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epa09319035 People watch a broadcast of the UEFA Euro 2020 quarter final soccer match between Switzerland and Spain, at a public space in Bern, Switzerland, 02 July 2021.  EPA/Manuel Lopez

Es ist zum Heulen: Die Schweiz scheitert im Penaltyschiessen an Spanien. Stolz sein dürfen wir trotzdem, finden Medien in ganz Europa. Bild: keystone

«Die Schweiz gewinnt das Spiel der Herzen» – die Pressestimmen zum EM-Aus gegen Spanien

Die Schweiz scheitert im zweiten Penaltyschiessen innert vier Tagen an Spanien. Medien im In- und Ausland loben die starke Vorstellung der Schweizer an dieser EM trotzdem.



«Le Temps»

«Freud und Leiden»

«Liebesgeschichten enden meist schlecht. Sollten wir uns dafür verfluchen, dass wir sie gelebt haben? Die Schweiz verliess die EM am Freitagabend schweren Herzens, nach einem Spiel, das in die Geschichte eingehen wird, allerdings in einem anderen Kapitel als das gegen Frankreich. [...] Vor zehn Jahren wäre die Schweizer Mannschaft an einer Reihe ähnlicher Schicksalsschläge zerbrochen: Xhakas Sperre, Embolos Verletzung, Freulers Platzverweis. Die Nati von vor zwei, drei Jahren hätte 1:0 verloren. [...] Der Sieg gegen Frankreich hatte eine offene und verspielte Schweiz zum Vorschein gebracht. Die Niederlage gegen Spanien stützte sich auf die überlieferten Werte der Selbstaufopferung und Solidarität. [...] Für Spieler und Zuschauer gleichermassen sind diese Sensationen unbezahlbar, denn sie können nicht gekauft werden.»

«Tages-Anzeiger»

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bild: tages-anzeiger

«Die Situation war speziell nach dem Absturz in Rom. Nur vier Tage hatten Trainer und Spieler Zeit, die Gefahr abzuwenden, vor den Trümmern ihrer gemeinsamen Jahre zu stehen. Doch das 3:1 in Baku im letzten Gruppenspiel wurde zur Befreiung, zum Zeichen für den Aufbruch, zum Zeichen nach aussen: Wir sind doch so gut, wie wir sagen. [...] Die Leistungen in den vergangenen zwei Wochen sind das Beste, was der Schweizer Fussball seit Jahrzehnten erlebt hat. Sie haben die Mannschaft und die Bevölkerung zusammengebracht, wie das lange nicht mehr der Fall gewesen ist. Keiner hat sich mehr gekümmert, wer welchen Hintergrund hat, wer Secondo ist oder Schweizer-Schweizer, wie das Granit Xhaka einmal formuliert hat. Kritik soll immer sein, sie muss sein. Aber sie soll nicht mehr dazu führen, dass die Secondos unterschwellig für Niederlagen verantwortlich gemacht werden und gleich wieder der Grad ihrer Identifikation mit der Schweiz infrage gestellt wird.»

«NZZ»

«Die Schweizer Fussballer gehen als aufmüpfige Gegner aus der Europameisterschaft, nach einer weiteren bewegenden Partie. Sie reisen am Samstag heim, mit dem grössten Schatz der jüngeren Schweizer Fussballgeschichte: mit der ersten Viertelfinal-Teilnahme an einer Endrunde seit 67 Jahren. [...] Die Schweizer sind ausgeschieden, bleiben aber wird das Spiel gegen Frankreich, der Achtelfinal, den die Schweizer nach einem 1:3-Rückstand auch ins Penaltyschiessen zwangen. Es ist dieses Spiel, über das so viele Leute staunten, in der Schweiz und ausserhalb. Es brachte einige wenige Festtage des Schweizer Fussballs, die der Bevölkerung wie zugeflogen kamen. Aber niemand braucht sich etwas vorzumachen: Mit dem Abschied von der EM wird bald der Alltag Einzug halten. [...] Es muss im Bewusstsein der Schweizer sein, dass diese Höhen keine Selbstverständlichkeit sind.»

Und zum Abschluss:

«Innerhalb einer Woche hat der Schweizer Fussball zwei der grössten Momente seiner Geschichte erlebt.»

