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Draft, Durchfall und der dreifache Federer – unsere 10 Lieblingsmomente des Sportjahres

30.12.2017, 19:00
Team watson
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Roger Federer gewinnt die Australian Open 2017

Bild: EPA AAP
Mehr als viereinhalb Jahre mussten wir uns bis zum nächsten Grand-Slam-Sieg von Roger Federer gedulden und dann war er plötzlich da. Völlig unerwartet! Nach einer 7-monatigen Verletzungspause kehrte der «Maestro» beim Australian Open auf die Tour zurück. Er erwischte einen harzigen Start, doch dann folgte ein unfassbarer Steigerungslauf. Erst der emotionale Fünfsätzer im Halbfinal gegen Stan Wawrinka, dann das «Grande Finale» gegen Rafael Nadal. Wie er sich dort im fünften Satz vom 1:3 zum 6:3 zurückgekämpft hat – «der füdliblutte Wahnsinn»!

Tom Dumoulin siegt trotz Durchfall beim Giro d'Italia

Bild: EPA/ANP
Nach 37 Jahren stellt die Niederlande dank Tom Dumoulin wieder den Gesamtsieger einer dreiwöchigen Landesrundfahrt. Sein Triumph beim Giro d'Italia hängt allerdings an einem seidenen Faden, Dumoulin ist gesundheitlich angeschlagen. So sehr, dass er während der 16. Etappe absteigen und ein grosses Geschäft erledigen muss – während vorne die Post abgeht. Als «wirklich sehr schlechte Situation» bezeichnet Dumoulin den Zwischenfall mittlerweile, aber auch als einen entscheidenden für seine Zukunft. Denn er habe es geschafft zu warten, bis es bergauf ging. Im Flachen wäre er wohl nie mehr an die Gegner herangekommen, die Maglia Rosa wäre verloren gewesen. So aber jubelte er Tage später als Giro-Sieger: Tom Dumoulin, der Leader, der auf der Königsetappe die Hosen runter liess.
Die Szene im Video.

Wendy Holdener gewinnt die WM-Silbermedaille im Slalom

Bild: EPA/KEYSTONE
Eine Silbermedaille als grösstes Highlight einer Ski-WM, an der die Schweiz dreimal Gold gewonnen hat? Für mich zu 100 Prozent. Klar, auch die anderen Rennen waren genial. Aber sie kamen für mich nicht in die Nähe von Holdeners Silber im Slalom. Denn nirgends war der Druck grösser. Sechs Mal stand die Schwyzerin vor der WM in St.Moritz in ihrer Paradedisziplin schon auf dem Podest. Alle erwarteten die Medaille von ihr – und Holdener lieferte. Beeindruckend. Ich selbst war vor dem TV so nervös, dass ich selbst Minuten nach der Entscheidung immer noch zitterte. Kein anderer Sportmoment hat mich in diesem Jahr derart mitgerissen.
Meine zitternde Hand nach dem Rennen.
Video: streamable

Die Dallas Cowboys und #takeaknee

Bild: AP
Im Sommer 2016 kniete Star-Quarterback Colin Kaepernick beim Abspielen der US-Nationalhymne nieder, statt stramm hinzustehen und sich ergriffen ans Herz zu fassen. Er protestierte damit gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA. So richtig eskaliert ist die Kontroverse aber erst in diesem Spätsommer, nachdem Präsident Donald Trump Spieler, die bei der Hymne niederknien, als «Hurensöhne» bezeichnete, die gefeuert werden sollten. Worauf sich unter dem Hashtag #takeaknee zahlreiche Football-Spieler und Teams mit Kaepernick solidarisierten. Zum Höhepunkt wurde der 26. September, als die Dallas Cowboys inklusive Teambesitzer und Ölmilliardär Jerry Jones auf die Knie gingen. Ausgerechnet die Cowboys, der arroganteste, lauteste, reichste, patriotischste Klub im Football («Americas Team»)! Es mag eine symbolische Geste gewesen sein, dennoch war es mein Sportmoment des Jahres. Nur für Colin Kaepernick gab es trotz #takeaknee bislang kein Happy End. Er ist arbeitslos.

Nico Hischier wird der erste Schweizer Nummer-1-Draft 

Bild: AP/FR51951 AP
Ein Schweizer in der wichtigsten Liga der Welt die Nummer 1! Wenn wir wissen, wie sehr der nordamerikanische Sport auf Gewinner fixiert ist, dann können wir die Emotionen des Augenblicks verstehen. Es war kein Olympiasieg, kein historisches Tor – aber ich hatte 2017 in keinem anderen Augenblick so viel sportliche Hühnerhaut wie an diesem 23. Juni im Hockeytempel zu Chicago als Nico Hischier als Nummer 1 gezogen worden ist. Es war die Krönung eines Hollywood-Dramas. Wochenlang war darüber spekuliert worden, ob Nico Hischier die Nummer 1 sein würde. In den letzten zwei Tagen vor dem Draft stieg die Spannung wie vor einem Schlussgang beim Eidgenössischen – aber bis zur letzten Sekunde konnte sich eigentlich niemand vorstellen, dass einer aus der Schweiz vor allen Nordamerikanern zur Nummer 1 gekürt werden könnte. Es ist und bleibt eine der Sternstunden unseres Hockeys, ja unseres Sportes.

