ich mich.
    • LittleBallOfHate63 26.11.2018 19:16
      Highlight Highlight Soviel dazu. Vorhang im Stadion und Leute werden in die unteren Ränge umplatziert.
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    • Lümmel 26.11.2018 21:29
      Highlight Highlight Alter Schwede. Scheint ja so als ob kaum 1000 Personen im Stadion sind. 😆

Der Grösste aller Zeiten geht – im Stil des Grössten aller Zeiten

Arno Del Curto (62) ist nicht mehr Trainer in Davos. Eigentlich unvorstellbar. Ein trauriger Tag für unser Hockey? Nein. Arno Del Curto verlässt die Arena als Sieger.

Die erste spontane Reaktion kommt von Chris McSorley: «One of the saddest days I've had since 2001».

Der Kanadier, der im Wesen und Wirken Arno Del Curto am nächsten kommt, hat recht und wieder auch nicht. Natürlich ist es hockeytechnisch ein trauriger Tag, wenn Del Curto sein Amt niederlegt. Nun ist McSorley der «Dinosaurier» der Liga. Er arbeitet seit 2001 in Genf und es passt, dass ausgerechnet er am Freitag der nächste Meisterschafts-Gegner der Davoser ist.

Aber es gibt auch eine andere …

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