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Ajoies Spieler feiern ihren Treffer zum 4:2 im ersten Playoff-Halbfinalspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und dem HC Ajoie, am Sonntag, 5. Maerz 2017, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Ajoie-Topskorer Philip-Michaël Devos lässt sich von den Teamkollegen feiern. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der «Jura-Gretzky» und seine gefallenen weissen «Hockey-Engel»

Der erste NLB-Halbfinal zwischen Langenthal und Ajoie ist ein Spektakel, das uns zeigt, warum Ambri in einer Ligaqualifikation in akute Abstiegsgefahr geraten wird und warum NLB-Topskorer Philip-Michaël Devos wohl nie einen NLA-Vertrag bekommen wird.



Weisse Engel und Hockey – wie geht das? Nun, Ajoie spielt auswärts in wunderschönen weissen Dresses und die Jurassier fliegen als «HC Davos der NLB» übers Eis. Und sie können, wie vor einem Jahr, die rettenden Engel des NLA-Playout-Verlierers sein. Wird Ajoie nämlich erneut NLB-Meister entfällt die Ligaqualifikation. Der HC Ajoie hat keine Aufstiegsbewilligung.

In Langenthal flogen die «weissen Engel». Es ist das Duell der offensivstärksten Mannschaft gegen die stabilste Abwehr der Liga (Ajoie 202:136, Langenthal 181:105 Tore). Trainer Gary Sheehan ist der «Arno Del Curto» des welschen Hockeys. Der Kanadier pflegt ein ähnlich bedingungsloses, schnelles Vorwärtshockey wie Arno Del Curto. Er sagt: «Wir sind nicht kräftig genug um hinten hineinzustehen. Unsere einzige Chance ist diese Vorwärtsstrategie.»

Ajoies Spieler feiern den NLB Titel 2015/16, nach dem sechsten Playoff-Finalspiel der National League B zwischen dem HC Ajoie und den Rapperswil-Jona Lakers, am Freitag, 1. April 2016, in Pruntrut. (KEYSTONE/Bist/Roger Meier)

Dank NLB-Meister Ajoie blieb dem EHC Biel im letzten Jahr die Ligaqualifikation erspart. Bild: KEYSTONE/BIST

Diese Strategie wäre beinahe aufgegangen. Langenthal kassiert zum ersten Mal in dieser Saison auf eigenem Eis sechs Treffer. Die Torfolge dokumentiert eines der grössten Playoff-Dramen dieses Jahrhunderts. Langenthal führt 2:0, gerät 2:5 in Rückstand, kommt auf 4:5 heran, kassiert das 4:6, schafft doch den Ausgleich zum 6:6 und gewinnt in der Verlängerung 7:6.

Die besten NLB-Teams haben ein intaktes Selbstvertrauen. Sie können Rückschläge überwinden. Ambri, zurzeit der wahrscheinlichste Teilnehmer an der Ligaqualifikation, kann in der aktuellen Verfassung nach einem Zweitorerückstand in der taktischen Pfeife geraucht werden.

Überragender Denker und Lenker, aber ...

Die alles überragende und letztlich tragische Figur in diesem Drama ist Ajoies NLB-Topskorer Philip-Michaël Devos (26). Diese Partie zeigt, warum er die zweithöchste Liga dominiert und doch in der NLA wohl chancenlos wäre.

Der geniale Mittelstürmer hat hölzerne Füsse, ein magisches Auge und goldene Hände. Seine Spielübersicht und seine Passqualität mahnen in lichten Augenblicken ein wenig an Wayne Gretzky. Aber der «Jura-Gretzky» ist zerbrechlich wie Porzellan.

Philip-Michael Devos, von Ajoie, jubelt nach seinem 1:2 Tor im dritten Playoff-Finalspiel der National League B zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Ajoie, am Donnerstag, 24. Maerz 2016, in der Diners Club Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

«Jura-Gretzky» Philip-Michaël Devos fehlt der eine oder andere Zahn. Bild: KEYSTONE

In der gesamten Nationalliga gibt es keinen Spieler mit seiner Übersicht. Er spielt Pässe, die erst Erstaunen auslösen («wohin spielt er jetzt bloss wieder …») und dann doch bei einem Mitspieler ankommen. Seine perfekt getimten Zuspiele legen eine ganze Abwehr lahm. Und er ist dazu in der Lage, aus allen Positionen direkt zu schiessen. Nicht scharf. Aber genau.