«Blick»

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bild: blick

«Nichts hat die Eidgenossenschaft in jüngster Zeit derart aufgewühlt wie dieser grösste Erfolg einer Schweizer Nati seit 67 Jahren. [...] Wieso setzt bei uns nichts so viele Emotionen frei wie das Wunder bei der Fussball-EM? Zum einen lebt Fussball vom Augenblick, das Spiel ist so unberechenbar wie überraschend. Eine Zehntelsekunde kann alles entscheiden. Yann Sommer wehrt den Penalty ab – und das Wunder ist vollbracht! Der wichtigste Punkt aber: Fussball ist das letzte Gemeinsamkeit stiftende Erlebnis unserer individualisierten Gesellschaft – die letzte Show, bei der das ganze Land zur gleichen Zeit vor den Bildschirmen sitzt und mitfiebert. [...] Wir sind digitalisiert und individualisiert – nur im Fussball nicht: Der Match ist der letzte Event, den wir zur gleichen Zeit erleben, und das letzte Thema, über das die ganze Nation tagelang redet. Fussball: die letzte kollektive Ekstase!»

«Marca»

«Die Schweiz stand in dieser grausamen Tabellenhälfte, wo sie als Gruppe von Aufmüpfigen vor einem Spanien stand, dass litt wie nie zuvor. Die Spanier mussten nach dem Ausgleichstor zittern, die rote Karte von Freuler brachte allerdings Erleichterung. Es kam zum Elfmeterschiessen, in dem sich Unai Simon nach einigen Tagen des Herzschmerzes revanchieren konnte. Es gibt keinen besseren Weg, um aus einer Misere herauszukommen. [...] Die Schweiz hatte dem Leiden ein Denkmal gesetzt. Sommer hielt jeden Schuss. Und dann, im Elfmeterschiessen, diesem Drama, das Helden macht und Heldenstatus zerstört, war da Unai Simon.»

«ABC»

«In einem erschütternden Elfmeterschiessen fand Spanien endlich das Glück, dass ihnen zuvor von einer erbitterten Schweizer Defensive verweigert wurde. Die Spanier schwitzten in St. Petersburg Blut, gewannen am Ende aber verdient gegen eine lobenswerte Schweizer Mannschaft.»

«El Mundo»

«Als Vargas seinen Elfmeter in den Himmel schickte, begann Mikel Oyarzabal zu laufen. Er tat es langsam, sehr langsam und sah dabei so aus, als würde er über das Kreuzworträtsel nachdenken, das er auf halbem Weg im Hotel hinterlassen hatte. Er ging langsam, sehr langsam. ‹Welches Drei-Buchstaben-Wort bedeutet Halbfinale?›, dachte der gute alte Mikel, er nahm den Ball langsam, mit einer Pause, und kam langsam, sehr langsam zurück zum Elfmeterpunkt. Was war das verdammte Wort? Wie auch immer. Kalt, als er an das glückselige Wort mit drei Buchstaben dachte, sah er Sommer an. Er holte tief Luft und trabte langsam, ganz langsam auf den Ball zu. Kurz bevor sein Fuss den Ball berührte, kam ihm das Drei-Buchstaben-Wort für Halbfinale in den Sinn: Tor.»

Der Kommentar von watson zum Ausscheiden der Schweizer:

«La Republicca»

«Dieses anmassende, narzisstische, faule, ineffektive Spanien ist nicht schön. Zynisch, eisig, dominant, dribbelnde Akrobaten mit ausgezeichneter Technik, aber sehr wenig Herz. Die Schweiz geht beim Elfmeterschiessen leer aus, gewinnt aber das Spiel der Herzen. Wir hätten wirklich nicht erwartet, dass wir bei unseren Nachbarn, im kalten Land jenseits der Alpen, mehr ‹Latinovibes› finden als bei unseren iberischen Cousins.»

