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Schlupfloch in Abseitsregel – Schweden bringen IFAB in die Bredouille

Everton's Abdoulaye Doucoure, right, reacts to being called offside, during the English Premier League soccer match between Everton and Wolverhampton Wanderers, at Goodison Park, in Liverpool, En ...
Der Schiedsrichter zeigt Abseits – aber hat er die Regel so gut studiert wie der Trainer von Torns IF?Bild: keystone

Schlupfloch in Abseitsregel – schwedischer Klub bringt Regelhüter in die Bredouille

Wird im Süden Schwedens gerade eine Fussball-Revolution in Gang gesetzt? Ein findiger Drittligist glaubt, ein Schlupfloch in der Abseitsregel gefunden zu haben.
30.08.2023, 16:1830.08.2023, 17:01
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Die Abseitsregel ist mindestens 160 Jahre alt, bereits im ersten Fussball-Regelwerk aus dem Jahr 1863 wird eine erste Version davon definiert. Eine lange Zeit, um diese weiterzuentwickeln und allfällige Schlupflöcher zu beseitigen – meint man. Doch nun hat ein schwedischer Drittligist eine Möglichkeit gefunden, um die Regel in einem bestimmten Fall zu umgehen.

Aktuell achten die Linienrichter – und mittlerweile auch die Assistenten vor den Bildschirmen im VAR-Keller – auf den Moment, in dem der Ball den Fuss des Passgebers verlässt. Der Klub Torns IF meint nun aber, dass dies falsch ist. Als Beweis dafür wird ein Ausschnitt aus dem Regelbuch des «International Football Association Board» (IFAB) angegeben. Dort steht nämlich: «Der erste Kontaktpunkt der Spielsituation oder die erste Berührung des Balls muss verwendet werden.»

Diese Ergänzung nahmen die offiziellen Regelhüter zur Saison 2018/19 vor, um den Video-Assistenten einen Anhaltspunkt zu geben, welches Bild sie nutzen sollen, um eine allfällige Abseitsstellung zu prüfen. Wie Trainer Richard Ringhov, Spitzname Kalle, dies zu seinem Vorteil nutzen will, schaust du dir am besten selbst an.

Der Regelzusatz lässt also die Auslegung offen, dass ein Spieler den Ball auf dem Fuss balancieren kann, während ein Mitspieler hinter die Abwehrlinie startet. Was in den Augen aller eine klare Abseitsstellung ist, wäre so völlig legal. Diese Argumentation schickte der Klub aus Stangby im Süden Schwedens dem IFAB, wie aus einem Thread auf X (früher Twitter) hervorgeht. Nun scheinen die Fussball-Regelhüter tatsächlich eine Anpassung des Regelwerks in Betracht zu ziehen.

Zwar antworteten sie: «Gemäss dem Gesetz ist das Balancieren des Balls auf dem Fuss eine andere Spielsituation als der Moment, in dem der Ball gepasst wird.» Doch weil Torns IF herausstrich, dass der Pass ja auch in einem Zug gespielt werden könne und der Ball nicht erst mehrere Sekunden auf dem Fuss balanciert werden müsse, gab das IFAB nach: «Wir werden prüfen, ob wir die Formulierung von Regel 11 anpassen müssen.»

Eine Revolution der Abseitsregel wird also ausbleiben. Das IFAB definiert in seiner Antwort an die schwedischen «Rebellen» klar: «Der Zeitpunkt, in dem der Ball seine ‹Reise› beginnt, ist ausschlaggebend.»

Da das Regelwerk in diesem Fall aber nicht eindeutig ist, könnte der Fund von Torns IF dennoch Folgen haben. Wie aus dem Video der Schweden aber auch hervorgeht, ist das Wichtigste am Ende immer noch, das Tor zu treffen – wie auch immer die Regel ausgelegt wird.

Diese Regeländerung wird wirklich diskutiert:

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Stargoli
30.08.2023 16:56registriert Januar 2015
Haha, so guet. Findig muss man sein. Würde gerne sehen, wie er das während einem Spiel dann dem Schiri erklärt:)
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Hugo Schweizer
30.08.2023 18:17registriert Januar 2020
In ferner Zukunft werden Fussballspiele dann im Gericht ausgehandelt. Teams aus Grönland, durch ertragsreiche Landwirtschaft stinkreich geworden, werden sich die besten Anwälte leisten können und die alten Top-Clubs aus Saudi Arabien verdrängen... 🤣
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jazzzzz
30.08.2023 19:00registriert April 2019
wer entwickelt die ersten Zorro-Schuhe, die einen "Korb" haben um den Ball besser am Fuss zu halten?
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