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Premier League: Cole Palmer ist Chelseas Held gegen Manchester United

epa11259551 Cole Palmer of Chelsea (R) celebrates with teammates after scoring the 3-3 goal during the English Premier League match between Chelsea and Manchester United in London, Britain, 04 April 2 ...
Nach seinem dritten Tor gibt es kein Halten mehr: Cole Palmer (r.) schoss Chelsea in der Nachspielzeit zum Sieg.Bild: keystone

Wahnsinnswende gegen ManUnited – das ist Chelsea-Held Cole Palmer

Noch vor einem Jahr versauerte er bei Manchester City auf der Bank, jetzt ist Cole Palmer einer der wenigen Lichtblicke bei Chelsea – und überzeugt trotz seiner erst 21 Jahre mit seiner Ruhe und als Leader.
05.04.2024, 11:1705.04.2024, 12:39
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«Madness.»

Mehr konnte Cole Palmer nicht sagen, um die Frage danach, was gerade passiert sei, zu beantworten. Mehr musste der 21-Jährige auch gar nicht sagen, nachdem er Chelsea mit Toren in der 100. und 101. Minute der Partie gegen Manchester United zum Sieg geschossen hatte. Was in der Nachspielzeit an der Stamford Bridge am gestrigen Abend passiert ist, war schlicht das: «Wahnsinn.»

Die beiden Tore von Cole Palmer in der Nachspielzeit (ab 1:38).Video: YouTube/Chelsea Football Club

Drei der vier Tore von Chelsea beim 4:3-Erfolg gegen die Red Devils erzielte Palmer, zwei davon per Penalty. Damit dürfte er wenige Tage nach seinem Doppelpack beim 2:2 gegen Burnley endgültig auf der grossen Bühne angekommen sein, nachdem er erst im Sommer von Manchester City nach London gekommen war. 47 Millionen Euro blätterte Chelsea damals hin für den offensiven Mittelfeldspieler, der zuvor erst 19 Premier-League-Spiele absolviert und davon nur dreimal in der Startaufstellung gestanden hatte. Sein Marktwert betrug zu dem Zeitpunkt gerade einmal 18 Millionen.

Doch das Investment zahlte sich aus. Der als ManUnited-Fan aufgewachsene City-Junior erzielte in der laufenden Saison bereits 19 Tore für Chelsea und bereitete zwölf weitere vor. Damit ist er mit grossem Abstand Topskorer seines Teams und ein Lichtblick in einer ansonsten eher düsteren Transferpolitik des FC Chelsea unter dem von Todd Boehly angeführten Konsortium, das seit 2022 im Besitz der Blues ist und dem auch der Schweizer Hansjörg Wyss angehört.

Über eine Milliarde Euro wurden seither für Transfers ausgegeben, stattliche 742 Millionen beträgt das Minus, wenn man die Einnahmen entgegenstellt. Und doch ist der Ertrag bisher eher gering. Als am häufigsten aufgeführte Negativbeispiele müssen vor allem Mychajlo Mudryk (70 Mio. Euro) und Moises Caicedo (116 Mio. Euro) herhalten. Deshalb ist der Erfolg von Palmer für Chelsea und seine Fans so erfrischend – zumal er sich schnell eingelebt zu haben und bereits ein Anführer zu sein scheint.

Chelsea v Man Utd 4 April 2024, London - Premier League Football - Chelsea v Manchester United, ManU - Mykhailo Mudryk of Chelsea and Cole Palmer of Chelsea - Photo: Charlotte Wilson / Offside. London ...
Mychajlo Mudryk ist anders als Palmer noch nicht so richtig eingeschlagen.Bild: www.imago-images.de

Als sein ebenfalls im Sommer gekommener Teamkollege Nicolas Jackson im November seinen ersten Hattrick für Chelsea erzielt hatte, sagte Palmer zu Sky: «Er hatte offensichtlich einen schweren Start hier, aber heute war er brillant. Nun muss er im Training einfach noch härter arbeiten, sich weiter fokussieren und dann wird er noch viele weitere Hattricks erzielen.» Dass ein 21-Jähriger seinem ein Jahr älteren Teamkollegen öffentlich eine solche Vorgabe gibt, sorgte für Begeisterung. Das ist das Verhalten eines Anführers, war der Konsens. Zumal es Palmer nicht als Kritik verstanden haben wollte: «Man kann immer härter arbeiten», fügte er an.

Er selbst nimmt sich dieses Mantra, das ihm schon von Pep Guardiola und ManCity eingeimpft wurde, ebenfalls zu Herzen. Trotz seiner herausragenden Qualitäten als Kreativspieler und beim Herausspielen von Chancen ist Palmer ein Arbeiter und Kämpfer. Deshalb blickt Guardiola fast mit etwas Reue auf den Weggang seines ehemaligen Schützlings. «Hätte er mehr Spielzeit bekommen, wäre er noch hier, aber ich habe sie ihm nicht gegeben, das ist meine Verantwortung», sagte der Katalane im Februar und fügte an: «Wir wussten von seinen Qualitäten und der Einfluss, den er diese Saison hatte, ist enorm.»

Was bei Palmer für einen noch so jungen und vermeintlich unerfahrenen Spieler darüber hinaus beeindruckt, ist seine Ruhe, die ihm den Spitznamen «Cold» eingebracht hat. Einerseits gilt Palmer aufgrund seiner natürlichen Art als einer der unterhaltsamsten englischen Profis am Mikrofon, andererseits strotzt er nur so vor Selbstbewusstsein. So schnappt er sich seit Oktober bei Penaltys regelmässig den Ball – und versenkte ihn bisher jedes Mal. Dass gewisse Leute seine Leistungen deshalb kleinreden wollen, weil er die Hälfte seiner 16 Ligatore vom Punkt erzielte, stört ihn nicht. Schliesslich muss man diese auch erst einmal verwandeln, und für Palmer ist klar: «Ich werde doch keinen daneben schiessen, oder?»

Für Trainer Mauricio Pochettino, der bei Chelsea nach wie vor nicht besonders fest im Sattel sitzt, ist Palmer ebenfalls ein Hoffnungsträger. «Es ist fantastisch, wie er mit dem Druck umgeht», lobte der Argentinier seine Nummer 20. Auch dank Palmer soll der derzeit Zehnte der Premier League noch die Qualifikation für den Europacup schaffen. Chelsea könnte sich in den Nachholspielen aus eigener Kraft auf den 7. Platz katapultieren, dieser dürfte zumindest für die Conference League reichen.

Eine Teilnahme an der Europa League könnte Chelsea auch durch einen Sieg im FA Cup, wo die Blues im Halbfinal auf Manchester City treffen, sichern. Ein Triumph in diesem traditionsreichen Wettbewerb wäre ein mehr als versöhnlicher Abschluss für eine nicht immer einfache Saison. Oder um es in den Worten von Cole Palmer zu sagen: «Madness.»

Der Kampf um die Europacup-Plätze:

Die Plätze 6, 7 und möglicherweise auch 8 dürften ebenfalls für die Teilnahme am Europacup berechtigen.
Die Plätze 6, 7 und möglicherweise auch 8 dürften ebenfalls für die Teilnahme am Europacup berechtigen.
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