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Olympia: Eröffnungsfeier mit Stil und Eleganz statt Spektakel und Pomp

GIOCHI OLIMPICI - Olimpiadi Invernali Milano-Cortina 2026 - Opening Ceremony Vittoria Ceretti carries the Italian flag during the Opening Ceremony of the Olympic Winter games, Winterspiele,Spiele, Sum ...
Ein Highlight: Wie die italienische Flagge ins Stadion kommt.Bild: www.imago-images.de
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Eine magische Eröffnungsfeier mit Stil und Eleganz statt Spektakel und Pomp

Mailand hat die Magie in die Eröffnungsshow der Olympischen Winterspiele zurückgebracht. Die beste Eröffnungsfeier des 21. Jahrhunderts.
07.02.2026, 00:0507.02.2026, 00:09
Klaus Zaugg, Mailand

Ach, endlich einmal einfach ein schönes Schauspiel. So viel Musik, so viele Farben, so viel Eleganz, so viel Romantik, aber auch so viel Perfektion und so wenig Pathos und Politik war im 21. Jahrhundert noch nie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.

Ausgerechnet das nicht ganz ausverkaufte San Siro wird zur Bühne der gelungensten Eröffnungsfeier der Moderne: Eine der Ironien, die nur der Sport – oder die Kunst – zustande bringen. Ausserhalb der Stadien weht hier in Mailand kein olympischer Geist. Die Spiele sind da – und zugleich nicht. Sie sind integriert, verschluckt, eingeordnet in einem Grossraum, in dem fast so viele Menschen leben wie in der Schweiz.

Ausgerechnet hier wird das Zersplitterte zusammengefügt. Diese Spiele, die sich über Berge, Täler und Städte verteilen wie noch nie in der olympischen Geschichte finden für einen Abend zu einer gemeinsamen Sprache. Das Archipel Olympia wird – wenigstens symbolisch – zusammengebunden. Nicht durch Reden, sondern durch Bilder.

Die modernen Bildermaschinen erledigen den Rest: Sie montieren Mailand, Cortina, die Alpen, die fernen Austragungsorte zu einem einzigen visuellen Atemzug. Selbst der alte Baron Pierre de Coubertin, Romantiker alter Schule und Begründer der Spiele, hätte wohl milde gelächelt und den Verlust des traditionellen Flairs der Spiele an einem einzigen Ort verziehen – weil hier etwas anderes gewonnen worden ist.

Das martialische San Siro, diese Kathedrale des Fussballs, verwandelt sich für einen Abend von Beton in Bühne. Italien zeigt sich – und zwar so, wie es sich selbst am liebsten mag: kultiviert, verspielt, selbstbewusst, aber ohne erhobenen Zeigefinger und einschüchternden Patriotismus. Keine Machtdemonstration, kein nationales Muskelspiel. Stattdessen Farben, Gesang, Musik, Bewegung, Harmonie.

epa12710787 Artists perform during the Opening Ceremony of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic Games at the San Siro Stadium, in Milan, Italy, 06 February 2026. EPA/MOURAD BALTI TOUATI
Ein Hingucker: Die schwebenden Farbtuben.Bild: keystone

Tänzerinnen und Tänzer in zeitlos elegantem Weiss schweben durch den Raum, umkreisen Skulpturen aus dem 18. Jahrhundert, als sei die Arena für einen Abend zum Museum zu Ehren von Antonio Canova geworden. In einem Land mit jahrtausendealter Geschichte wirkt das nicht wie Nostalgie, sondern wie Selbstverständlichkeit.

Die Musik erzählt weiter. Mariah Carey singt «Nel blu, dipinto di blu» (Volare), das wohl bekannteste Lied Italiens. Die übergrossen Köpfe der Opern-Titanen Verdi, Puccini und Rossini erscheinen als Pappfiguren auf den Körpern zu moderner Musik tanzender Figuren. Hochkultur trifft Pop, Vergangenheit trifft Gegenwart – nicht im Konflikt, sondern in Harmonie.

Selbst ein Hauch Mystik darf nicht fehlen: die Beschwörung der Natur, wilde Geigenklänge, gespielt – natürlich – auf einer Stradivari. Klischee? Vielleicht. Aber eines mit Stil.

Singer Mariah Carey performs during the Olympic opening ceremony at the 2026 Winter Olympics, in Milan, Italy, Friday, Feb. 6, 2026. (AP Photo/Natacha Pisarenko)
Milan Cortina Olympics Opening Ceremon ...
Mariah Carey sang italienisch.Bild: keystone

Die Choreografien sind entschleunigt, tastend, beinahe fragil. Diese Eröffnungsfeier erklärt nichts. Sie behauptet nichts. Sie will niemanden überzeugen. Sie zeigt – und vertraut darauf, dass das reicht. Und es reicht. Weil sie Gemüt und Seele berührt, ohne zu bedrängen.

