Roman Josi – der Beckenbauer des Hockeys
Roman Josi? Sein göttliches Talent entdeckt als erster und vor allen anderen SCB-Trainer John Van Boxmeer im Herbst 2006. Als noch (fast) niemand in unserem Hockey den Namen des späteren NHL-Titanen kennt. Roman Josi ist 16, schmal, fast unauffällig. Der SCB-Bandengeneral ist hingerissen. «F… great.» Sprachliche Feinmechanik war nie seine Kernkompetenz. Aber ein Auge für Talente hatte er schon damals. Nach seiner Trainer-Karriere wird er als Scout arbeiten.
Zwanzig Jahre sind seither vergangen. Roman Josi ist heute nicht nur einer der besten Verteidiger der Welt und das Gesicht einer Organisation in der wichtigsten Liga. Er ist in Nashville Captain, Fixstern, Kompass. Einer, an dem sich alles ausrichtet.
Nicht Einschüchterung und Wucht prägten sein Spiel. Sondern Präsenz, Eleganz und Dominanz. Ein Franz Beckenbauer des Hockeys. Einer, der nicht zerstört, sondern ordnet und kreiert. Und der – um beim Fußball zu bleiben – aus der Tiefe des Raumes kommt wie einst Günter Netzer. Inzwischen seit tausend Spielen.
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Roman Josi ist ein Glücksfall für Nashville – und Nashville ein Glücksfall für Roman Josi. Diese Stadt ist eine Welt für sich. Die Marketingabteilungdes Klubs pflegt das Image der rauen Kerle: «Welcome to Smashville». Doch die Härte bleibt kontrolliert, beinahe brav. Sie ist weit entfernt vom bösen Haudegen-Hockey. Es ist Roman Josis Glück, dass er im «Langnau der NHL» gelandet ist. Nashville zählt rund 600'000 Einwohner. Für amerikanische Verhältnisse eine Kleinstadt. Und hier fühlt sich ein Berner seit 1000 Spielen zuhause. Diese Marke zu brechen und ausschliesslich für einen Klub zu spielen, haben in der Geschichte der NHL (seit November 1917) erst wenige Spieler geschafft. Darunter Legenden wie Steve Yzerman für Detroit, Patrice Bergeron für Boston, Sidney Crosby für Pittsburgh, Alex Owetschkin für Washington, Steven Stamkos für Tampa und Anze Kopitar für die Kings.
Roman Josi wird bis 2028 über achtzig Millionen Dollar verdient haben. Der Reichtum hat seine Seele nicht berührt. Er bleibt leise, freundlich, demütig, bescheiden, gelassen. Keine Spur von Arroganz. So sind die ganz Grossen. Sie tragen ihre Bedeutung wie einen gut geschnittenen Mantel: elegant, wärmend, unaufdringlich.
Roman Josi ist nach Nino Niederreiter der zweite Schweizer, der die Schallmauer von tausend NHL-Spielen durchbricht, Niederreiters 1000 Spiele verteilen sich auf fünf Klubs: die Islanders, Minnesota, Carolina, Nashville – hier war er eine Saison (2022/23) Josis Teamkollege – und Winnipeg. In ihrer bodenständigen, bescheidenen Art sind sie sehr ähnlich, auf dem Eis aber völlig verschieden. Niederreiter ist der Powerstürmer, der sich ins Spiel hineinschmirgelt. Verteidiger Josi umarmt es als Dominator über Zeit und Raum. Der eine wie Sandpapier, der andere wie Seide. Wer ist nun der Grösste unserer Geschichte? Nino Niederreiter oder Roman Josi?
Die Frage ist respektlos. Wir verneigen uns vor zwei Spielerpersönlichkeiten, die mit ihrem Auftreten neben dem Eis noch mehr für das Ansehen unseres Hockeys tun als mit Toren und Assists auf dem Eis.
