Wer Julius Honka als Verteidiger verpflichtet, bekommt einen Stürmer. So war es zumindest, bis er im letzten Sommer zum HC Davos gewechselt hat. Betrachten wir erst einmal seinen Werdegang und dann verstehen wir ein wenig, warum er eigentlich ganz gut zu den Lakers passt. 2014 sichert sich Dallas die Rechte am Finnen im NHL-Draft bereits in der ersten Runde (Nr. 14). Die Scouts sagen, der Himmel sei die Limite seines Offensivspiels, lobpreisen seine Spielintelligenz, seine Passqualität, seine Beweglichkeit, seine Schusstechnik – kurzum alles, was im Hockey gerühmt werden kann. Zwischen 2014 und 2021 bleibt es allerdings bei 87 NHL-Spielen (13 Punkte). Der Erstrunden-Draft war also ein Irrtum. Er ist halt für die NHL auch zehn Zentimeter zu klein und zehn Kilo zu leicht.
Nach zwei guten Jahren in Schweden kommt er 2023 nach Bern und wieder sind die Erwartungen himmelhoch. Auch dieser Transfer erweist sich als Irrtum. Trotz recht guter Statistik (25 Spiele/12 Punkte) wird er vorübergehend zu Servette abgeschoben und nach der Rückkehr sitzt er beim SCB bei 3 der 7 Viertelfinalpartien gegen Zug auf der Tribüne. Der spielerische Freigeist und Schillerfalter Julius Honka und der gestrenge taktische Zuchtmeister Jussi Tapola – das sind Elemente wie Feuer und Wasser. Der Trainer bleibt, der taktisch ungehorsame Verteidiger muss trotz eines noch ein Jahr laufenden Vertrages gehen und wird vom HCD übernommen.
In Davos oben verläuft er sich zum ersten Mal nicht mehr im Niemandsland zwischen offensivem Genie und defensivem Wahnsinn. Er ist aktuell der produktivste HCD-Verteidiger und kein defensiver Hallodri: Er weist keine Minus-Bilanz auf. Die Davoser hätten ihn gerne behalten. Aber er hat bereits offiziell mitgeteilt, dass er seine Karriere bei einem anderen Klub fortsetzen wird. Er hat nur noch nicht gesagt, wo.
Und da kommen die Gewährsleute aus dem Land der Rentiere und Elche ins Spiel. Sie melden: Julius Honka habe sich längst mit Lakers-Sportdirektor Janick Steinmann geeinigt. Eine offizielle Bestätigung ist nicht erhältlich und bevor ein Transfergerücht trotzdem verbreitet wird, ist denn doch die Überlegung erforderlich: Kann das sein?
Nun, der Transfer wäre logisch. Das Spiel der Lakers, nordisch geprägt, ist recht gut strukturiert und ein wenig offensive Unberechenbarkeit an der offensiven blauen Linie könnte das Spektakel befeuern und den Unterhaltungswert erhöhen. Bei den Liga-Titanen ZSC Lions, Lausanne, Servette, Zug oder SC Bern wird er so oder so keinen Vertrag bekommen – warum also nicht zu den Lakers? An einen Ort mit formidabler Lebensqualität und sicherlich mehr spielerischen Freiheiten auf dem Eis als bei einem absoluten Spitzenteam. Er ist 29 und in Rapperswil-Jona lockt eigentlich ein goldener Karriere-Herbst.
Das Gerücht mag überraschend sein. Es ist aber so logisch, dass der Chronist der Meinung ist, er dürfe es verbreiten. Und sollte das Gerücht nicht stimmen, wird er schon eine gute Ausrede finden, warum seine Gewährsleute für einmal falsch lagen.