Sport
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SC Rapperswil-Jona Lakers Verteidiger Timo Helbling (#5), wird nach einem Check vom Eis gefuehrt waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und dem SC Bern am Freitag, 28. September 2018, in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Rapperswils Timo Helbling muss nach einem Check gegen seinen Kopf vom Eis begleitet werden. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Das muss sich nach dem «Fall Sciaroni» im Schweizer Hockey ändern

Grégory Sciaronis Sperre wird bestätigt. Gott sei Dank, haben wir eine funktionierende Hockey-Justiz. Wann begreifen unsere Hockey-Generäle endlich, dass sie ihre eigenen Missetäter nicht noch verteidigen sollten?



Eishockey ist ein gefährlicher Sport. Besser als Al Purdy hat es keiner formuliert. Kanadas Nationaldichter hat einmal gesagt, Eishockey sei eine Mischung aus Ballett und Mord. Deshalb hat der Schutz der Gesundheit der Spieler oberste Priorität. Der Körperangriff ist ein legales Mittel, um einen Gegenspieler vom Puck zu trennen. Das macht Eishockey attraktiv, aber eben auch gefährlich. Selbst dann, wenn alle Regeln respektiert werden, kann es zu Verletzungen kommen.

Aufgabe der Schiedsrichter und der Hockey-Gerichtsbarkeit ist es, jene in die Schranken zu weisen, die diese Regeln übertreten. Wenn ein Spieler in einer Partie, die sein Team gar nicht verlieren kann, mit einer völlig sinnlosen Attacke auf einen gegnerischen Schlüsselspieler losgeht und diesen am Kopf verletzt – ist er ein Fall für die Hockeyjustiz. Erst recht, wenn er «Wiederholungstäter» ist.

Verständlich, dass Bern rekurriert – oder?

Grégory Sciaronis Check gegen den Kopf von Lakers-Verteidigungsminister Timo Helbling kann nicht entschuldigt werden. Niemand unterstellt ihm böse Absicht. Das wäre verwerflich. Aber ganz offensichtlich nimmt er bei seinen Attacken in Kauf, dass sich sein Gegenspieler verletzt. Es handelt sich hier auch nicht um ein Vergehen, das so oder so beurteilt werden kann und damit einen Fall für eine Neubeurteilung durch die Rekurs-Instanz darstellt. Die Dokumentation durch TV-Bilder ist klar und eindeutig.

Um diesen Vorfall geht's.

Nun ist es die Aufgabe jedes Sportchefs, seine Spieler nach aussen durch alle Böden hindurch zu verteidigen. Nur mit dieser Loyalität kann er im Gegenzug auch die absolute Loyalität des Spielers zum Klub einfordern. Also ist durchaus verständlich, dass der SC Bern gegen die sechs Spielsperren gegen Sciaroni Rekurs eingereicht hat. Oder?

Nein. Dieser Rekurs dokumentiert, dass unsere Hockey-Generäle nicht begriffen haben, worum es geht. In diesem Fall sind es SCB-Sportchef Alex Chatelain und SCB-Manager Marc Lüthi. Beim SCB wird kein Rekurs ohne Lüthis Segen eingereicht.

Ein Rekurs sendet ein falsches Signal aus

Wenn die Schiedsrichter einen Regelverstoss gesehen haben und der Einzelrichter zum Schluss kommt, dass dieser Regelverstoss zusätzlich mit mehreren Spielsperren zu ahnden ist, dann liegt ein Verschulden des Spielers vor. Hockey-Einzelrichter Karl Knopf schreibt in der Urteilsbegründung unmissverständlich: «Der Beschuldigte legt eine gewisse generelle Rücksichtslosigkeit an den Tag. Der vorliegende Fall ist ein gravierender Fall eines Wiederholungstäters, was erheblich straferhöhend zu berücksichtigen ist.»

Unsere Hockey-Justiz hat so gute technische Hilfsmittel (TV-Bilder) zur Verfügung wie nie zuvor und arbeitet professionell. Inzwischen gibt es kaum mehr Fehlurteile. Wenn nun der Klub versucht, eine Sperre für einen so klaren und undiskutablen Regelverstoss zu reduzieren wie im «Fall Sciaroni» – und das noch während der Qualifikation und nicht während der Playoffs und für einen Mitläufer – dann wird ein falsches Signal gesendet. Nämlich das Signal, eine Attacke, die zur Verletzung eines Gegenspielers geführt hat, sei gar nicht so schlimm. Das ist fatal.

