DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
SC Bern Stuermer Cory Conacher, Mitte, gegen ZSC Lions Verteidiger Marc-Andre Bergeron, links, Verteidiger Severin Blindenbacher, rechts, und Torhueter Niklas Schlegel, unten, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern am Sonntag, 21. Februar 2016, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Kann der SC Bern den ZSC Lions im Viertelfinal tatsächlich Paroli bieten?
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Die «Viertelfinals der Illusionen» sind die besten aller Zeiten – zumindest auf dem Papier

Die Titanen haben sich im Kampf um die Playoffs durchgesetzt. So vielversprechend waren die Viertelfinals deshalb eigentlich noch nie.



Nur grosse Namen. Keine Aussenseiter. Jeder der acht Viertelfinalisten war mindestens zweimal im Finale und sechs gewannen schon die Meisterschaft. Bereits in der ersten Runde treffen also die Titanen aufeinander und zwei Finalpaarungen aus der Neuzeit werden neu aufgelegt: Davos gegen Kloten (2009, 2011) und die die ZSC Lions gegen den SC Bern (2012). So gesehen sind es die besten Viertelfinals seit Einführung der Playoffs (1986). Zumindest auf dem Papier. Aber vielleicht scheint das ja nur so.

Wir können jetzt schon eine griffige Bezeichnung für die Viertelfinals 2016 kreieren: Es sind die «Viertelfinals der grossen Illusionen.» Eine Illusion ist die falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit, die zu falschen Hoffnungen verleitet. Oder volkstümlicher: Wunschdenken.

Der Zuercher Goalie Niklas Schlegel beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions, am Sonntag, 7. Februar 2016, in der Resega Halle von Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Niklas Schlegel: Trotz guter Quali noch kein Meister-Goalie.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die ZSC Lions haben die Qualifikation dominiert und wecken die Illusion der «Unverwundbarkeit». Aber so gut diese mächtige Hockeymaschine auch funktioniert und so gross der Hype um den amerikanischen «Kinderstar» Auston Matthews (18) sein mag: die Zürcher sind auf der Torhüterposition nur durchschnittlich besetzt. Gegen den SCB kann es reichen. Aber spätestens ab dem Halbfinale brauchen die Zürcher die Rückkehr von Meistergoalie Lukas Flüeler in guter Form. Auston Matthews veredelt zwar das Offensivspiel. Aber er ist nicht dazu in der Lage, das Team als Leitwolf zu führen.

Mit der Playoff-Qualifikation ist beim SC Bern das Selbstverständnis zurückgekehrt, gross und mächtig zu sein. Die Berner sehen sich gegen die ZSC Lions nicht als Aussenseiter. Schliesslich waren sie 2005 die ersten, die vom 8. Platz aus einen Qualifikationssieger (Lugano) eliminiert haben. Und sie selber sind schon dreimal als Qualifikationssieger in der ersten Runde gescheitert – gegen Kloten (2006), Fribourg (2008) und Zug (2009). Aber es ist bloss eine Illusion zu glauben, der SCB habe gegen die ZSC Lions eine echte Chance.

Wer hofft zu Recht?

Die Kloten Flyers haben sechs der sieben letzten Partien der Qualifikation gewonnen. Das nährt die Hoffnung, die Flyers seien in Hochform und mit guten Chancen gegen Davos. Eine reine Illusion. Die Klotener haben keinen Torhüter, der die Davoser aufhalten kann und sie sind physisch zu wenig robust, um das Tempospiel des Meisters während einer ganzen Playoff-Serie auszuhalten.

Luganos Hoffnung auf den ersten Sieg in einer Playoff-Serie seit 2006 ist berechtigt. Aber es ist eine Illusion, davon auszugehen, Zug lasse sich durch Härte einschüchtern. Der Einkauf des rauen kanadischen Power-Stürmers Maxim Lapierre (188 cm/100 kg) ist das Produkt dieser Illusion und wird die Mannschaft bloss davon abhalten, auf ihre spielerische Stärke zu vertrauen. Aber das Scheitern gegen das raue Servette in den beiden letzten Viertelfinals führt zur Illusion, es bedürfte bloss ein bisschen mehr Härte und endlich ins Halbfinale zu kommen.

