Ein neuer Trainer-Name in der grossen Hockey-Oper Ambri
Die wohl aufregendsten, besten Jahre Ambris mit Sportchef Paolo Duca und Trainer Luca Cereda sind in einem stürmischen Herbst zu Ende gegangen. Vom Winde verweht, sozusagen. Neun Jahre voller Dramen und Triumphe, des Gewinns des Spengler Cups 2022 und des Baus des neuen Hockey-Tempels auf dem alten Militärflugplatz. Mit einem Sportchef und einem Trainer aus den eigenen Reihen. Noch nie in der Neuzeit war der Mythos Ambri so lebendig.
Das Ende dieser «Belle Epoque» ist so, wie es zu Ambri gehört: Voller Irrungen und Wirrungen. Die Frage, die nun alle umtreibt: Wie geht es weiter? Die alten Gewissheiten – Filippo Lombardi präsidiert, Paolo Duca managt und Luca Cereda coacht – sind nicht mehr. Sicher ist nur: Der Mythos Ambri ist stärker als das sportliche und sonstige Chaos.
Eric Landry und René Matte haben nach dem Rücktritt von Luca Cereda die Mannschaft übernommen und hätten sie bis zum Ende der Saison in den sicheren Hafen des Ligaerhalts geführt. Beide Kanadier, zuvor Ceredas treue Diener, mussten inzwischen gehen. Gefeuert vom neuen Sportchef Lars Weibel, der zugleich bis zu seinem offiziellen Amtsantritt am 1. Juni auch noch als Sportdirektor des Verbandes amtet.
Lars Weibel hat im Rahmen seiner legendären Antritts-Medienkonferenz (bis zum offiziellen Amtsantritt am 1. Juni darf er sich nicht mehr zu Wort melden) ausdrücklich betont, er wolle in Ambri einen Schweizer Trainer installieren. Warum er nun bis Saisonende die Verpflichtung des gescheiterten SCB-Trainers Jussi Tapola und dessen Kumpel Pasi Puistola angeordnet hat, gehört zu den Mysterien Ambris. Unter dem neuen finnischen Kommando bodigt Ambri zwar gleich den Erzrivalen Lugano (3:2). Aber zwei Tage später ist die neue Herrlichkeit nach einem 3:6 in Langnau schon wieder verflogen. Die Gefahr ist erheblich, dass es am Ende für das finanziell darbende Ambri heissen wird: Ausser viel Spesen nichts gewesen.
Aber was ist nun mit einem Schweizer Trainer für die nächste Saison? Wenn sich Lars Weibel bei der Trainerwahl irrt, wird seine Position bereits unhaltbar, bevor er sich in der Leventina eingelebt hat. Bei all den Namen, die herumgeboten werden, ist einer ganz besonders interessant und bedarf besonderer Erwähnung. Patrick Schöb. Weil nicht zu teuer, weil Schweizer, weil dazu fähig, als Bandengeneral ein Team zu führen, sofern er gute Assistenten um sich hat, weil ähnlich gut mit Lars Weibel verbunden wie einst Luca Cereda mit Paolo Duca und weil mit langjähriger Erfahrung auch als Junioren-Nationaltrainer. Seit dieser Saison ist er hochgeschätzter Assistent in Bern. Nach der Entlassung von Jussi Tapola coachte er den SCB bis zur Ankunft von Heinz Ehlers in Zürich (3:7) und einen Tag später in Bern zu einem grandiosen 2:1-Sieg im Derby gegen Langnau.
Er kann also auch Derby, hat allerdings einen weiterlaufenden Vertrag in Bern. Aber SCB-Untersportchef Diego Piceci sagt: «Wenn er eine Chance als Cheftrainer bekommt, dann werden wir eine Lösung finden.» Und auch Obersportchef Martin Plüss ist der gleichen Meinung. Mit 39 ist Patrick Schöb zwei Jahre älter als damals Luca Cereda beim Amtsantritt in Ambri. Die sportliche Führung in Bern bestätigt auch, dass man von Lars Weibels regem Interesse an Patrick Schöb Kenntnis habe. Konkrete Gespräche habe es jedoch noch keine gegeben.
Patrick Schöb als Cheftrainer bei Ambri? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Vorerst einfach bloss ein weiterer Name in Ambris grosser Hockey-Oper. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Zwar ist es logisch, dass sein Name jetzt genannt wird. Aber was ist inzwischen noch logisch in Ambri? Wer hätte denn im letzten Herbst gedacht, dass Paolo Duca und Luca Cereda schon im Oktober nicht mehr im Amt sind, der Vertrag von Captain Daniele Grassi gleich um vier Jahre verlängert wird, der grosse Vorsitzende Filippo Lombardi nach 17 Jahren das Handtuch wirft, im Januar SCB-Trainer Jussi Tapola das Kommando übernimmt und mit Verbandssportdirektor Lars Weibel ein ehemaliger Lugano-Goalie die sportlichen Fäden zieht?
Nur eines darf erwartet werden: Dass Filippo Lombardi im Rahmen der Aktionärsversammlung am 8. Februar die lebenslängliche Würde eines Ehrenpräsidenten verliehen wird. Er hat es verdient. Und es bedeutet ihm sehr viel.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
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