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01.06.2016; Lugano; Fussball Euro 2016 - Vorbereitung Team Schweiz; Training;
Granit Xhaka (SUI) 
(Andy Mueller/freshfocus)

Granit Xhaka mit «Sport-BH» im Training der Nationalmannschaft.
Bild: freshfocus

Sieht komisch aus, bringt aber viel: Warum die Nati-Stars im Training «Sport-BHs» tragen

Sie fallen auf und sind in aller Munde. Die seltsamen schwarzen Überzieher, in denen die Nati-Stars vor dem EM ihre Trainings absolvieren. Nati-Leistungsdiagnostiker Markus Tschopp erklärt das Geheimnis um die «Sport-BHs» des Nationalteams.

02.06.16, 07:30 02.06.16, 11:35

Etienne Wuillemin / az Aargauer Zeitung



Markus Tschopp steht am Spielfeldrand des Stadions Cornaredo. Aufmerksam verfolgt er das Training der Schweizer Nationalmannschaft. Tschopp ist seit 2004 «Leistungsdiagnostiker» im Staff. Oder einfacher: Er überwacht die Körper der Nati-Spieler.

Wer die Trainings der Schweizer verfolgt, wundert sich über die schwarzen Sport-BH der Stars. Was verbirgt sich dahinter? Tschopp nennt sie «Gstältli». Diese zeichnen allerhand Daten auf. Bis zu 60 Parameter pro Spieler. Die Spieler tragen den Sport-BH auch in den Testspielen. Nicht aber an der EM. «Obwohl es die FIFA erlauben würde», sagt Tschopp. Wer körperlich angeschlagen ist, schläft teilweise sogar mit Sport-BH. Damit kann Tschopp sehen, ob sich die Spieler genügend erholen.

Markus Tschopp, Swiss sports scientist, talks to journalists during a press conference of the Swiss team in Porto Seguro, Brazil, Monday, June 9, 2014.The Swiss soccer team will participate in the upcoming soccer World Cup in Brazil starting on 12 June. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Markus Tschopp, Leistungsdiagnostiker: «Derzeit laufen viele Projekte, die zum Ziel haben, die taktischen Fähigkeiten eines Spielers in einem Zahlenwert festhalten zu können.»
Bild: KEYSTONE

Am Rand des Rasens steht ein Computer. Die Daten der Spieler werden live eingespeist. Tschopp steht mit einem iPad in der Hand in der Nähe von Nationaltrainer Vladimir Petkovic. So kann er sofort Einfluss nehmen auf die Trainingsgestaltung, wenn er sieht, dass die Spieler in einen Bereich der Belastung vorstossen, der die Gesundheit beeinträchtigen könnte.

Einer der wichtigsten Parameter ist die Distanz, welche ein Spieler in Hochgeschwindigkeit – also über 19,8 km/h – zurücklegt. Während eines Spiels variiert dieser Wert durchschnittlich zwischen 600  bis 800 Meter pro Spieler. Aussenverteidiger und Flügel kommen bis auf einen Kilometer in 90 Minuten, während sich der Wert bei Innenverteidigern nur zwischen 200 und 400 Metern bewegt.

Grosse Hilfe für Petkovic

In einem Training Anfang der Woche absolvierten die Spieler Positionsläufe. Jene Spieler, die dabei innert weniger Zeit 600 Meter in Hochgeschwindigkeit liefen und davor schon das Spiel gegen Belgien bestritten hatten, absolvierten dann im nächsten Training ein Schonprogramm. «Wir wollen die Spieler in den Trainings ans Limit führen – aber keinesfalls darüber hinaus», erklärt Tschopp.

epa05339636 Swiss national soccer head coach Vladimir Petkovic, center, speaks to his players during a team's training session in Lugano, Switzerland, Wednesday, June 1, 2016. The Swiss national soccer team prepares for the UEFA EURO 2016 soccer championship in France.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Alles im Griff: Petkovic und seine «BH-Jungs».
Bild: EPA/KEYSTONE

Damit das nicht passiert, kommen auch Werte von innerhalb des Körpers dazu. Zum Beispiel die Zeit, in der ein Spieler über 85 Prozent der maximalen Herzfrequenz trainiert. Schliesslich befragt Tschopp die Spieler auch persönlich. Um zu überprüfen, ob die subjektive Wahrnehmung mit jenen der Daten übereinstimmt. Dieses Feedback lässt er in seine Interpretationen einfliessen. Und übergibt dieses Paket dann Trainer Petkovic. «Allein aufgrund von Daten werden wohl nie Entscheidungen getroffen. Aber sie können helfen.»