Berns Gregory Sciaroni in action during the Champions Hockey League group G match between Switzerland's SC Bern and Cardiff Devils from Wales, in Bern, Switzerland, this Saturday, September 8, 2018. (KEYSTONE/Anthony Anex).

Im Fokus: Sciaroni, der auf diese Saison hin von Davos nach Bern wechselte. Bild: KEYSTONE

Es ist die Huldigung einer falsch verstandenen «Macho-Kultur». Eine Kultur der «männlichen Härte», wie sie hin und wieder öffentlich von ewiggestrigen, aus der Zeit gefallenen ehemaligen Trainern und Spielern öffentlich zelebriert wird – und die, wie der «Fall Sciaroni» zeigt, nach wie vor in den Köpfen der Sportchefs und Klubmanager herumspukt.

Eines Tages zahlt keine Versicherung mehr

Dabei müssten in einem solchen Fall bei jedem Klubmanager die Alarmglocken schrillen. Der Tag ist nämlich nicht mehr fern, an dem die Prämien für die Versicherung der Löhne so hoch sein werden, dass sie sich nicht mehr lohnt. Versicherungsgesellschaften sind keine Wohlfahrtseinrichtungen. Die durch Regelverstösse verursachten Lohnausfälle werden immer teurer – und so werden es die Prämien.

Der Tag ist auch nicht mehr fern, an dem die Versicherungsgesellschaften, die in diesem Geschäft überhaupt noch mitmachen, gegenüber den fehlbaren Spielern in solchen Fällen Regressforderungen erheben werden. Der SCB-Rekurs gegen die Sperre von Grégory Sciaroni war unsinnig, ja dumm, und gegen das Gesamtinteresse unseres Hockeys. Gott sei Dank, hat die Berufungsinstanz den Rekurs abgelehnt.

Es wäre so einfach

So oder so müsste die Justiz viel härter vorgehen. In der NHL werden die Sünder während einer Sperre nicht bezahlt. Diese Massnahme macht Sinn. Ein paar Sperren und ein paar tausend Franken Busse schmerzen einen Spieler wenig. Eine nachhaltige erzieherische Wirkung hat eine Sperre nur dann, wenn es wirklich ans Geld geht.

Der Weg wäre ganz einfach: Jeder Spielervertrag ist bei der Liga zu deponieren. Das Salär wird auf ein Spiel heruntergerechnet und die Busse beträgt exakt den Lohn des Spielers während der Dauer der Sperre.

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Video: watson/Emily Engkent

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36
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • davej 12.10.2018 14:30
    Highlight Highlight Ein Spieler macht ein bösen Check. Alle drehen durch. Der Spieler wird bestraft und das wars. Am besten so lange sperren, wie das Opfer verletzt ist.
    Aber 3 von 6 Spielen pro Runde, werden von den Schiedsrichter entschieden. Diese übertriebenen Strafenfluten sind nicht mehr witzig. Eishockey macht kein spass ( NHL ausgenommen, die haben aber auch nicht, die lächerliche Null-toleranz Regel) . Wer wird Heute gewinnen? Fragen wir die Schiris...Eishockey ohne Vollkontakt..Have Fun
  • MR92 11.10.2018 21:24
    Highlight Highlight Sciaroni ist unverbesserlich und schlecht noch dazu!

    Heim füllt seinen Platz viel besser aus!

    Aber ja ich gebe Klaus Zaugg total recht
  • Nuk 11.10.2018 21:14
    Highlight Highlight Der Übeltäter müsste im minimum so lange Gesperrt werden wid der verletzte Spieler ausfällt.
  • goldmandli 11.10.2018 20:32
    Highlight Highlight Die Hockeyjustiz funktioniert mässig. Beispiel Kenins. Fährt mit voller Wucht einen Schiri um, keine einzige Sperre. Letztes Jahr griff man da noch konsequenter durch.
  • HotIce 11.10.2018 19:58
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
  • P1erre991 11.10.2018 19:28
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • Bacchus75 11.10.2018 20:02
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Klartext 11.10.2018 20:25
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • ralck 11.10.2018 18:36
    Highlight Highlight Man muss unbedingt auch erwähnen, dass das Bussgeld in der NHL in einen Fonds für ehemalige Spieler, welche finanzielle oder gesundheitliche Probleme haben, unterstützt.