Devos scheint den Puck zu streicheln, nicht zu schlagen. So kompensiert er seine läuferischen Limiten, die im Vergleich zu seinen schnellen Mitspielern noch viel mehr auffallen. Er ist der überragende Lenker und Denker. Aber kein Renner und auch zu wenig kräftig. In der NLA wäre er gut genug als Powerplay-Spezialist, aber zu wenig robust, um den ersten Block zu führen. Ajoie rennt, Philip-Michaël Devos denkt und lenkt.

Der Kanadier orchestriert die spektakuläre Wende vom 0:2 zum 5:2 mit direkter Beteiligung am zweiten, vierten und fünften Treffer. Hinter einer schwindlig gespielten Abwehr muss Langenthals Marco Mathis nach dem fünften Gegentreffer und einer Fangquote von 68,75 Prozent ausgewechselt werden.

Fatales Faustgefecht

Keine Frage nach dem 2:5: Wenn es nicht gelingen wird, Philip-Michaël Devos zu stoppen, dann ist Langenthal verloren. Deshalb packen die Berner den Knüppel aus. Zehn Sekunden vor der zweiten Pause erreichen sie schliesslich ihr Ziel. Erst geraten Langenthals Aurelien Marti und Ajoies zweiter Kanadier Jonathan Hazen aneinander und dann gelingt es Stefan Tschannen, Ajoies Lenker und Denker in ein Faustgefecht zu verwickeln. Die Folgen entscheiden das Spiel.

Langenthals Captain kommt mit zwei Minuten davon, Ajoies Zaubercenter kassiert vier plus zehn Minuten. Er muss beim Stande von 5:2 die Strafbank aufsuchen und als er 14 Minuten später zurückkehrt, steht es nur noch 6:5. Er kassiert erneute eine Strafe und dieser Ausschluss führt zum 6:6. Er findet nicht mehr zurück ins Spiel. Die bange Frage: Haben ihm die Langenthaler den Nerv gezogen?

Ajoies Goalie Elien Paupe muss den Treffer zum 1:0 hinnehmen im ersten Playoff-Halbfinalspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und dem HC Ajoie, am Sonntag, 5. Maerz 2017, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Ajoie-Goalie Elien Paupe muss gestern sieben Mal den Puck aus dem Tor holen. Bild: KEYSTONE

Langenthal hat mit Härte, mit Checks, mit Provokationen und mit direktem Zug zum Tor den Gegner zermürbt. Torhüter Eilen Raupe wurde mit Schüssen nur so eingedeckt und die robusten SCL-Stürmer sind viel zu oft vor den Verteidigern an die Abpraller herangekommen. Der «SCB der NLB» erzwingt fünf Tore (inklusive Siegestreffer) ohne Beteiligung der ersten Linie und der Ausländer. Für die NLB eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit.

Der Riese Arnaud Montandon (193 cm/98 kg), für die NLA zu wenig schnell, personifiziert mit seiner Wucht die physische Überlegenheit des Qualifikationssiegers. Der Bub der Legende Gil Montandon trifft in der Verlängerung zum 7:6. Dieses Langenthal kann an einem guten Abend auch die SCRJ Lakers, La Chaux-de-Fonds und – sollte es soweit kommen – Ambri zermürben.

Heute bekannt geworden: Montandon zu Ajoie

Angreifer Arnaud Montandon wechselt auf die nächste Saison innerhalb der NLB vom SC Langenthal zum HC Ajoie. Der 25-jährige Sohn des ehemaligen Schweizer Internationalen Gil Montandon unterschrieb bei den Jurassiern einen Zweijahresvertrag. (sda)

Denn sonst fällt Ambri

Keine Frage: Mit dem Ausschluss von Philip-Michaël Devos ist Ajoies offensives Stromnetz zusammengebrochen. «Das war die Entscheidung», wird Trainer Gary Sheehan hinterher sagen. «Langenthal wurde nach dem 2:0 leichtsinnig und verlor die Disziplin. Wir profitierten davon – und liessen uns dann nach dem 2:5 provozieren und von unserer Linie abbringen. Devos hat gegen Tschannen die Handschuhe fallen lassen und das hat ihm letztlich den Zehn-Minuten-Ausschluss beschert. Er sagte mir, er habe sich nur schützen wollen, er habe auf einmal Tschannens Faust gesehen und demnach haben die Schiedsrichter nicht gesehen, dass auch sein Gegenspieler die Handschuhe ausgezogen hatte.»

