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epa09286439 Germany's head coach Joachim Loew (C) and Kai Havertz (R) react during the UEFA EURO 2020 group F preliminary round soccer match between Portugal and Germany in Munich, Germany, 19 June 2021.  EPA/Philipp Guelland / POOL (RESTRICTIONS: For editorial news reporting purposes only. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)

Jogi Löw (m.) steht an der EM zum letzten Mal an der Seitenlinie der deutschen Nationalmannschaft. Bild: keystone

Löw lobt DFB-Elf nach überzeugendem Sieg – doch übt auch scharfe Kritik an seinem Team

dennis robitzer / watson.de



«Wir sind im Turnier angekommen», freute sich Bundestrainer Joachim Löw nach dem völlig verdienten 4:2-Sieg über Europameister Portugal am Samstagabend. Nach der offensiv schwachen Leistung im ersten Gruppenspiel gegen Weltmeister Frankreich hatte die DFB-Elf nun ein offensives Feuerwerk abgebrannt. Am Ende standen vier Tore, 12 Torschüsse und ein Abseitstor auf dem Statistikbogen.

Doch dort tauchten auch zwei Gegentreffer auf – und die fielen beide nach Standardsituationen. Selbst wurde das DFB-Team jedoch weder im ersten Spiel gegen Frankreich noch gegen Portugal gefährlich über ruhende Bälle. Nachdem die Offensive nun zu funktionieren scheint, muss der Bundestrainer diese Baustelle schnellstmöglich schliessen.

«Standardsituationen stehen schon länger auf dem Programm. Wir haben klare Rollen. Manchmal werden diese aber nicht klar umgesetzt.»

Bundestrainer Joachim Löw

epa09286420 Diogo Jota of Portugal scores the 2-4 goal during the UEFA EURO 2020 group F preliminary round soccer match between Portugal and Germany in Munich, Germany, 19 June 2021.  EPA/Matthias Hangst / POOL (RESTRICTIONS: For editorial news reporting purposes only. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)

Diogo Jota (l.) trifft zum 2:4 – entstanden ist das Tor durch einen Freistoss. Bild: keystone

Es bleibt ein Manko: die Standardsituationen

Champions-League-Sieger Kai Havertz, der bei Temperaturen über 30 Grad mit langen Ärmeln spielte, war klar formverbessert und hatte bei den ersten drei Toren immer seine Füsse im Spiel. Löw gab ihm erneut das Vertrauen und liess Leroy Sané, Timo Werner und Leon Goretzka auf der Bank. Doch Havertz zeigte eben auch, dass seine Qualitäten eher in der Offensive liegen und nicht beim Verteidigen des eigenen Tores. Beim Führungstreffer der Portugiesen machte er zwar keine gute Figur, zahlte das Vertrauen des Bundestrainers aber eindrucksvoll zurück: «Von der Kritik habe ich nicht so viel mitbekommen. Ich versuch da einfach locker zu bleiben, vertrau meinen Stärken und bin froh, heute ein Tor dazu beigesteuert zu haben.»

Das erste Tor der Portugiesen in der 15. Minute fiel nach einem blitzsauberen Konter, nach eigener Ecke von Deutschland. Es gab keine Konterabsicherung der deutschen Nationalelf. Die defensive Ordnung bei Standardsituationen war nicht immer sattelfest. Darin sah auch Bastian Schweinsteiger das einzige Manko: «Da waren die Portugiesen immer gefährlich. Selbst bei einer Standardsituation von uns.»

Die Highlights des Spiels. Video: SRF

Auch das zweite Tor Portugals fiel nach einem Standard. Freistoss Portugal auf den zweiten Pfosten, Cristiano Ronaldo hebt den Ball über Manuel Neuer und Diogo Jota muss den Ball nur noch einschieben. Das gefiel dem Bundestrainer auch überhaupt nicht: «Standardsituationen stehen schon länger auf dem Programm. Da ist es schon wichtig, dass wir da nochmal drauf hinweisen. Wir haben eigentlich klare Rollen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass das nicht klar umgesetzt wird», sagte er bei der ARD.

Bereits im ersten Gruppenspiel war es die schlechte Verteidigung nach einem Einwurf, die das Eigentor von Mats Hummels eingeleitet hatte. Vor dem Turnier legte der Bundestrainer grossen Wert auf die Standardsituationen. Fünf von 36 Gegentoren nach der WM 2018 fielen nach gegnerischen Ecken. Das wollte der Bundestrainer vor der EM grundlegend analysieren und angehen.