    Einen solchen Fonds fehlt hier in der Schweiz bzw. ist nicht wohl nicht nötig... Wo das Geld in der Schweiz landet, weiss ich nicht. Weiss das jemand?
  • bullygoal45 11.10.2018 17:58
    Highlight Highlight Es kommt ja noch dazu das im schlimmsten Fall eine Karriere so zu Ende geht. Somit 20 Jahre hartes Training und eine gute Zukunft.

    Es ist wie beim Autofahren. Der Fahrer/Verursacher kommt meist heil aus dem ganzen raus.
  • Dynamischer-Muzzi 11.10.2018 17:34
    Highlight Highlight Stimme KZ fast komplett zu, bis auf den Punkt mit der funktionierenden Hockeyjustiz in der NLA. Die misst schlicht und einfach nicht mit gleichen Mass und funktioniert somit auch nicht. Beispiele sind Frehner/Diem, oder Blaser/Brunner. Und das sind nur Beispiele, die ich aus Bieler-Sicht sehe. Und 6 Spiele Sperre für Sciaroni sind für einen 3fach Täter definitiv viel zu wenig.
    Wie gesagt, ist nur meine Meinung dazu.
    • sidthekid 11.10.2018 23:55
      Highlight Highlight Ja du erwähnst die Bieler „Opfer“. Aber dass zum Beispiel ein Marco Maurer checkt wie ein Irsinniger übersiehst du grosszügig. Genau der sollte ja eigentlich wissen, wie es ist, das Eis auf der Barre zu verlassen. Bei Diem bin ich voll bei dir. Aber dass du Brunner erwähnst, ist ja wohl ein schlechter Scherz. Damien läuft ab und an in einen Check weil er den Kopf unten hat. Spätestens in der NHL lernt man das eigentlich. Aber vielleicht war er da zu wenig lang... Der Check von Blaser war hart aber sicher nicht sperrwürdig. 2‘+10‘ wenns hoch kommt.
    • Dynamischer-Muzzi 12.10.2018 11:07
      Highlight Highlight So, wann hat denn Maurer das letzte Mal "grosszügig" gecheckt und somit Gegner verletzt? Seid er in Biel spielt, hat er sich extrem gewandelt und zeigt seine Qualitäten lieber als Teamplayer und nicht als Roudy. Und beim Check gegen Brunner kann man verschiedener Meinung sein, deswegen schrieb ich ja auch, dass es meine Meinung ist.
      Nichts desto trotz ist es Fakt, dass die Hockeyjustiz nicht mit gleichem Mass misst und somit eben nicht funktioniert.
    • sidthekid 12.10.2018 13:10
      Highlight Highlight Liegt ja in der Natur der Sache, dass man verschiedene Meinungen hat, no problem 😉 Ich bin der Meinung, dass unsere Hockeyjustiz nicht dermassen schlecht funktioniert. Aber ja, die vermeintlich Grossen werden wohl eher weniger hart bestraft. Da gehört aber dein EHCB laut Klaus auch bald dazu 😜 Maurer ist mir einfach ein paar Mal aufgefallen. Zum Glück meist ohne Folgen, aber doch ab und an an der Grenze.
      Dass er ein Teamplayer ist, bestreite ich keinesfalls.
    Weitere Antworten anzeigen
  • SBP 11.10.2018 17:27
    Highlight Highlight Bei drei von der Ligajustiz geahndeten Vergehen innerhalb von so kurzer Zeit wäre aus meiner Optik eine Strafe von 10 Spielen das Minimum. Wilson wurde in der NHL Preseason für wiederholtes Vergehen für 20 Spiele aus dem Verkehr gezogen. Meine Prognose: In der NL braucht es zuerst einen Schwerverletzten, bis die Strafen für solche Vergehen angepasst werden und dann auch eine abschreckende Wirkung erzielen. Und schade hat es die Rekursinstanz verpasst dem SCB für seine Arroganz (eigentlich aussichtslos, aber nicht für den SCB) einen Denkzettel zu verpassen.
    • zeusli 11.10.2018 18:33
      Highlight Highlight Gehirnerschütterungen sind schwere Verletzungen, eine kann reichen um eine Spielerkarriere zu beenden.
    • P1erre991 11.10.2018 19:34
      Highlight Highlight An SBP, was für ein Schmarren erzählen sie denn, das hat überhaupt nichts mit Hockey und dem SCB zu tun! Sie unterstellen dem Club eine Mittäterschaft.
    • darkgrey 11.10.2018 20:22
      Highlight Highlight Beim SCB kommen Amokläufer wie Scherwey oder Rüfenacht (praktisch) jedes Mal davon, obwohl die Sachlage klar ist. Das stösst dem Rest der Schweiz halt schwer auf. Kann aber ein SCB Fan nicht verstehen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schlawiner 11.10.2018 17:06
    Highlight Highlight Eine funktionierende Hockeyjustiz? Soll das ein Witz sein?