CAPTION CORRECTION: KORRIGIERT ORT UND STADION --- Enttaeuschung bei Ambris Jason Fuchs, Mitte, und seinen Mitspielern nach dem Eishockeyspiel der National League A zwischen dem HC Ambri Piotta und dem HC Lugano in der Valascia Eishalle in Ambri, am Samstag, 18. Februar 2017. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Für Ambri wird die Situation immer unangenehmer. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Wir sehen: Es hat gerockt und gerollt. 13 Tore, spielerische Highlights und auch das «Böse», von den sehr guten Schiedsrichtern im Rahmen der Reglemente gehalten, ist nicht zu kurz gekommen.

Ambri sollte zu den Hockeygöttern beten, dass es Ajoies gefallenen «weissen Hockeyengeln» irgendwie gelingt, wieder aufzustehen, mit Schnelligkeit die robusten Langenthaler doch noch durcheinanderzuwirbeln, ins Finale zu kommen, dort La Chaux-de-Fonds oder Rappi  davonzufliegen und NLB-Meister zu werden. Damit die Ligaqualifikation wie im Vorjahr entfällt. Denn sonst fällt Ambri.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lumina 07.03.2017 09:37
    Highlight Highlight Wusst ich's doch, Ajoie ist relativ leicht zu stoppen - hau den Devos und den Osterhazen kaputt und die sind nix mehr, resp. fallen komplett auseinander.

    Möge Rappi sich das für eine etwaige Finalrevanche zu Herzen, sollten die Jurassier Langenthal am Ende doch noch bezwingen.
  • Leuenberger 07.03.2017 07:11
    Highlight Highlight Meiner Ansicht nach sollten Teams, die nicht aufsteigen wollen oder dürfen, an den Playoffs nicht teilnehmen können.
    • mad_aleister 07.03.2017 08:59
      Highlight Highlight Nein, die Ligaquali sollte einfach mit dem Vize-B-Meiszer durchgeführt werden.
    • Lumina 07.03.2017 09:46
      Highlight Highlight Keine schlechte Idee, aber zuerst würde ich mal all diese doofen Farmteams wieder entsorgen.

      Ich hab noch Eishockeysammelkarten aus der Zeit, als die GCK Lions unter dem Namen Grasshoppers, sprich GC ein eigenständiges und somit aufstiegsberechtigtes Team waren - good old times...

      EVZ Academy und der HC Biasca Ticino Rockets sind ein Witz für die NLB und bestenfalls 1. Liga Classic-Material, solche Mannschaften, haben in der zweithöchsten Liga der Schweiz nichts zu suchen und trotzdem sind sie da.
    • mad_aleister 07.03.2017 12:22
      Highlight Highlight Bin ich absolut gleicher Meinung!
  • mad_aleister 07.03.2017 00:01
    Highlight Highlight Zauggli, deine ewigen vergleiche finde ich irrsinnig. "Welscher Arno del Curto", "SCB der NLB"? Kannst du das nicht einfach bleiben lassen?

    Als würde man sagen: "Ambri, die Ticino Rockets der NLA".

    Nei, eifach nei!!!
    • Yano 07.03.2017 07:14
      Highlight Highlight Immerhin haben die "echten" Ticino Rockets den ach so grossen "echten" SCB aus dem Cup gekegelt.
    • mad_aleister 07.03.2017 09:00
      Highlight Highlight Das stimmt. Die vergleiche hinken meiner Ansicht nach trotzdem extrem.
    • Lumina 07.03.2017 16:16
      Highlight Highlight Ach komm, diese "SCB Juniors" Auswahl, welche damals gegen die Rockets angetreten ist, hätte sogar der EHC Arosa II bezwungen - das zählt nicht!
  • CheGue 06.03.2017 20:50
    Highlight Highlight " in der taktischen Pfeife rauchen" 😂😂😂dä isch guet Chlöisu!! Mit dem Zusatznamen Gretzky sollten nur Spieler geehrt werden, welche das auch wirklich verdienen!😜Hölzerne Füsse gehen da gar nicht..... 😁Den Namen hat nur einer verdient: Er zauberte mit dem Puck und "las" das Spiel mindestens zwei oder drei Züge im Voraus. Der "Ilfis-Gretzky"! Zu einer wirklich grossen Karriere fehlten im nur etwas schnellere Beine!😊😉
  • Peter.Pan 06.03.2017 17:04
    Highlight Highlight Von DiDomenico liess sich in seiner NLB Zeit ähnliches behaupten und trotzdem konnte er sich, mit gewissem Charakterwandel, in det NLA durchsetzen. Und da auf die Prognosen vom Eismeister in letzter Zeit kein Verlass mehr war, bleibe ich gespannt was mit Devos noch passiert.
    • Nothingtodisplay 06.03.2017 18:07
      Highlight Highlight Er, wie auch Hazen, haben noch einen Vertrag bis ende Saison 17/18 in der Ajoie.

