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Der EHC Arosa zurück an die Spitze? Jubel bei den Arosa-Fans, nachdem sich der EHC Arosa mit einem 7:2-Auswärtssieg am 24. Februar 1982 gegen seinen Erzrivalen Davos den Meistertitel gesichert hat.
Der EHC Arosa zurück an die Spitze? Jubel bei den Arosa-Fans, nachdem sich der EHC Arosa mit einem 7:2-Auswärtssieg am 24. Februar 1982 gegen seinen Erzrivalen Davos den Meistertitel gesichert hat.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Arosa oder die Rückkehr der Romantiker

33 Jahre nach dem freiwilligen Abstieg aus der höchsten Liga ist der EHC Arosa zurück auf der nationalen Hockeybühne. Als letzte Romantiker des Hockeys.
16.03.2019, 06:1616.03.2019, 19:56

1986 hat der EHC Arosa, damals ein Spitzenklub, aus wirtschaftlichen Gründen die höchste Liga freiwillig verlassen und sich in die 1. Liga zurückgezogen. Weil es nicht mehr möglich war, im Dorf ein Budget von mehr als zwei Millionen Franken zu finanzieren.

Die 1. Liga bot damals noch keine nationale Bühne. Die höchste Stufe des Amateurhockeys war in drei regionale Gruppen aufgeteilt.

Heute hat das Amateurhockey mit der «MySports League» (benannt nach dem Sport-TV-Sender), eine nationale Ausstrahlung mit Klubs aus der ganzen Schweiz. Die 1. Liga ist nur noch die zweithöchste Amateurliga und mit regionaler Ausstrahlung.

Nun hat der EHC Arosa den Aufstieg aus der 1. Liga in die «MySports League» geschafft und steht damit erstmals seit 1986 wieder auf einer nationalen Bühne.

Ein Zürcher als Geschäftsführer

Hinter diesem Erfolg steht Geschäftsführer Adrian Fetscherin, einst Medienpionier (Gründer eines Internet-Sportradios), später kurzzeitig Besitzer Kloten Flyers und sodann unter anderem erfolgreich als Mediengeneral bei Fussball-GC.

Adrian Fetscherin an einer Medienkonferenz.
Adrian Fetscherin an einer Medienkonferenz.Bild: KEYSTONE

Der Zürcher ist seit vier Jahren Geschäftsführer des EHC Arosa und in dieser Funktion durchaus ein «Marc Lüthi vo Arosa.» Was nicht zu verwechseln ist mit dem «Gigi vo Arosa», dem sexy Skilehrer aus dem legendären Schlager von Ines Torelli aus dem Jahre 1975. Der «Gigi vo Arosa» war eine Kult-Phantasiefigur die sich nicht bloss um die skitechnischen Bedürfnisse seiner weiblichen Kundschaft kümmerte.

Vor vier Jahren schien der EHC Arosa am Ende. Der sportliche Abstieg in die 2. Liga war perfekt. Alles schien verloren und vergeigt und ernsthaft wurde die Auflösung des Vereins (Gründungsjahr 1924) diskutiert. In der diesen wohl dunkelsten Wochen der Vereinsgeschichte trat Adrian Fetscherin auf den Plan. Trotz sportlichem Abstieg durfte der EHC Arosa schliesslich doch in der 1. Liga bleiben und mit dem neuen Geschäftsführer hat die neue Zeitrechnung begonnen. Auch da die Parallele zum SCB. Dort erweckte Marc Lüthi als Geschäftsführer nach der Nachlassstundung den Klub zu neuem Leben.

Die Frage ist natürlich: wie weit nach oben kommt Arosa? Adrian Fetscherin gibt als längerfristige Zielsetzung die «Swiss League» an. Also die zweitoberste Liga. «Ich denke, dass es einmal möglich sein wird in Zusammenarbeit mit einem NL-Klub ein Budget von zwei Millionen zu finanzieren.»

Der EHC Arosa als Farmteam für Graubünden?

Angedacht ist eine Existenz als Farmteam um dem Spitzenhockey im Kanton Graubünden eine breitere Basis zu geben. Ein erster Versuch einer Zusammenarbeit mit dem HC Davos ist gescheitert. Aber nun ist in Davos oben (oder aus der Sicht von Arosa in Davos drüben) eine neue Bescheidenheit eingekehrt. Mit Raeto Raffainer kommt ein neuer Sportdirektor mit einer hohen Affinität für die Bündner Hockeykultur und viel Durchsetzungsvermögen beim HCD. Mit ihm dürfte schon mittelfristig erstmals in der Geschichte eine intensive Zusammenarbeit zwischen den zwei Erzrivalen und ehemaligen Meisterteams des Bündner Hockeys möglich werden.

