7 Sünden wurden ihm zum Verhängnis: Die grössten Fehler von Milos Malenovic
Am 2. Oktober 2023 wurde Milos Malenovic als neuer Sportchef des FC Zürich vorgestellt. Zuvor hatte der Spielerberater bereits drei Monate als Berater des Managements beim FCZ. Durchaus kurios: FCZ-Präsident Ancillo Canepa hatte zu Beginn des Engagements von Malenovic beim FCZ noch ausgeschlossen, dass dieser neuer Sportchef und Nachfolger von Marinko Jurendic wird. Etwas mehr als 800 Tage später ist die Zeit von Malenovic als Sportchef beim FC Zürich vorbei.
Wir blicken zurück auf die Amtszeit von Malenovic und benennen seine sieben grössten Sünden.
Sünde 1 Sportliche Ziele nicht erreicht
Wahrscheinlich nimmt kein Fussball-Präsident in der Schweiz das Wort «Europacup» so oft in den Mund wie Ancillo Canepa. Immer wieder betont der 72-Jährige, wie wichtig es ist, das europäische Geschäft zu erreichen.
Dies gelang unter Malenovic aber nicht. Als der ehemalige Fussballer im Oktober 2023 das Amt des Sportchefs übernahm, war der FCZ auf dem ersten Platz klassiert. Schlussendlich endete die Spielzeit auf Position vier. In der Qualifikation für die Conference League scheiterte der FCZ deutlich am portugiesischen Vertreter Vitoria Guimarães.
Die erste komplette Saison mit Malenovic als Sportchef endete mit einer grossen Enttäuschung. Die Zürcher verpassten die Championship Group und somit auch den Europacup. Auch in dieser Spielzeit sieht es schlecht aus. Die Limmatstädter sind aktuell unter dem Strich klassiert und im Schweizer Cup scheiterte der FCZ an Challenge-League-Vertreter Stade Nyonnais.
Sünde 2 Denkwürdige Pressekonferenz
Im Februar 2025 stand der FCZ immer wieder in der Kritik, woraufhin sich Malenovic dazu entschied, eine mehr als denkwürdige Pressekonferenz abzuhalten.
Die negative Berichterstattung gefiel dem Sportchef überhaupt nicht, weshalb er zum Rundumschlag ansetzte. Dabei liess sich Malenovic gar einen Teil des sensationellen Meistertitels 2021/22 zuschreiben: «Mirlind Kryeziu ist meinetwegen in der Meistersaison bei Zürich geblieben (Malenovic war Kryezius Agent, Anm. d. Red.). André Breitenreiter (Trainer in der Meistersaison, Anm. d. Red.) habe ich zum FCZ geholt, mit seinem Berater. Damit der FC Zürich in den letzten 15 Jahren mal wieder einen Meistertitel erleben konnte. Ein paar Prozentchen war auch ich noch am Erfolg beteiligt.»
Die Pressekonferenz stiess selbst Präsident Canepa sauer auf, wie er in einem Interview mit dem «Blick» bestätigte. «Das hat auch uns sehr missfallen und eine rote Linie überschritten», stellte Canepa klar. Nach diesem Auftritt hat Malenovic nur noch über vereinseigene Kanäle kommuniziert.
Sünde 3 Traumlösung Mitchell van der Gaag
Als Mitchell van der Gaag als neuer FCZ-Trainer vorgestellt wurde, schwärmten Malenovic und Canepa in den höchsten Tönen über den Niederländer. «Er weiss schon über jeden Spieler Bescheid, hat uns einen Bericht über jeden einzelnen gemacht. Er ist sehr fleissig», sagte der Sportchef und sein Präsident stellte klar: «Mitchell van der Gaag war unser absoluter Wunschkandidat. Es ist eine grosse Ehre, einen Trainer dieses Formats zum FCZ zu holen. Wir mussten keine anderen Gespräche führen und sind sehr beeindruckt. Wir waren immer davon überzeugt. Wenn ich es in der Vergangenheit aber vielleicht zu 99 Prozent war, bin ich heute 100 Prozent überzeugt, dass wir einen Top-Top-Trainer geholt haben.»