Luganos Linus Klasen, links, und Fredrik Pettersson, rechts, freuen sich ueber das 4:2, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem HC Ambri Piotta, am Freitag, 19. Februar 2016, in der Resega Halle von Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Schiessen Linus Klasen und Fredrik Pettersson den HC Lugano zum ersten Titel seit 10 Jahren?
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die Zuger sind kleiner und leichter und haben mit Tobias Stephan den besseren Torhüter als Lugano. Aber es ist eine Illusion zu glauben, Tobias Stephan alleine könne gegen Lugano die Differenz machen.

Servette ist taktisch eines der besten und härtesten Teams der Liga. Aber die Annahme, Gottéron werde sich einschüchtern lassen, ist eine Illusion.

Nur ein Titel «aus der Tiefe des Raumes»

Die Viertelfinals stehen beim grossen Publikum ganz im Zeichen der beinahe gestrauchelten Titanen SC Bern und Kloten. Die Ausgangslage ist für diese beiden Teams hoffnungsvoll: die Playoffs sind erreicht. Der Druck ist weg. Aus den Krisenteams sind sozusagen über Nacht gefährliche Aussenseiter im Titelrennen geworden. Bern und Kloten können nun die ganze Saison retten und allen Spott und alle Schmähungen vergessen machen. Aber auf meisterlichen Ruhm zu hoffen, ist eine Illusion.

Die Wirklichkeit sieht nämlich ziemlich düster aus. Bis heute hat erst einmal ein Team aus dem Tabellenkeller doch noch die Meisterschaft gewonnen. Die ZSC Lions holten im Frühjahr 2012 unter Bob Hartley vom 7. Platz aus den Titel. Ja, der Kanadier, der heute wieder in der NHL arbeitet (Calgary), stand der Entlassung lange Zeit näher als der Meisterfeier. Hätte er das Auswärtsspiel am 23. Dezember 2011 in Genf verloren, wäre er gefeuert worden. Doch die Zürcher gewannen auf wundersame Weise 4:3 nach Penaltys und diese Partie ist heute ein wichtiger Bestandteil der Legende um Bob Hartleys Person.

Bern's captain Martin Pluess lifts the winner's trophy of the National League A (NLA) Swiss Championship between his teammates after the Bern's victory over Fribourg Gotteron in the Playoff Final game of National League A (NLA) Swiss Championship at the PostFinance-Arena, in Bern, Switzerland, Tuesday, April 16, 2013. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Nein, berechtigte Hoffnungen auf eine Meisterfeier darf sich der SCB keine machen.
Bild: KEYSTONE

Es gibt kein zweites Beispiel eines solchen Titelgewinnes «aus der Tiefe des Raumes». Am nächsten kommt noch der ZSC-Titelgewinn von Harold Kreis im Frühjahr 2006 von Platz 6 aus. Daneben ist der HC Davos von 2015 der einzige Meister, der in der Qualifikation (5.) nicht mindestens Platz 4 erreicht hat.

Ein Anhänger der Kloten Flyers wird nun sagen: Halt! Wir sind 1995 auch vom 7. Platz aus Meister geworden! Stimmt. Aber das war ein anderer Modus. Damals wurden die Playoffs nach einem fixen Tableau gespielt. Die Klotener konnten also nach dem Sieg im Viertelfinale den Platz des zweitplatzierten Lugano übernehmen und hatten so im Halbfinale gegen Bern (6.) ein Freilos.

Wir können davon ausgehen, dass Kloten und Bern nicht Meister werden. So viel steht vor den «Viertelfinals der Illusionen» fest. Alles andere ist offen.

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

1 / 38
Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

Artikel lesen
Link zum Artikel