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Yann Sommer ist seit 2014 die unbestrittene Nummer 1 im Schweizer Tor.
Yann Sommer ist seit 2014 die unbestrittene Nummer 1 im Schweizer Tor.Bild: keystone
EM-Countdown

Yann Sommer vor dem EM-Start: «Wir können mit den Grossen mehr als nur mithalten»

Yann Sommer ist seit Beginn der Ära von Nationalcoach Vladimir Petkovic Stammtorhüter der Schweizer Mannschaft. Im Gespräch mit den Medien redet der 32-jährige Zürcher über die letzten beiden Endrunden, spricht über seine Zukunft als Nationalgoalie und erklärt, weshalb die Schweiz an der EM 2021 einen guten Weg gehen kann.
11.06.2021, 09:48

Yann Sommer, am Samstag steigen Sie zum dritten Mal als Schweizer Stammkeeper in eine Endrunde. An welche Paraden aus den ersten beiden Turnieren erinnern Sie sich besonders gerne?
Yann Sommer:
Die beiden Paraden in der Schlussphase des ersten EM-Spiels in Frankreich gegen Albanien waren sehr wichtig. Aber meine Lieblingsparaden für die Schweiz sind nicht von einer EM oder WM. Es sind die beiden gehaltenen Penaltys von Sergio Ramos im letzten Herbst.

«Unsere Mentalität hat sich weiterentwickelt. Wir können auch mit den Grossen mehr als nur mithalten.»

Stichwort Albanien: Im Vergleich zu den Gruppenspielen in Frankreich und Russland stehen diesmal keine politisch brisanten Duelle auf dem Programm. Merken Sie dies in der Vorbereitung?
Die Vorbereitung ist deswegen nicht anders. Aber klar, es war für einzelne Spieler vor fünf Jahren speziell, gegen Albanien zu spielen. Für Granit Xhaka etwa war es ein Duell gegen den eigenen Bruder. An der WM hatten wir aufgrund der Vorkommnisse gegen Serbien eine schwierige Phase erlebt. Das ging nicht spurlos an uns vorbei, und dann verloren wir gegen einen Gegner im Achtelfinal, den wir auch hätten schlagen können.​

Nach dem Achtelfinal-Aus an der WM 2018 waren die Schweizer enttäuscht. Die Schweden hätte man schlagen können, meint Goalie Yann Sommer.
Nach dem Achtelfinal-Aus an der WM 2018 waren die Schweizer enttäuscht. Die Schweden hätte man schlagen können, meint Goalie Yann Sommer.Bild: KEYSTONE

Sind solche Probleme dieses Mal auch deshalb weniger denkbar, weil der Kern der Mannschaft jetzt drei Jahre älter ist?
Die Turniererfahrung kann entscheidend sein. Wie verhält man sich in gewissen Spielsituationen, gerade in K.o.-Spielen? Da hat man mit mehr Routine eher eine Antwort parat. Ich schätze, wir haben mehr Persönlichkeit als bei den letzten Turnieren.​

«Wir haben grosse Ziele und wollen den maximalen Erfolg.»

Wie äussert sich dies?
Ich sage dies, weil wir einzelne Spieler haben, die einen Sprung gemacht haben. Nehmen wir Granit: Er hat sich enorm entwickelt, er ist das Herz der Mannschaft auf dem Platz. An ihm können die anderen wachsen. Wir haben unsere Mentalität weiterentwickelt und in den letzten paar Jahren mehrfach gezeigt, dass wir gegen grosse Teams mehr als mithalten können. Dies spürt man auch bei anderen. Da kann ich etwa auch Remo Freuler nennen, der bei Atalanta Bergamo seit einiger Zeit an der Tabellenspitze mitspielt. Das überträgt sich auf die Leistung im Nationalteam. So etwas kann am Ende entscheidend sein. Alles in allem sind wir sicher weiter als vor drei Jahren in Russland.

Das Herz der Mannschaft: Granit Xhaka.
Das Herz der Mannschaft: Granit Xhaka.Bild: keystone

Dann scheint die Ausgangslage gegeben für den Sprung in den Viertelfinal.
Ich bin kein Fan von solchen Einschätzungen und Prognosen. Ich bin aber überzeugt, dass wir ein gutes Turnier spielen können. Ich traue unserem Team sehr viel zu. Wenn man an eine EM geht, dann will man den maximalen Erfolg. Deshalb haben wir grosse Ziele, wollen aber Schritt für Schritt machen.