Etwas mehr als zwei Monate nach dem Saisonstart war dann die Zeit von van der Gaag beim FCZ nach enttäuschenden Resultaten wieder vorbei. «Am Ende stimmten das Profil unserer Mannschaft und das Profil des Trainers nicht überein», erklärte Canepa in einem Blick-Interview und hielt noch an Malenovic fest: «Wir gewinnen miteinander, wir verlieren miteinander. Bei der Trainerauswahl hat Milos nie allein entschieden. Heliane, ich und Milos haben Mitchell im Sommer gemeinsam getroffen»
Anders klang es etwas mehr als einen Monat später: «Wir haben ihn auf Empfehlung von Milos engagiert. Milos weiss selber, dass er gewisse Aspekte zu wenig fundiert abgeklärt hat – das war nicht gut.»
Sünde 4 Fehlende Identifikation
Immer wieder sprach man in der Zeit von Milos Malenovic über die fehlende Identifikation beim FCZ. Langjährige Stützen wie Antonio Marchesano und Mirlind Kryeziu verliessen den Verein, dafür kamen hierzulande unbekannte Spieler zum FCZ.
Dies führte zu viel Frust bei den Anhängern. Für zusätzliche Kritik sorgte die Verpflichtung von Steven Zuber, der lange Zeit bei Stadtrivale GC unter Vertrag war. «Ihr säged dem Neuerfindig vom FCZ – mir säged dem Verlust vo Identität!», stellte die Fankurve der Zürcher klar. Als die Championship Group im letzten Jahr verpasst wurde, war die Message an Malenovic ebenso eindeutig: «Mit em alte FCZ unterm Strich chömer läbe, mit dere Neuerfindig nöd – danke Malenovic!»
Sünde 5 Zu sehr eingemischt
Teils hatte man beim FC Zürich das Gefühl, dass Malenovic alles darf und sich in jeden Bereich einmischt. Während Ricardo Moniz' Amtszeit war Malenovic gar auf der Trainerbank zu sehen.
Dies kam nicht überall gut an und als van der Gaag lieber ohne den Sportchef im Nacken coachen wollte, sei es im Verlauf der Zeit zum Bruch zwischen van der Gaag und Malenovic gekommen.
Sünde 6 Transferstrategie
Nach den zwei Saisons mit Malenovic als Sportchef blieb jeweils kaum ein Stein auf dem anderen. Es folgten einige Wechsel, so auch in diesem Sommer als der gesamte Kader auf den Kopf gestellt wurde. Ein wenig sinnbildlich für die enttäuschende Zeit von Malenovic steht Nikola Katic.
Der Innenverteidiger wurde vor der laufenden Saison (nachdem er bereits im Winter in die zweite englische Liga verliehen wurde) an Schalke 04 verkauft. Während die Zürcher nicht mehr auf den Abwehrboss aus Bosnien setzen wollten, ist Katic nun Stammspieler beim überraschenden Leader der Bundesliga. Besonders die Verteidigung bei Schalke ist aktuell überragend unterwegs. In 16 Partien kassierten die «Knappen» erst acht Treffer. Währenddessen hat der FCZ in den ersten 18 Saisonspielen 31 Gegentore kassiert.
Sünde 7 Benjamin Mendy
«Der FC Zürich verpflichtet den französischen Weltmeister Benjamin Mendy», hiess es am 11. Februar 2025 auf der Website vom FCZ. Dass ein Super-League-Team einen Weltmeister holt, klingt auf den ersten Moment natürlich grandios. Doch besonders die Vergangenheit des Franzosen rückte in den Vordergrund. Wegen mehrfacher Vergewaltigung war Mendy in England angeklagt und schlussendlich freigesprochen worden. Trotzdem war die Empörung in der grössten Schweizer Stadt gross.
Das Projekt mit dem Franzosen endete im Sommer nach nur acht Einsätzen und teils katastrophalen Auftritten. Im gegenseitigen Einvernehmen wurde der Vertrag aufgelöst.
Die Verpflichtung von Mendy darf definitiv als grösste Sünde von Malenovic angesehen werden. Ein Transfer, bei welchem es schlussendlich nur Verlierer gab.