Deutschland dank App zum WM-Titel

Tschopp sagt: «Ganz allgemein werden die Daten im Fussball immer wichtiger. Weil der Fussball sehr komplex ist, geben sie uns die Möglichkeit, auf jeden Spieler individuell einzugehen.» Und damit sinkt die Verletzungsgefahr. In Zukunft wird das Vermessen der Spieler noch ausführlicher. Tschopp sagt: «Derzeit laufen viele Projekte, die zum Ziel haben, die taktischen Fähigkeiten eines Spielers in einem Zahlenwert festhalten zu können.»

Captain Stephan Lichteiner, rechts, Valon Berhami, Zweiter links, und Ricardo Rodriguez, links, bei einem Training der Schweizer Fussball Nationalmannschaft am Donnerstag, 26. Mai 2016, im Cornaredo Stadion in Lugano. Das Kader der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft bereitet sich im Tessin auf die Europameisterschaft, EM, in Frankreich vor. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Lichtsteiner ist im Gegensatz zu seinen Teamkollegen oft ohne «Gstältli» unterwegs.
Bild: TI-PRESS

Technische Hilfsmittel werden immer wichtiger. Vor der WM 2014 in Brasilien benutzte Deutschland eine eigens entwickelte App. Damit konnten sich die Spieler zum Beispiel bequem am Strand per Handy über die Eigenheiten des nächsten Gegners informieren. Auch das war einer der Gründe für den WM-Titel.

Und die Schweiz? Alle Spieler erhalten per E-Mail Videosequenzen von ihrem direkten Gegenspieler. 

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ouli Mouli 02.06.2016 12:25
    Highlight 😂😂😂😂😂😂😂
    ganz nach büne hueber: Pussys...
    hahahahaha diese "Sportart" verkommt immer mehr...
    2 43 Melden
    • phreko 02.06.2016 13:21
      Highlight Hehe, als ob dies im "harten" Hockey nicht schon längst angewendet würde;-)
      29 0 Melden
    • hektor7 02.06.2016 13:25
      Highlight Als gäbe es solche Techniken nur im Fussball...
      20 0 Melden
    • maxi 02.06.2016 14:12
      Highlight Lasst ihn doch 😂

      Die fans von randsportarten müssen sich halt irgendwie aufgeilen
      27 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nicosinho 02.06.2016 09:59
    Highlight nun ja, mag ja Sinn machen das ganze aber man stelle sich das mal bei einem Hockeyaner vor xP hehe
    3 37 Melden
    • maxi 02.06.2016 11:16
      Highlight Gut möglich das die das beim sommertraining auch tragen? Die datenmenge die da erruiert werden kann ist grossartig!
      24 2 Melden
    • phreko 02.06.2016 13:22
      Highlight Warum bloss Sommertraining? Im Winter ist dies ja noch viel Wertvoller bei deren Terminplan...
      6 1 Melden
    • maxi 02.06.2016 14:09
      Highlight Ich weis es nicht;) war nur eine vermutung...du wirst wohl recht haben?
      3 0 Melden
  • sanmiguel 02.06.2016 09:33
    Highlight Und Plötzlich ist Spieltag, du bis voller Adrenalin und spürst gar nicht mehr, dass du gestern 5% zuviel trainiert und 134 Meter zu weit mit vollem Tempo gerannt bist.