    Die Attacke von Frehner auf Diem gelangte nicht mal bis zum Einzelrichter. Und diese gezielte Attacke auf die Gesundheit von Diem war noch klarer als das Foul von Sciaroni.
  • ralck 11.10.2018 16:46
    Highlight Highlight Zu Sciaroni äusserte ich mich schon, als er noch bei Davos war. Leider ist er meistens entweder verletzt oder gesperrt. Eigentlich wäre er ein super Spieler, der in gewissen Situationen seine totale Kontrolle verliert und ohne Rücksicht checkt.

    Zur Lohnsperre: Leider wird es niemals soweit kommen, dass die Löhne offengelegt werden. Der Einzelrichter könnte aber einfach mal die Bussen verdoppeln/verdreifachen. (Auch wenn ich hoffe, dass bei Sciaroni knapp 8000.– bereits schmerzen…)
    • 00892-B 11.10.2018 17:32
      Highlight Highlight Sehe ich auch so.

      Jedoch denke ich, dass du vergebens hoffst. Kann mir leider beim besten Willen nicht vorstellen, dass ihn 8000.- schmerzen bei einem Jahresgehalt vo einigen Hunderttausend Franken.
    • dizzy 11.10.2018 20:00
      Highlight Highlight scherwey schien lange auch ein hoffnungsloser fall,aber kari hat ihn in die richtigen bahnen gelenkt.ich hoffe er schafft das mit scarioni auch
  • Hugh_Idiyit 11.10.2018 16:39
    Highlight Highlight 6 Sperren sind ein Witz für Wiederholungstäter..

    20 Spiele plus 1 Mio Busse wie in der NHL wären angemessener.

    • TheWall_31 11.10.2018 16:49
      Highlight Highlight 1'000'000.- ist dann doch deutlich zu hoch angesetzt. Bei Sciaroni drei Jahresgehälter, wenn nicht mehr, bedeuten... zu viel.
    • Thurgauo 11.10.2018 17:02
      Highlight Highlight Das stimmt, aber grundsätzlich hat er schon recht. Bussen müssten viel höher sein! Wer 3-400'000.- CHF im Jahr verdient, interessieren doch ein paar tausend Franken Busse nicht.
    • elbrujo_ 11.10.2018 17:08
      Highlight Highlight Schau dir an was Wilson von den Caps getan hat für 20 Spielsperren und äussere dich erneut. Da ist kei pro-sciaroni argument sonder ein Anti Polemik Argument.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hans_Olo 11.10.2018 16:37
    Highlight Highlight Sehe ich für einmal wie Klaus. Nein halt, es ist diese Saison schon das zweite mal. Unheimlich
  • Blizzard_Sloth 11.10.2018 16:36
    Highlight Highlight Auf den Punkt gebracht, kann Zaugg hier nur zustimmen.

Der SCB wird in Grenoble mit schwedischer Flagge und Hymne empfangen 🙈

Dank einem 3:1-Sieg in Grenoble steht der SC Bern in der K.o.-Phase der Champions Hockey League. Grenoble liegt nur zwei Stunden von der Schweizer Grenze entfernt – und doch gibt es Franzosen, die das Nachbarland nicht zu kennen scheinen. Denn empfangen wird der SCB mit der schwedischen Nationalhymne und statt der Schweizer Flagge wird auf dem Videowürfel die blau-gelbe Schwedens eingeblendet. Das kommt selbst dem finnischen SCB-Coach Kari Jalonen spanisch vor. (ram)

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