Kaum jemand im Stadion oder vor den Bildschirmen ahnt, welcher Aufwand hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit steckt: 1300 Mitwirkende aus 27 Ländern, fast 1000 Technikerinnen und Techniker, über 500 Musikerinnen und Musiker, 1400 eigens genähte Kostüme, 4,5 Tonnen verwendetes Metall. Zahlen, die man vergisst, sobald die Bilder wirken.

Der Höhepunkt kommt leise und gross zugleich: die italienische Flagge. Farben und Eleganz wie selten zuvor. Das edle Tuch wird in die Arena gebracht, umrahmt von drei langen Reihen Models, gekleidet in Armani-Anzüge in den Nationalfarben. Eine Hommage an Giorgio Armani, der vor seinem Tod im Jahr 2025 noch an dieser Inszenierung mitgewirkt hat.

Mode wird hier nicht zur Dekoration, sondern zur Sprache. Kein olympischer Prunk. Das ist italienische Zurückhaltung auf höchstem Niveau. Oder ganz einfach: Stil.

Dieser magische Abend wird vergehen. Der Alltag wird zurückkehren, die Spiele zum Hintergrundgeräusch, zu Randnotizen zwischen Arbeit, Verkehr und Abendessen. Nicht einmal die Schlussfeier bleibt hier. Das San Siro wird wieder für den Fussball gebraucht, der hier wichtiger ist als Olympia.

Die letzte Zeremonie der Spiele, die Schlussfeier, geht in Verona über die Bühne. Vielleicht passt auch das. Denn diese Eröffnungsfeier war ein schöner, flüchtiger Moment zum Innehalten in einer Welt, die schon ein wenig aus den Fugen geraten ist. Und gerade deshalb so kostbar.

Die Eröffnungsfeiern der Winterspiele im 21. Jahrhundert

2002 – Salt Lake City

Betont wird die Geschichte und Kultur des amerikanischen Westens und die nationale Einheit nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Besonders emotional ist das Einziehen der Flagge, die aus den Trümmern des World Trade Centers geborgen worden war. Die Feier verbindet patriotische Töne mit traditionellen olympischen Elementen.

2006 – Turin

Im Mittelpunkt stehen italienische Kunst, Oper und modernes Design. Die Show kombiniert klassische Kultur mit industrieller Ästhetik und setzte stark auf Symbolik rund um Feuer und Leidenschaft. Italien präsentiert sich als Brücke zwischen Tradition und Moderne.

2010 – Vancouver

Die Feier stellt die Natur Kanadas und die Kultur der indigenen Völker in den Vordergrund. Moderne Technik, Projektionen und eine offene Stadionarchitektur prägen das Bild.

2014 – Sotschi

Russland präsentiert eine opulente, geschichtliche Inszenierung des russischen Imperialismus von der Zarenzeit bis zur Moderne. Die Feier ist geprägt von Patriotismus, grossflächigen Choreografien, Ballett und technischer Perfektion. Eine Machtdemonstration.

2018 – Pyeongchang

Die Eröffnung verbindet koreanische Mythologie mit moderner Popkultur und Technologie. Besonders bedeutsam ist der gemeinsame Einzug nord- und südkoreanischer Delegation. Ein starkes Zeichen für Frieden und Dialog.

epa06508639 Fireworks light the stadium during the Opening Ceremony of the PyeongChang 2018 Olympic Games at the Olympic Stadium, Pyeongchang county, South Korea, 09 February 2018. EPA/VASSIL DONEV
Bild: EPA/EPA

2022 – Peking

Die Zeremonie ist bewusst minimalistisch und stark visuell geprägt. Schnee, Eis und digitale Effekte stehen symbolisch für Nachhaltigkeit und Zukunft. Politische Symbolik und internationale Spannungen begleiteten die ansonsten sehr präzise Inszenierung.

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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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c_meier
07.02.2026 01:47registriert März 2015
Sommer als Co-Kommentator hätte man wohl weglassen können. Stattdessen wäre ein langjähriger Italien-Korrespondent, welcher das Land besser kennt als nur von Fussball-Stadien besser gewesen als Co-Kommentator
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Tom974
07.02.2026 01:04registriert November 2022
Das war eine wunderschöne Eröffnungsfeier. Ich hätte nicht gedacht, dass ich die mit so viel Aufmerksamkeit verfolgen werde.
Nicht langweilig, nicht überladen, keine zu langen Reden.
Schöne Farben. Harmonisch. Abwechslungsreich.
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Kommentar*innen
07.02.2026 04:40registriert Juni 2018
Und JD Vance wurde ausgebuht im Stadion. Grossartig 👏🏻. Und ein Tag zuvor gabs „No ICE“ Proteste vor dem Stadion, wo Vance das Spiel des US Frauen Hockey Teams schaute. Grandios. So muss das sein, dass diese Dumpfbacken endlich merken, dass ihr besch*** Verhalten nicht goutiert wird.
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