Sport
Eismeister Zaugg

Klaus Zaugg: Simon Knak wechselt zum ZSC – eine Niederlage für Bern

epa12135627 Switzerland's Simon Knak (#8) during the IIHF Ice Hockey World Championship final match between Switzerland and the USA at Avicii Arena in Stockholm, Sweden, 25 May 2025. EPA/Magnus L ...
Simon Knak stürmt in der nächsten Saison für die ZSC Lions.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Wieder eine Transfer-Niederlage – das grösste Problem hat der SCB neben dem Eis

WM-Silberheld Simon Knak wechselt zu den ZSC Lions und nicht nach Bern. Transferniederlage reiht sich an Transferniederlage. Der SC Bern hat ein Sportchefproblem. Es ist wieder einmal Zeit für eine kleine Polemik.
29.09.2025, 14:0429.09.2025, 16:49

Sandro Aeschlimann bleibt lieber in Davos. Ludovic Waeber zügelt nach Fribourg und nicht nach Bern. Ken Jäger wechselt von Lausanne nach Davos und nicht nach Bern. Dominik Egli wird neuer Verteidigungsminister in Davos und nicht in Bern. Simon Knak hat bei den ZSC Lions unterschrieben und nicht in Bern. Der letztjährige Liga-Topskorer Austin Czarnik stürmt inzwischen für Lausanne, weil ihn die Berner auf später vertrösteten, als er verlängern wollte. Der einzige Erfolg an der Transferfront: Dario Rohrbach stürmt ab nächster Saison beim SCB.

Allerdings wollte kein anderer Klub das Vierjahres-SCB-Angebot für einen Spieler überbieten, der erst eine einzige gute Saison vorzuweisen hat. Und es ist ein in SCB-Kreisen gerne erzähltes Märchen, die Rückkehr von Ludovic Waeber nach Fribourg sei immer eine klare Sache gewesen und da habe man nichts machen können. Das Gegenteil ist wahr: Waeber stand vor der Vertragsunterschrift beim SCB. Aber die Berner waren ein wenig saumselig, unterschätzten die Situation und drückten zu wenig energisch auf die Unterschrift. Fribourgs Sportdirektor Gerd Zenhäusern konterte die Offerte gerade noch rechtzeitig und machte den Stich im Transferjass.

Eine amüsante Episode aus diesen Tagen mag zeigen, warum der SCB so viel Mühe hat auf dem Transfermarkt. Der Agent eines Nationalspielers mit auslaufendem Vertrag testet den Markt und erkundigt sich am letzten Donnerstag per SMS bei SCB-Obersportchef Martin Plüss. Am Samstag geruht sich der Obersportchef zurückzurufen und teilt mit, er habe die Angelegenheit an Untersportchef Diego Piceci delegiert. Der werde sich melden. Am Montag wartete der Agent noch immer auf einen Anruf.

Der betreffende Nationalspieler ist zwar kein WM-Silberheld und sein Wechsel zu Bern würde die Hockeylandkarte nicht neu zeichnen. Aber mit seiner Spielweise würde er zur alten SCB-Kultur passen (weniger zur neuen Schablonen-Kultur) und wäre in jedem Fall eine wertvolle Ergänzung.

Es ist letztlich unerheblich, ob in dieser Sache noch etwas geht. Der SCB muss ohnehin seine Kräfte auf einen «Blockbuster-Transfer» konzentrieren, um endlich das Signal zu senden: «Wir sind auch noch da.» Eigentlich müsste der SCB alles daransetzen, Fribourg den offensiven Leitwolf Sandro Schmid auszuspannen. Und immerhin gibt es nach wie vor ein paar Spieler, für die der SCB doch noch interessant ist. Weil sie bei den ZSC Lions, Lausanne, Davos oder Servette nicht mehr ganz zuoberst auf der Liste stehen. Es wäre beispielsweise eine weitere SCB-Transferniederlage, wenn Nico Gross in Davos verlängert und Tyler Moy oder Jonas Taibel nicht nach Bern wechseln. Geld lagert in den SCB-Geldspeichern genug.

Die vorgängig erwähnte Episode zeigt, dass die Berner immer noch nicht vom hohen Ross heruntergestiegen sind, auf das sie nach drei Titeln in vier Jahren gestiegen sind. Sie haben noch nicht vollumfänglich realisiert, dass sie nicht mehr eine der ersten Adressen im Land sind.

Ein rühriger Sportchef hätte sich längst beim erwähnten Agenten nach dem Stand der Dinge erkundigt. Es ist bekannt, dass der bisherige Arbeitgeber des betreffenden Nationalspielers eine Verjüngung anstrebt und den Vertrag nicht verlängern wird.

Berns Spieler sind enttaeuscht im Spiel der Eishockey National League zwischen SC Bern, SCB, und EHC Kloten, EHCK, vom Freitag, 26. September 2025 in Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneid ...
Sportlich läuft es beim SC Bern aktuell auch nicht.Bild: keystone

Ein tüchtiger Sportchef erkundigt sich laufend im Markt über Spieler, auch über solche, die er am Ende des Tages gar nicht zu verpflichten gedenkt. Damit er den Puls des Marktes spürt. Damit er weiss, was wo läuft und wer wo nicht mehr glücklich ist. Damit er besser einschätzen kann, welche Löhne hier und dort angemessen sind. Sportchef ist kein Job. Ein Sportchef übernimmt eine Mission. Eine Aufgabe, die gerade in den Monaten, in denen die Transfer-Würfel fallen, ein Engagement von 24 Stunden am Tag und notfalls auch noch in der Nacht erfordert.

Es scheint, dass sich diese Berufsauffassung beim SCB noch nicht vollumfänglich durchgesetzt hat und möglicherweise von ganz oben nach wie vor zu wenig energisch eingefordert wird. Obwohl sich ja zwei überaus tüchtige, fähige und respektable Spezialisten den Sportchef-Job teilen und die Belastung untereinander ausjassen können. Ende der Polemik und nüt für Unguet.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Hockey haut dich um!
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.

Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
TV24 Logo 3plus Logo
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 14
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Wie dubiose Berater die Hoffnung und Naivität des deutschen Shootingstars ausnutzten
Mit 18 Jahren stand Younes Ebnoutalib noch bei einem Sechstligisten unter Vertrag, dann ging er einem dubiosen Scout auf den Leim. Es folgte ein Albtraum, aus dem der deutsche Nationalspieler nur mit Glück herauskam – doch dann konnte er endlich durchstarten.
Als Younes Ebnoutalib von Jürgen Klopp erfuhr, dass er erstmals Teil des deutschen Nationalteams sein werde, befand sich der junge Stürmer gerade auf dem Sportplatz. «Weil ich trainingsfrei hatte», erklärt er. Nach dem Telefonat mit dem Bundestrainer seien ihm dann die Tränen gekommen. «Ich habe darüber nachgedacht, wo ich noch vor ein paar Jahren war», sagt Ebnoutalib, der am heutigen Donnerstag gegen die Niederlande (20.45 Uhr) sein Länderspieldebüt geben könnte. «Das zeigt mir, dass sich die ganze harte Arbeit und das Durchziehen gelohnt haben.»
Zur Story