Davos Trainer Harijs Witolinsch und seine Mannschaft dürften in dieser Saison etwas bescheidener geworden sein.
Davos Trainer Harijs Witolinsch und seine Mannschaft dürften in dieser Saison etwas bescheidener geworden sein.Bild: KEYSTONE

Vorerst strebt der EHC Arosa eine Konsolidierung in der «MySports League» an. Das dürfte mit einem Budget von weniger als einer Million möglich sein. Adrian Fetscherin geht davon aus, dass seine Mannschaft konkurrenzfähig sein wird. Noch nicht gut genug für einen Meistertitel und einen Aufstieg in die «Swiss League». Aber gut genug, um in jedem Spiel eine Chance zu haben.

Parallel dazu erfolgt der Aufbau der Nachwuchsorganisation. In Zusammenarbeit mit Lenzerheide gibt es inzwischen wieder Mannschaften auf allen Altersstufen. Aber noch keine in der höchsten Leistungsklasse.

Das abgelegene aber ruhmreiche Arosa

Der EHC Arosa profitiert nach wie vor von der Magie seiner ruhmreichen Vergangenheit (Meister siebenmal in Serie von 1951 bis 1957 plus 1980 und 1982). Und damit von einer gewissen Hockey-Romantik, die vom Geschäftsführer klug ins Spiel gebracht wird. «Wir können keinen Spieler mit Geld nach Arosa locken und bei weitem nicht die Spitzenlöhne in der MySports League zahlen. Aber es hat noch immer einen gewissen Reiz für Arosa zu spielen und wir sind dazu in der Lage, jedem Spieler auch einen Arbeitsplatz zu besorgen.»

Das Dorf auf 1775 Metern Höhe mit etwas mehr als 3000 Einwohner und einst 360 Kurven von Chur und damit dem Rest der Welt entfernt (inzwischen ist die Zufahrtsstrasse etwas wenige kurvenreich) hat eine vielfältige lokale Wirtschaft mit Gewerbebetrieben in fast allen handwerklichen Sparten plus in der Administration der Bergbahnen und Hotels.

«In Arosa bedeutet es noch etwas, beim EHC zu spielen und die Arbeitgeber sind hier eher bereit, einem Spieler entgegenzukommen als im Grossraum Zürich. Bei Auswärtsspielen sind die Reisen so weit, dass wir schon mal bereits am Mittag losfahren müssen. Erst recht in der MySports League», sagt Adrian Fetscherin. Es wird künftig zwar neu das Derby gegen Chur geben. Aber auch Auswärtspartien im Wallis, im Bernbiet und im Welschland.

Während bei der Konkurrenz in der «MySports League» schon mal Jahressaläre von über 20 000 Franken bezahlt werden, geht Arosa den Weg der Hockey-Romantik. Adrian Fetscherin sagt, nicht einmal 10 000 Franken pro Saison seien in Arosa gang und gäbe. Ganz im Sinne von Marc Lüthi sagt er: «Wir geben nur das Geld aus, das wir einnehmen. Es bringt nichts, wenn wir einen Spieler mit einem hohen Lohn ködern und dann im Laufe der Saison eine Salärkürzungsaktion starten. Finanzielle Abenteuer wären für unser Image im Dorf verheerend.»

Noch ist der Schreck nicht vergessen, als nach dem Rückzug des Hauptsponsors vor Beginn der Saison 2014/15 die bescheidenen Entschädigungen für die Spieler nachverhandelt werden mussten.

Arosa setzt sportlich auf die Kraft der Hockey-Romantik. Also des Teamgeistes. Und diese Kraft versiegt, wenn die Lohndifferenz zwischen den Spielern zu gross wird.

Es ist die segensreiche Wirkung der Geschichte. In Erinnerung an den freiwilligen Abstieg vor 33 Jahren gehört heute die wirtschaftliche Vernunft zur DNA des EHC Arosa.

Die Romantik lässt sich auch kapitalisieren. Allein aus den Zuschauereinnahmen (in der «MySports League dürfte ein Schnitt von rund 600 Eintritten möglich sein) und den Zuwendungen lokaler Firmen ist selbst ein Budget von weniger als einer Million schwierig zu stemmen.

Aber in Arosa gibt es rund 2000 Zweitwohnungen. Wer sich eine Zweitwohnung in Arosa leisten kann ist in der Regel vermögend und hat eine emotionale Bindung zum Dorf. In diesen Kreisen lässt sich dieser oder jene Gönner finden. Ein Geschäftsfeld, auf dem auch der HC Davos erfolgreich arbeitet. Viele reiche Zürcher haben ihre Zweitwohnung in Davos.

Eine Rückkehr zu meisterlichem Ruhm ist für Arosa aber nicht mehr möglich. Aber eine romantische Belebung der «Marke EHC Arosa» mit dem wunderbaren blauen Dress mit gelber Sonne und vielen Erinnerungen an die gute alte Zeit, als in den 1950er Jahren sieben Meistertitel in Serie möglich waren und Geld keine Rolle spielte. Der EHC Arosa, der Klub für Hockey-Romantiker.

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