    Was für ein lächerlicher Bullshit. Die sollen einfach liefern.
    10 53 Melden
    • Scaros_2 02.06.2016 11:46
      Highlight da versteht jemand den nutzen von BigData und IoT nicht. Ich bitte sie einfach einmal zu informieren was man damit erreicht. Es geht um Effizienzsteigerung, Potentialausnutzung und optimierung.
      17 0 Melden
    • sanmiguel 02.06.2016 12:42
      Highlight Damit die Nati weiss, wie effizient sie 1:0 verloren hat?
      5 14 Melden
    • phreko 02.06.2016 13:23
      Highlight Und ein Narr kommt wieder mit einer einzelnen Geschichte, während der Rest die langfristige Entwicklung anschaut...
      7 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • jane* 02.06.2016 09:21
    Highlight und wieso trägt die nati diese über dem dress, und sl spieler unter dem trikot?
    30 3 Melden
    • niklausb 02.06.2016 17:30
      Highlight Nunja ich glaube kaum das sich ottonormalsportler sowas kaufft preislich und nutzerisch uninteressant
      0 2 Melden
  • niklausb 02.06.2016 08:46
    Highlight Interessant wäre jetzt zu wissen wiso Lichtsteiner denn keinen trägt bzw. Ob er ihn einfach darunter trägt wie das die FCB Profis bereits letste saison unter Paulo Sousa taten??
    40 2 Melden
    • Fumo 02.06.2016 11:22
      Highlight Lichtsteiner bringt Leistungen die man sehen kann, den muss man nicht auch noch überwachen genau so wenig benötigt sein Ego Lob dafür dass er x km gerannt ist oder so :)
      (wahrscheinlich trägt er es darunter^^)
      13 7 Melden
  • Fumo 02.06.2016 08:24
    Highlight "Leistungsdiagnostiker"

    Jetzt schon mein Unwort des Jahres...
    14 54 Melden
    • Scaros_2 02.06.2016 11:47
      Highlight Naja wie würdest du ihn dann nehmen?

      Big-Data Analyst oder Humanoptimierer? :D Grenzwertanalyst?
      8 0 Melden
    • Fumo 02.06.2016 11:54
      Highlight Eher "unnötiger Geldfresser" ;)
      Wer bewertet dann seine Leistung?
      2 13 Melden
    • Scaros_2 02.06.2016 12:32
      Highlight Ist halt schwer zu sagen denn seine Arbeit ist ja das erfassen von Daten, Gefahren erkennen und weiterleiten. Z.b. sofort sagen wenn ersichtlich wird das ein Spieler demnächst eine Erschöpfung hat. Früher hätte der weiter gemacht und das Risiko einer Verletzung wäre ungemein hoch gewesen. Wenn aber jetzt durch die Erfassung von Daten sich das abzeichnet, man den Spieler vorzeitig ins Auslaufen/Erholen schickt, dann ist das ein Prophylaktischer Eingriff der Unter umständen einen Ausfall verhindert hat. Aber er ist ja nur ein Informant. Ob petkovic darauf hört ist ja eine ander sache^^
      9 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dan Rifter 02.06.2016 08:24
    Highlight Die Teams bzw Spieler profitieren vom technischen Fortschritt.. nur die Schiris haben noch immer nur ihre Augen (OK, die Headsets helfen zwar auch..)
    75 1 Melden
    • Funny 02.06.2016 09:17
      Highlight Klar, sonst könnte man keine Spiele mehr schieben.
      5 20 Melden

Nati-Debütant Mvogo «musste leiden, aber es war für mich ein Supermatch»

Die Schweiz ist zum Siegen zurückgekehrt. Nach zuletzt zwei Niederlagen gewann die Nati in Reykjavik nach einer hektischen Schlussphase das dritte Spiel der Nations League gegen Island 2:1.

In den Schlussminuten mussten die Schweizer doch noch zittern. Alfred Finnbogason hatte in der 81. Minute mit einem herrlichen Weitschuss den starken Debütanten Yvon Mvogo bezwungen, womit die Isländer plötzlich wieder an sich glaubten.

Und nachdem die Schweizer defensiv lange überzeugt hatten, brachen sie plötzlich in Hektik aus. Fabian Schär klärte im letzten Moment auf der Linie (87.), Mvogo parierte den Schuss von Gylfi Sigurdsson glänzend (89.) und der Ex-Basler Birkir Bjarnason …

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