Wird die EM 2021 Ihre letzte Chance sein, mit der Schweiz einen Exploit zu schaffen?
Meine Zeit in der Nationalmannschaft geht noch nicht zu Ende. Ich fühle mich gut im Schuss, und solange dies so ist, bleibe ich dabei.​

Gegen Wales werden Sie erstmals seit Monaten wieder vor Publikum spielen. Ändert das etwas an der Kommunikation auf dem Platz?
Es ist ein grosser Unterschied, ob man vor Publikum spielt oder in einem leeren Stadion. In Geisterspielen hört man jedes Wort. Die Kommunikation ist daher einfacher, weil man nicht so laut schreien muss. Aber es ist natürlich viel schöner, vor Fans im Stadion spielen zu dürfen.​

Die Unterstützung der Fans hat Yann Sommer vermisst.
Die Unterstützung der Fans hat Yann Sommer vermisst.Bild: keystone

Sind Sie überhaupt einer, der laut schreit?
Ich brülle nicht umher, wenn es nicht läuft. Aber es darf auf dem Platz schon auch mal laut werden, aber nie negativ. Es geht darum, die Mitspieler zu pushen, sich gegenseitig zu helfen. Da ist die Kommunikation absolut zentral. Wir erfahrenen Spieler versuchen, konstruktiv zu sein. Ich als Torhüter habe wenig Möglichkeiten zur nonverbalen Kommunikation. Gesten sind für mich schwierig, weil die Mitspieler mich im Rücken haben.

In den Stadien kehrt mit den Fans ein Stück Normalität zurück. Die Teams allerdings leben immer noch in den sogenannten Bubbles. Diese Art von Turniererfahrung ist auch für Sie neu.
Klar, die Situation ist wegen Corona speziell, wir haben weniger Ablenkung als sonst. Manchmal spiele ich etwas Gitarre im Hotelzimmer und habe auch schon zusammen mit Loris Benito gesungen. Ausserdem habe ich Bücher dabei. Und wir haben eine gute Stimmung im Team. Deshalb bleiben wir nach dem Essen oft sitzen und plaudern zusammen über Gott und die Welt.

Die Schweizer Erfolgsformel: Elf Freunde sollt ihr sein?
Die Stimmung ist das A und O für eine Mannschaft. Man muss nicht zwingend beste Freunde sein, aber auf dem Platz müssen alle am gleichen Strick ziehen.

(nih/sda)

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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ryuk
11.06.2021 10:35registriert Juli 2016
20-jahre-jubiläums-CH-nati-bullshitbingo:
- können mehr als nur mithalten
- müssen uns nicht verstecken
- alles ist möglich
- ziehen alle am gleichen strick
- wir spielen, um zu gewinnen
- es kann grosse überraschungen geben
- sind auf augenhöhe mit xy
- …
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Seiltänzerin
11.06.2021 13:19registriert Mai 2018
Diese Negativität von uns Schweizer Fans gehört einfach dazu, am Schluss können wir uns so oder so freuen. Entweder weil wir „es ja schon von Anfang an gesagt haben“ oder weil sie gut abschneiden. 😉
Geniessen wie etwas Fussball und das schöne Wetter. 🍻😄
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René Obi
11.06.2021 12:14registriert Oktober 2015
Da meine ich nach wie vor, dass sie vor 3 Jahren Schweden geschlagen hätten, wenn die Schweizer Öffentlichkeit nicht ein derart peinliches "Gschiss" wegen den Doppeladlern gemacht hätte. Wir hätten alle einfach hinstehen sollen und sagen, dass sie recht hatten. So viel Hass über Monate auf sich einprasseln zu lassen, erträgt ja niemand. Aber mit dem Hass, mit dem sie auf einmal auch von Schweizern überhäuft wurden – da hätte ich auch keine Lust mehr gehabt. Professionalität hin oder her. Seit da bin ich definitiv, als Zürcher, Xhaka und Shaqiri Fan. Sogar Lichtsteiner wurde mir da sympathisch.
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