      Und trotzdem kanns manchmal schnell gehen...
    • Hallo22 06.03.2017 19:24
      Highlight Highlight Nur das Devos um einiges langsamer als di Domenico ist. Sicherlich ein genialer Spieler aber die NLA ist nunmal eine Tempo Liga....
    • anje 06.03.2017 22:50
      Highlight Highlight Dido - Charakterwandel?! Wie war sein Charakter denn vor seiner Schwalbenkönig-Karriere?
  • Harald Juhnke 06.03.2017 17:01
    Highlight Highlight Jaja... Ambri spielte im selben desolaten Zustand schon mal gegen Langenthal. Die Serie entschieden sie 4:1!
    • PHI (formerly known as Pat the Rat) 06.03.2017 18:41
      Highlight Highlight Ja, da hast Du Recht.
      Aber beachte: Beim letzten Aufeinander treffen (2012?) hatten die Langenthaler keine Aufstiegs-Ambitionen. Und das könnte ein entscheidender Unterschied sein zu dieser Saison sein.
      Wünsche Allen weiterhin viel Spass in diesen Playoffs der NLA & NLB!
    • Markus Moser 06.03.2017 18:57
      Highlight Highlight Kommt noch dazu dass sie nur mit einem Ausländer spielten, Jeff Campbell hat sich im letzten Spiel vor der Ligaquali verletzt........
    • samy4me 06.03.2017 19:52
      Highlight Highlight Du kannst damals nicht mit heute vergleichen. Vor 5 Jahren war die Mannschaft, vom Tag des Titelgewinns an, in corpore besoffen. Die Ambitionen und Ansprüche sind 2017 höher. Aber abwarten, im Moment sind wir sogar vor dem Finaleinzug noch weit weg...
  • Turist 06.03.2017 16:56
    Highlight Highlight Wieso 15 Tore? Bei einem Endstand von 7:6 ergibt das doch eher 13 Tore.
    • franz ermel 06.03.2017 18:31
      Highlight Highlight @esum: Ist korrigiert.
  • Altorez 06.03.2017 16:44
    Highlight Highlight "In der gesamten Nationalliga gibt es keinen Spieler mit seiner Übersicht."

    Robert Nilsson, Linus Klasen und bestimmt noch weitere werden da wohl nicht zustimmen :)
  • DingoAteMyBaby 06.03.2017 16:43
    Highlight Highlight Ach ich kann das einfach nicht mehr lesen. Das Eis wird dann in einer vermeintlichen Ligaqualifikation sprechen. Ambri wird wohl nicht kampflos untergehen und glaub mir das Feuer wird bis zum letzten brennen und hoffentlich deine Prognose in Asche verwandeln.

    Fino alla morte!
  • Paradiddle 06.03.2017 16:34
    Highlight Highlight 15 Tore!😂😂
  • MARC AUREL 06.03.2017 16:31
    Highlight Highlight Hoffentlich fällt Ambri!!! Dieser Verein macht Jahr für Jahr nur Schulden und sportlich überzeugen sie schon lange nicht mehr!
    • Lumina 07.03.2017 16:23
      Highlight Highlight Bin zwar absolut kein Ambri-Fan, aber deine Meinung unterstütze ich hier keineswegs!

      Ein Kultklub wie Ambri, gehört nicht ins B, nur schon der immer äusserst intensiven Tessiner-Derbys wegen, da würde der NLA in Zukunft ein ganzes Stück Geschichte fehlen.
    • MARC AUREL 07.03.2017 19:14
      Highlight Highlight 75 likes, viele sind einverstanden. Schliesslich geht es nicht um die Kultstatus oder wieviele Zuschauer man als Klub hat... wenn sie absteigen dann weil sie es verdient haben!

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