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Wegen ihm kamen die Devils und die Zuschauer nach Bern: Nico Hischier.
Wegen ihm kamen die Devils und die Zuschauer nach Bern: Nico Hischier.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Hischiers Besuch war wie ein Abend Spengler Cup im Oktober in Bern

Der SC Bern verliert gegen die New Jersey Devils in der Verlängerung 2:3. Es ist eine Lehrstunde. Aber nicht im sportlichen Bereich.
02.10.2018, 06:5702.10.2018, 07:21

Die Zuschauer in Bern haben einen wunderbaren Abend erlebt. Ein Schauspiel mit dem ganzen Brimborium der NHL, gesungener Nationalhymne und lästigen Werbepausen inklusive.

Aber schon der gute Carl Zuckmeyer lehrte uns, ein Schauspiel sei weder eine Schulstube noch ein Priesterseminar. Die Leute sollen entweder lachen oder weinen. Oder besser beides.

Durfte nicht fehlen: New Jerseys Maskottchen, der «NJ Devil».
Durfte nicht fehlen: New Jerseys Maskottchen, der «NJ Devil».Bild: KEYSTONE

So ist es an diesem grossen Hockeyabend im ausverkauften Berner Hockey-Tempel. Der SCB kann weder von den New Jersey Devils sportlich etwas lernen (keine Schulstube), noch präsentieren sich die Berner als taktische und spielerische Musterschüler (kein Priesterseminar). Vielmehr spielen sie so, dass Trainer Kari Jalonen zeitweise das Herz lacht. Aber manchmal ist es für ihn hockeytechnisch wohl eher zum Weinen.

Verpackung besser als Inhalt

Der festliche äussere Rahmen stimmt. Nur ist da, wo NHL draufsteht, sportlich nicht immer NHL drin. Die Intensität, die Wucht, die Dynamik, die Härte, die Disziplin und das Tempo eines echten NHL-Spiels sehen die Zuschauer nicht.

In Europas grösster Arena wird einfach eine wunderbare Hockey-Operette, ein Schauspiel aufgeführt, das in die Geschichte eingeht. Der SCB bestraft eine NHL-Mannschaft für ihre Nachlässigkeit (oder besser: für ihre Arroganz) und verliert erst in der Verlängerung 2:3. Ein Punkt gegen ein NHL-Team!

Die Entscheidung: Hall bezwingt in der Verlängerung Genoni.
Die Entscheidung: Hall bezwingt in der Verlängerung Genoni.Bild: KEYSTONE

Was diesen goldenen, historischen Punkt noch wertvoller macht: Die Mannschaft, die an einem guten Abend die taktisch beste und härteste unserer heimischen Liga sein kann, setzte vielleicht 70 Prozent ihres Potenzials um und spielte etwa mit der gleichen Intensität und Konzentration wie beim Cup-Spiel gegen Wiki-Münsingen (6:0-Sieg). Und der SCB tritt nicht einmal in Bestbesetzung an. Ramon Untersander wird wegen einer leichten Gehirnerschütterung aus dem Spiel gegen Biel geschont. Und trotzdem reicht es, um eine NHL-Mannschaft zu blamieren, die nicht bei der Sache ist.

Dennoch eine Lehrstunde

So ist das heute in der globalisierten Hockey-Welt: Niemand kann es sich leisten, gegen einen Vertreter unserer höchsten Liga nachlässig zu sein. Was logisch ist: Immerhin hat die Schweiz auf dem Weg in den WM-Final ein kanadisches WM-Team aus lauter NHL-Profis besiegt. Ein Team, das klar besser war als diese New Jersey Devils.

Wir können es noch einfacher auf den Punkt bringen: Ein «halber SCB» genügt, um eine NHL-Mannschaft im Schach zu halten. In der NHL wird sportlich auch nur mit Wasser gekocht.

Die Highlights der Partie.Video: YouTube/NHL

Und doch ist es eine Lehrstunde. Die mitgereisten NHL-Chronisten überschlagen sich nach der Partie bei der offiziellen Medienkonferenz fast vor Begeisterung. Welch eine Stimmung! Welch ein atemberaubendes Drama!

Sie fragen ihren Cheftrainer John Hynes nach seiner Meinung über dieses grosse Spiel. Und der, ganz Profi, nimmt den Ball auf und spricht von einer Partie, die auch seine Mannschaft stärker gemacht habe. Von einem intensiven Spiel. Von einem sehr starken Gegner, gegen den man alle Hände voll zu tun gehabt habe. Von der grossartigen Stimmung.