Und weil La Republicca vielen Schweizern aus der Seele sprechen dürfte, noch weiter:

«Manche Leute im Fussball schauen auf die Zahlen. Und die Zahlen sprechen von einer überwältigenden spanischen Überlegenheit: Torschüsse, Passquote, Ballbesitz. Aber ist es das, worum es im Fussball geht? Unserer Meinung nach war die Botschaft aus St. Petersburg noch nie so klar: Fussball ist keine exakte Wissenschaft. Oder besser gesagt: Man versucht Fussball zu standardisieren, dabei wird im Tiki-Taka ein Gefühl, das Gefühl von Fussball, getötet... Wir, die Normalsterblichen, mögen Hektor noch mehr als Achilles. Uns gefällt das Spiel eines aussergewöhnlichen Sommers besser als die phlegmatische Spielleitung von Busquets, den wir nichtsdestotrotz bewundern.»

«L'Équipe»

«In St. Petersburg boten die Schweiz und Spanien nicht das gleiche Spektakel wie in ihren unglaublichen Achtelfinals, aber die beiden Nationalmannschaften boten nichtsdestotrotz wahnsinniges Drama. La Roja dominierte, wie schon gegen Kroatien, einfach ohne die Tore, und kam in einem Elfmeterschiessen davon, das von der grossen Aufregung der Schützen geprägt war (fünf Fehlversuche insgesamt). Ein sehr grausames Ende für die Schweizer.»

La Gazetta dello Sport

«Nach dem Ausscheiden im Achtelfinale gegen Frankreich im Elfmeterschiessen endet die Nationalmannschaft von Petkovic also wie das Team von Deschamps, geht aber erhobenen Hauptes nach Hause. Spanien ging zwar in Führung, machte aber im Vergleich zu den Leistungen gegen die Slowakei und Kroatien einen deutlichen Schritt zurück. Und jetzt werden sie die Azzurri herausfordern.»

«Bild»

Bild

bild: screenshot Bild

«Diese Schweizer können nur Drama! Ihr Sommer-Märchen endet tragisch. Zu zehnt kämpfen sich die Fightgenossen trotz Eigentörli und Roter Karte in die Verlängerung. In Unterzahl retten sie sich dank eines überragenden Yann Sommer (32) ins Elfmeterscheissen. Dort werden aus Fightgenossen Leidgenossen.»

«Spiegel»

«Die Glücksreserven sind leer»

«Die Nerven, die Nerven: Was in St. Petersburg nach mehr als 120 Minuten geschah, mutete wie die Karikatur des Elfmeterdramas vom Montag an. Damals, zwischen Frankreich und der Schweiz, trafen gleich die ersten neun Schützen. Diesmal versagten den Schweizern reihenweise die Nerven, und ihrem spanischen Gegner lange ebenso. Sergio Busquets traf nur den Pfosten, Rodri scheiterte an Yann Sommer – doch die Schweiz schaffte es einfach nicht, durch die sperrangelweit offene Tür ins EM-Halbfinale hindurchzugehen. Nur Mario Gavranović traf ins Schwarze, und nach drei Fehlschüssen der Kollegen in Folge war auch der überragende Sommer machtlos.»

«The Sun»

«Spaniens Trainer Luis Enrique beschrieb seine leistungsschwache Mannschaft als eine Flasche Cava, die kurz vor dem Platzen ist. Die meisten dachten, der sture Señor - der wie ein Kerl rüberkommt, der in einem leeren Raum eine Schlägerei anzetteln könnte - sei betrunken gewesen. Oder vom Rinderwahn befallen. Aber jetzt scheint er doch recht zu haben, denn Spaniens Form und, was vielleicht noch wichtiger ist, sein Glück scheinen sich von Spiel zu Spiel zu verbessern.»

«The Guardian»

«Als die Verlängerung begann, dröhnte London Calling durch die Arena. Die Frage war nur: Wer ruft an? Als der Schlusspfiff ertönte und Granit Xhaka in der Mitte des Kreises der Rothemden stand, hätte man glauben können, dass die Schweiz es sein könnte. Nach 42 Minuten in Unterzahl war das Elfmeterschiessen das Ziel gewesen, und in der Vorrunde gegen Frankreich hatte man mit einem Elfmeterschiessen gute Erfahrungen gemacht. Und Spanien? Nun, sie hatten ihre letzten fünf Elfmeter verschossen. [...] Der Sieg Spaniens war kein Unfall. Simón machte gegen Kroatien weiter und rettete sie. Das tat er auch hier und bekam den Lohn, den auch Sommer verdient gehabt hätte. »

(dfr)

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