Roger Federer demontiert Rafael Nadal in Indian Wells

Bild: AP/AP
Mein Sportmoment des Jahres datiert vom 15. März. Und auch ich komme nicht um Roger Federer herum – aber hey, das darf jetzt auch einfach mal abgefeiert werden, was der alte Mann auf den Platz gezaubert hat dieses Jahr! Das Spiel, das ich nie vergessen werde, ist kein grosses Endspiel, sondern lediglich ein Achtelfinal. Und zwar jener in Indian Wells. Ich durfte damals von Thailand aus die Nachtschicht machen und konnte mir das Spiel reinziehen – während ihr in der Schweiz alle am schlafen wart. In nur gerade 1:08 Stunden und mit einem 6:2, 6:3 raste Roger in jener Nacht in den Viertelfinal. Sein Gegner: Kein geringerer als Rafael Nadal. Ich konnte es kaum glauben, so brutal stark hatte ich Federer noch nie zuvor gesehen – und ich verfolge den Tennisgott jetzt doch schon fast zwei Jahrzehnte. Das Spezielle: In Thailand interessierte sich wirklich niemand dafür. Ich war auf einer Hippie-Insel – und so fühlte sich das Sporterlebnis verdammt exklusiv an.

Das Sensations-Comeback von Barcelona gegen PSG

Bild: fc barcelona
Marius Egger
Marius Egger
Marius Egger
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Der spektakulärste Sportmoment war ganz klar das Rückspiel zwischen Barça und Paris Saint-Germain im Champions-League-Achtelfinal. 4:0 wurden die Katalanen im Hinspiel gedemütigt, wieder einmal wurde das Ende einer Ära heraufbeschwört – und dann kommt dieses Spiel! Ich war damals mit meiner Freundin und unserem Kind in Lissabon in den Ferien. Wir hatten zwar ein nettes Apartment mit einem grossen TV – aber das Spiel gab's ausschliesslich bei Pay-TV-Sendern und das war in unserem Airbnb-Package nicht enthalten. Ein Freund hielt mich aber über einen WhatsApp-Chat auf dem Laufenden. Die SMS kamen natürlich immer einige Sekunden zeitversetzt. Als beim letzten Tor zum 6:1 plötzlich Jubel durch die Gassen von Lissabons Altstadt brandete, wusste ich: Das muss wegen Barça – PSG sein. Die Bestätigung aus Zürich folgte wenige Sekunden später. Legendär!
Screenshots des besagten WhatsApp-Chats.
Screenshots des besagten WhatsApp-Chats.

Federer und Nadal gemeinsam am Laver Cup

Bild: EPA
Natürlich waren die beiden Grand-Slam-Siege von Federer im 2017 höchst emotional. Doch meinen Sportmoment des Jahres lieferte Roger Federer ausgerechnet zusammen mit seinem grössten Rivalen Rafael Nadal. Die zwei besten Tennisspieler der Geschichte sind im Rahmen des Laver Cups zum ersten Mal im selben Team, spielen und gewinnen sogar ein Doppel zusammen. Als Federer das letzte, entscheidende Einzel gewinnt und dem «Team Europa» so den Sieg beschert, springt ihn Rafael Nadal sofort an. Es ist DAS Bild von Roger Federer und Rafael Nadal, welches auch in Jahrzehnten in Erinnerung bleiben wird. Denn es zeigt die Gewinner von (bisher) total 35 Grand-Slam-Siegen, welche für einmal nicht auf ihre natürliche Rivalität reduziert werden. Es stellt die Freundschaft der beiden in den Vordergrund.

McGregor vs. Mayweather

Bild: AP/AP
Dass der lang ersehnte Kampf des Jahrhunderts endlich in trockenen Tüchern war, erfuhr ich im Coop-Restaurant in Oerlikon beim Zmittag mit meiner Tochter. Zwei Kanti-Schüler diskutierten angeregt, in welcher Runde dieser «Mayweather» wohl zu Boden gehen werde. Ich erachtete es als meine Pflicht, sie zu belehren, was mir selbstverständlich nur verächtliche Blicke einbrachte – auch von meiner Tochter. Mayweather vs. McGregor steht exemplarisch für den 2017er Zeitgeist. Gefightet wurde vor allem auf Social Media, fachfremde Menschen scheuten sich nicht, öffentlich ihre Einschätzung abzugeben, und McGregors «Fuck-You»-Anzug war gefährlicher als seine Jabs. Ich will aber nicht nur nölen: Die beiden boten im Vorfeld eine grossartige Show. Die Vorspeise war einfach um Welten besser als der Hauptgang.

Neymar wechselt für 222 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain

Bild: EPA
Reto Fehr
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Mein Lieblingsmoment ist das natürlich nicht. Aber das krasseste Ereignis im Sport. So ein bisschen der (vorübergehende) Gipfel des Fussball-Wahnsinns. Keine Aktion zeigt so sehr, wie kaputt der Fussball mittlerweile ist. Wir können den Neymar-Transfer natürlich gerne auch noch mit etwas Mbappé garnieren. Das ganze PR-Theater und die Millionensummen übersteigt längst jegliche Vorstellungskraft. Und trotzdem schauen wir alle weiterhin zu. Ich glaube allerdings, der wahre Gipfel liegt noch im Nebel vor uns. Aber irgendwann geht's dann hinten ziemlich rassig runter. Hoffentlich.

P.S. Mein Lieblings-CL-Finale 2018 wäre Manchester City gegen Paris Saint-Germain. Gerne kurzfristig entweder in Indonesien ausgetragen oder wie geplant in Kiew, allerdings lokale Anpfiffszeit um 5.13 Uhr morgens, weil so alle relevanten Märkte ideal abgedeckt wären.

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quelle: epa/epa / sascha steinbach
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Video: watson/Lea Senn, Laurent Aeberli, Sportredaktion
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