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Eismeister Zaugg

Olympia 2026: Hockey-Nati-Pleite gegen Finnland war vermeidbar

Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, looks disappointed as they leave his bench after the second period, during the men's group A preliminary round game between Ca ...
Hat Patrick Fischer doch nicht alles richtig gemacht?Bild: keystone
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Kein Grund zu Polemik nach dem Finnland-Drama? Doch, es gibt schon Gründe …

Hätte es auch anders kommen können? Hätten wir den Viertelfinal gegen Finnland gewinnen können? Solche Fragen haben den Chronisten nicht ruhen lassen. Und es gibt eine polemische Antwort: Ja, es hätte, wenn…
19.02.2026, 16:4119.02.2026, 16:41
klaus zaugg, mailand

Der Chronist hält nichts von all den modernen Statistiken. Sie taugen nur zur Ausrede für Sportchefs und Trainer. Statistiken lassen sich notfalls so uminterpretieren, dass Ajoie eigentlich einen sicheren Playoffplatz haben müsste.

Was zählt, ist etwas anderes: Behält der Coach in der alles entscheidenden Phase den Überblick und trifft er die richtigen Entscheidungen? Tun die Spieler in der alles entscheidenden Phase das richtige? Manchmal reduziert sich alles auf ein paar Sekunden und eine einzige Entscheidung. In ein paar Sekunden geht verloren, was zuvor in wochenlanger Aufbauarbeit geleistet, was zuvor 59 Minuten lang perfekt umgesetzt worden ist. Eishockey ist ein Spiel, das von Fehlern lebt. Nach dem Grundsatz: Ein Tor macht der Gegner, weil er gut ist, eines, weil er Glück hat und eines, weil wir einen Fehler machen.

Ein erfahrener Kenner, der über Hockey, in der NHL und weltweit, schon mehr vergessen hat als der Chronist je gewusst hat, ist auch hier in Mailand. Sein Name spielt keine Rolle. Namen sind im Hockey sowieso nur auf das Leibchen genähte Buchstaben.

Die Frage geht also an diesen Veteranen, der auch ein tüchtiger Bandengeneral war. Hätten die Schweizer die Schlussphase überstehen können? Die überraschende Antwort: Ja, sie hätten. Und er erklärt mir ausführlich, wie es hätte gelingen können. Ja, wie es hätte gelingen müssen.

Erstens gehört in diesen letzten Sekunden – die Finnen haben den Torhüter durch einen 6. Feldspieler ersetzt – Nino Niederreiter aufs Eis. In Winnipeg kommt er praktisch immer zum Zug, wenn es in solchen Situationen einen Vorsprung zu verteidigen gilt. Er hat von allen Schweizern am meisten Erfahrung in einer solchen kritischen Phase auf dem kleinen Eisfeld und es spielt keine Rolle, dass er wohl nicht ganz hundertprozentig fit war. Wasserverdrängung, Schlauheit, Erfahrung und Durchsetzungsvermögen zählten. Er hätte die Scheibe aus dem Drittel gebracht. Er stand nicht auf dem Eis. Das 2:2 kassierten Jonas Siegenthaler, Andrea Glauser, Calvin Thürkauf, Pius Suter und Sandro Schmid.

Switzerland's Jonas Siegenthaler (71) challenges for the puck Finland's Mikko Rantanen (96) during a men's ice hockey quarterfinal game between Finland and Switzerland at the 2026 Winte ...
Jonas Siegenthaler machte gegen Finnland einen entscheienden Fehler.Bild: keystone

Zweitens hat der erfahrene NHL-Haudegen Jonas Siegenthaler eine falsche Entscheidung getroffen. Sie kostet den Sieg. Es gibt eine ewige Wahrheit und eiserne Regel: Wer unbedrängt an die Scheibe kommt, wenn der Gegner den Goalie rausgenommen hat, muss sie aus dem Drittel hinausspedieren, auch von hinter der verlängerten Torlinie aus. Notfalls einfach hoch hinausflippen. Immer. Dann gibt es entweder ein Tor und alles ist entschieden oder halt ein Icing. Aber niemals einen Pass versuchen. Aber genau das hat Jonas Siegenthaler gemacht und versucht, Calvin Thürkauf anzuspielen. Die Finnen haben den Puck zurückerobert und zum 2:2 getroffen.

Hätten die Schweizer also das Spiel gewinnen müssen? So gesehen – ja. Ist das Spiel auch an der Bande verloren worden, weil Nino Niederreiter nicht aufs Eis geschickt worden ist? So gesehen ja. Ist Patrick Fischer ein brillanter Nationaltrainer, aber kein schlauer «Benchboss»? So gesehen – ja.

Switzerland's Nino Niederreiter (22) is challenged by Olli Maatta (3) during a men's ice hockey quarterfinal game between Finland and Switzerland at the 2026 Winter Olympics, in Milan, Italy ...
Hätte Nino NIederreiter in der entscheidenden Phase aufs Eisgehört?Bild: keystone

Aber es gibt noch eine weitere Sicht der Dinge, die der Wahrheit eher näherkommt: Die Schweizer haben die Partie nicht in der Schlussphase verloren. Nicht in der Defensive. Nicht durch die zwei vorgenannten Punkte. Sie haben es zwei Drittel lang verpasst, ein weiteres, ein drittes Tor zu erzielen. Das 3:0 wäre die Entscheidung gewesen und das Drama in der Schlussphase hätte nicht stattgefunden. Die Partie ist in der Offensive verloren worden.

Und noch etwas: Die Spielweise der Schweizer war in der Schlussphase zu passiv. Aber nicht gewollt: Wenn der Gegner über vier Linien mit NHL-Titanen verfügt, wenn permanent NHL-Titanen Druck machen, dann sind die Energietanks der Schweizer einmal nicht mehr gut gefüllt.

Ja, es hätte anders kommen können. Aber das ändert nichts am Fazit: Alles richtig gemacht – und trotzdem verloren. Freispruch für Patrick Fischer.

P.S. Die Espressi bei der Unterhaltung mit dem Kenner, dessen Name nichts zur Sache tut, hat der Chronist bezahlt.

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quelle: keystone / ennio leanza
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