Coach Hynes und sein Star Hischier.
Coach Hynes und sein Star Hischier.Bild: KEYSTONE

Jalonen spielt das Spiel mit

So wird Sport verkauft. Aus einem Operettenspiel wird ein hochstehendes Drama gemacht. Näher an einem siebten Spiel im Stanley Cup-Finale als am Spengler Cup. Diese Kunst des positiven Denkens ist ein Markenzeichen der NHL. Ich habe rund um mehr als 100 NHL-Partien vor Ort nie einen Trainer oder Spieler erlebt, der in offizieller Mission ein Spiel oder einen Gegner schlechtgeredet hat. Höchstens wird in einer Krise betont, man könne, müsse und werde besser spielen.

Natürlich spielt auch SCB-Trainer Kari Jalonen dieses Spiel mit. Auch er rühmt und lobt, wo er nur kann. Wer also die Partie nicht gesehen und nach dem Spiel nur den Trainern und Spielern zugehört hat, der glaubt, soeben sei eine der besten Partien aller Zeiten auf helvetischem Eis zelebriert worden.

Hinterher, als die Mikrofone abgeschaltet sind, bestätigt Kari Jalonen mit einem Schmunzeln, dass es, na ja, schon ein wenig ein Operettenspiel gewesen sei. Und dass es am Mittwoch in Genf eine Steigerung der Intensität brauche. Wir können es noch klarer auf den Punkt bringen: Mit der gleichen Leistung wie gegen New Jersey wird der SCB am Mittwoch in Genf Probleme haben und das nächste Derby gegen Langnau verlieren.

Aber eigentlich war das Resultat ja Nebensache. Es war ganz einfach eine grossartige Werbeveranstaltung für das Eishockey. Wie der Spengler Cup. Aber halt nur für einen Abend.

Hischier bleibt ohne Punkt …

Die Zuschauerinnen und Zuschauer interessierten sich ja vor allem für einen einzigen Spieler. Für Nico Hischier (19). Das Wunderkind. Den Roger Federer unseres Hockeys, ausersehen, der beste Spieler zu werden, den wir je hatten. Die NHL-Macher wissen das sehr wohl. Also steht Nico Hischier im «Starting Lineup». Im Fünferblock, der sich nach NHL-Manier vor dem Spiel an der blauen Linie aufstellt. Und natürlich gehört auch WM-Silberheld Mirco Müller (23) dazu. Zwei Schweizer im «Starting Lineup» eines NHL-Teams – helvetisches Hockey, wie hoch willst Du noch hinaus?

Die Schweizer «Teufel» gemeinsam auf dem Eis: Hischier (links) und Müller helfen Goalie Kinkaid.
Die Schweizer «Teufel» gemeinsam auf dem Eis: Hischier (links) und Müller helfen Goalie Kinkaid.Bild: EPA/KEYSTONE

52 Punkte hat Nico Hischier in den 82 Partien seiner ersten NHL-Saison gebucht. Um ihn herum wird eine neue Mannschaft aufgebaut. Aber nur der Kenner erkennt an diesem Abend seine Qualitäten sofort. Er ist für einmal ein freundlicher Schillerfalter, lässt immer wieder seine immense Klasse aufblitzen, verteilt ein paar Pässe mit einer Übersicht, als wäre er Wayne Gretzky. Wunderbar. Aber ein Tor und einen Assist erzielt unser Wunderkind nicht.

Nico Hischier spielt auch nicht mit der für ihn sonst üblichen Intensität und Hartnäckigkeit. Muss er ja nicht. Es ist Showtime. Aber in der Verlängerung, als es darum geht, die totale Blamage abzuwenden, da steht er auf dem Eis, als sein Linienpartner Taylor Hall den Siegestreffer zum 3:2 erzielt.

… und doch im Fokus

Wir haben also den wahren, den grossen Nico Hischier nicht in seiner ganzen spielerischen Herrlichkeit gesehen. Aber eben auch nicht die wahren New Jersey Devils und, das sollte noch einmal erwähnt werden, nicht den wahren, grossen SCB.

Weil es ein so wunderbarer Abend und ein Operettenspiel ist, wird Nico Hischier trotzdem zum besten Spieler seiner Mannschaft gewählt. Die NHL-Macher – sie bestimmen bei dieser Partie alles – wissen eben schon, wie ein Operettenspiel zelebriert und wie eine gute Show gekrönt wird. Und tatsächlich: wahrscheinlich ist seit Bibi Torriani kein Schweizer Spieler so gefeiert worden wie Nico Hischier vor und nach dieser Partie.

Dieser Abend war jeden Rappen des Eintrittsgeldes wert. Und wir können die wahre, die tiefe Erkenntnis dieses Spektakels einfach nicht oft genug wiederholen: Auch ein «halber» SCB genügt heute, um eine NHL-Mannschaft im Schach zu halten.

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quelle: keystone / salvatore di nolfi
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