«Aus Standards haben wir in den letzten zwei, drei Jahren einfach zu viele Tore bekommen. Das ist total ausbaufähig und wird natürlich auch sicherlich ein Schwerpunkt werden», sagte Löw vor dem Trainingslager in Seefeld. Dort gab es laut Sport1 sogar ein 55-minütiges Geheimtraining, in dem nur offensive und defensive Standards trainiert wurden. Doch schon damals nur mit mässigem Erfolg. So soll Co-Trainer Marcus Sorg einige Eckbälle mit den Worten: «Das ist Kreisliga B, Mensch!», kritisiert haben.

Jogi Löw im Interview nach dem Spiel. Video: SRF

Schreckensbilanz bei eigenen Eckbällen: 167 Ecken und nur zwei Tore

Aber auch die offensiven Standardsituationen sind bislang noch keine Waffe. Drei von 60 Toren nach der WM 2018 sind aus Standardsituationen entstanden. Zwei davon nach Ecken, bei 167 Versuchen. Bei der aktuellen EM kam für die DFB-Elf bislang noch kein Tor hinzu. Trotz der Rückkehr des kopfballstarken Mats Hummels. Gegen Frankreich und Portugal waren es insgesamt acht Ecken – kaum eine war gefährlich.

Wie wichtig Standards sein können, hat der WM-Erfolg 2014 gezeigt. Vier Tore erzielte die DFB-Elf damals im gesamten Turnier bei einem ruhenden Ball. Darunter auch das entscheidende 1:0 durch Mats Hummels im Viertelfinale gegen Frankreich. Für viele ein Schlüsselspiel auf dem Weg zum Weltmeistertitel.

Germany's Mats Hummels, second right,  scores the opening goal during the World Cup quarterfinal soccer match between Germany and France at the Maracana Stadium in Rio de Janeiro, Brazil, Friday, July 4, 2014. (AP Photo/Martin Meissner)

An der WM 2014 köpfte Mats Hummels die Deutschen ins Halbfinale. Bild: AP/AP

Kimmich und Gosens als
entscheidende Akteure

Doch trotz der akuten Standardschwäche kam das Team von Jogi Löw zu guten Chancen. Die DFB-Elf hatte die Schwachstellen der Portugiesen ausgemacht und mit den Aussenverteidigern Gosens und Kimmich zwei entscheidende Spieler in den eigenen Reihen. An allen vier Toren waren die beiden beteiligt. Zudem wurden viele Angriffe der deutschen Nationalmannschaft nach dem gleichen Muster über die Beiden vorgetragen. Überlagerung einer Seite, meistens der rechten, und dann eine schnelle Spielverlagerung auf die andere Seite. So gesehen vor dem 1:1 und 3:1, beide vorbereitet von Robin Gosens.

«Wir hatten gute, tolle Kombinationen, gut über die Aussenpositionen Kimmich und Gosens. Das war eigentlich unser Plan und das ist gut aufgegangen», sagte Bundestrainer Joachim Löw nach der Partie. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger sah das ähnlich: «Gerade über die Aussen waren wir sehr stark. Sehr viele Flanken geschlagen und die Portugiesen so unter Druck gesetzt und die Eigentore erzwungen.» Portugal schreibt mit den beiden Eigentoren Geschichte: Erstmals bei einer Europameisterschaft unterliefen einem Team in einem Spiel zwei davon.

Der Bundestrainer dürfte sich in seiner personellen und taktischen Einstellung bestätigt fühlen. Es war eine andere deutsche Mannschaft auf dem Platz – ohne personelle Veränderungen.

Daher dürfte er auch dem gleichen Team beim letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen Ungarn vertrauen. Gewinnt die Mannschaft um Kapitän Manuel Neuer und Frankreich gewinnt nicht, ist die DFB-Elf sogar Gruppenerster. Und vielleicht ist das ja Motivation genug, dass es mit einem Tor nach einem ruhenden Ball klappt.

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Diese Juwele bestreiten an der EM ihr erstes grosses Turnier

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Diese Juwele bestreiten an der EM ihr erstes grosses Turnier
quelle: keystone / ronald wittek / pool
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Wenn im Büro nur noch die EM regiert

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